Coronavirus: Wie gefährlich ist COVID-19?

In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über das Coronavirus SARS-CoV-2 und die Krankheit COVID-19. Der Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Hustende Frau trägt Atemmaske zum Schutz vor Coronavirus
© iStock.com/Panuwat Dangsungnoen

Die aktuellen Nachrichten werden vor allem durch ein Thema bestimmt: Das Coronavirus SARS-CoV-2. In allen Ländern wurden im Rahmen der "ersten Welle" mitunter drastische Schutzmaßnahmen ergriffen, die im Sommer 2020 aufgrund ihres Erfolges vielerorts wieder gelockert werden konnten. Während Deutschland zunächst das Schlimmste überstanden zu haben schien, stiegen die Infektionszahlen in vielen Regionen mit dem Beginn des Herbstes wieder stark an. Die Anzahl der täglichen Neuinfektionen und Todesfälle infolge von COVID-19 war in der "zweiten Welle" höher als zuvor und die "dritte Welle" führte zu extremen Maßnahmen wie der sogenannten "Bundesnotbremse". Im Sommer 2021 entspannte sich die Situation in Deutschland endlich wieder, doch die Virusvariante mit dem Namen "Delta" ließ bald eine "vierte Welle" befürchten, deren Beginn das Robert-Koch-Institut im August bestätigte. Viele Menschen sind verunsichert. Wie gefährlich ist das Coronavirus tatsächlich? Wann muss man in Quarantäne und welche Maßnahmen gelten in Deutschland? Was ist eigentlich COVID-19? Wir geben Ihnen einen Überblick und helfen Ihnen, Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen zu finden.

Was ist das Coronavirus?

Wenn aktuell von "dem Coronavirus" die Rede ist, ist genaugenommen eine ganz bestimmte (neuartige) Unterart der Coronaviren gemeint. Diese Viren wiederum gehören zur Gruppe der RNA-Viren (Ribonukleinsäure). In ihre Hülle sind sogenannte Glykoproteine kronenartig eingelagert – dieser Eigenheit verdanken die Coronaviren (Corona = Krone) ihren Namen. Eingeteilt werden sie in Alpha- und Beta-Coronaviren, von denen letztere häufiger schwere Krankheitsverläufe hervorrufen.

Hauptsächlich findet man Coronaviren bei Tieren, bei denen sie Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen können. Durch Mutationen gibt es heutzutage jedoch auch mehrere Coronaviren, die auch den Menschen befallen können und von Mensch zu Mensch übertragen werden. Meist rufen Coronaviren dann Atemwegsbeschwerden hervor. Auch Magen-Darm-Erkrankungen sind möglich, aber in ihrer Schwere eher unbedeutend.

Infektionen mit Coronaviren treten üblicherweise insbesondere in den Wintermonaten auf und verursachen circa fünf bis 30 Prozent aller akuten Atemwegserkrankungen. Diese betreffen meist nur die oberen Atemwege (Nasen-Rachenraum mit Schnupfen und Halsschmerzen), verlaufen in der Regel mild und heilen innerhalb einer Woche ab. Erweitert sich die Infektion jedoch auf die unteren Atemwege, kommt es zu schweren Verläufen mit Lungenentzündungen und Entzündungen der Bronchien. Auch eine gleichzeitige Infektion der Atemwege mit anderen Viren oder Bakterien kann zu schwerwiegenderen Krankheitsbildern führen.

Was bisher über das Coronavirus SARS-CoV-2 und seine Entstehung bekannt ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Kann das Coronavirus mutieren?

Die Wahrscheinlichkeit für Mutationen, durch die das Virus gefährlicher (aber auch harmloser) werden könnte, galt lange als eher gering. Doch mittlerweile wurden zahlreiche verschiedene Mutationen des Virus entdeckt, die die ursprüngliche Variante inzwischen größtenteils verdrängt haben.

So wurde im Dezember 2020 in England eine sich schnell verbreitende Mutation des Virus gemeldet (B.1.1.7), die als 50 bis 70 Prozent ansteckender gilt und mittlerweile den Namen Alpha-Variante trägt. Auch in Bezug auf die Schwere der Erkrankungen oder tödliche Verläufe gilt diese Variante des Virus als gefährlicher.

Diese und andere Mutationen werden mit Sorge betrachtet, da eine erhöhte Ansteckung in Verbindung mit der exponentiell steigenden Ausbreitung schnell zu einem deutlichen Anstieg an Infektionen und damit auch an schweren Verläufen und Todesfällen führen kann. Mittlerweile macht diese Virusvariante auch in Deutschland den Großteil der Infektionen aus. Die zurzeit in Deutschland zugelassenen Impfstoffe zeigen jedoch auch gegen diese Virusvariante eine gute Wirksamkeit.

Auch in Brasilien und Südafrika kam es zu Mutationen, die als besorgniserregend eingestuft wurden und die Namen Beta und Gamma tragen. Mittlerweile breitet sich auch in Deutschland zunehmen die Delta-Variante aus, die zunächst vor allem in Indien verbreitet war.

Ausführliche Informationen über eine mögliche Mutation des Coronavirus finden Sie hier.

SARS-CoV-2, COVID-19 oder 2019nCoV – was ist das?

Ende 2019 fielen in der chinesischen Region Wuhan Lungenentzündungen auf, die durch ein bisher unbekanntes Virus ausgelöst wurden. Im Januar 2020 konnte dieses Virus erstmals identifiziert und der Familie der Coronaviren zugeordnet werden. Zunächst wurde es als 2019-nCoV (2019 novel coronavirus) bezeichnet. Im Februar wurde das Virus dann offiziell in SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) umbenannt.

Es hat große Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus von 2003 (SARS-CoV-1), sowohl aus genetischer Sicht als auch in Hinblick auf den Mechanismus, wie das Virus den Körper schädigt. SARS-CoV-2 ist jedoch deutlich infektiöser, überträgt sich also leichter und breitet sich entsprechend auch schneller aus. Glücklicherweise ist die Sterblichkeitsrate durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 jedoch niedriger als bei SARS-CoV-1.

