Endokarditis: Entzündung der Herzinnenhaut

Ärztin untersucht Kind mit Endokarditis
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Eine Endokarditis oder Herzinnenwandentzündung betrifft oft Kinder und Jugendliche und kann zu schweren Herzklappenschäden führen. Da eine akute Endokarditis potenziell lebensgefährlich ist, kann die Entzündung auch Auswirkungen auf die Lebenserwartung haben. Durch welche Symptome macht sich eine Entzündung der Herzinnenwand bemerkbar? Welche Ursachen kann sie haben und wie erfolgt die Behandlung? Das erfahren Sie hier.

Was ist eine Endokarditis?

Eine Endokarditis ist eine Entzündung der bindegewebigen Herzinnenhaut. Sie ist meist Folge einer bakteriellen Infektion. Das Endokard (endo = innen und kard = auf das Herz bezogen) sind die bindegewebigen Strukturen, welche die Herzinnenräume teilweise auskleiden und auch die Herzklappen bilden. Durch die Pumpaktionen des Herzmuskels und den entstehenden Blutstrom bleiben auch die frei beweglichen Anteile des Endokards wie die Ventile eines Motors in ständiger Bewegung und werden so starken mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt.

Entzündliche Vorgänge am Endokard, die als Endokarditis bezeichnet werden, können zu schweren Vernarbungen, Verwachsungen und Funktionseinschränkungen der Herzklappen führen – mit weitreichenden Auswirkungen auf die Leistungen des Herzmuskels und somit die Kreislauffunktion. Ein akute Endokarditis ist potenziell lebensgefährlich – und endet in über 15 Prozent der Fälle tödlich.

Ursachen und Formen der Endokarditis

Meist entsteht die Endokarditis entweder als Fehlreaktion des Immunsystems nach einer Streptokokkeninfektion (rheumatische Endokarditis) oder bei Entzündungsprozessen, die durch Mikroben hervorgerufen werden (infektiöse Endokarditis). Besonders häufig ist die Mitralklappe betroffen, also die Klappe zwischen Vorhof und Kammer im linken Herzen.

Dabei unterscheidet man zwischen zwei Formen der Endokarditis:

  • rheumatische Endokarditis
  • infektiöse Endokarditis

Ursachen der rheumatischen Endokarditis

Die rheumatische Endokarditis betrifft häufig nicht nur das Endokard, sondern den gesamten Herzmuskel (Myokard) sowie die Herzaußenhaut (Perikard). Auslöser ist eine vorausgehende Infektion mit einem bestimmten bakteriellen Erregertyp. Durch eine Fehlsteuerung der körpereigenen Abwehr kann es anschließend zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kommen, wobei nicht die krankmachenden Erreger, sondern körpereigenes Gewebe angegriffen wird – in diesem Fall das Endokard, insbesondere die Herzklappen. Diese Reaktion gehört zu den Autoimmunerkrankungen.

In selteneren Fällen können auch andere Erkrankungen eine solche nicht-infektiöse (abakterielle) Endokarditis auslösen. Bei diesen kann es zu Entzündungen des Bindegewebes im ganzen Körper kommen – und damit auch zu Entzündungen der bindegewebigen Herzklappen. Dazu gehören zum Beispiel die chronische Polyarthritis, die Bechterew-Krankheit und der Lupus erythematodes.

Infektiöse Endokarditis: Bakterien als Auslöser

Im Gegensatz dazu wird bei der infektiösen Endokarditis die Entzündung am Klappengewebe direkt durch Bakterien ausgelöst, die sich an Ort und Stelle ansiedeln und vermehren (bakterielle Endokarditis). Daneben können auch Pilze eine Endokarditis verursachen.

Symptome der Endokarditis

Die rheumatische Endokarditis kommt häufiger im Kindes- oder Jugendlichen als im Erwachsenenalter vor. Eine bakterielle Endokarditis kann sehr plötzlich verlaufen (akute Form) und dann innerhalb kurzer Zeit zu hohem Fieber, Schwäche und Gelenkbeschwerden, zum Teil Hautveränderungen (kleine Einblutungen) und Atemnot führen.

