Endokarditis: Ursachen und Symptome

Ärztin untersucht Kind mit Endokarditis © istockphoto, Kerkez

Eine Entzündung der bindegewebigen Herzinnenhaut ist meist Folge einer bakteriellen Infektion. Sie betrifft oft Kinder und Jugendliche und kann zu schweren Herzklappenschäden führen. Das Endokard (endo = innen und kard = auf das Herz bezogen) sind die bindegewebigen Strukturen, welche die Herzinnenräume teilweise auskleiden und auch die Herzklappen bilden. Durch die Pumpaktionen des Herzmuskels und den entstehenden Blutstrom bleiben auch die frei beweglichen Anteile des Endokards wie die Ventile eines Motors in ständiger Bewegung und werden so starken mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt.

Endokarditis: lebensgefährliche Entzündung

Entzündliche Vorgänge am Endokard, die als Endokarditis bezeichnet werden, können zu schweren Vernarbungen, Verwachsungen und Funktionseinschränkungen der Herzklappen führen – mit weitreichenden Auswirkungen auf die Leistungen des Herzmuskels und somit die Kreislauffunktion. Ein akute Endokarditis ist potenziell lebensgefährlich – und endet in über 15 Prozent der Fälle tödlich.

Ursachen und Formen der Endokarditis

Meist entsteht die Endokarditis entweder als Fehlreaktion des Immunsystems nach einer Streptokokkeninfektion (rheumatische Endokarditis) oder bei Entzündungsprozessen, die durch Mikroben hervorgerufen werden (infektiöse Endokarditis). Besonders häufig ist die Mitralklappe betroffen, also die Klappe zwischen Vorhof und Kammer im linken Herzen.

  • Die rheumatische Endokarditis betrifft häufig nicht nur das Endokard, sondern den gesamten Herzmuskel (Myokard) sowie die Herzaußenhaut (Perikard). Auslöser ist eine vorausgehende Infektion mit einem bestimmten bakteriellen Erregertyp. Durch eine Fehlsteuerung der körpereigenen Abwehr kann es anschließend zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kommen, wobei nicht die krankmachenden Erreger, sondern körpereigenes Gewebe angegriffen wird – in diesem Fall das Endokard, insbesondere die Herzklappen. Diese Reaktion gehört zu den Autoimmunerkrankungen.
    In selteneren Fällen können auch andere Erkrankungen eine solche nicht-infektiöse (abakterielle) Endokarditis auslösen. Bei diesen kann es zu Entzündungen des Bindegewebes im ganzen Körper kommen – und damit auch zu Entzündungen der bindegewebigen Herzklappen. Dazu gehören zum Beispiel die chronische Polyarthritis, die Bechterew-Krankheit und der Lupus erythematodes.
  • Im Gegensatz dazu wird bei der infektiösen Endokarditis die Entzündung am Klappengewebe direkt durch Bakterien ausgelöst, die sich an Ort und Stelle ansiedeln und vermehren (bakterielle Endokarditis). Daneben können auch Pilze eine Endokarditis verursachen.

Symptome der Endokarditis

Die rheumatische Endokarditis kommt häufiger im Kindes- oder Jugendlichen als im Erwachsenenalter vor. Eine bakterielle Endokarditis kann sehr plötzlich verlaufen (akute Form) und dann innerhalb kurzer Zeit zu hohem Fieber, Schwäche und Gelenkbeschwerden, zum Teil Hautveränderungen (kleine Einblutungen) und Atemnot führen.

Bei der häufigeren schleichenden (subakuten) Form stehen eher sich langsam entwickelnde unspezifische Beschwerden im Vordergrund, etwa

  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Leistungsminderung
  • leichte Temperaturerhöhung
  • nächtliches Schwitzen oder
  • Abnahme des roten Blutfarbstoffes

Nicht selten wird dadurch die Möglichkeit einer schweren Herzerkrankung zunächst übersehen und erst beim (Neu-)Auftreten von Herzgeräuschen beim Abhören in Betracht gezogen.

Bei längerem Bestehen kann es zu Symptomen einer Herzschwäche kommen. Wird eine Endokarditis zu spät erkannt, können sich an der vorgeschädigten Herzklappe immer wieder Entzündungen bilden und die Herzklappen irreparabel schädigen (chronischer Verlauf).

Aktualisiert: 28.02.2019 – Autor: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?