Coronavirus: So ansteckend sind Aerosole & Co.

Ansteckung bei Coronavirus © iStock.com/kzenon

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigt die ganze Welt. Trotz strenger Maßnahmen gegen die Ausbreitung der von dem Virus verursachten Krankheit COVID-19 stecken sich weiterhin Menschen an. Aber wann ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch und welche Wege der Infektion gibt es überhaupt? Welche Rolle spielen Aerosole bei der Übertragung? Alles, was Sie zur Ansteckung mit dem Coronavirus wissen müssen, erklären wir Ihnen hier.

Wie steckt man sich mit COVID-19 an?

Die Hauptübertragung findet über eine sogenannte Tröpfcheninfektion statt. Eine infizierte Person gibt beim Sprechen, Husten oder Niesen kleine Tröpfchen aus dem Rachenraum ab, in denen sich das Virus befindet. Bei Kontakt dieser Tröpfchen mit der Schleimhaut (Augen, Nase oder Mund) einer gesunden Person gelangt das Virus in deren Körper und kann die Krankheit COVID-19 auslösen.

SARS-CoV-2-Viren können auch auf Oberflächen überleben. Dorthin gelangen sie beispielsweise über die von Infizierten ausgestoßenen Tröpfchen. Aber auch indirekt können sie auf Gegenstände wie Türklinken gelangen, beispielsweise indem ein Infizierter in seine Hand hustet und danach eine Oberfläche anfasst. Man bezeichnet dies als Schmierinfektion. Wie lange die Viren dort zu finden sind, hängt von der Umgebung, dem Material der Oberfläche und der Menge an Viren ab, die sich zu Beginn auf der Oberfläche befindet.

Vor diesem Hintergrund haben Hygienemaßnahmen wie das Tragen von Atemmasken zum Schutz anderer und das gründliche Händewaschen besondere Bedeutung.

Aerosole: Ansteckung über die Luft möglich?

Einer Studie zufolge könnte das Virus möglicherweise vor allem beim Sprechen übertragen werden.1 Die dabei ausgestoßenen Tröpfchen könnten in einem geschlossenen Raum mehrere Minuten lang in der Luft hängenbleiben. Lautes Sprechen produziert dabei mehr Tröpfchen als leiseres Sprechen. Auch beim Singen gilt das Übertragungsrisiko als erhöht.

Besondere Aufmerksamkeit kommt zunehmend auch der Übertragung durch Aerosole zu, also kleinste Tröpfchen, die sich als Schwebeteilchen in der Luft verteilen. Eine Übertragung auf diesem Weg scheint in Experimenten über mehrere Stunden möglich zu sein.2 Die entsprechenden Tests mit Aerosolen wurden jedoch unter Laborbedingungen durchgeführt. Es herrschten also optimale Voraussetzungen für das Virus, die nicht mit den alltäglichen Bedingungen übereinstimmen.

So entsprach beispielsweise die extrem feine Tröpfchengröße der Aerosole nicht der Größe von beim Husten oder Niesen ausgestoßenen Tröpfchen. Außerdem ist die Luft im Labor unbewegt, im Gegensatz zur Luft im Freien oder in belüfteten Räumen, sodass die Viren in der Laborluft länger verbleiben können. Die Ergebnisse dieser Studie sind daher stark umstritten.

Andere Studien konnten Erreger jedoch auch beispielsweise in der Raumluft von Patientenzimmern nachweisen und zeigen, dass schlechte belüftete Räume und Klimaanlagen zur Verteilung von Viren in der Luft beitragen können. Die bereits genannte Studie, welche die Übertragung beim Sprechen untersuchte, deutet darauf hin, dass kleinste Tröpfchen in der Luft in einem geschlossenen Raum etwa acht bis 14 Minuten lang überleben können.1

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wird daher im Moment davon ausgegangen, dass eine Übertragung durch Aerosole möglich ist. Eine abschließende Bewertung hält das RKI derzeit jedoch für schwierig.3 Experten empfehlen vorbeugend, Räume vermehrt zu lüften und die möglicherweise virenbelasteten Aerosole so hinauszubefördern.

Ist Bewegung im Freien bedenkenlos möglich?

Seitdem auch in einigen Teilen Deutschlands Ausgangsbeschränkungen herrschen und viele Freizeitaktivitäten eingestellt werden mussten, zieht es die Menschen vermehrt ins Freie; zum Spazieren gehen, Radfahren und Joggen. Bewegung und frische Luft sind in dieser Zeit sowohl für das körperliche als auch für das seelische Gleichgewicht sehr wichtig. Trotzdem sollte man an das eigene und auch das Wohl der anderen denken und sich entsprechend verantwortungsbewusst verhalten.

Tatsächlich ist gemäß aktuellem Forschungsstand die Ansteckungsgefahr im Freien relativ gering, wenn man sich an die vorgeschriebenen Abstandsregelungen (1,5 bis 2 Meter zu anderen Personen) hält und das längere Verweilen mit anderen Menschen an einem Ort vermeidet. Denn im Freien vermischt sich die ausgeatmete Luft schnell mit der frischen Luft, wodurch sie sozusagen verdünnt wird. Einzelne Forscher empfehlen bei schnelleren Sportarten wie beispielsweise Joggen und Radfahren jedoch einen größeren Abstand. So kann man den von anderen Personen abgegebenen Tröpfchen bestmöglich ausweichen.

Forscher weisen jedoch darauf hin, dass etwa beim Husten ausgestoßene Aerosole im Freien bereits durch einen leichten Windstoß sechs Meter weit getragen werden könnten. Dies haben die Wissenschaftler allerdings nur anhand eines theoretischen Modells errechnet. Weitere Forschung zu dem Thema steht daher noch aus.4

Übertragung durch Stuhl oder Sperma?

