Ernährung bei Krebs: Was muss man beachten?

Frau ernährt sich gesund bei Krebs © Getty Images/FatCamera

Viele Menschen mit Krebs möchten aktiv an der Verbesserung ihres Gesundheitszustands mitwirken und selbst etwas für ihr Wohlbefinden und ihre Genesung tun. Die Ernährung spielt dabei eine bedeutende Rolle. Sie kann beispielweise den während einer Krebserkrankung häufigen Gewichtsverlust und eine darauffolgende Mangelernährung verhindern und die Nebenwirkungen einer Therapie lindern. Es gibt dabei keine spezielle, richtige Ernährung, die allen an Krebs erkrankten Personen hilft. Vielmehr spielen der allgemeine Gesundheitszustand, die Therapieform, das Lebensalter und die persönlichen Vorlieben eine Rolle. Welche Ernährungsform für einen Menschen mit Krebs geeignet ist, sollte deshalb individuell, am besten gemeinsam mit einer professionellen Ernährungsberatung, entschieden werden. Was Sie generell tun können, um sich während einer Krebserkrankung möglichst gesund zu ernähren und Nebenwirkungen entgegenzuwirken und auf welche Ernährungskonzepte Sie besser verzichten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie wichtig ist die Ernährung bei Krebs?

Eine vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung ist grundsätzlich in jeder Lebensphase wichtig. Sie kann dazu beitragen, gesund zu bleiben, vor Krankheiten schützen und das Wohlbefinden steigern. Bei einer Krebserkrankung kommt der Ernährung eine besondere Bedeutung zu. Denn Personen mit Krebs sind oftmals von Einschränkungen in ihrer Ernährung betroffen. Einerseits kann das durch die Erkrankung selbst oder aber auch durch die erforderliche Therapie verursacht sein.

Wichtig für Betroffene ist, dass täglich ausreichend Energie, Vitamine und Mineralstoffe über die Nahrung aufgenommen werden, um einen drohenden Gewichtsverlust und eine mögliche Mangelernährung zu vermeiden. Denn ein guter Ernährungszustand kann:

  • eine notwendige Krebstherapie günstig beeinflussen
  • die Verträglichkeit von Behandlungen fördern
  • die Dauer eines Krankenhausaufenthalts verkürzen
  • die körpereigenen Abwehrkräfte stabilisieren
  • die Lebensqualität erhalten oder verbessern

Welche Ernährung bei Krebs?

Wenn es um die gesunde Ernährung bei Krebs geht, gibt es viele Möglichkeiten, aber auch viele Irrtümer. Sowohl körperliche Einschränkungen als auch seelische Verstimmungen haben einen Einfluss darauf, was gegessen werden kann und was schmeckt.

Die Ernährung bei Krebs sollte daher auf die individuelle Situation, die Erkrankung und die Therapiephase abgestimmt sein. Es sollte gegessen werden, was der Körper braucht: Energie in Form von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten sowie Vitamine und Mineralstoffe, je nach individuellem Bedarf.

Verbotene Lebensmittel bei Krebs oder Lebensmittel, die Krebspatienten nicht essen dürfen, gibt es nicht. Manche Lebensmittel werden aber je nach Krebsart und Therapie schlecht vertragen und sollten dann gemieden werden. Welche Lebensmittel das sind, muss jeder Patient mit Krebs für sich selbst herausfinden. Eine onkologische Ernährungsberatung kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein.

Gibt es Krebsdiäten?

Nach heutigem Wissensstand gibt es keine Ernährungsform, die eine Krebserkrankung heilen kann. Auch für eine Diät, mit der man Krebs aushungern kann, oder Lebensmittel, die Krebszellen zerstören, existieren keine wissenschaftlichen Belege.

Sogenannte Krebsdiäten, die auch als Anti-Krebs-Diät oder Anti-Krebs-Ernährung bezeichnet werden, können sogar gefährlich für Personen sein, die an Krebs erkrankt sind.

