Das Herz - Lebensmotor und Zeichen der Liebe

Das Herz schlägt im Lauf eines Lebens bis zu drei Milliarden mal – das ist für uns selbstverständlich und wird uns normalerweise nicht bewusst. Leider sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache – auch wenn es so schlimm nicht kommt, bedeutet eine Erkrankung dieses wichtigen Organs doch meist eine Einschränkung der Lebensqualität.

Aufbau und Funktion des Herzens

Die Hauptaufgabe des Herzens ist der Bluttransport in alle Regionen des Körpers. Das Blut wird in der Lunge mit Sauerstoff angereichert und dann über die Hauptschlagader (Aorta) und viele weitere Arterien in alle Körperteile gepumpt. Die Schlagfrequenz des Herzens wird über feine Nervenleitungen geregelt und herzeigene Blutgefäße – die Herzkranzgefäße – versorgen das Herz selbst mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen.

Wenn sich bei Arteriosklerose Kalk und andere Fremdstoffe in den Adern des Körpers ablagern, wird der Blutfluss gestört und Teile des Körpers nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt – es kommt zur Sauerstoffminderversorgung (Ischämie, am Herzen heißt das Angina pectoris) und schließlich zum Gewebeuntergang (Infarkt).

Das Herz besteht hauptsächlich aus Muskelgewebe, hat vier Herzkammern und vier Herzklappen. In der rechten Herzhälfte läuft das Blut aus allen Körperteilen ins Herz hinein (und dann weiter in die Lunge) – in diesem Bereich sind Erkrankungen seltener und meist nicht so lebensbedrohlich. Die meisten Erkrankungen spielen sich auf der anderen, der linken Herzhälfte ab. Dort kommt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge an und wird mit starkem Druck in den Körper weitergepumpt. Das Herz muss diesen Druck 60 bis 80 mal pro Minute aufbauen – gut vorstellbar, dass eine Erkrankung ernste Folgen hat und lebensbedrohlich werden kann.

Herzbeschwerden

Normalerweise nehmen wir die Herztätigkeit nicht wahr – das Herz passt sich selbstständig unterschiedlichen Anforderungen wie körperlicher Anstrengung, Angst oder entspanntem Ausruhen mit der jeweiligen Herzfrequenz an. Umso beunruhigender wird es, wenn uns unser Herz und seine Arbeit bewusst werden. Herzstolpern oder Herzrasen - ein Hinweis auf eine Herzrhythmusstörung - oder eine Enge in der Brust, Atemnot beim Treppensteigen und Herzschmerzen – möglicherweise eine koronare Herzerkrankung – können typische Herzbeschwerden sein.

Manchmal beginnt eine Herzerkrankung auch damit, dass man sich weniger belastbar fühlt – das kann bei einer Myokarditis, einem Herzklappenfehler oder einer Herzinsuffiienz vorkommen. Viele Menschen machen bei Schmerzen in der Herzumgebung fälschlicherweise den Magen oder den Rücken für die Beschwerden verantwortlich – die eigentliche Ursache wird so nicht erkannt.

Untersuchungsmethoden

Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen): Alle Beschwerden können durch gezieltes Fragen weiter eingegrenzt werden. So kann Atemnot beim Treppensteigen schon im ersten Stock, aber auch erst im fünften Stock auftreten. Beginn und Dauer von Schmerzen zeigen oft die Stärke eines Herzanfalls an.

Inspektion (Betrachten), Perkussion (Abklopfen) und Auskultation (Abhören): Ein sichtbares Zeichen für eine Herzinsuffizienz können Fußödeme sein. Einem geschulten Arzt zeigt auch die Gesichtsfarbe des Patienten, ob eine Herzklappenerkrankung vorliegt. Durch Abklopfen des Brustkorbs wird die Herzgröße ermittelt – doch am wichtigsten ist natürlich das Abhören mit dem Stethoskop. Der Arzt kann am Brustkorb die Arbeit der vier Herzklappen hören – gibt es Geräusche, die nicht sein dürften, wie bei einem Herzklappenfehler oder schlägt das Herz unregelmäßig? Ist der Herzschlag laut oder leise (wie bei der Herzbeutelentzündung und dem Herzbeutelerguss)?

EKG: Um Herzrhythmusstörungen oder eine Sauerstoffminderversorgung aufzudecken, wird ein Elektrokardiogramm (EKG) gemacht. Dabei kann ein EKG unter Belastung (z.B. auf einem Trimmrad) die vom Patienten geschilderte Atemnot beim Treppensteigen dokumentieren. Bei Rhythmusstörungen, die nur manchmal (oder nachts) auftreten, hilft ein Langzeit-EKG, das über 24 Stunden die Herztätigkeit aufzeichnet. Es gibt inzwischen auch die Möglichkeit, per Telefon ein aktuelles EKG an eine Notfalleinheit zu verschicken – das bietet sich bei Patienten mit lebensbedrohlichen Herzproblemen an.

Blutuntersuchungen: Wenn der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht, kann eine Blutuntersuchung auf spezielle Herzenzyme wie Troponin, Kreatinkinase (CK) und Laktatdehydrogenase (LDH) helfen, die Diagnose zu bestätigen.