Bei Stuhluntersuchungen von erkrankten Personen wurde das Virus zum Teil nachgewiesen. Daher wurde anfangs vermutet, dass die Ansteckung auch über den Stuhl beziehungsweise damit verunreinigte Gegenstände erfolgen könnte. Allerdings wurden nur sehr selten noch lebende Viren im Stuhl gefunden. Da nur diese zu einer Infektion führen können, ist bisher fraglich, ob dieser Übertragungsweg überhaupt eine Rolle spielt.

Eine erste Studie hat das Coronavirus auch im menschlichen Sperma nachweisen können und zwar auch bei Patienten, die sich bereits auf dem Weg der Genesung befanden. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich über Sperma zu infizieren, ist allerdings noch unklar. Beim Geschlechtsverkehr besteht zudem alleine aufgrund der Nähe ein erhöhtes Risiko der Ansteckung mit SARS-CoV-2.

Wann und wie lange sind Infizierte ansteckend?

Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung mit SARS-CoV-2 bis zum Auftreten erster Krankheitsanzeichen von COVID-19 – beträgt bis zu 14 Tage. Leider hat sich in einer neuen Studie gezeigt, dass eine infizierte Person nicht erst mit Symptombeginn ansteckend ist. Eine Ansteckung ist bereits einige Tage vor Einsetzen der Krankheitszeichen möglich.

Diese Studie zeigt, dass die Infektiosität (die Ansteckungsfähigkeit) einer erkrankten Person bereits ungefähr drei Tage vor Krankheitsbeginn vorhanden und zwischen zwei Tagen davor und einem Tag danach besonders hoch ist. In dieser Studie wurde auch festgestellt, dass eine an COVID-19 erkrankte Person insgesamt für ungefähr sieben Tage ansteckend bleibt.5

Vom Robert-Koch-Institut wird im Falle einer Infektion Folgendes empfohlen:

  • Betroffene sollten sich für mindestens 14 Tage in die Selbstisolation begeben.
  • Infizierte sollten die Selbstisolation erst verlassen, wenn seit mindestens 48 Stunden keine Symptome mehr bestehen.
  • Sollte eine Krankenhausbehandlung nötig sein, sollten Ärzte einen Infizierten erst nach Hause entlassen, wenn innerhalb von 24 Stunden zwei Testabstriche keinen Virus mehr enthalten haben.

Kontakt mit einer infizierten Person: Habe ich mich angesteckt?

Um sich mit dem Virus SARS-CoV-2 zu infizieren, muss eine bestimmte Virusmenge in den Körper gelangen. Je länger und je enger der Kontakt mit einer infizierten Person ausfällt, desto größer ist das Risiko, sich anzustecken – aus diesem Grund ist es so wichtig, zum Schutz vor Ansteckung Abstand zu anderen zu halten.

Ein hohes Risiko für eine Ansteckung haben Personen, die

  • 15-minütigen Gesichtskontakt (beispielsweise bei einem Gespräch) mit einer infizierten Person hatten,
  • direkten Kontakt zu Körpersekreten (zum Beispiel Speichel oder bei Schnupfen abgegebenes Nasensekret) einer infizierten Person hatten oder
  • im medizinischen Bereich ohne Schutzausrüstung mit Infizierten gearbeitet haben.

Etwas geringer wird das Risiko eingeschätzt, wenn

  • man sich im gleichen Raum ohne direkten Kontakt mit einer infizierten Person aufgehalten hat (beispielsweise im Klassenraum oder Großraumbüro) oder
  • ein Mindestabstand von zwei Metern zur infizierten Person gewährleistet war.

Ausführliche Informationen zum richtigen Verhalten bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus finden Sie hier.

Wie hoch sind die Ansteckungsraten?

In den Medien wird im Rahmen der derzeitigen Coronavirus-Pandemie viel über die Ansteckungsraten von SARS-CoV-2 gesprochen. Diese Rate – auch Reproduktionszahl genannt – gibt an, wie viele Menschen ein an COVID-19 erkrankter Mensch im Durchschnitt ansteckt. Sie kann nicht direkt erfasst werden, sondern wird über statistische Verfahren ermittelt.

Zu Beginn der Krankheitswelle in Deutschland lag die Reproduktionszahl noch bei circa 3. Durch die eingeleiteten Schutzmaßnahmen konnte sie jedoch reduziert werden. Liegt die Zahl unter 1 bedeutet dies, dass nicht jeder, der mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert ist, eine weitere Person ansteckt. Die Zahl der Neuerkrankungen ist also rückläufig. Liegt sie bei 1 oder darüber, steckt jeder Erkrankte mindestens eine weitere Person an. Je höher die Reproduktionszahl, desto mehr Menschen werden durch einen Infizierten angesteckt.

Ziel ist es, die Reproduktionszahl langfristig auf einen Wert unter 1 zu bringen und dort zu halten, sodass die Zahl der Neuerkrankungen pro Tag rückläufig ist. Durch diese Daten lässt sich auch darauf schließen, ob die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung erfolgreich sind und gegebenenfalls eine Anpassung stattfinden kann.

In Deutschland werden die Neuerkrankungen durch die Gesundheitsämter erfasst und an das Robert Koch-Institut weitergeleitet. Auf dessen Website gibt es eine interaktive Grafik, mit der man sich detailliert und regional über die derzeitige Lage informieren kann.

Quellen

Aktualisiert: 24.09.2020 - Autor: Valerie Burmester; überarbeitet: Silke Hamann

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