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Lebenselixier Luft

Luft gehört zu den Lebensgrundlagen für Mensch, Tier und Pflanze. So kann der Mensch ohne Essen etwa 40 Tage überleben, ohne Trinken nahezu fünf Tage, ohne Luft jedoch nur wenige Minuten. Luft besteht zu 21 Prozent aus Sauerstoff. Wir brauchen ihn, um Nährstoffe zu oxidieren, das heißt sie zu verbrennen. Nur so gewinnen wir Energie, die unseren Körper in Gang hält. Besonders empfindlich reagiert das Gehirn auf einen Sauerstoffmangel: Sofort kommt es zu Leistungseinbußen und ohne Sauerstoff sterben nach drei Minuten die ersten Gehirnzellen ab. Und obwohl Atmen lebensnotwendig ist, tun wir es meist ganz nebenbei und unbemerkt – und oftmals sogar falsch. Kein Wunder, wenn wir uns dann unwohl fühlen oder bei der Arbeit die Power fehlt. Besonders wichtig ist richtiges Atmen im Leistungssport. Und für jeden unmittelbar spürbar wird eine behinderte Atmung bei der Erkältung.

So funktioniert unsere Atmung

Das Einatmen ist ein aktiver Vorgang. Atemmuskeln dehnen den Brustkorb und der wichtigste, das Zwerchfell, weitet den Brustraum nach unten in den Bauch. Die Lunge füllt sich mit Luft. Beim Ausatmen entspannen sich die Muskeln dann wieder, der Brustkorb wird enger und die Luft wird aus der Lunge gepresst.

Über Mund oder Nase strömt die eingeatmete Luft in den Rachen, weiter in die Luftröhre und von dort aus in die Bronchien der Lunge. Diese verzweigen sich in den Lungenflügeln in immer feinere Äste (Bronchiolen). Durch die Bronchiolen gelangt die Luft schließlich in die Lungenbläschen, die so genannten Alveolen, die von kleinsten Blutgefäßen mit unvorstellbar dünnen Wänden durchzogen sind. Erst hier findet der Gasaustausch mit dem Blut statt: Frischer Sauerstoff wird vom Blut aufgenommen und durch den ganzen Körper transportiert, Kohlendioxid wird als Abfallprodukt vom Blut an die Alveolen abgegeben und ausgeatmet.

Funktion unserer Schleimhäute

Damit der empfindliche Bereich der Alveolen nur mit möglichst sauberer, temperierter und angefeuchteter Luft erreicht wird, ist das verzweigte System von Hohlräumen und Röhren durch Schleimhäute ausgekleidet. Diese beschützen außerdem das sensible Innere des Körpers vor eindringenden Krankheitserregern. Auf der Schleimhaut befinden sich Becherzellen, die eine schleimige zähflüssige Komponente ausscheiden und damit die Oberfläche abdecken. Tiefer liegen 40 Mal häufiger seromuköse Drüsen, die die darunter liegende dünnflüssige Phase auffüllen. Auf dieser schwimmt der zähe Schleim wie ein Film.

Den mit Abstand größten Teil der Zellen machen die so genannten Flimmerzellen aus, die feine Härchen tragen, die Zilien. Die Zilien bewegen sich in der dünn-flüssigen Phase und schlagen peitschenartig in Richtung Atmungsausgang. Der mit Staub, Viren und Bakterien verschmutzte Schleimfilm wird von unten durch die Zilien wie ein Fließband vorwärts befördert. Der in den Mundbereich transportierte Schleim, wird von uns reflexartig in gewissen Abständen heruntergeschluckt und etwa enthaltene Keime werden durch die Magensäure unschädlich gemacht.

Zahlen rund ums Atmen

Jede Minute holt ein erwachsener Mensch 12 bis 18 Mal Luft, Kinder zwei- bis dreimal so oft. Pro Atemzug atmen wir einen halben Liter Luft ein und aus, das sind 6-9 Liter Luft pro Minute und rund 10.000 Liter pro Tag. Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren haben wir durchschnittlich ein Lungenvolumen von 4 Litern, das sich bis zum 60. Lebensjahr bis auf die Hälfte reduziert.

