Asthma beim Kind

Kind mit Asthma © istockphoto, Wojciech Kozielczyk

Asthma ist in Deutschland eine der häufigsten chronischen Erkrankung beim Kind und beginnt meist um das vierte Lebensjahr. Ein Alter, in dem die kleinen Patienten als Motivationshilfe noch die ganze Familie brauchen. Hier sollte eine Balance gefunden werden zwischen einem sehr konsequenten, aber auch selbstverständlichen Umgang mit der Krankheit.

Was ist Asthma?

Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung mit anfallsartig auftretendem Husten und Atemnot. Grund hierfür ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut – bedingt durch Virusinfektionen der Atemwege oder allergische Reaktionen gegen bestimmte Stoffe. Bei einem Anfall kommt es zu einer krampfartigen Verengung der Bronchien, die entzündete Bronchialschleimhaut bildet vermehrt Schleim. Der wiederum verstopft die Bronchien.

Asthma beim Kind erkennen

Ob ein Kind Asthma hat, ist unter Umständen gar nicht so leicht zu erkennen. Vor allem sehr kleine Kinder können noch schwer erklären, worunter sie genau leiden. Folgende Symptome können einen Hinweis geben:

  • gehäufte Erkältungen, die nur langsam wieder abklingen
  • das Kind ist schlapp
  • lang anhaltender Husten in der Nacht ohne das eine Erkältung vorliegt
  • Husten bei körperlicher Belastung, beim Lachen, bei Luftverschmutzung (zum Beispiel Zigarettenrauch, Autoabgase), bei kaltem Wetter oder Nebel
  • pfeifende oder brummende Geräusche beim Atmen.

Wichtig: Bei Verdacht auf Allergien sollten Sie mit ihrem Kind immer einen Arzt aufsuchen. Denn unbehandelt können sie in ein chronisches Stadium übergehen. Nicht selten findet ein so genannter Etagenwechsel statt. Damit bezeichnet man das Übergehen einer Allergieform in die nächste. Typischer Fall ist der Wechsel von einer Heuschnupfenerkrankung (Nase) zum Asthma (Bronchien).

Asthma: Wie motiviere ich mein Kind?

Die Betreuung eines allergiekranken Kindes stellt eine erhebliche Belastung für die ganze Familie dar und fordert von den Betreuenden eine Menge Konsequenz – gelegentlich auch gegen den Widerstand des Kindes. Denn dieses sieht nicht immer ein, warum es seine Medikamente einnehmen, inhalieren und die regelmäßigen Messungen durchführen muss.

Bedenken Sie: Jedes Kind möchte möglichst "normal" sein und "wie die anderen" behandelt werden. Dauerhaft kann es die Krankheit als Ausgrenzung empfinden. Tipps:

  • Stellen Sie das kranke Kind nicht zu sehr in den Mittelpunkt des Familiengeschehens, sonst fühlt es sich noch stärker beeinträchtigt. Das schwächt sein Durchhaltevermögen und seine Widerstandskraft. Außerdem kann sich ein so genannter Krankheitsgewinn einstellen: Das Kind lernt, dass es im Falle eines Anfalls viel Aufmerksamkeit bekommt und setzt dies bewusst ein.
  • Klären Sie Ihr Kind ausführlich über alle Behandlungsmaßnahmen und Konsequenzen auf. Danach sollten Sie bei allen therapeutischen Handlungen ruhig und konsequent bleiben und sich nicht auf Ausweich- und Verzögerungstaktiken einlassen. Das hilft dem Kind die Unumstößlichkeit und Selbstverständlichkeit der Maßnahme zu akzeptieren.
  • Schimpfen Sie nicht, wenn Ihr Kind den/die Auslöser seiner Allergie bewusst nicht gemieden hat und einen Anfall bekommt. Es ist genug bestraft und wird aus diesem Vorfall von alleine lernen. Stärken Sie sein Selbstbewusstsein, damit es eigenverantwortlich mit der Krankheit umgehen lernt. Hierzu gehört zum Beispiel, dass das Kind möglichst viele Handgriffe bei der Therapie selbstständig durchführt. Vergessen Sie nicht ein gelegentliches (!) Lob.

Inhalieren: Hilfreich, aber unbeliebt

Zu den beliebtesten Therapiemaßnahmen gehört es nicht, das Inhalieren. Vor allem, wenn die Beschwerden gerade gering sind, ist die Motivation zur Mitarbeit oft nicht allzu hoch. Sind die Kinder noch sehr klein, können sie Angst vor dem Gerät haben. Dann sollten sie versuchen, es in ein Spiel mit einzubeziehen oder dem Gerät einen lustigen Namen zu geben. Hilfreich kann es sein, die Inhalationszeit durch einen lustigen Tier-Wecker (der muht oder gackert) anzuzeigen. Älteren Kindern kann man während des Inhalierens etwas vorlesen oder ein ruhiges Spiel spielen.

Ist ein Kind partout nicht zum regelmäßigen Inhalieren zu bewegen, kann es im entsprechenden Alter eventuell auf ein Dosieraerosol umsteigen. Fragen Sie hierzu Ihren betreuenden Arzt.

Den Erfolg kontrollieren: Die Peak-Flow-Messung

Eine einfache Methode, um den Erfolg der Asthmatherapie zu kontrollieren, ist die so genannte Peak-Flow-Messung. Sie misst das Luftvolumen beim Ausatmen (in Liter pro Minute). Je höher das Ausatmungsvolumen ist, umso besser. Denn das bedeutet, dass die Bronchien weit sind.