Die durch das Virus SARS-CoV-2 ausgelöste Lungenerkrankung wird COVID-19 (Corona Virus Disease 2019) genannt.

SARS-CoV-2, COVID-19 und Coronavirus: Wo ist der Unterschied?

Der Name Coronavirus bezeichnet eine ganze Familie von Viren. Die sich aktuell ausbreitende Unterart der Coronaviren trägt den Namen SARS-CoV-2 (anfangs 2019-nCoV). Die Erkrankung, die Folge einer Infektion mit diesem Virus ist, wird als COVID-19 bezeichnet.

Wie steckt man sich mit dem Coronavirus an?

Das Virus SARS-CoV-2 wird durch virushaltige Tröpfchen übertragen, die von einer infizierten Person beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen abgegeben werden. Diese Tröpfchen können einerseits direkt von einer gesunden Person eingeatmet werden und zur Infektion führen (Tröpfcheninfektion). Eine besondere Rolle spielen dabei Aerosole, also kleinste Tröpfchen in der Luft, die etwa beim Sprechen ausgestoßen werden.

Andererseits können virushaltige Tröpfchen auch auf Oberflächen und Gegenständen landen. Bei der Berührung dieser kontaminierten Oberflächen kommt das Virus an die Hände und gelangt bei späterer Berührung des Gesichts an Mund, Nase und Augen (Schmierinfektion). Von dort aus kann es über die Schleimhäute in den Körper einer gesunden Person gelangen und eine Infektion auslösen. Das Virus kann auf kontaminierten Gegenständen einige Tage überleben. Daher ist für eine Ansteckung nicht unbedingt direkter Kontakt mit erkrankten Personen erforderlich, auch beispielsweise über Türklinken oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln könnte SARS-CoV-2 übertragen werden. Regelmäßiges Händewaschen schützt vor diesem Ansteckungsweg.

Nach aktuellem Kenntnisstand kommt der Schmierinfektion als Übertragungsweg jedoch nur eine geringe Rolle zu. Wie ansteckend das Coronavirus ist und auf welchen Wegen die Ansteckung erfolgen kann, erklären wir in diesem Artikel.

Kann man sich durch Tiere anstecken?

Woher SARS-CoV-2 stammt, ist bislang nicht geklärt. Der erste Verdacht war, dass das Virus von einem Tier auf einem Markt in Wuhan erstmalig auf den Menschen übertragen ist.

Mittlerweile wurde darüber hinaus bestätigt, dass je nach Tierart eine Übertragung von SARS-CoV-2 von Mensch zu Tier nicht ausgeschlossen werden kann. Einzelne Fälle wurden bereits gemeldet, in denen sich Hunde oder Katzen bei Menschen mit dem Virus infizierten. Dabei sind Katzen offenbar häufiger betroffen als Hunde. Schweine und Hühner können sich offenbar nicht anstecken. Wird ein Haustier positiv getestet, ist dies dem Veterinäramt zu melden.

Auch Frettchen und Nerze können sich anstecken. Fälle in den Niederlanden und Dänemark zeigten, dass Nerze das Virus wieder auf den Menschen übertragen können. Im November 2020 führte dies dazu, dass in Dänemark vorsorglich die landesweite Tötung aller Nerze auf Nerzfarmen angeordnet wurde, nachdem sich mehrere Menschen mit einer mutierten Form des Virus (bezeichnet als Cluster 5) bei Nerzen angesteckt hatten. Ob von dieser Form des Virus aber tatsächlich eine größere Gefahr ausgeht, ist umstritten.8

Bei der Ausbreitung des Virus ist weiterhin der Übertragungsweg von Mensch zu Mensch entscheidend. Deshalb ist es zum aktuellen Zeitpunkt nicht notwendig, den Kontakt zu Haustieren einzuschränken. Stattdessen genügt es, die allgemeinen Hygienestandards, wie sorgfältiges Händewaschen, einzuhalten. Bei Infektionen mit dem Coronavirus muss jedoch auch zum Schutz der Tiere nach Möglichkeit darauf geachtet werden, diese nicht anzustecken.

Was sind die Symptome von COVID-19?

Das SARS-Coronavirus-2 befällt in erster Linie die Atemwege. Eine Infektion zeigt sich entsprechend durch Beschwerden in diesem Bereich. Aber auch systemisch – also den ganzen Körper betreffend – äußern sich Symptome. Typische Anzeichen der Lungenerkrankung COVID-19 sind:

Infizierte Menschen berichten häufig von einem generellen Krankheitsgefühl. Auch weitere Symptome wie Schnupfen, Gliederschmerzen, Frösteln, Halsschmerzen, mitunter auch Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfälle sind möglich. Auch wurde bei Erkrankten die Bildung von blauen Flecken beobachtet.

Die Symptome ähneln denen einer Grippe, die jedoch meist durch plötzlich einsetzendes Fieber über 39 °C und starke Kopf- und Gliederschmerzen gekennzeichnet ist. In vielen Fällen verursacht die Coronavirusinfektion jedoch nur leichte Symptome und ähnelt dann eher einer Erkältung. Auch ein Verlauf ganz ohne Krankheitszeichen ist möglich.

In diesem Artikel haben wir ausführliche Informationen zu den möglichen Symptomen für Sie zusammengestellt. Wissenswertes über den Verlauf von COVID-19 erfahren Sie in unserem Experten-Interview. Hier lesen Sie außerdem, was bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu tun ist.

Symptome bei Schwangeren und Kindern

Bei Kindern verläuft COVID-19 meist mild oder sogar symptomlos. Es wurden jedoch auch vereinzelte Fälle eines Entzündungssyndroms beobachtet, das mit Fieber, Hautausschlag, Bindehautentzündung, beschleunigtem Herzschlag, Bauchschmerzen und Erbrechen infolge einer übertriebenen Immunreaktion einhergeht und dem Kawasaki-Syndrom ähnelt. Mediziner*innen bezeichnen dies als pädiatrisches entzündliches Multisystem-Syndrom, beziehungsweise "Multisystem inflammatory syndrome in children" (MIS-C). Studien deuten zudem darauf hin, dass COVID-19 bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen häufiger mit Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen einhergehen könnte. Berichte deuten außerdem darauf hin, dass von den neueren Virusvarianten für Kinder eine größere Gefahr ausgeht als vom ursprünglichen Virustyp.

