Bettwanzen erkennen und bekämpfen – so geht's!

Bettwanzen-Bisse auf dem Rücken © iStock.com/Joel Carillet

Obwohl man sie längst ausgerottet glaubte, sind Bettwanzen in unseren Breiten ein wachsendes Problem. Gründe dafür liegen nicht nur im Tourismus und weltweiten Handel, sondern vor allem in zunehmenden Resistenzen gegen Insektizide, die den Bettwanzenbefall begünstigen. Nimmt man Bettwanzenbisse an sich wahr, ist der Ekel meist groß. Zwangsläufig fragt man sich dann, ob Bettwanzen gefährlich für den Menschen sind und was man gegen die Plagegeister tun kann. Diese und andere Fragen beantworten wir im folgenden Artikel.

Wie sehen Bettwanzen aus?

Die Bettwanze – auch Cimex lectularius – ist weltweit verbreitet. Der blutsaugende Parasit ist das ganze Jahr über aktiv, zumeist in bewohnten Innenräumen. Sein bevorzugter Wirt ist der Mensch, sehr viel seltener fallen ihm Haustiere, Vögel oder auch Fledermäuse zum Opfer. Die Bettwanze zählt zur Familie der Plattwanzen. 

Je nachdem, ob sie gerade eine Blutmahlzeit hinter sich gebracht hat, erreicht die ausgewachsene Bettwanze eine Größe zwischen vier und neun Millimetern. Der sechsbeinige, flügellose Parasit ist behaart, von rotbrauner Färbung und verfügt über eine flache Körperform. Dieser verdankt er übrigens seinen umgangssprachlichen Namen – Tapetenflunder.

Bettwanzen

Bettwanzen vor und nach der Blutmahlzeit – © iStock.com/JasonOndreicka und iStock.com/smuay

Ein Bettwanzenbefall wird oft erst spät bemerkt

Grundsätzlich lässt sich die Bettwanze durch ihr typisches Aussehen gut erkennen. Tagsüber sind die nachtaktiven Mitbewohner allerdings kaum zu sehen. In Ansammlungen verstecken sie sich dann in den Ritzen des Lattenrostes, den Falten der Matratze, hinter Fußleisten, Heizungsrohren, Lichtschaltern oder gar unter Tapeten. Nachts werden die kleinen Blutsauger von Wärme, Geruch und Atemluft ihres Wirts angelockt und verlassen ihre Verstecke.

Ein Befall ist relativ langwierig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Anzeichen – wie etwa die Bisse der Bettwanze – nicht sofort bemerkt werden. Zudem vermehren sich Bettwanzen relativ rasch. Ein Weibchen legt im Laufe seines Lebens etwa 150 bis 200 Eier ab. Die Parasiten sind darüber hinaus ausgesprochen widerstandsfähig, da sie mehrere Monate lang völlig ohne Nahrung auskommen. 

Übrigens halten sich Bettwanzen in der Regel nahe der Schlafstätte ihres Wirts auf. Erst bei sehr starkem Bettwanzenbefall erfolgt eine Ausbreitung auch in andere Räume oder angrenzende Wohnungen.

Woher kommen Bettwanzen?

Tatsächlich hat ein Bettwanzenbefall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, wenngleich er in einem sauberen Haushalt meist rascher erkannt wird. In der Regel schleppt man sich die Parasiten in die eigenen vier Wände ein, die Vermehrung erfolgt dann rasant.

Glaubte man die Bettwanze in Europa nach dem zweiten Weltkrieg bereits ausgerottet, lässt sie sich mittlerweile wieder relativ häufig blicken. Ursachen dafür sind unter anderem in der Globalisierung zu sehen: Florierender Tourismus, steigende Migration sowie vermehrter (Gebrauchtwaren-)Handel lassen Ländergrenzen verschwimmen und führen dazu, dass Bettwanzen zunehmend in Europa auftauchen. Der Hauptgrund ist allerdings klar die steigende Resistenz der Plagegeister gegen Insektizide.

