Bakteriell bedingte Enteritis

Bei einer Enteritis handelt es sich um eine Darminfektion. Diese kann verschiedene Ursachen haben. Häufig ist sie jedoch bakteriell bedingt. So kann es beispielsweise auf Reisen oder infolge einer Salmonellen-Infektion zu einer solchen Darminfektion kommen. Welche Arten der bakteriellen Enteritis es gibt, erfahren Sie im Folgenden.

Salmonellen-Enteritis

Die in unseren Breiten wahrscheinlich häufigste Ursache von bakteriell bedingtem Brechdurchfall ist die Infektion mit Salmonellen (vor allem Salmonella enteritidis). Besonders in Sommermonaten kommt es durch verunreinigte tierische Produkte (vor allem Geflügel und Eier) zu Beschwerden, die meist nach 12 bis 48 Stunden wieder ohne Konsequenzen verschwinden.

Reise-Diarrhö

Hauptverantwortlich für unangenehme Erinnerungen ("Montezumas Rache") an Erlebnisreisen sind pathogene (krankheitsverursachende) Kolibakterien (v.a. enterotoxische E.coli). Die Bakterien produzieren Gifte, die den Transport von Wasser und Elektrolyten (besonders Natrium und Kalium) durch den Darm negativ beeinflussen. Diese von starkem Durchfall begleitete Darmentzündung heilt nach einigen Tagen meist folgenlos aus. Allerdings existieren E.coli-Stämme, die schwerwiegendere Symptome verursachen können.

Cholera

Besonders in Entwicklungsländern kommt es nach Überschwemmungen immer wieder zu epidemieartig auftretenden Durchfallerkrankungen, verursacht durch das Bakterium Vibrio cholerae. Mangelnde Hygiene, verursacht durch nicht vorhandene oder schlecht funktionierende Kanalisation (kontaminiertes Trinkwasser!) sorgen in Verbindung mit warmem Klima für eine rasante Vermehrung des Keimes.

Auch hier bewirken Gifte Hemmung der Aufnahme und vermehrte Sekretion (Absonderung) von Wasser und Elektrolyten durch die Darmzellen. Die Folge sind sehr starke, zum Teil unkontrollierbare Durchfälle, die schnell zur Austrocknung und vor allem bei Kindern leider oft zum Tode führen.

Typhus

Diese durch Salmonella typhi verursachte invasive Darmerkrankung beginnt langsam und verursacht eine typische Fiebercharakteristik. Nach einer anfänglichen Obstipation (Verstopfung) kommt es in der zweiten Woche zu erbsbreiartigem Durchfall. Das Bakterium durchdringt die Darmwand und gelangt in die Blutbahn, von wo aus es weitere Organe befallen kann.

Die Infektion erfolgt über mit Menschenkot verschmierte Hände oder über kontaminierte Lebensmittel respektive Trinkwasser. Bei uns werden die meisten der insgesamt selten vorkommenden Fälle aus tropischen Ländern eingeschleppt. Unglücklicherweise existieren so genannte Dauerausscheider, bei denen keine Typhussymptome mehr vorhand en sind, die jedoch andere Menschen durch die Ausscheidung von S. typhi anstecken können.

Shigellose (bakterielle Ruhr)

Blutig-schleimig-eitrige Durchfälle, begleitet von schmerzhaften Darmkrämpfen sind das Leitsymptom der Infektion mit diesem Bakterium (Shigella). Insbesondere in Zeiten der Not und des Krieges kommt es aufgrund verminderter Hygiene zu Ruhr. Die Übertragungswege sind die gleichen wie beim Typhus.

Yersinia-Enteritis (Yersiniose)

Yersinien (am häufigsten Yersinia enterocolitica) verursacht diese durch Tierkontakt und kontaminierte tierische Lebensmittel übertragene Darmentzündung. Bei etwa einem Prozent aller Durchfallerkrankungen ist dieser Erreger nachweisbar.

Kinder leiden häufig unter "Blinddarmsymptomen", während bei Erwachsenen Beschwerden auftreten, die auch an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erinnern lassen. Weitere bakteriell verursachte Enteritiden können durch Campylobakter, Clostridien ("Antibiotika-Enteritis") oder Tuberkulose-Bakterien hervorgerufen werden.

Pilze (Candida, Aspergillus)

Verursachen vorwiegend bei abwehrgeschwächten Menschen (zum Beispiel AIDS) eine Entzündung des Darmes.

Protozoen-Enteritis

Von den einzelligen Parasiten verursachen vor allem Giardia lamblia (Lambliasis) und Entamöba histolytica (Amöben-Ruhr) hartnäckige Durchfallerkrankungen. Man findet diese Erreger besonders bei Rückkehrern aus tropischen und subtropischen Regionen. Gewisse Formen kommen jedoch auch in Europa vor.

Die Lambliasis verläuft abgesehen von breiigem Durchfall symptomlos. Die Ansteckung erfolgt über den Mund durch Aufnahme von Zysten, durch Schmierinfektionen (über Kot) oder durch kontaminierte Lebensmittel. Die Amöbenruhr hingegen ist invasiv. Das bedeutet, dass die Amöben die Darmwand durchdringen und andere Organe (allen voran die Leber) besiedeln können. Nebst himbeergeleeartigem Durchfall können dadurch schwerwiegende Komplikationen, wie Darmdurchbruch, Blutungen und Leberabszesse entstehen.

Toxische Enterocolitis

Durch gewisse Schwermetalle (Quecksilber, Blei) oder Gift produzierende Bakterien (Staphylokokken, Bazillus cereus oder Clostridium perfringens) kann es innerhalb von wenigen Stunden zu Übelkeit, explosivem Erbrechen, krampfartigen Schmerzen und Durchfällen kommen. Da die Bakterientoxine zum Teil hitzestabil sind, können diese Symptome auch nach Genuss gekochter Speisen auftreten. Trotz dieses kurzzeitig schweren Krankheitsbildes erholen sich die meisten Patienten rasch wieder.

Aktinische Enteritis

Nach einer Bestrahlung einer Krebserkrankung findet bei den empfindlichen Enterozyten eine Entzündung statt, welche jedoch dank der hohen Regenerationsrate der Darmzellen meistens folgenlos ausheilt.

Allergisch bedingte Enteritis

Prinzipiell kann jedes Nahrungsmittel bei entsprechender Veranlagung eine allergische Reaktion des Magendarmtraktes auslösen. Besonders häufige Allergene sind Kuhmilch, Eier, Soja, Nüsse, Obst, Gemüse (Sellerie) und Getreide.

Bei letztgenanntem können bei langfristigem Einwirken von Weizenbestandteilen (Gliadin) auf die Darmzotten zum Teil ausgeprägte Mangelerscheinungen bei Kindern (Zöliakie, Sprue) auftreten. Hier ist die Abgrenzung zu den autoaggressiven Entzündungsformen fließend.

Autoaggressive (autoimmun bedingte) Enteritiden

Zu dieser Gruppe gehören im wesentlichen die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.Zusatzinfo Für Reisende gilt nach wie vor: "Cook it, peel it, or leave it" (kochen, schälen oder sein lassen)

Aktualisiert: 08.07.2019

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?