Schwangere galten durch SARS-CoV-2 zunächst nicht als stärker gefährdet und nach bisherigen Erkenntnissen ist eine Übertragung auf das ungeborene Kind zwar möglich, aber selten. Dennoch geht man mittlerweile davon aus, dass auch schwangere Frauen ein höheres Risiko für schwere Verläufen haben. Daher ist besondere Vorsicht ratsam, um eine Ansteckung mit dem Virus in der Schwangerschaft möglichst zu vermeiden. Insbesondere in der Frühschwangerschaft kann eine fiebrige Infektion zudem schwerwiegende Folgen haben. Auch Schwangere können aus diesem Grund grundsätzlich gegen COVID-19 geimpft werden.

Test auf Coronavirus: Wie erfolgt die Diagnose?

Aufgrund der typischen Symptome kann eine Infektion mit dem Coronavirus leicht mit einer Grippe oder Erkältung verwechselt werden. Eine eindeutige Diagnose ist daher nur durch einen entsprechenden Test möglich.

PCR-Tests

Um SARS-CoV-2 nachzuweisen, ist Sekret aus dem Nasen-Rachen-Raum oder der Lunge notwendig. In der Regel wird hierzu ein Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt. Mithilfe der Polymerasekettenreaktion (englisch: polymerase chain reaction, PCR) kann – wenn eine Infektion vorliegt – in diesem Abstrich die Virus-RNA (also die genetische Information des Virus) nachgewiesen werden. Dieses Verfahren kann frühestens ab dem fünften Tag nach der Infektion angewandt werden und dauert einige Stunden, sodass Getestete meistens innerhalb von 24 bis 48 Stunden von ihrem Testergebnis erfahren. Aufgrund der Knappheit an Tests und der Überlastung der Labore kann es phasenweise jedoch zu Verzögerungen kommen.

Weltweit wird derzeit unter Hochdruck an weiteren Testverfahren gearbeitet. Insbesondere Schnelltests befinden sich in der Entwicklung und auch bereits im Einsatz.1,2

Antigen-Schnelltests

Antigen-Schnelltests können teils innerhalb einer Viertelstunde Ergebnisse liefern. Die Methode kommt seit dem 15. Oktober 2020 unter bestimmten Voraussetzungen ergänzend zum Einsatz. Dabei wird das Analysematerial (meist aus dem Nasen- oder Rachenabstrich) mithilfe eines Teststreifens auf Antigene, also spezielle Proteine, getestet. Ein solcher Antigen-Test kann helfen, eine aktive Infektion zu belegen.

Das Verfahren gilt jedoch als weniger zuverlässig als PCR-Tests, weshalb ein positives Ergebnis noch einmal mit dem PCR-Verfahren überprüft werden muss. Vermutet wird zudem, dass Menschen mit milden Verläufen weniger Antigene haben und daher durch dieses Testverfahren schlechter erkannt werden. Antigen-Schnelltests sind also vor allem zum Erkennen von hochansteckenden Personen geeignet. Nichtsdestotrotz stellen sie einen wichtigen Pfeiler bei der Bekämpfung der Pandemie dar, denn durch regelmäßiges Testen kann man ansteckende Personen frühzeitig erkennen und isolieren.

Ende Februar 2021 erhielten die ersten Antigen-Selbsttests, also Schnelltest für den Privatgebrauch, eine Zulassung in Deutschland. Auch in Apotheken, Arztpraxen und speziellen Testzentren können Antigen-Schnelltests (durch entsprechend geschultes Personal) durchgeführt werden.

Antikörper-Tests

Auf dem Markt finden sich noch zahlreiche weitere Schnelltests, die innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde (Herstellerangaben sind unterschiedlich) ein Ergebnis liefern können. Die meisten dieser Verfahren testen das Blut auf Antikörper, die der Körper gegen das Coronavirus bei einer Infektion bildet. Bis genügend Antikörper für einen Nachweis über den Antikörpertest gebildet sind, vergehen jedoch ungefähr 14 Tage ab dem Infektionszeitpunkt. Daher besteht bei solchen Schnelltests die Gefahr, eine bestehende Infektion nicht zuverlässig anzuzeigen.

Die Bluttests sind jedoch vermutlich geeignet, eine bereits zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus nachzuweisen. Erste Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Antikörper einige Zeit nach einer Infektion nicht mehr nachweisbar sind.

Wann sollte man sich testen lassen?

Wenn man an sich Krankheitszeichen entdeckt, die auf COVID-19 hindeuten könnten, ist es sinnvoll, medizinischen Rat zu suchen. Der*die Arzt*Ärztin entscheidet dann, ob ein Test durchgeführt werden sollte. Ein dringender Verdacht besteht, wenn Symptome vorliegen und man in den letzten 14 Tagen Kontakt mit einer infizierten Person hatte.

Sollten Sie den Verdacht haben, sich mit dem neuen Coronavirus angesteckt zu haben, gehen Sie bitte nicht in die Arztpraxis, um nicht andere Menschen im Wartezimmer anzustecken. Suchen Sie telefonisch Rat in Ihrer Hausarztpraxis oder melden Sie sich beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.3 Hier wird Ihnen geholfen, das Risiko richtig einzuschätzen und zu entscheiden, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Richtlinien für Ärzt*innen aufgestellt, wer wann und warum getestet wird.4 Darüber hinaus legt die nationale Teststrategie fest, wann welche Tests empfohlen oder möglich sind.7 Anhand dieser Kriterien können Ärzt*innen entscheiden, wann ein Coronavirustest sinnvoll ist und so überflüssige Tests vermeiden, die das Gesundheitssystem unnötig belasten würden.

Mit dem Coronavirus infiziert – was tun?

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sollte man bei ersten Krankheitsanzeichen oder bei Vorliegen eines positiven Testergebnisses sofort den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden und sich frühzeitig medizinischen Rat suchen.

