Helicobacter pylori: Der Keim, der auf den Magen schlägt

Magenschmerzen bei Helicobacter pylori © istockphoto, champja

Eine Infektion mit Helicobacter pylori (H. pylori) ist die zweithäufigste Infektionskrankheit nach der Karies. 33 Millionen Deutsche und jeder Zweite über 50-Jährige lebt mit dem gefährlichen Untermieter im Magen. Aufstoßen, Völlegefühl, Schmerzen oder Brechreiz sind die Indizien dafür, dass der Magenkeim im Körper sein Unwesen treibt. Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), Geschwüre in Magen und Zwölffingerdarm oder gar Magenkrebs können sein Werk sein.

Symptome von Helicobacter pylori

Folgende Helicobacter-Symptome sind ein Hinweis auf Vorliegen des Magenkeims:

  • Schmerzen oder Druck im Oberbauch
  • ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
  • Nüchternschmerz: Die Beschwerden lassen während oder nach einer Mahlzeit kurzzeitig nach
  • Schmerzen in der Nacht, die einen aufwachen lassen
  • Blutarmut und schwarzer Stuhl

Wenn diese Symptome länger als ein bis zwei Wochen Probleme bereiten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen des Magenkeims

Heute wissen Fachleute, dass sich das Bakterium zumeist bereits in der Kindheit in den Magen einnistet und von Mensch zu Mensch übertragen wird. In unseren Breitengraden wird der Keim vermutlich hauptsächlich von Mund-zu-Mund (oral-oral) weitergegeben, beispielsweise von einer infizierten Mutter auf ihr Kind.

Die Gefahr, dass eine infizierte Person im Erwachsenenalter eine andere ansteckt, tendiert gegen Null. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ab einem gewissen Alter das Immunsystem dem Keim Paroli bieten kann.

In Entwicklungsländern mit niedrigem hygienischen Standard kommt es vermutlich auch zu einer Übertragung des Bakteriums über den Stuhl (fäkal-oral).

Das Risiko, sich mit Helicobacter pylori zu infizieren, lässt sich mit entsprechenden Hygienemaßnahmen reduzieren. So haben Studien ergeben, dass sich beispielsweise durch "Indoor-Toiletten" mit Waschbecken zum anschließenden Händewaschen die Infektionsrate erheblich senken lässt. 

Helicobacter pylori Bakterium (elektronenmikroskopische Aufnahme)

Gastritis als Folge von Helicobacter pylori

Helicobacter pylori verhält sich zunächst Jahre lang unauffällig, ohne dass der Betroffene etwas davon bemerkt. Aber irgendwann macht er auf sich aufmerksam. Mit seinen fadenförmigen Geißeln ist er extrem beweglich und verteilt sich über die gesamte Magenschleimhaut. Er versteckt sich in der Schleimschicht der Magenwand und heftet sich dort an Epithelzellen.

Auf die Dauer reagieren die Zellen der Magenschleimhaut gereizt, sie entzünden sich; eine Gastritis, die jedoch mitunter ohne Beschwerden im Magen schwelt, ist die Folge.

Aber häufig kommt dann doch ans Tageslicht, was schon lange im Verborgenen brütet. Der Magen rebelliert in der Folge mit Schmerzen, Völlegefühl und Übelkeit. 

Vom Keim zum Krebs

Die Gastritis kann wiederum häufig einer Vielzahl weiterer Erkrankungen den Weg bereiten, besonders dann, wenn Faktoren wie genetische Veranlagung, Rauchen oder bestimmte Medikamente hinzukommen.

Etwa 95 Prozent aller Zwölffingerdarm-Geschwüre sowie 70 bis 80 Prozent aller Magengeschwüre sind das Werk von H. pylori. Er steht auch in dringendem Verdacht, bösartige Erkrankungen wie Magenkrebs zu begünstigen oder gar auszulösen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Keim deshalb als krebserregend eingestuft.

Dennoch gibt es Patienten, die trotz ihres Mitbewohners im Magen keine Beschwerden plagen und erst davon erfahren, wenn der Magen-Darm-Trakt aus anderen Gründen untersucht wird. Und nicht jeden, der mit Helicobacter pylori infiziert ist, ereilt ein Geschwür.  Das Risiko für ein solches Geschwür ist bei einer Infektion mit Helicobacter pylori jedoch deutlich erhöht.

Aktualisiert: 06.02.2018

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