Hyperhidrose (Hyperhidrosis) – übermäßiges Schwitzen

Frau mit Hyperhidrose zeigt Schweißfleck unter der Achsel © Getty Images/tylim

Zu den wichtigsten Aufgaben der Schweißdrüsen gehört die Temperaturregulierung des Körpers. Starkes Schwitzen kann gelegentlich vorkommen und ist nicht unbedingt krankhaft. Bei manchen Menschen sind starke Schweißausbrüche und übermäßiges Schwitzen jedoch durch eine Funktionsstörung der Schweißdrüsen bedingt. Man spricht dann von einer Hyperhidrose oder Hyperhidrosis. Welche Ursachen hinter einer Hyperhidrose stecken, welche Behandlung dagegen helfen kann und wie eine Operation zur Entfernung der Schweißdrüsen erfolgt, erfahren Sie hier.

Was ist eine Hyperhidrose?

Als Hyperhidrose, auch Hyperhidrosis, wird extrem stark ausgeprägtes Schwitzen bezeichnet, besonders an Achseln, Händen und Füßen oder im Gesicht – prinzipiell ist das übermäßige Schwitzen aber am ganzen Körper möglich. Als krankhaft gilt das Schwitzen dann, wenn die Menge des Schwitzens über die zur Wärmeregulation nötige Menge hinausgeht, wenn also eine Fehlfunktion der Schweißproduktion vorliegt.

Die Betroffenen haben oft schwitzige Hände und Füße und trauen sich deshalb häufig kaum, anderen die Hände zu reichen oder die Schuhe auszuziehen. Viele Betroffene haben ständig nasse Achseln oder Schweißflecken auf der Kleidung und fühlen sich unsauber und ungepflegt. Menschen, die stark schwitzen und an Hyperhidrose leiden, haben meist einen enormen Leidensdruck, weil die gestörte Schweißproduktion das soziale Miteinander erschwert.

Hyperhidrosis: Typische Symptome

Da der Übergang zwischen normalem und übermäßigem Schwitzen oft nicht klar abzugrenzen ist, kann die Hyperhidrose nicht an eindeutigen Symptomen festgemacht werden. Die Beschwerden sind ebenso wie der individuelle Leidensdruck individuell verschieden. Mögliche Anzeichen sind:

  • übermäßiges, starkes Schwitzen oder ständiges Schwitzen
  • ein unangenehmes Feuchtigkeitsgefühl oder durchgeschwitzte Kleidung mit auffälligen Flecken
  • die Symptome treten meist schon im Kindes- und Jugendalter, teils auch schon vor der Pubertät auf
  • die Beschwerden bestehen mindestens einmal pro Woche

Das übermäßige Schwitzen kann am ganzen Körper auftreten (generalisierte Hyperhidrose) oder nur an einzelnen Körperstellen (lokalisierte oder fokale Hyperhidrose), etwa nur am Kopf, unter den Achseln, an den Füßen oder Händen. Fällt zudem auch ein übermäßiger oder extrem unangenehmer Schweißgeruch auf, handelt es sich um eine Sonderform der Hyperhidrose, die sogenannte Bromhidrose.

Ursachen von Hyperhidrose

Die Ursachen einer solchen Überfunktion der Schweißdrüsen sind oft unklar. Man unterscheidet die primäre von der sekundären Hyperhidrose.

Eine primäre idiopathische Hyperhidrose liegt vor, wenn keine Krankheiten oder anderen äußeren Einflüsse die Störung verursachen. Möglicherweise spielt bei der primären Hyperhidrose eine erbliche Komponente eine Rolle. Die Psyche kann dazu beitragen, den Teufelskreis von Hyperhidrose in Gang zu halten: Stress und Angst verursachen Schwitzen, die Schweißausbrüche führen wiederum zu Stress. Auch andere Auslöser können neben Stress und Emotionen den plötzlichen Schweiß triggern, etwa körperliche Anstrengung, Hitze oder bestimmte Nahrungsmittel.

Eine Hyperhidrose kann auch die Begleiterscheinung anderer Erkrankungen sein, dann spricht man von einer sekundären Hyperhidrose. Mögliche Ursachen der sekundären Hyperhidrose sind:

Nicht immer hat starkes Schwitzen aber eine Hyperhidrose zur Ursache. So kann beispielsweise auch die Einnahme von Medikamenten (Antidepressiva oder Kortison) oder der Verzehr bestimmter Lebensmittel (scharfe Speisen oder Koffein) starkes Schwitzen zur Folge haben. Auch Stress, psychische Belastungen sowie vermehrte oder vergrößerte Schweißdrüsen sind mögliche Auslöser. Daher sollte die Ursache von starkem Schwitzen stets ärztlich abgeklärt werden.