Die folgende Liste stellt eine Auswahl an Konzepten dar, die sich mit einer Ernährung gegen Krebs und gewissen Ernährungseinschränkungen befassen und die bei Krebserkrankungen nicht empfohlen werden können:

Name der Diät / Ernährungsform Eigenschaften Soll bewirken
Homotoxinlehre nach Reckeweg

Unter anderem: Kein Schweinefleisch, kein Alkohol, nichts Geräuchertes

Körper entgiften
Krebskur total nach Breuß 42 Tage auf feste Nahrung verzichten Krebszellen aushungern
Budwig-Diät Kost aus Leinöl und Quark, Obst und Gemüse Krebswachstum hemmen durch bestimmte Fettsäuren
Gerson-Therapie Fettfrei, salzfrei und pflanzlich, Kaffee-Rizinus-Einläufe, roher Kalbslebersaft Körper entgiften
Anti-Krebs-Diät nach Coy Wenig Kohlenhydrate, viele sekundäre Pflanzenstoffe Krebszellen aushungern
Ketogene Ernährung Keine Kohlenhydrate, viel Fett und Eiweiß Krebswachstum hemmen, Wirkung und Verträglichkeit der Therapie verbessern
Basische Ernährung Viele basenbildende Lebensmittel (unter anderem Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte), wenig säurebildende Lebensmittel (unter anderem Fleisch, Wurst, Ei, Zucker) Übersäuerung des Körpers entgegenwirken

Vorsicht bei Krebsdiäten

Eine einseitige Ernährung bei Krebs, wie sie bei vielen der oben genannten Krebsdiäten oder Ernährungsformen zu finden ist, kann sich negativ auf den Verlauf der Krebserkrankung auswirken. Die Folgen einer unausgewogenen Ernährung oder Diät können sein:

  • Ein Mangel an bestimmten, wichtigen Nährstoffen entsteht.
  • Zu wenige Kalorien oder Fastenkuren führen zu Energiemangel und Gewichtsverlust.
  • Starre Ernährungsregeln sind teilweise schwierig umzusetzen, was einen zusätzlichen täglichen Aufwand bei der Essenszubereitung bedeutet.
  • Wenn das Essen nicht schmeckt und der Genuss verloren geht, dann wird möglicherweise zu wenig gegessen, was zu Nährstoff- und Energiemangel und in der Folge zum Gewichtsverlust führen kann.

Aufgrund der Einschränkungen im Hinblick auf die Versorgung mit Eiweiß kann auch eine vegane Ernährung bei Krebs nicht empfohlen werden. Denn gerade tierisches Eiweiß aus Fleisch und Milchprodukten ist vom Körper einfach zu verwerten und daher wichtig für den Erhalt von Muskelfunktion und Energiehaushalt. Außerdem führt eine vegane Ernährung anfangs häufig zu einem Gewichtverlust. Bei einer Krebserkrankung ist aber gerade dies zu vermeiden.

Eine weitere Theorie besagt, Zucker und andere Kohlenhydrate seien die wichtigste Energiequelle für Krebszellen und verantwortlich für deren rasche Vermehrung. So wird Zucker mitunter als "giftig" für den Körper angesehen. Kein Zucker bei Krebs bewirke demnach, dass Krebszellen am Wachstum gehindert würden. Dieser Zusammenhang ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt. Studien weisen jedoch darauf hin, dass sich eine Ernährung mit viel Eiweiß und Fett und gleichzeitig wenig Kohlenhydraten bei Krebs besser eignet als eine normale Ernährung.

Im Gegensatz zu den oben genannten Diäten liefert eine abwechslungsreiche Kost mit viel Obst und Gemüse, die je nach Geschmack mit tierischen Lebensmitteln ergänzt wird, dem Körper Energie und alle wichtigen Nährstoffe, die er bei einer Krebserkrankung braucht.

Welche Ernährungseinschränkungen bei Krebs gibt es?

Zunächst muss gesagt werden: Nicht jede Krebserkrankung bringt zwingend Ernährungseinschränkungen mit sich. Häufig kann normal gegessen und getrunken werden. In diesem Fall ist die normale, vollwertige und ausgewogene Kost die beste Ernährungsweise. Wie bei Gesunden kann sich das Essverhalten an den 10 Regeln der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren. Diese legen fest, was von allen gesunden Menschen am besten und in welcher Menge gegessen werden soll.

