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Hyperhidrose (Hyperhidrosis)

Mann mit übermäßiger Schweißproduktion / Hyperhidrose © istockphoto, OSTILL

Eine gelegentliche Überaktivität der Schweißdrüsen kennt fast jeder – kaum jemand, der über einen längeren Zeitraum luftundurchlässige, nicht atmungsaktive Schuhe und Socken trägt, kommt an einem Schweißfuß vorbei. Und fast alle Menschen geraten unter Stress ins Schwitzen. Doch einige Menschen haben Hyperhidrose (Hyperhidrosis) – bei ihnen ist eine genetische Veranlagung Ursache des übermäßigen Schwitzens.

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen

Hyperhidrose ist eine genetische Veranlagung zum ausgeprägten Schwitzen – besonders ausgeprägt an Armen, Händen und Füßen, aber prinzipiell ist das ausgeprägte Schwitzen am ganzen Körper möglich. Starkes Schwitzen ist auch im Fall von Hyperhidrose meist verbunden mit unangenehmen Geruch.

Die Betroffenen trauen sich kaum, anderen die Hände zu reichen oder die Schuhe auszuziehen, haben ständig nasse Achseln und Kleidungsstücke und fühlen sich unsauber und ungepflegt. Menschen, die exzessiv schwitzen und unter Hyperhidrose leiden, haben einen enormen Leidensdruck – sie tragen stapelweise Tücher zum Abtrocknen mit sich, trauen sich kaum unter Leute oder in Beziehungen.

Ursachen von Hyperhidrose

Die Ursachen einer solchen Überfunktion der Schweißdrüsen wie bei Hyperhidorse sind oft unklar – eine erbliche Komponente spielt bei Hyperhidrose möglicherweise eine Rolle. Die Psyche kann dazu beitragen, den Teufelskreis von Hyperhidrose in Gang zu halten: Stress und Angst verursacht Schwitzen, die Schwitzattacken führen wiederum zu Stress.

Eine Hyperhidrose kann die Begleiterscheinung anderer Erkrankungen sein: Neben Diabetes und Tuberkulose schwitzt man bei Malaria, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), bei bestimmten Tumoren (zum Beispiel dem Hodgkin-Lymphom) oder nach Medikamenten-Einnahme (Antidepressiva oder Koffein) besonders viel. Auch als lästiger Begleiter der Wechseljahre machen sich Hitzewallungen und starke Schweißausbrüche bemerkbar.

Bei neu auftretenden Schwitzattacken – besonders nachts – sollte in jedem Fall ein Arzt gravierende Ursachen ausschließen.

Therapie bei leichter Hyperhidrose

Bei schwachem Ausmaß der Hyperhidrosis helfen einfache Maßnahmen wie

  • tägliches Duschen
  • Achselhaare rasieren
  • Kleidung aus Naturfasern
  • Deoseifen und Deodorants

Bei leichtem bis mäßigem Schwitzen hemmen Antitranspirantien die Schweißproduktion. Sie enthalten zum Beispiel Aluminiumchlorid, Hexamethylen-Tetramin, Formalin oder Glutardehyd.

Behandlung von ausgeprägter Hyperhidrose

Für ausgeprägtere Fälle gibt es weitere Möglichkeiten:

  • medikamentöse Behandlung
  • Ionophorese (Schwachstromtherapie)
  • Behandlung mit Botox
  • operative Eingriffe
  • psychotherapeutische Behandlung
  • alternativmedizinische Ansätze

Medikamente gegen Schwitzen

Es gibt einige Medikamente, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Methantheliniumbromid, welche die Schweißbildung am gesamten Körper reduzieren. Diese haben allerdings erhebliche Nebenwirkungen und werden deshalb wenig eingesetzt.

Ionophorese – Schwachstromtherapie

Eine Standardtherapie bei starkem Hand- oder Fußschweiß ist die Leitungswasser-Iontophorese. Dabei werden Hände und Füße in ein Salzbad getaucht, an das über Elektroden ein schwacher Gleichstrom zugeführt wird. Der Strom wird durch einen speziell dafür konstruierten Gleichstromgenerator erzeugt.

Dabei werden die nach außen führenden Kanälchen der Schweißdrüsen durch Koagulation der Proteine vorübergehend verstopft, ohne dass die Drüsen geschädigt werden. Eine Sitzung dauert circa 20 Minuten und muss, zumindest anfangs, regelmäßig mehrere Male pro Woche wiederholt werden.

Vielen Patienten, die nur wenig oder mäßig exzessiv schwitzen, hilft die Ionophorese über einen längeren Zeitraum bis zu 3 Monaten. Der Erfolg ist allerdings individuell nicht kalkulierbar. Wer vor allem am Körper oder in den Achselhöhlen stark schwitzt, kann diese Behandlungsmethode nicht einsetzen. Ob und inwieweit diese Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird, muss im Einzelfall geklärt werden.

Behandlung mit Botox

Botulinumtoxin A ist ein Gift (Toxin) des Bakteriums Clostridium botulinum. Dieses Bakterium ist eigentlich als Verursacher von Lebensmittelvergiftungen bekannt. Als Wirkstoff hat Botox in den letzten Jahren vor allem in der Schönheitschirurgie Aufsehen erregt. Therapeutisch aber wird industriell hergestelltes Botox zur Hemmung der Übertragung von Nervenreizen eingesetzt.

Im Fall der Hyperhidrose (besonders bei Achselschweiß) kann man die Nervenimpulse auf Schweißdrüsenzellen und damit das Schwitzen unterbinden. Der Wirkstoff wird in sehr geringen Konzentrationen direkt ins Unterhautfettgewebe gespritzt, was vor allem an den Füßen sehr schmerzhaft sein kann und eine gute Betäubung erfordert. Die Behandlung muss meist wiederholt werden (frühestens nach einem halben Jahr).

OP: Entfernung der Schweißdrüsen

Selten und nicht unumstritten sind operative Eingriffe – von der Entfernung von Schweißdrüsen in den Achseln (mittels Absaugung = Suktionskürrettage) bis hin zum Durchtrennen von "Schweißnerven" im Brust- oder Bauchraum.

Diese endoskopische transthorakale Symphathektomie (ETS) wird vor allem bei Schwitzen im Gesicht, unter den Achseln und/oder Händen eingesetzt wird; als Nebenwirkung tritt ausgerechnet das Schwitzen an anderen Körperteilen auf.

Psychotherapie und Alternativmedizin gegen Schwitzen

Manchen Patienten hilft eine begleitende psychotherapeutische Behandlung, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen.

Aus der Pflanzenheilkunde ist besonders der Salbei für seine schweißhemmende Wirkung bekannt – er muss allerdings über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Als hilfreich haben sich in manchen Fällen auch Methoden aus der komplementären Medizin wie Akupunktur und Homöopathie erwiesen.

Aktualisiert: 17.07.2019 – Autor: Dagmar Reiche

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