Wann zum Arzt – und welcher Arzt?

Da vermehrtes Schwitzen zahlreiche Gründe hat, ist eine ärztliche Abklärung immer ratsam, wenn die eigene Schweißproduktion übermäßig erscheint oder man sogar unter den Folgen des starken Schwitzens leidet. Bei neu auftretenden Schwitzattacken – besonders nachts – sollten in jedem Fall gravierende Ursachen ausgeschlossen werden.

Für die Diagnosestellung ist neben den Symptomen auch die Krankengeschichte von Bedeutung. Besteht der Verdacht auf zugrundeliegende Erkrankungen, sind möglicherweise unterschiedliche Untersuchungen oder die Erhebung verschiedener Laborwerte erforderlich.

Daneben können Tests helfen, die Schwere der Hyperhidrose zu ermitteln, wenngleich es keine definierten Grenzwerte für das Vorliegen einer Hyperhidrose gibt:

  • Beim Jod-Stärke-Test nach Minor wird Schweiß anhand von Stärke und Jodlösung farblich markiert, um betroffene Areale zu ermitteln.
  • Die gravimetrische Messung hilft, die abgesonderte Schweißmenge (für eine festgelegte Zeit, zum Beispiel pro fünf Minuten) mithilfe eines Filterpapiers und einer speziellen Waage zu ermitteln.

Wer unsicher ist, welche*r Arzt*Ärztin zuständig ist, kann sich zunächst an seine*n Hausarzt*Hausärztin wenden. Auch Dermatolog*innen oder Neurolog*innen können bei den Beschwerde weiterhelfen.

Therapie bei leichter Hyperhidrose

Was tun gegen Hyperhidrose? Bei schwachem Ausmaß der Hyperhidrosis helfen oft einfache Maßnahmen wie:

  • tägliches Duschen, kalt-warme Wechselduschen
  • Achselhaare rasieren
  • Kleidung aus Naturfasern anstelle von Kunstfasern
  • Deoseifen und Deodorants, beziehungsweise Antitranspirants, die die Schweißproduktion hemmen (meist mit Aluminiumchlorid)
  • Bäder mit gerbsäurehaltigen Mitteln, etwa Salbei
  • Trinken von Salbeitee (bis zu dreimal täglich eine Tasse, schluckweise)
  • Verzicht auf heiße oder scharfe Speisen, Kaffee oder Alkohol sowie Nikotin
  • Erlernen von Methoden zur Entspannung und Reduktion von Stress
  • gegebenenfalls Reduktion von Übergewicht

Aus der Pflanzenheilkunde ist besonders der Salbei für seine schweißhemmende Wirkung bekannt – er muss allerdings über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Er wird in Form von Tee oder Bädern angewendet, doch auch Tabletten mit Salbei sind erhältlich.

Übrigens: Bei starkem Schwitzen kann ein übermäßiger Verlust von Elektrolyten zu einer Störung des Elektrolyt-Haushalts führen. Daher können Mangelerscheinungen die Folge sein. Nach ärztlicher Rücksprache können bei Bedarf Elektrolyte zugeführt werden. In jedem Fall ist es ratsam, viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Behandlung von ausgeprägter Hyperhidrose

Für ausgeprägtere Fälle gibt es weitere Möglichkeiten, eine Hyperhidrose zu behandeln:

  • Iontophorese (Schwachstromtherapie)
  • Behandlung mit Botulinumtoxin A
  • Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrowellen
  • medikamentöse Behandlung
  • operative Eingriffe
  • psychotherapeutische Behandlung

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Behandlungsmethoden näher vor. Handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose, sollte immer die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden.

Iontophorese – Schwachstromtherapie

Eine Standardtherapie bei starkem Hand- oder Fußschweiß ist die Leitungswasser-Iontophorese. Dabei werden Hände und Füße in ein Salzbad getaucht, an das über Elektroden ein schwacher Gleichstrom zugeführt wird.

Dabei werden die nach außen führenden Kanälchen der Schweißdrüsen vorübergehend verstopft, ohne dass die Drüsen geschädigt werden. Eine Sitzung dauert circa 20 bis 30 Minuten und muss, zumindest anfangs, regelmäßig mehrere Male pro Woche wiederholt werden.