Es gibt allerdings auch zahlreiche Gründe, warum das Essen und die Verdauung bei Krebs beeinträchtigt sein können:

  • Das Geschmacksempfinden ändert sich, sodass manche Lebensmittel nicht mehr (gerne) gegessen werden.
  • Angst und depressive Verstimmungen reduzieren den Appetit und das Hungergefühl.
  • Das Essen und die Verdauung bereiten Schmerzen.
  • Nebenwirkungen der Therapie können zu Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit oder Entzündungen der Schleimhäute führen.
  • Nach Operationen an Organen des Verdauungstrakts ist deren Funktion eingeschränkt.

Ernährung auf persönliche Bedürfnisse abstimmen

Neben der Krebserkrankung selbst kann auch die Therapie Auswirkungen auf den Ernährungszustand der erkrankten Person haben und Ernährungseinschränkungen mit sich bringen. Die wichtigsten Behandlungswege bei Krebs sind Operationen, Chemotherapie und Strahlentherapie. Jede Therapieform kann Nebenwirkungen verursachen, die man durch die Ernährungsweise beeinflussen und gegebenenfalls abmildern kann.

Auch nach Beendigung der Therapie bleibt die Ernährung ein bedeutender Einflussfaktor für den Verlauf der Genesung. Je nachdem, welche Beschwerden oder Bedürfnisse vorliegen, können sowohl Auswahl als auch Zubereitung der Lebensmittel individuell an die jeweilige Situation angepasst werden.

Gewichtsverlust und Nährstoffmangel bei Krebs

Wenn nicht ausreichend Nahrung aufgenommen wird oder die Verdauung eingeschränkt ist, können ein Gewichtsverlust und ein Nährstoffmangel die Folge sein. Je nach Krebsart und der verordneten Therapie kann das Risiko dafür unterschiedlich hoch sein. Deshalb sollte zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung auf das Gewicht geachtet werden.

Mögliche Ursachen für Gewichtsverlust und Nährstoffmangel während einer Krebserkrankung sind unter anderem:

  • Nährstoffe werden schlechter verwertet.
  • Tumore behindern Organe des Verdauungssystems, zum Beispiel Magen oder Darm.
  • Bei einer Operation wurden für die Verdauung wichtige Organe ganz oder teilweise entfernt.
  • Die Krebserkrankung erhöht den gesamten Energieverbrauch des Körpers.

Sowohl ein zu geringes Gewicht als auch eine Mangelernährung können die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach einer Operation oder Therapie verlängern und den Genesungsprozess erschweren. Einem ohnehin geschwächten Körper fehlt es an Kraft und Energie, um sich rasch zu erholen. Daher sollte dringend darauf geachtet werden, vor, während und auch nach der Therapie eine guten Ernährungszustand zu erreichen.

Was tun bei Ernährungseinschränkungen?

In jedem Fall gilt: Wenn Beschwerden vor, während oder nach der Therapie in Bezug auf die Ernährung auftreten oder sich das Körpergewicht verringert, sollte immer der behandelnde Arzt aufgesucht werden. Eine professionelle Ernährungsberatung kann zusätzlich hilfreich sein.

Auch wenn sie das Gespräch mit dem Arzt nicht ersetzen, können die folgenden Tipps dabei helfen, die Nahrungsaufnahme zu erleichtern und mögliche Beschwerden zu lindern.