Auch hier gilt: Versuchen Sie einen spielerischen Umgang mit dem Gerät zu finden und lassen sie das Kind bei der Handhabung des Gerätes möglichst selbstständig vorgehen. Nutzen Sie es nicht nur zur Kontrolle der Medikamenteneinnahme, sondern binden sie es in positive Erlebnisse ein. Wenn sich zum Beispiel beim Sport die Werte immer mehr verbessern, gibt das dem Kind ein enormes Erfolgserlebnis.

Hilfreiche Begleittherapien bei Asthma

Neben der medikamentösen Therapie gibt es in der Asthmabehandlung eine Reihe alternativer Behandlungsmethoden, die die Behandlung unterstützen. Vor allem für Kinder ermöglichen sie – im Gegensatz zur medikamentösen Therapie – einen viel aktiveren Umgang mit der Krankheit.

  • Klimawechsel: Eigentlich kein Problem, den Familienurlaub in einer Klimazone zu verbringen, die dem Kind gut tut, zum Beispiel Seeluft, Hochgebirge oder Wüstenklima. Es profitiert nicht nur von der Allergenfreiheit, sondern auch vom Reizklima.
  • Atemtherapie: Sie dient vor allem dem Training der Atemmuskulatur bei allergischem Asthma. Die Kinder (ab Vorschulalter) lernen außerdem, sich bei einem Asthmaanfall selbst zu helfen. Körperlich, indem sie eine die Atmung erleichternde Körperhaltungen einnehmen oder die so genannten Lippenbremse beim Ausatmen einsetzten. Die richtige Atemtechnik kann außerdem helfen, die Angst im Anfall zu reduzieren.
  • Entspannungsmethoden: Bei kleinen Asthmatikern spielt die Psyche eine große Rolle, denn seelische Belastungen können Asthmaanfälle auslösen oder den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Hier können Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung helfen.
  • Schulung: Außerdem gibt es spezielle Schulungsprogramme für asthmakranke Kinder ab dem Vorschulalter. Sie werden von Allergie- und Asthmakliniken sowie Allergieambulanzen angeboten und vermitteln umfangreiches Wissen und den selbstständigen Umgang mit der Krankheit.

Asthma und Sport

Häufig werden an Asthma erkrankte Kinder vom Sportunterricht befreit, obwohl dies nicht zwingend notwendig wäre. Im Gegenteil: Zur Behandlung gehört auch die Steigerung der Kondition. Denn regelmäßiges Training verbessert die Lungenfunktion und dadurch sinkt auch die Reizschwelle für das Auftreten eines Asthma-Anfalls.

Voraussetzung für die Teilnahme ist allerdings, dass der behandelnde Arzt seine Zustimmung gibt und das Kind mit seinen Medikamenten gut eingestellt ist. Außerdem sollte es seine Notfallmedikamente immer dabei haben. Sinnvoll ist es, wenn die Eltern mit dem betreuenden Lehrer ein Gespräch darüber führen, was im Notfall zu tun ist.

Abschied vom tierischen Freund?

Auch hier gilt, was für alle Auslöser gilt: Nur der konsequente Verzicht auf den Kontakt kann helfen. So schwer es sicher fällt: Wenn eine Tierhaarallergie als Verursacher des Asthmas ausgemacht wurde, sollte das entsprechende Tier nicht im Haushalt gehalten werden. Wenn sich das Kind absolut nicht vom Tier trennen will, besteht noch die Möglichkeit, es ausschließlich draußen zu halten, was zum Beispiel bei Hunden und Katzen möglich ist. So können sie den Kontakt auf ein Minimum reduzieren.

Asthmaanfällen vorbeugen

Neben Umweltbelastungen, körperlicher Anstrengung sowie Virusinfektionen sind häufig Allergene die Auslöser für Asthma bei Kindern. Als Auslöser kommen vor allem Pollen, Tierhaare, Nahrungsmittel, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Lebensmittelzusätze und Chemikalien in Frage. Vorbeugend hilft deshalb nur, nicht mit den Auslösern in Kontakt zu kommen:

  • Versuchen Sie, ständige Infektionen ihres Kindes zu vermeiden. Das lässt sich nicht immer mit seinem Wunsch nach sozialen Kontakten in Einklang bringen. Eine jährliche Grippeimpfung ist bei allen Asthmapatienten ratsam.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen. Es ist ein häufiger Auslöser für Asthmaanfälle.
  • Machen Sie bei einer Hausstauballergie die Wohnung milbenfest: 1) Besser als Teppiche sind glatte Böden, zum Beispiel aus Holz oder Stein, 2) Sorgen Sie dafür, dass sich möglichst wenige Staubfänger in der Wohnung und vor allem im Kinderzimmer befinden, 3) Plüschtiere müssen regelmäßig gereinigt werden (in einer Plastiktüte verpackt für 24 Stunden in die Tiefkühltruhe legen, danach kurz auswaschen), 4) Für das Bettzeug gibt es spezielle Überzüge; Kissen und Decken müssen ansonsten alle vier bis sechs Wochen bei 60 Grad mindestens eine Stunde gewaschen werden.
  • Kinder, die auf Luftverschmutzung reagieren oder eine Pollenallergie haben, sollten bei starkem Pollenflug oder Smog möglichst wenig Zeit draußen verbringen. Nachts schlafen sie besser bei geschlossenem Fenster.

Aktualisiert: 16.03.2017 – Autor: Ina Mersch

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