Vielen Menschen, die nur wenig oder mäßig von starkem Schwitzen betroffen sind, hilft die Iontophorese eine Zeitlang. Der Erfolg ist allerdings individuell nicht kalkulierbar. Wer vor allem am Körper oder in den Achselhöhlen stark schwitzt, kann diese Behandlungsmethode meist nicht einsetzen. Ob und inwieweit die Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird, muss im Einzelfall geklärt werden.

Behandlung mit Botulinumtoxin A

Botulinumtoxin A ist ein Gift (Toxin) des Bakteriums Clostridium botulinum. Dieses Bakterium ist eigentlich als Verursacher von Lebensmittelvergiftungen bekannt. Als Wirkstoff ist Botox® in den letzten Jahren vor allem in der Schönheitschirurgie bekannt. Therapeutisch aber wird industriell hergestelltes Botulinumtoxin A auch zur Hemmung der Übertragung von Nervenreizen eingesetzt.

Im Fall der Hyperhidrose (besonders bei Achselschweiß) kann man durch die Injektion des Nervengifts die Nervenimpulse auf Schweißdrüsenzellen und damit das Schwitzen unterbinden. Der Wirkstoff wird in sehr geringen Konzentrationen direkt ins Unterhautfettgewebe gespritzt, was vor allem an den Füßen sehr schmerzhaft sein kann und eine gute Betäubung erfordert. Die Behandlung muss meist wiederholt werden (etwa nach sechs bis neun Monaten) und ist vergleichsweise kostenintensiv.

Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrowellen

Die Anwendung von Mikrowellen, fokussiertem Ultraschall oder Radiofrequenz erfolgt vor allem im Bereich der Achseln und unter lokaler Betäubung. Die Behandlung hat die Schädigung der Schweißdrüsen infolge einer Wärmeentwicklung zum Ziel. Dabei können jedoch auch Nerven und andere Strukturen der Haut beschädigt werden. Die Studienlage zu dieser Therapie ist noch vergleichsweise gering, es kann sich aber bereits nach einer Anwendung ein dauerhafter Erfolg einstellen.

Medikamente gegen Schwitzen

Es gibt einige Medikamente, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Methantheliniumbromid (Vagantin®) oder Oxybutnin aus der Gruppe der Anticholinergika, welche die Schweißbildung am gesamten Körper reduzieren. Auch Psychopharmaka und Beta-Blocker werden als Tabletten gegen das Schwitzen eingesetzt. Diese haben allerdings mitunter erhebliche Nebenwirkungen und werden deshalb erst verschrieben, wenn andere, mildere Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Anwendung findet diese systemische Therapie vor allem bei einer generalisierten Hyperhidrose, also bei übermäßigem Schwitzen am ganzen Körper. Meist kommen sie nur vorübergehend zum Einsatz.

Operation: Entfernung der Schweißdrüsen

Selten und nicht unumstritten sind operative Eingriffe – die Möglichkeiten einer Operation reichen von der Entfernung der Schweißdrüsen in den Achseln bis hin zum Durchtrennen von "Schweißnerven" im Brust- oder Bauchraum.

Das operative Entfernen der Schweißdrüsen wird als subkutane Kürettage bezeichnet. Werden die betroffenen Bereiche anschließend ausgesaugt, spricht man von einer subkutanen Saugkürettage.

Die endoskopische transthorakale Symphathektomie (ETS) sowie die CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse werden vor allem bei Schwitzen im Gesicht, unter den Achseln und/oder an den Händen eingesetzt. Dabei werden durch kleine Schnitte eine Kamera sowie entsprechende Instrumente in den Körper eingeführt, um die betreffenden Nervenstücke zu unterbrechen.

Als mögliche Nebenwirkung einer Operation tritt ausgerechnet das Schwitzen an anderen Körperteilen auf, man bezeichnet dies als kompensatorisches Schwitzen. Auch das sogenannte gustatorische Schwitzen, also Schwitzen infolge des Essens, kann nach einer OP entstehen. Des Weiteren kann es zu Verletzungen von Nerven und Gefäßen kommen.

Psychotherapie gegen Schwitzen

Manchen Betroffenen hilft eine begleitende psychotherapeutische Behandlung, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen und den Kreislauf aus Schwitzen und psychischer Belastung zu durchbrechen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
R61.-

Aktualisiert: 15.07.2021 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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