Der Mensch besitzt über 300 Millionen Lungenbläschen (Alveolen). Deren Oberfläche entspricht ausgebreitet der Größe eines Fußballfeldes. Im Laufe seines Lebens verbraucht ein gesunder Mensch bis zu 20 Millionen Liter Sauerstoff (1 Liter Sauerstoff = 28 Liter Luft). Die Fläche der Schleimhäute in Nase und Nasennebenhöhlen beträgt fast einen halben Quadratmeter, in den Verzweigungen der Luftröhre und Bronchien etwa fünf Quadratmeter.

Atmung und Leistungsstärke

Gesundes Atmen sollte eine Mischung aus Bauch- und Brustatmung sein. Doch viele Menschen atmen falsch, das heißt sie atmen viel zu selten bis tief in den Bauch hinein. Schuld daran kann zum Beispiel eine gekrümmte Körperhaltung sein, sei es beim Sitzen am Schreibtisch oder auf der Couch vorm Fernseher. Doch Vorsicht: Auf Dauer kann falsches Atmen zu Beklemmungsgefühlen im Brustkorb, Kurzatmigkeit und Müdigkeit führen. Auch Verspannungen in Brust und Rücken können die Folge einer falschen Atmung sein. Außerdem ist eine flache Brustatmung schlecht für die Sauerstoffversorgung des Körpers. Denn gerade im unteren Bereich ist die Lunge gut durchblutet und kann dort besonders viel Sauerstoff aufnehmen.

Gesünder ist folglich die tiefe Bauchatmung. Sie ist sehr effektiv, weil der Körper dabei viel Luft in die Lungen zieht und den Körper mit jeder Menge Sauerstoff versorgt. Und das hat viele Vorteile - im Sport und im Beruf: verbesserte Konzentrationsfähigkeit, mehr Vitalität und Ausdauer. Bewusste Bauchatmung ist folglich ideal für anstrengende Tätigkeiten, da die Sauerstoffversorgung die Leistungsfähigkeit sowie körperliche und geistige Fitness stark beeinflusst. Am besten kann man die tiefe Bauchatmung durch Atemgymnastik üben. Auch Leistungssportler wie die mehrfache Weltcupsiegerin und neunfache deutsche Meisterin im Riesenslalom Martina Ertl verbessern so ihre Atmung und trainieren die Atemmuskulatur durch gezielte Übungen, um bei Wettkämpfen vorhandene Atemreserven optimal nutzen zu können.

Infekten vorbeugen

Wer seine Atemmuskulatur für tiefes Durchatmen trainiert hat, ist zudem besser gegen Infekte der Atemwege geschützt. In gut belüfteten Atemwegen haben es die Erreger viel schwerer sich festzusetzen und zu vermehren. Doch kaum einer ist endgültig gegen Erkältungen gefeit und wenn es uns erwischt hat, fällt das Atmen schwer und wir fühlen uns schlapp.

Dies passiert besonders häufig im Winter. Ursache hierfür ist die verringerte Durchblutung und Austrocknung der Schleimhäute an kalten Tagen. Die Abwehrfunktion der Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen ist vermindert, so dass sie die eingeatmete Luft schlechter erwärmen, befeuchten und reinigen können. So haben die rund 200 verschiedenen Erkältungsviren ein leichtes Spiel – sie infizieren die Schleimhäute, es kommt zu den typischen Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Wenn sich die Erkältung festsetzt, ist dies meist mit einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder der Bronchien (Bronchitis) verbunden. Die Schleimhäute schwellen an und das verstärkt gebildete zähflüssige Sekret kann nicht mehr abfließen.

Aktualisiert: 22.06.2012 – Autor: medipresse

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