Infizierte Personen werden aufgefordert, sich in häusliche Quarantäne zu begeben und werden regelmäßig untersucht. Nur bei schweren Verläufen ist ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich.

Angehörige und enge Kontaktpersonen von infizierten Personen werden in der Regel ebenfalls isoliert, da sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits angesteckt haben. Für sie gilt die Aufforderung, 14 Tage in häuslicher Quarantäne zu verbringen. Erst nach dieser Zeit kann eine Infektion sicher ausgeschlossen werden. Rückkehrer*innen beziehungsweise Einreisende aus Risikogebieten müssen sich zehn Tage lang isolieren.

Verlauf einer Infektion – wie gefährlich ist das Virus?

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Auftreten erster Symptome der Krankheit – ist beim SARS-CoV-2 recht lang. Sie kann bis zu 14 Tage dauern. In dieser Zeit ist eine Übertragung auf andere Menschen theoretisch schon möglich.

Meistens (in etwa 80 Prozent der Fälle) verläuft COVID-19 mild. Die Krankheitszeichen gehen nach circa einer Woche wieder zurück, ohne dass eine Therapie notwendig gewesen wäre – betroffene Personen gelten als geheilt, wenn weder keine Symptome mehr vorliegen und das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Eine Infektion kann sogar völlig symptomlos verlaufen.

Insbesondere bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen (zum Beispiel Koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Asthma bronchiale, COPD oder anderen Atemwegserkrankungen) ist das Risiko für einen schwereren Verlauf jedoch deutlich erhöht. Auch Übergewicht oder bestimmte Blutgruppen können möglicherweise einen schweren Verlauf begünstigen.

Mehr über die Risikogruppen von COVID-19 erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Im Verlauf der Erkrankung kann es zu beidseitigen Lungenentzündungen, Sepsis (Blutvergiftung) und Multiorganversagen kommen. In diesen Fällen kann eine stationäre Behandlung im Krankenhaus und unter Umständen auch eine Behandlung auf der Intensivstation mit künstlicher Beatmung notwendig werden.

Folgen von COVID-19

Nach einer durchgemachten Infektion ist man durch die gebildeten Antikörper zunächst immun gegen eine erneute Infektion. Ob und wie lange diese Immunität bei geheilten Menschen gegeben ist, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung. Es gibt Hinweise darauf, dass die Immunität nach einer COVID-Infektion vergleichsweise schnell nachlässt. Daher wird auch Genesenen nach sechs Monaten zu einer Impfung geraten, um die Immunität aufzufrischen.

Selbst nach einer vergleichsweise milden Infektion sind verschiedenste Langzeitfolgen möglich. Außerdem berichten zahlreiche Betroffene nach einer überstandenen COVID-Erkrankung von einer anhaltenden Erschöpfung, die mittlerweile als Post-COVID-Syndrom oder Long-COVID bezeichnet wird.

Sterblichkeit bei COVID-19

Die Sterblichkeitsrate (Letalität) weist starke Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern auf, denn sie ist unter anderem abhängig von den (jeweils aktuellen) Möglichkeiten der medizinischen Versorgung.

Ersten Datenanalysen der WHO (World Health Organization) sahen die Letalität regionsabhängig zunächst zwischen 0,7 und 4 Prozent5, wobei diese Werte zwischenzeitlich deutlich überschritten wurden. Nach aktuellem Stand liegt die durchschnittliche Sterblichkeit weltweit bei 2,3 Prozent, in Deutschland liegt sie derzeit bei 2,46 Prozent (Stand: 24.08.2021).6

Wie erfolgt die Behandlung von COVID-19?

Zahlreiche Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Ländern arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Entwicklung einer Therapie von COVID-19. Oft erfolgt eine symptomatische Therapie, um die Beschwerden zu lindern. Ein vielversprechender Ansatz scheint die Behandlung mit dem Entzündungshemmer Dexamethason zu sein, doch auch andere Medikamente sind in der Entwicklung. Unter anderem könnte der Einsatz von Monoklonalen (künstlich hergestellte) Antikörpern entscheidende Fortschritte ermöglichen.

Außerdem sollte Infektionen mit anderen Viren oder Bakterien vorgebeugt werden, um den Krankheitsverlauf nicht weiter zu verschlimmern. Dazu gehört auch die Vorbeugung einer Thrombose durch Blutverdünner, da Obduktionen von verstorbenen COVID-19-Patient*innen zeigten, dass es oftmals zu Lungenembolien kommt.

Eine intensivmedizinische Überwachung im Krankenhaus ist nur bei einer starken Beeinträchtigung der Atemwege nötig. Hier erhalten Sie weitere Informationen zur Behandlung von COVID-19 sowie zu den möglichen Medikamenten.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Grundsätzlich gilt: Ruhe bewahren. Auch wenn das Virus auf viele Menschen beängstigend wirkt, sind Panik oder übertriebene Schutzmaßnahmen nicht angebracht. Durch einen normalen, hygienischen Umgang mit sich selbst und anderen, wie es zur Grippesaison stets empfohlen wird, ist schon viel gewonnen.

Die WHO empfiehlt zum Schutz vor dem neuen Coronavirus und zur Verhinderung einer Ausbreitung folgende Maßnahmen:

  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife für mindestens 20 bis 30 Sekunden. Wenn dies nicht möglich ist, können die Hände notfalls auch desinfiziert werden. Verwenden Sie dabei jedoch ein Desinfektionsmittel, das zur Bekämpfung von Viren geeignet ist.
  • Husten und Niesen in ein Taschentuch oder die Ellenbeuge – so verhindern Infizierte (die möglicherweise selbst nichts von ihrer Infektion wissen), dass die Erreger auf ihre Hände gelangen und so andere anstecken können.
  • Verwendung von Papiertaschentüchern, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden.
  • Mundschutz tragen. Je nach Art des Mundschutzes dient dies entweder dem Eigenschutz oder vor allem dem Schutz anderer. Doch wenn alle einen Mundschutz tragen, kann dies helfen, Infektionen zu verhindern, wie wissenschaftliche Studien mittlerweile eindeutig belegen konnten.
  • Nach Möglichkeit nicht ins Gesicht, an Mund, Augen und Nase fassen. So gelangen Erreger, die sich möglicherweise an den Händen befinden, nicht in den Körper.
  • Abstand zu anderen Menschen halten (Empfehlung: mindestens eineinhalb bis zwei Meter). Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Personen Symptome einer Erkrankung zeigen.
  • Keine Begrüßung mit Hand geben. Sollten Sie doch einmal versehentlich Hände schütteln, waschen Sie sich anschließend sofort die Hände.
  • Halten sich mehrere Leute in einem Raum auf, sollte man durch regelmäßiges Lüften (insbesondere Stoßlüften) versuchen, die Luft möglichst durch Frischluft auszutauschen und eine etwaige Viruslast in der Luft zu reduzieren.
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln oder größeren Menschenmengen, in denen kein Abstand gehalten werden kann, ist ein Mundschutz empfehlenswert.
  • Reisen nach Möglichkeit vermeiden, vor allem in besonders stark betroffene Gebiete. Erkundigen Sie sich vorab über Reisewarnungen.

Mundschutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel – was benötigt man?

Für gesunde Menschen, die nicht in Kontakt mit infizierten Menschen stehen, hat das Tragen von Gummihandschuhen keine schützenden Effekt. Auch das Tragen eines einfachen Mundschutzes wie einer Alltagsmaske hat für den Träger selbst vermutlich nur einen geringen oder keinen schützenden Effekt. Sollte man jedoch selbst (möglicherweise unbemerkt) infiziert sein, kann man durch das Tragen eines Mundschutzes die Ansteckung seiner Kontaktpersonen verhindern. Ganz besonders wichtig sind in diesem Fall eine vernünftige Handhygiene und die korrekte Verwendung des Mundschutzes. Eine Anleitung hierzu finden Sie auf der Seite der WHO.

Das Tragen eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit kann nach Einschätzung von Expert*innen dazu beitragen, andere Personen zu schützen und somit eine Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen – vorausgesetzt, er wird richtig verwendet und alle weiteren Sicherheitsmaßnahmen werden dennoch beachtet. Aus diesem Grund ist das Tragen eines Mundschutzes in Deutschland in einigen Lebensbereichen Pflicht. Mitunter besteht sogar die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske in bestimmten Bereichen. Diese Masken gelten als besonders sicher und können auch den Träger selbst vor einer Ansteckung über Aerosole schützen, solange die weiteren Sicherheitsmaßnahmen nicht vernachlässigt werden.

Es kam zwischenzeitlich zu Lieferengpässen bei Desinfektionsmitteln, weshalb die Vorräte auch in Kliniken und Arztpraxen knapp wurden, obwohl sie dort dringend benötigt wurden. Händewaschen mit Wasser und Seife hat im Alltag den gleichen schützenden Effekt wie das Händedesinfizieren mit Desinfektionsmittel.

Ausführliche Informationen dazu, welche Maßnahmen wirksam sind und welche nicht, finden Sie in dieser Fotostrecke.

Impfungen zum Schutz vor einer Infektion

Mit Hochdruck wurde an der Entwicklung einer Impfung gegen SARS-CoV-2 geforscht, sodass im November beziehungsweise Dezember 2020 Anträge auf Zulassung für die ersten beiden Impfstoffe gestellt werden konnten. Hierbei handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe, die recht schnell und in großen Mengen produziert werden können. Am 21. Dezember wurde der erste Corona-Impfstoff (BioNTech/Pfizer) in Europa zugelassen, am 6. Januar 2021 folgte mit dem Vakzin von Moderna die Zulassung eines zweiten Impfstoffes. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca wurde am 29. Januar der erste vektorbasierte Corona-Impfstoff in der EU zugelassen. Am 11. März erhielt der Impfstoff von Johnson & Johnson grünes Licht. Weitere vielversprechende Impfstoffe werden derzeit getestet.

Für bestimmte Personengruppen wird empfohlen, die Pneumokokken-Impfungen nachzuholen, falls man noch nicht geimpft ist. Dies soll eine gleichzeitige und somit riskantere Infektion mit SARS-CoV-2 und Pneumokokken verhindern. Hausärzt*innen können hierzu weitere Informationen geben.

Aus dem gleichen Grund kann für Risikogruppen auch eine Grippe-Impfung ratsam sein. Das schützt zwar nicht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2, kann jedoch zusätzlich zur Vermeidung einer Doppelinfektion auch helfen, beim Auftreten von Symptomen eine Grippe schneller auszuschließen oder umgekehrt unnötige Coronavirus-Tests und Quarantänen zu vermeiden.

Bisheriger Verlauf der Corona-Pandemie

Ende 2019 traten in der chinesischen Stadt Wuhan vermehrt Lungenentzündungen auf, deren Auslöser unbekannt war und die bald zu ersten Todesfällen führten. Im Laufe des Januars 2020 konnte als Verursacher ein neuartiges Coronavirus identifiziert werden. Ein Zusammenhang zwischen der Infektion beim sogenannten "Patient 0" und dem Besuch eines Fisch- und Meeresfrüchtemarktes in der Stadt Wuhan wird vermutet, der genau Ursprung ist jedoch noch unklar. Vermutet wird, dass das Virus mutiert ist und von einem Wildtier auf den ersten Betroffenen übertragen wurde.

Von China ausgehend breitete sich das Virus zunächst nach Japan, Südkorea und Thailand aus. Schnell erfasste es auch andere südostasiatische Länder. Die ersten Fälle abseits des asiatischen Kontinents traten Ende Januar in Australien, den USA und Frankreich auf. Nachträgliche Untersuchungen eingelagerter Blutproben von Patient*innen mit einer Lungenentzündung zeigen jedoch, dass das Virus bereits Ende 2019 in Frankreich angekommen sein könnte.

Am 30. Januar 2020 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die internationale Gesundheitsnotlage aus, um die weitere Verbreitung zu verhindern.