Wege, wie die Bettwanze in bewohnte Innenräume gelangt, sind vielfältig. Häufig wird sie als unliebsames Souvenir völlig unbemerkt im Reisegepäck transportiert. Ein einziges befruchtetes Weibchen in Koffer oder Reisetasche ist ausreichend, um einen massiven Bettwanzenbefall auszulösen. Ebenso können Übernachtungsgäste den Parasiten einschleppen. Auch der Kauf gebrauchter Möbelstücke, Bilderrahmen, Kleidungsstücke oder Accessoires hat nicht selten einen Befall mit der Bettwanze zur Folge. 

Seltener wandern Bettwanzen aus am Haus befindlichen Vogelnestern in bewohnte Räume ab. Bei sehr starkem Befall ist auch eine Ausbreitung in angrenzende Wohnungen möglich. Von Mensch zu Mensch wird die Bettwanze aber in der Regel nicht übertragen. Der Parasit lässt sich nämlich nur nachts und für die Dauer der Nahrungsaufnahme auf seinem Wirt nieder.

Wie kann man feststellen, ob man Bettwanzen hat?

Stiche von Bettwanzen, die sich häufig anhand eines typischen Ausschlags zeigen, gelten als erstes Anzeichen für das Vorhandensein des unliebsamen Mitbewohners.

Tatsächlich liefern Bettwanzenbisse zwar einen Anhaltspunkt, sind aber nicht zwingend als sicheres Zeichen für einen Befall zu werten. Das liegt daran, dass die Bisse der Bettwanze durchaus Ähnlichkeit zu jenen anderer Parasiten aufweisen – wie etwa zu Flohbissen oder Mückenstichen. Selbst beim Hautarzt (Dermatologen) lassen sich Bettwanzenbisse daher nicht zweifelsfrei diagnostizieren. 

Neben den Bissspuren gibt es allerdings noch eine Reihe weiterer Anzeichen, die auf einen Bettwanzenbefall schließen lassen, beziehungsweise einen solchen bestätigen:

  • Spuren von Kot auf Matratze, Bettwäsche, Lattenrost oder auch Tapete (kleine, schwarze Tupfen)
  • kleine Blutspuren auf Nacht- oder Bettwäsche
  • Sichtung ausgewachsener Tiere (lebend oder tot)
  • Sichtung der Larvenhüllen (Nymphenhäute)
  • Geruch nach Bittermandeln (bei sehr starkem Befall)

Bettwanzenbisse erkennen 

Bettwanzenbisse zu erkennen, ist nicht ganz einfach. So weisen etwa Mückenstiche oder Flohbisse keinen allzu großen Unterschied im Aussehen auf. Hinweise auf einen Bettwanzenbefall sind daher einerseits die Jahreszeit, in der die Bisse auftreten, andererseits das Nichtvorhandensein von Haustieren. Bettwanzen beißen das ganze Jahr über zu, während Mücken nur im Sommer aktiv sind. Zudem ist ein Flohbefall ohne Haustiere relativ unwahrscheinlich.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Kriterien, um Bettwanzenbisse von Flohbissen oder Mückenstichen zu unterscheiden. So bemerkt man Bisse der Bettwanze nicht sofort. Der Parasit gibt nämlich ein betäubendes Sekret ab, um ungestört das Blut trinken zu können. Erst einige Zeit nach dem Biss machen sich unangenehme Symptome bemerkbar – und selbst das nicht immer. 

Bettwanzenbisse muten oftmals wie ein Ausschlag an. Sie treten in Reihen auf, da Bettwanzen durchaus mehrfach zubeißen. Diesen typischen Bissverlauf bezeichnet man auch als Wanzenstraße. Zudem machen sich häufig Rötungen, Quaddeln sowie leichter Juckreiz bemerkbar.

Flohbisse werden im Vergleich dazu für gewöhnlich viel schneller entdeckt. Sie jucken in der Regel stärker und führen zu deutlichen Hautverdickungen (Papeln).