Geschmacksstörungen und Appetitlosigkeit

Wer an Geschmacksstörungen und Appetitlosigkeit leidet, kann auf folgende Tipps zurückgreifen:

  • Lebensmittel und Getränke auswählen, auf die man Appetit hat
  • ausprobieren, was einem guttut und schmeckt
  • in Gesellschaft, alleine oder vor dem Fernseher essen: Alles ist erlaubt, was das Essen erleichtert

Übelkeit und Erbrechen

Auch Übelkeit und Erbrechen sind als Nebenwirkung einer Krebserkrankung und -therapie nicht unüblich. Diese Tipps helfen:

  • das Essen gut kauen und langsam essen
  • fettige und saure Lebensmittel vermeiden, da sie den Magen belasten
  • viel trinken, da man bei Durchfall erheblich an Flüssigkeit verliert
  • Medikamente gegen Übelkeit nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen

Durchfall und Verstopfung

Bei Durchfall und Verstopfung kann Folgendes beachtet werden:

  • bei Durchfall Rohkost und schwer verdauliche Vollkornprodukte und Ballaststoffe meiden
  • bei Verstopfung das Essen mit Ballaststoffen anreichern und viel trinken
  • kleinere, leichtverdauliche Mahlzeiten in kleinen Portionen über den Tag verteilt zu essen entlastet Magen und Darm

Entzündungen im Mundbereich, Kau- und Schluckbeschwerden

Auch Entzündungen im Mundbereich sowie Kau- und Schluckbeschwerden machen vielen an Krebs Erkrankten zu schaffen. Hier kann helfen:

  • für die Mund- und Zahnpflege milde Zahncremes und weiche Zahnbürsten verwenden
  • ungewürzte oder schwach gewürzte und keine scharfen oder sauren Lebensmittel essen
  • häufig und schluckweise trinken, um ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen
  • weiche Speisen wie Brei, Fisch oder gekochtes Gemüse bevorzugen
  • kühle Speisen können Schmerzen beim Kauen und Schlucken lindern

Bei Gewichtsverlust

Um Gewichtsverlust vorzubeugen oder entgegenzuwirken, können diese Tipps ausprobiert werden:

  • das Essen mit Fetten anreichern, um mehr Energie aufzunehmen
  • auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten
  • viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen
  • gemeinsam mit Arzt oder Ernährungsberatung einen Ernährungsplan erstellen
  • regelmäßig das Gewicht kontrollieren

Bei fortgeschrittener Erkrankung, umfangreichen Ernährungseinschränkungen und deutlichem Gewichtsverlust können unterstützende Ernährungsmaßnahmen wie Trinknahrung ("Astronautennahrung"), parenterale Ernährung (Infusionen) oder eine Sondennahrung notwendig werden. 

Astronautennahrung bei Krebspatienten

Unter "Astronautennahrung" oder "Astronautenkost" versteht man eine Trinknahrung, die neben sehr vielen Kalorien auch unterschiedliche Mengen an elementaren Mineralstoffen, Vitaminen und Nährstoffen enthält. Es gibt Produkte in verschiedenen Geschmacksrichtungen und unterschiedlichen Zusammensetzungen.

Astronautenkost stellt eine Form der künstlichen Ernährung dar und ist für Patienten gedacht, die nicht in der Lage sind, über die normale Ernährung die notwendige Menge an Kalorien und wichtigen Nährstoffen aufzunehmen. Sie wird beispielweise bei Krebspatienten eingesetzt, die in Folge der Erkrankung an einer Stoffwechselstörung leiden, die zu starkem Gewichtsverlust (Kachexie) führt.

Trinknahrung zählt zu den Arzneimitteln und kann vom Arzt verschrieben werden. Wird die Notwendigkeit einer Trinknahrung zur Verbesserung der Ernährungssituation festgestellt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Fazit: Mit fachlicher Unterstützung zur richtigen Ernährung

Krebspatienten können eine zertifizierte, onkologische Ernährungsberatung in Anspruch nehmen und sollten bei Unsicherheiten in Bezug auf die Erkrankung und die Therapie unbedingt mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten. Ein individueller Ernährungsplan mit Ernährungsempfehlungen und passenden Rezepten helfen dabei, einen Gewichtverlust und eine daraus resultierende Mangelernährung zu verhindern. Ist es aus gesundheitlicher Sicht notwendig, kann der Arzt zusätzliche Ernährungsmaßnahmen zur Unterstützung anordnen. Das Ziel ist in allen Fällen gleich: eine gute Ernährungsversorgung. Denn diese kann die Lebensqualität bei einer Krebserkrankung deutlich verbessern und die Lebenszeit verlängern.

Aktualisiert: 19.02.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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