In China wurden bereits früh drastische Maßnahmen wie eine ausgedehnte Quarantäne in Wuhan in Verbindung mit der Einstellung sämtlicher Transportmöglichkeiten ergriffen. Diese Maßnahmen erwiesen sich laut WHO als wirksam, um eine weitere Verbreitung des Virus einzuschränken.

Dennoch griff COVID-19 abseits Chinas weiter um sich, sodass die WHO den Ausbruch am 11. März 2020 zu einer Pandemie erklärte, also einer Erkrankung, die sich über alle Kontinente hinweg ausgebreitet hat.

Die am stärksten betroffenen Regionen der Welt sind zurzeit USA, Indien, Iran, Brasilien, Großbritannien, Indonesien, Frankreich, Türkei, Russland und Thailand. (Stand: 24.08.2021). Weltweit werden Maßnahmen ergriffen, um die Pandemie möglichst schnell zu beenden.

Ausbreitung in Europa

Das Virus wurde in Europa zunächst (Ende Januar 2020) in Frankreich und dann in Deutschland nachgewiesen, breitete sich jedoch schnell über fast den gesamten Kontinent aus. Spanien, Frankreich, Großbritannien und Italien gehören zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa.

In ganz Europa wurden und werden derzeit Schutzmaßnahmen von politischer Seite beschlossen und durchgesetzt. Sowohl die EU als auch die einzelnen Länder und Regionen versuchen so, die weitere Verbreitung gering zu halten und möglichst schnell ein Abklingen der Pandemie herbeizuführen. Vielerorts konnten die Maßnahmen zwischenzeitig bereits wieder gelockert werden.

Die Lage in Deutschland im Rückblick

In Deutschland hat die Bundesregierung einen Krisenstab eingerichtet, der in enger Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut an der Eindämmung der Epidemie arbeitet. Die Maßnahmen waren und sind dabei stets abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen.

Rückblick: erste Welle

Die ergriffenen Maßnahmen während der ersten Pandemie-Welle waren mitunter je nach Bundesland und Region unterschiedlich, jedoch wurden zwischenzeitlich deutschlandweit Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen, ebenso wie die große Zahl der Geschäfte, Restaurants oder Cafés. In einer großen Rückholaktion wurden zu Beginn der Pandemie Reisende aus dem Ausland nach Deutschland zurückgeholt. Unter anderem wurden außerdem diese Maßnahmen ergriffen:

  • Deutschlandweit wurde am 22. März 2020 ein sogenanntes "Kontaktverbot" ausgesprochen, das das Zusammenkommen von mehr als zwei Personen, die nicht im selben Haushalt leben, in der Öffentlichkeit verbot. Einige Regionen verhängten zudem vorübergehend Ausgangssperren, die bald darauf jedoch wieder aufgehoben werden konnten. Am 6. Mai 2020 wurde die Kontaktbeschränkung gelockert, sodass sich auch Personen aus zwei Haushalten treffen durften, etwa zwei Familien. Später wurden weitere Lockerungen vorgenommen, die dann mit Beginn der zweiten Welle im Herbst 2020 wieder zurückgenommen werden mussten.
  • Großveranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben und wurden befristet bundesweit verboten.
  • Von touristischen und nicht notwendigen Reisen ins Ausland wurde mit Beginn der ersten Welle abgeraten. Das Auswärtige Amt gab zeitweise eine weltweite Reisewarnung aus, die jedoch für EU-Länder und einige weitere Länder zum 15. Juni 2020 und schließlich zum 1. Oktober vollständig aufgehoben wurde.
  • Die anfängliche Einschränkung des Reiseverkehrs wurde schrittweise aufgehoben, sodass auch zwischenzeitlich geltende Quarantänebestimmungen für Einreisende aus Nicht-EU-Ländern gelockert werden konnten.
  • Nachdem diese Maßnahmen erste Erfolge und einen Rückgang der Neuinfektionen zur Folge hatten, wurden am 15. April 2020 erstmalig eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen beschlossen, auf die später weitere Lockerungen folgten. Aus diesem Grund durften Geschäfte, Schulen und Angebote der Kinderbetreuung nach und nach unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen und zum Regelbetrieb zurückkehren.
  • In Geschäften, Schulen, Universitäten, Restaurants oder Cafés wurden regionale Hygieneregeln und Beschränkungen eingeführt. So mussten beispielsweise in vielen Bundesländern beim Restaurantbesuch Angaben zu den Kontaktdaten hinterlassen werden, um Infektionsketten in Ernstfall schneller nachverfolgen zu können. Bei Falschangaben drohte ein Bußgeld von mindestens 50 Euro.
  • Auch für Großveranstaltungen sowie private Feiern und Veranstaltungen wurden Vorschriften und Obergrenzen festgelegt, die bei Bedarf regional angepasst werden konnten. Die zulässigen Obergrenzen für die Personenzahl waren unter anderem abhängig von den aktuellen Infektionszahlen im jeweiligen Landkreis. Teilweise gingen die regionalen Beschränkungen auch mit zeitlich begrenzten Ausschankverboten für Alkohol oder sogar Ausgangsbeschränkungen einher.

Rückblick: Zweite und dritte Welle

Nach einer zunächst positiven Entwicklung der Infektionszahlen nach der ersten Welle wurden die Beschränkungen nach und nach wieder gelockert. Mit dem erneuten Ansteigen der Zahlen und dem Beginn einer zweiten Welle im Herbst 2020 wurden die Beschränkungen lokal wieder verschärft und konnten erst im Sommer 2021 nach und nach wieder gelockert werden.

Auch wenn der Lockdown nach und nach zu einem Rückgang der Neuinfektionen führte, blieb auch in Deutschland eine dritte Welle nicht aus, die nur langsam abebbte: Denn die erstmals in England entdeckte Virusvariante mit dem Namen Alpha (B.1.1.7) wurde immer häufiger auch in Deutschland in untersuchten Proben nachgewiesen, was einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen begünstigte. Die derzeit zugelassenen Impfungen können jedoch wirksam auch vor dieser Virusvariante schützen.