Stiche/Bisse von Bettwanzen

Bettwanzen: Bilder der Bisse – © iStock.com/Joel Carillet

Sind Bettwanzen gefährlich für den Menschen?

Bettwanzenbisse sind nicht nur lästig, Betroffene fragen sich oftmals angstvoll, welche Krankheiten Bettwanzen übertragen können. Hier lässt sich jedoch Entwarnung geben: Bisher ist nämlich kein Fall bekannt, in dem der Parasit tatsächlich Krankheiten verursacht hätte. So mag der Biss der Bettwanze zwar durchaus unangenehm sein, gefährlich im engeren Sinne ist er aber nicht.

Bisse von Bettwanzen behandeln – was hilft?

Bei vielen Menschen führt der Stich der Bettwanze aber zu leichten Rötungen, Quaddeln sowie einem unangenehmen Jucken. Durch verstärktes Kratzen steigt das Risiko für eine bakterielle Infektion an. Auch allergische Reaktionen auf das Sekret, das die Bettwanze beim Zubeißen absondert, sind möglich. Hier kann es zu deutlichen Schwellungen, vermehrter Quaddelbildung sowie starkem Juckreiz kommen.

In solchen Fällen ist es sinnvoll, einen Dermatologen aufzusuchen. Mit freiverkäuflichen Cremes oder – bei stärkeren Beschwerden – Kortisonsalben lassen sich Bisse behandeln und unangenehme Symptome rasch lindern.  

Psychische Folgen eines Bettwanzenbefalls

Nicht zu unterschätzen ist die psychische Belastung, die mit einem Bettwanzenbefall verbunden ist. Betroffene entwickeln oftmals starke Ängste oder Ekelgefühle. Sie fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden ausgeliefert und äußerst unwohl. Auch Auffälligkeiten wie Waschzwänge oder soziale Isolation sind zu beobachten. 

Was kann man gegen Bettwanzen tun?

Die lästigen Bettwanzen so rasch wie möglich wieder loswerden – das ist der drängende Wunsch, wenn man einen Befall feststellt. Tatsächlich sollten Betroffene die Plagegeister aber besser nicht auf eigene Faust bekämpfen, auch wenn frei verkäufliche Mittel gegen Bettwanzen suggerieren, dass dies ganz einfach möglich sei.

Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Bettwanzen zu bekämpfen kann ausgesprochen langwierig sein und erfordert die Expertise von Profis. Zudem sind im Handel erhältliche Sprays gegen Bettwanzen meist wenig wirkungsvoll. Im schlimmsten Fall gefährden sie die eigene Gesundheit.

Eine einmalige Anwendung stoppt den Befall zudem in der Regel nicht, da die Eier der Bettwanze widerstandsfähig gegenüber Insektiziden sind. Um tatsächlich dauerhaft alle Entwicklungsstadien zu eliminieren und den Befall einzudämmen, sind mehrere aufeinander abgestimmte Behandlungen notwendig.

Bei vermutetem Bettwanzenbefall ist also der Schädlingsbekämpfer gefragt – und das so rasch wie möglich. Dieser stellt fest, ob tatsächlich ein Befall vorliegt und geht der Quelle auf den Grund. Zur Bekämpfung von Bettwanzen werden in der Regel Kontaktinsektizide mit Langzeitwirkung eingesetzt. Vorrangig sind das Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethoide, Carbamate oder Pyrrole, die auch kombiniert zum Einsatz kommen können.

Was hilft außerdem?

Darüber hinaus sind unterstützende Maßnahmen notwendig, um Bettwanzen loszuwerden. So müssen Gegenstände, die nicht mit einem Insektizid behandelt werden können, entweder gut verpackt bei mindestens -18 Grad Celsius über drei Tage in der Tiefkühltruhe gelagert, oder aber bei 60 Grad mit dem längsten Programm in der Waschmaschine gewaschen werden. Alternativ kann man sie auch für etwa eine Stunde bei mindestens 55 Grad in Backofen oder Sauna stellen. Eier, Larven sowie adulte Bettwanzen werden auf diese Weise wirkungsvoll abgetötet. 