Röntgen, Ultraschall (Herzecho): Im Röntgenbild kann man das Herz als Schatten sehen. Größe und Form lassen Rückschlüsse auf die Herzfunktion zu – Kalk an den Herzklappen ist dort genauso sichtbar wie Wasseransammlungen in der Lunge (bei Herzinsuffizienz). Die Ultraschalluntersuchung des Herzens zeigt die Dicke des Herzmuskels und die Funktion der Klappen – wenn sie nicht richtig schließen, zeigt sich ein verräterischer Blutfluss!

Moderne Computertomographen werden vielleicht bald die Herzkatheter ablösen – noch ist die Herzkatheterdiagnostik jedoch durch nichts zu ersetzen. Diese relativ junge Methode zeigt genau, wo sich eine Verengung der Herzkranzgefäße befindet – sogar eine Aufdehnungsbehandlung oder eine Stenteinlage ist möglich.

Herzerkrankungen bei Kindern

Leider gibt es verschiedenste Herzfehler, die angeboren sein können und oft auch eine sofortige Operation erfordern. Ein Defekt der Herzscheidewand ist nur einer der zahlreichen Herzfehler, dabei kann ein kleines Loch oft ohne OP belassen werden, weil es die Herzfunktion nicht einschränkt.

Herzerkrankungen bei Erwachsenen

Herzerkrankungen sind nicht von Gefäßerkrankungen trennbar, wie die koronare Herzkrankheit (KHK) mit ihren Folgen Angina pectoris und Herzinfarkt zeigt. Bei der KHK handelt es sich um eine Arterienverkalkung der Herzkranzgefäße – da die Arteriosklerose nicht isoliert am Herzen, sondern überall an Arterien auftritt, besteht auch an anderen Organen die Gefahr eines Infarkts. Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Depressionen steigern das Herzinfarktrisiko – und Männer und Frauen zeigen ganz unterschiedliche Infarktbeschwerden. Frauen sind nach den Wechseljahren besonders gefährdet.

Herzrhythmusstörungen können unterschiedliche Ursachen haben – so werden die Nervenleitungen auch durch Arteriosklerose oder Diabetes beeinträchtigt. Entzündungen der einzelnen Herzschichten sind eine weitere Erkrankungsgruppe. Der Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) kann eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde liegen, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) hingegen kommt bei vielen viralen Infekten vor – besonders gefürchtet ist sie auch als Komplikation bei der Influenza-Grippe.

Die Perikarditis (Entzündung der Herzaußenhaut, des Herzbeutels) kann zu einer mechanischen Bewegungseinschränkung des Herzens führen, bei der der Herzbeutel ein starres Korsett bildet. Herzklappenveränderungen können nach einer Entzündung der Herzinnenhaut oder auch bei Herzmuskelerkrankungen auftreten. Herzinsuffizienz ist eher eine Zustandsbeschreibung als eine Erkrankung – dabei schafft es das Herz nicht, ausreichend Blut zu transportieren. Man fühlt sich schlapp und müde oder bekommt Atemnot. Der Extremfall ist das plötzliche Herzversagen, das meist zum Tode führt.

Behandlung von Herzkrankheiten

Da Herzkrankheiten oft zusammen mit dem "Tödlichen Quartett" auftreten, sind Reduktion von Übergewicht, medikamentöse Behandlung einer Fettstoffwechselstörung mit einem Statin und Einstellung eines Diabetes erste Therapiemaßnahmen. Gängige Herzmedikamente sind Weißdornextrakte, Beta-Blocker und Acetylsalicylsäure – um nur einige zu nennen. Wenn eine Operation unausweichlich ist, gibt es heutzutage die Möglichkeit, minimalinvasiv vorzugehen.

Um im Notfall die Herztätigkeit wieder in Gang zu setzen, wird ein Defibrillator eingesetzt. Defibrillatoren werden zunehmend an öffentlichen Plätzen installiert – allerdings ist die Handhabung durch Ungeübte umstritten. Selbstverständlich gibt es für jede Krankheit ein spezielles Vorgehen mit Medikamenten oder Operationen – nähere Angaben finden Sie bei der jeweiligen Erkrankung.

Vorbeugung von Herzkrankheiten

Um KHK und Herzinfarkt vorzubeugen, sollten am besten schon im Jugendalter gesunde Ernährung mit ausreichend Magnesium, ein bewusster Umgang mit Cholesterin, viel Bewegung und Stressabbau selbstverständlich sein. Dabei ist mediterrane Kost mit Olivenöl und Rotwein (richtig dosiert) besonders empfehlenswert.

Vor allem bei bekannter Herzkrankheit ist der Lebenswandel entscheidend. Leider fallen viele Herzinfarkt-Patienten nach kurzer Zeit wieder in "schlechte", infarktbegünstigende Verhaltensmuster zurück. Auch im Sommer sollten Herzpatienten besonders auf sich achten (Stichwort: viel trinken!). Im Winter sind plötzliche Kälteattacken höchst gefährlich.

Am besten ist es, immer einen Notfallausweis mit sich zu führen, damit jeder sehen kann, welche Medikamente der Herzkranke braucht. Auf Reisen hilft ein Sprachführer mit den wichtigsten medizinischen Redewendungen, eine betreute Urlaubsreise kann die Reisesicherheit erhöhen.

Aktualisiert: 16.11.2011 - Autor: Nathalie Blanck

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?