Folgende Maßnahmen waren unter anderem zu beachten:

  • Am 28. Oktober 2020 wurden strengere Maßnahmen beschlossen, die am 25. November und erneut am 13. Dezember weiter verschärft wurden. Weitere Verschärfungen wurden am 5. Januar 2021 beschlossen, zunächst befristet bis zum 31. Januar. Eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar wurde am 19. Januar bekanntgegeben, am 10. Februar folgte dann die nächste Verlängerung bis zum 7. März. Am 3. März wurde der Lockdown bis zum 28. März verlängert, jedoch in Verbindung mit verschiedenen, schrittweise greifenden Lockerungen. Am 23. März wurde aufgrund steigender Fallzahlen eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April beschlossen. Da die Notbremse nicht von allen Ländern konsequent umgesetzt wurde, wurde im April die sogenannte "Bundesnotbremse" in Form einer Anpassung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen.
  • In ganz Deutschland galten gewisse Kontaktbeschränkungen, die abhängig von der Inzidenz die zulässige Zahl von Personen regelten.
  • Regional kam es, abhängig von der aktuellen 7-Tage-Inzidenz, zu Ausgangssperren oder Alkoholverboten in der Öffentlichkeit.
  • Durch die strengeren Corona-Maßnahmen ab November wurden Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, untersagt. Auch Feiern im privaten Raum wurden als inakzeptabel angesehen.
  • Im Rahmen der verschärften Hygienemaßnahmen wurde beschlossen, dass Kultur- und Freizeiteinrichtungen ebenso wie Gastronomiebetriebe wie Restaurants oder Bars geschlossen werden, zulässig war nur noch die Lieferung oder Mitnahme von Speisen.
  • Geschäfte durften zunächst unter Auflagen geöffnet bleiben. Am 13. Dezember wurde jedoch ein Lockdown beschlossen, im Rahmen dessen ab dem 16. Dezember Teile des Einzelhandels sowie bestimmte Dienstleistungen im Bereich der Körperpflege vorübergehend schließen müssen. Geschäfte des täglichen Bedarfs, etwa Lebensmittelgeschäfte, blieben geöffnet.
  • Auch in Schulen und Kindergärten war das Ziel, die Kontakte erheblich einzuschränken. Eltern erhielten daher Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub und zusätzliche Tage mit Kinderkrankengeld. In Schulen wurde die Präsenzpflicht durch Distanzlernen ersetzt. Hochschulen sollten auf digitale Lehre umstellen.
  • Eine Homeoffice-Pflicht sollte dafür sorgen, dass noch mehr Menschen von daheim arbeiten können.
  • Die Maskenpflicht und Testpflicht waren weitere Mittel im Kampf gegen die Pandemie kostenlose Schnelltests spielten eine wichtige Rolle für die Öffnungsschritte.
  • Am 29. September wurde die Einrichtung von Fieberambulanzen beschlossen, die insbesondere während der Grippe-Saison Entlastungen für Arztpraxen und Krankenhäuser schaffen sollen.
  • Am 19. November trat das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft. Das Gesetz hatte zum Ziel, die gesetzliche Grundlage für die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu verfestigen. Darin werden beispielsweise mögliche Schutzmaßnahmen und Einschränkungen gelistet, die beim Kampf gegen die Corona-Pandemie zum Einsatz kommen können. Weitere Anpassungen des Gesetzes folgten.
  • Am 21. Dezember empfahl die Europäische Behörde EMA, den Impfstoff von BioNTech/Pfizer auch in Europa zuzulassen. Dadurch konnte am 26. Dezember 2020 in Deutschland mit der Corona-Impfung begonnen werden. Die Impfung erfolgt seitdem in speziellen Impfzentren und durch mobile Impfteams sowie später durch Hausärzt*innen und Betriebsärzt*innen. Durch die Zulassung von weiteren Impfstoffen wurde die verfügbare Menge an Impfstoffen weiter erhöht.
  • Bürger*innen wurden aufgefordert, auf private oder nicht notwendige Reisen sowie Verwandtschaftsbesuche (auch im Inland) zu verzichten. Außerdem wurden Übernachtungsangebote für touristische Reisen (Beherbergungsverbote) ausgesprochen.

Aktuelle Maßnahmen in Deutschland

Aktuell ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas recht gering. Das Fortschreiten der Impfkampagne macht zudem Hoffnung auf ein baldiges Pandemie-Ende – zumindest hierzulande.

Doch Bürger*innen sind weiterhin angehalten, soziale Kontakte so weit es geht zu reduzieren ("Social Distancing" beziehungsweise "Physical Distancing") und sich an die vorgegebenen Maßnahmen zu halten. Auch wenn viele Beschränkungen nun wieder gelockert und die allgemeine Reisewarnung vor Reisen ins Ausland aufgehoben wurde, ist die Pandemie noch nicht vorbei. Erneut steigende Infektionszahlen nähren die Befürchtungen, es könne zu einer "vierten Welle" kommen.

Weiterhin gilt:

  • Informieren Sie sich über die aktuell geltenden Regeln in Ihrer Region und bleiben Sie weiterhin vorsichtig. Über die jeweils aktuellen Regeln informiert die Bundesregierung hier. Als wichtige Kennzahl gilt die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, an die Lockerungen, aber auch Verschärfungen geknüpft sind.
  • Abhängig von der jeweiligen Inzidenz können gewisse Kontaktbeschränkungen gelten, die regeln, wie viele Personen sich treffen dürfen.
  • Auch die Öffnung von Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Universitäten, Geschäften, der Gastronomie oder von Freizeiteinrichtungen ist abhängig von den Inzidenzen. Insbesondere Großveranstaltungen sind weiterhin von den Maßnahmen betroffen.
  • In allen Bundesländern gilt in bestimmten Lebensbereichen eine Maskenpflicht, die konkreten Anforderungen sind regional unterschiedlich.
  • Im Rahmen einer bundesweiten Impfkampagne wird derzeit nach und nach allen impfwilligen und impffähigen Personen das Angebot gemacht, sich durch kostenlose COVID-Impfungen zu schützen.
  • Nach Kontakt zu Erkrankten sollte eine Quarantäne von 14 Tagen eingehalten und das Gesundheitsamt kontaktiert werden.
  • Zur Verbesserung der Meldeketten kommt eine bundesweite Corona-App zum Einsatz, die nach dem Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person eine Warnung übermitteln kann. Ebenfalls per App kann nachgewiesen werden, ob man geimpft oder genesen ist.
  • Schnelltests gelten als zentrales Mittel, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.
  • Mit der Aufklärungskampagne AHA + A + L weist die Bundesregierung auf die wichtigsten Schutzmaßnahmen hin. Dabei stehen die Buchstaben für Abstand halten, Hygiene, Alltagsmaske, App und Lüften.
  • Für Reisen gelten bestimmte Bestimmungen, etwa eine Testpflicht oder eine Quarantänepflicht für die Einreise aus Risikogebieten, Hochinzidenzgebieten oder Virusvariantengebieten. Für geimpfte und genesene Personen gelten oftmals Ausnahmeregelungen. Ausführliche Informationen zu den geltenden Sicherheitsbestimmungen bei Reisen innerhalb der EU finden sich auf dem europäischen Portal "Re-open EU". Eine EU-weite Corona-Ampel auf freiwilliger Basis soll Reisenden zudem einen einfachen Überblick über die europäischen Risikogebiete ermöglichen. Beachten Sie auch die Reise- und Sicherheitshinweise für die einzelnen Länder, die beim auswärtigen Amt tagesaktuell in Erfahrung gebracht werden können.

Die Lage wird zwar als ernstzunehmend eingestuft (die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland gilt als hoch), es gibt aber weder einen Grund zur Panik noch sollte man die empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigen. Wichtig ist, über die Situation informiert zu bleiben, sich an die empfohlenen Hygienemaßnahmen und die Empfehlungen von Regierung und Gesundheitsinstitutionen zu halten.

Achten Sie darauf, sich nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu informieren, da Fehlinformationen und Gerüchte, wie sie mitunter bereits in den sozialen Medien verbreitet wurden, nur unnötige Ängste schüren.

Wie ist die aktuelle Lage und wo findet man Updates?

Folgende Quellen können Ihnen helfen, sich über den aktuellen Stand zu informieren:

Coronavirus Spezial-Newsletter

 

Schutzmaßnahmen: eine Frage der Solidarität

Auch wenn die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für einzelne Personen mit Einschränkungen verbunden sind, beispielsweise der Reisefreiheit oder der Absage bestimmter Veranstaltungen, so war und ist das oberste Ziel, eine Ausbreitung des Virus bestmöglich einzudämmen beziehungsweise zu verzögern. Denn eine Verzögerung der Ausbreitung verschafft der Wissenschaft mehr Zeit, um Mittel zur Behandlung und Vorbeugung von COVID-19 zu entwickeln.

Auch kann durch diese Maßnahmen verhindert werden, dass das Gesundheitssystem durch zu viele Fälle auf einmal überlastet wird. Dann könnte auch die medizinische Versorgung anderer Fälle, beispielsweise bei einer Blinddarmentzündung oder einem Autounfall, nicht mehr gewährleistet werden.

Selbst wenn gesunde Menschen darüber hinaus eine Infektion mit dem Coronavirus in vielen Fällen folgenlos überstehen, besteht doch immer das Risiko, gesundheitlich geschwächte Menschen anzustecken, für die die Erkrankung tödlich sein kann. Aus diesem Grund ist die Einhaltung von Schutzmaßnahmen auch eine Frage der Solidarität.

Kritik an Schutzmaßnahmen in Deutschland

Doch die weitreichenden Schutzmaßen stehen auch in der Kritik, da sie mit Blick auf das tatsächlich eingetretene Ausmaß der bislang zu verzeichnenden Todesfälle von einigen Menschen als übertrieben erachtet werden. Oft wird dazu ein Vergleich mit der alljährlichen Grippe-Saison angestellt. Ob Grippe und COVID-19 miteinander vergleichbar sind und welche Unterschiede bestehen, lesen Sie hier.

Wissenschaftler*innen weisen darauf hin, dass die in der ersten Welle (im Vergleich zu anderen Ländern ohne entsprechende Schutzmaßnahmen) relativ niedrige Zahl an Todesfällen in Deutschland nur auf die Wirksamkeit der frühzeitig eingeleiteten und umfassenden Maßnahmen zurückzuführen ist. Während Einzelne durch die präventiven Maßnahmen also möglicherweise nur einen geringen oder keinen Nutzen verspüren, gelten diese für die Gemeinschaft als höchst effektiv. In der Forschung wird für dieses Phänomen seit den 1980er Jahren der Begriff Präventionsparadox (Prevention Paradox) verwendet.

Frühere Epidemien mit Coronaviren

Das SARS-Coronavirus (SARS-CoV) zählt zu den Beta-Coronaviren. Anders als die anderen Coronaviren befällt das SARS-Coronavirus in erster Linie die unteren Atemwege. Hierdurch löst es schwere Krankheitsverläufe aus, die unter anderem durch ein schweres akutes respiratorisches Syndrom (englisch: severe acute respiratory syndrome, SARS) gekennzeichnet sein können. Die Sterblichkeit infolge einer SARS-Infektion ist deutlich höher als bei den herkömmlichen Coronaviren.

Im Jahr 2003 kam es zu einer von China ausgehenden weltweiten Ausbreitung des SARS-Virus. Es infizierten sich circa 8.000 Menschen und mehr als 800 starben durch die Erkrankung.

Das MERS-Coronavirus zählt ebenso wie SARS und SARS-CoV-2 zu den gefährlicheren Beta-Coronaviren und wurde 2012 erstmalig beim Menschen nachgewiesen. Es besitzt eine noch höhere Sterblichkeitsrate, allerdings erreichte die Ausbreitung nicht die Ausmaße der beiden SARS-Coronaviren.

Quellen

Aktualisiert: 24.08.2021 - Autoren: Valerie Burmester, Studentin der Humanmedizin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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