Darüber hinaus ist es bei einem Bettwanzenbefall ratsam, Möbelstücke und Gebrauchsgegenstände nicht in verschiedenen Zimmern zu nutzen. Sonst kann sich der Befall leicht auf andere Wohnräume ausdehnen.

Wie lange dauert es, bis Bettwanzen weg sind?

Ein Bettwanzenbefall kann in der Regel leider nicht mit einer einmaligen Behandlung beseitigt werden. Meist sind mehrere Besuche des Kammerjägers im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen notwendig, um wirklich alle Wanzenstadien erfolgreich zu bekämpfen. Je nach Schwere des Befalls kann sich das über mehrere Wochen bis Monate hinziehen.

Grund sind die Eier, die auf gängige Insektizide nicht ansprechen. Deshalb wird in der Regel mit langzeitwirksamen Mitteln gegen Bettwanzen gearbeitet. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch frisch geschlüpfte Larven absterben. 

Außerdem sind bestehende Resistenzen gegen Insektizide ein wachsendes Problem bei der Bekämpfung der Bettwanze. So kann es durchaus vorkommen, dass bezüglich des Wirkstoffes etwas experimentiert werden muss.

Die verwendeten Mittel sind für Menschen und Wirbeltiere grundsätzlich ungefährlich. In seltenen Fällen kann es allerdings zu allergischen Reaktionen kommen.

Was genau macht der Kammerjäger gegen Bettwanzen?

Die Bekämpfung der Bettwanze ist relativ aufwändig. In der Regel muss der Kammerjäger vor der Spritzbehandlung möglichst viele Verstecke des Parasits freilegen. Dazu werden Möbel abgerückt beziehungsweise auseinander gebaut sowie sämtliche Fußleisten und Lichtschalter entfernt. Danach wird das Insektizid in Ritzen und Rillen gesprüht und über freie Flächen verteilt. Sichtbare Eier der Bettwanze müssen entweder mittels Klebeband oder mit einem Staubsauger entfernt werden.

Der Kammerjäger kontrolliert die befallenen Räume nun im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen. Solange Eier, Larven oder adulte Bettwanzen zu entdecken sind, wird die Behandlung wiederholt.

Alternativ sind auch insektizidfreie Wärmebehandlungen möglich. Hierbei werden für etwa 36 Stunden spezielle Öfen (400 Volt) aufgestellt. Die Temperatur in den befallenen Räumen erhöht sich dabei auf 55 bis 60 Grad Celsius. Solche Behandlungen sind im Gegensatz zu chemischen Behandlungen allerdings vergleichsweise teuer. Auch vertreiben sie die Bettwanze nicht zwingend zuverlässig. 

Bettwanzen vorbeugen – so geht's!

Damit es gar nicht erst zu einem Befall mit der Bettwanze kommt, gilt es vor allem auf Reisen und bei Second-Hand-Käufen einiges zu beachten:

  • Suchen Sie Urlaubsunterkünfte wie Hotels und Ferienwohnungen stets nach Spuren der Bettwanze ab. Werden Sie fündig, verlangen Sie ein anderes Zimmer.
  • Auf Reisen deponieren Sie Ihr Gepäck am besten gut verschlossen möglichst weit vom Bett entfernt.
  • Nach dem Urlaub empfiehlt es sich, Koffer oder Reisetasche in der Badewanne oder der Dusche auszupacken. Auf diese Weise werden blinde Passagiere leichter erkannt.
  • Kaufen Sie gebrauchte Möbel, Kleidung oder Accessoires, sollten Sie diese gründlich nach Spuren der Bettwanze absuchen. Kleidung waschen Sie am besten bei 60 Grad im längsten Waschprogramm. Alternativ sterben Eier, Larven und adulte Tierchen auch bei Kälte (mindestens -18 Grad) oder Wärme (mindestens 55 Grad) ab. 

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 23.07.2020 - Autor: Daniela Kirschbaum, Medizinautorin

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