Bei der häufigeren schleichenden (subakuten) Form stehen eher sich langsam entwickelnde unspezifische Beschwerden im Vordergrund, etwa

  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Leistungsminderung
  • leichte Temperaturerhöhung
  • nächtliches Schwitzen oder
  • Abnahme des roten Blutfarbstoffes

Nicht selten wird dadurch die Möglichkeit einer schweren Herzerkrankung zunächst übersehen und erst beim (Neu-)Auftreten von Herzgeräuschen beim Abhören in Betracht gezogen.

Endokarditis: Wie erfolgt die Diagnose?

Bei längerem Bestehen kann es zu Symptomen einer Herzschwäche kommen. Wird eine Endokarditis zu spät erkannt, können sich an der vorgeschädigten Herzklappe immer wieder Entzündungen bilden und die Herzklappen irreparabel schädigen (chronischer Verlauf). Daher ist eine frühzeitige Diagnose der Endokarditis entscheidend.

Auch wenn der Entzündungsprozess an den Herzklappen vom Arzt nicht direkt eingesehen werden kann, existieren einige Hilfsmittel, die die Diagnosestellung bei einer Endokarditis zu erleichtern. Wichtig ist deshalb für den Arzt die Krankengeschichte, insbesondere vorausgehende Mandel- oder Gelenksentzündungen und sonstige Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung achtet er insbesondere auf Einblutungen in die Haut und Schleimhaut und beim Abhören auf Herzgeräusche.

Im Herzultraschall können stärkere Entzündungen, Auflagerungen und Veränderungen der Herzklappen dargestellt werden. Mit einem EKG zeigt sich, ob auch der Herzmuskel von der Entzündung betroffen ist (Myokarditis). Besteht der Verdacht auf eine Endokarditis, werden mehrmals Blutkulturen angelegt, um möglichst den zugrunde liegenden Keim zu identifizieren. So lässt sich am besten ein passendes Antibiotikum oder Pilzmittel finden.

Komplikationen und Verlauf

Die schwerwiegendste Komplikationen bei einer akuten bakteriellen Endokarditis ist die lebensbedrohliche Allgemeininfektion des ganzen Organismus (Sepsis), die durch den entzündlichen "Schwelbrand" im Endokard immer wieder angefacht wird und zum Tode führen kann. Daneben können sich einzelne Partikel der entzündlichen Auflagerungen von den Herzklappen lösen, mit dem Blutstrom ins Hirn gelangen, dort wichtige Gefäße verstopfen und so einen Schlaganfall hervorrufen.

Wird die Akutphase überlebt, können sich – vor allem bei chronisch immer wiederkehrender Endokarditis – irreparable Herzklappenschäden entwickeln, die auf lange Sicht den Herzmuskel schwächen, die Herzkreislauffunktion beeinträchtigen und auch die Lunge schädigen können.

Ein fortgeschrittener Defekt der am häufigsten von Endokarditis betroffenen Mitral- und Aortenklappe kann schließlich in eine Herzschwäche münden, daneben ist das Risiko für eine bestimmte Herzrhythmusstörung, das Vorhofflimmern erhöht. Dieser unregelmäßige, chaotische Eigenrhythmus des Vorhofs begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln, die wiederum ins Gehirn gelangen und Schlaganfälle auslösen können.

Langfristige Folgen und Überlebenschance bei einer Endokarditis

Die langfristigen Auswirkungen der Endokarditis hängen im wesentlichen von der frühzeitigen Diagnose und effektiven Behandlung ab – zumal eine endokarditisch vorgeschädigte Herzklappe durch die erhöhte mechanische Belastung besonders anfällig dafür ist, immer wieder durch Erreger besiedelt zu werden.

Setzt bei der rheumatischen Endokarditis die Therapie rechtzeitig ein, können sowohl akute Schäden an den Herzklappen als auch chronische Folgeschäden durch immer wiederkehrende Entzündungsprozesse weitgehend vermieden werden. Bei der akuten Verlaufsform der bakteriellen Endokarditis muss auch im Zeitalter der modernen Medizin in 30 bis 40 Prozent mit Todesfällen gerechnet werden.

Eine Endokarditis behandeln

Bei der Therapie der Endokarditis werden Antibiotika gegen die Keime und Medikamente gegen die Entzündungsreaktionen eingesetzt, daneben werden Grunderkrankungen und Folgeerscheinungen behandelt. Oft ist zusätzlich auch ein operatives Vorgehen nötig. So sieht die Behandlung einer Endokarditis konkret aus:

  • Wichtigste Säule der Therapie ist die Gabe von Antibiotika – damit wird auch schon auf Verdacht begonnen, bevor der Erreger nachgewiesen wurde. Die Dauer der Therapie wird individuell angepasst (meist liegt sie bei vier bis sechs Wochen) – besonders bei der rheumatischen Endokarditis muss die Antibiotikabehandlung über einen längeren Zeitraum weitergeführt werden, um einen Rückfall zu verhindern. Zusätzlich werden bei der rheumatischen Endokarditis Aspirin und Kortison gegeben.
  • Bei schweren akuten Verlaufsformen und bei chronischen irreparablen Folgeschäden am Klappenapparat muss oftmals am Herzen operiert und die entzündete oder chronisch deformierte Herzklappe durch eine Herzklappenprothese ersetzt werden. Dadurch wird der Entzündungsherd wirksam entfernt und die Leistungsfähigkeit des Herzens wieder verbessert. Allerdings haben künstliche Prothese zwei Nachteile: Ihre Lebensdauer ist begrenzt und sie erfordern eine lebenslange medikamentöse Blutverdünnung.
  • Manchmal kann der Chirurg die defekte Klappe durch Straffung oder Dehnung auch so reparieren, dass keine künstlichen Prothese nötig ist.
  • Als letzte Maßnahme bei schwerer Herzschwäche nach Herzklappenschädigung kommt auch eine Herztransplantation in Betracht.
  • Daneben werden die Folgeerscheinungen chronischer Herzklappenschädigungen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche zusätzlich individuell behandelt.
  • Tritt die Endokarditis als Begleitreaktion im Rahmen anderer schwerer Erkrankungen des Organismus wie zum Beispiel bei chronischer Polyarthritis auf, so muss die Behandlung auf die Beseitigung des zugrundeliegenden Problems, in diesem Fall wiederum eine Immunerkrankung, gerichtet sein.

Oftmals ist es zwar nicht möglich, eine Ersterkrankung zu verhindern, doch mit der gezielten und konsequenten Behandlung der abgelaufenen Endokarditis zumindest ein Voranschreiten von Entzündung und Klappenschäden zu kontrollieren beziehungsweise einzudämmen.

Höheres Risiko für bereits Betroffene

Hat man einmal eine Endokarditis durchgemacht, ist man prinzipiell mehr gefährdet, erneut daran zu erkranken. Deshalb sollten Betroffene – ebenso wie Patienten mit einer künstlichen Herzklappe und einem schweren angeborenen Herzfehler – lebenslang vor jedem geplanten diagnostischen oder therapeutischen medizinischen Eingriff, bei dem Keime in die Blutbahn geraten können (beispielsweise Zahnentfernung, Magen-/Darmspiegelung, Operationen zum Beispiel Im Nasen-Rachen-Raum) eine vorbeugende – meist einmalige Antibiotikagabe erhalten (Endokarditisprophylaxe).

Allerdings konnte gezeigt werden, dass bei bestimmten Klappenfehlern etliche Eingriffe nicht zu einem erhöhten Endokarditisrisiko führen, weshalb die ehemals recht strikten Vorgaben im Jahr 2007 etwas gelockert wurden.

Damit die Krankheit sich nicht verschlechtert, sind daneben regelmäßigen Verlaufsuntersuchungen beim Arzt angeraten, bei denen gegebenenfalls auch die medikamentöse Therapie angepasst wird. Daneben sollten Betroffene sich einen Herzpass ausstellen lassen, den sie bei allen (geplanten) Behandlungen vorlegen und auch im Urlaub nicht vergessen sollten.

Wichtige Hinweise für Endokarditis-Betroffene

Folgendes sollten Betroffene einer Endokarditis beachten:

  • immer den Herzpass dabei haben und vorlegen
  • gute, regelmäßige Zahnhygiene mit weicher Zahnbürste
  • bei bakteriellen Infekten frühzeitige und ausreichend lange Antibiotikatherapie durch den Arzt verschreiben lassen

Aktualisiert: 11.10.2019
Autor*in: Dagmar Reiche

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