Was Ihr Stuhl über Ihre Gesundheit verrät

Frau beim Stuhlgang © istockphoto, gpointstudio

Es ist kein Thema, über das man gerne redet, aber dennoch wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden: der Stuhlgang. Doch genaues Hinsehen beim großen Geschäft lohnt sich. Denn auch wenn Veränderungen von Farbe und Konsistenz des Stuhls oftmals durch die Ernährung bedingt und völlig harmlos sind, können sie beim Stuhlgang mitunter Hinweise auf Erkrankungen liefern. Wir haben für Sie eine Übersicht über die mögliche Bedeutung von Farbe, Konsistenz und Geruch des Stuhls zusammengestellt und erklären, wie es zu Stuhlveränderungen kommen kann.

Woraus besteht Stuhl?

Stuhl entsteht bei der Verdauung von Nahrung im Darm. Er besteht hauptsächlich aus unverdauten Nahrungsbestandteilen wie Ballaststoffen und Wasser in veränderlichen Anteilen.

Zudem sind bei gesunden Menschen Bakterien der normalen Darmflora, abgestoßene Zellen der Darmschleimhaut Verdauungssekrete und Schleim im Stuhl enthalten.

Stuhlgang: Wie oft ist normal?

Die Häufigkeit des Stuhlgangs variiert von Mensch zu Mensch. Stuhlfrequenzen von dreimal täglich bis zu dreimal in der Woche gelten als normal. Findet die Stuhlentleerung seltener als dreimal wöchentlich statt, spricht man von Verstopfung.

Häufiger Stuhlgang hat hingegen nicht zwangsläufig Krankheitswert: Nur wenn mehr als dreimal täglich weicher, ungeformter Stuhl abgesetzt wird, liegt laut Definition Durchfall vor.

Stuhlmenge von Ernährung abhängig

Die normale tägliche Stuhlmenge beträgt 100 bis 200 Gramm pro Tag. Bei ballaststoffarmer Ernährung oder reduzierter Nahrungsaufnahme wie beim Fasten ist die Menge geringer, bei hoher Ballaststoffaufnahme – etwa bei Vegetariern – können Stuhlmengen bis zu 1.000 Gramm normal sein.

Eine erhöhte Stuhlmenge bei normaler Ernährung kann jedoch auch auf eine Verdauungsstörung hinweisen, etwa bei einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Ein Warnzeichen ist hierbei auch, wenn der Stuhl auffällig stinkt und zugleich fettig glänzt.

Warum hat Stuhl verschiedene Farben?

Die charakteristische mittelbraune Farbe des Stuhls kommt durch ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin zustande: Werden rote Blutkörperchen in der Milz abgebaut, entsteht dabei der Gallenfarbstoff Bilirubin, der mit der Galle in den Darm gelangt und dort den Stuhl braun färbt.

So ist nachvollziehbar, dass Erkrankungen der Gallenwege eine Veränderung der Stuhlfarbe verursachen können. Doch auch verschiedene Nahrungsmittel, Medikamente, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Blutungen können die Farbe des Stuhls beeinflussen.

Was sagt die Farbe über den Stuhlgang aus?

Im Normalfall sollte der Stuhl eine hellbraune bis dunkelbraune Farbe aufweisen. Farbveränderungen können ernährungsbedingt vorkommen, deuten jedoch in manchen Fällen auf Erkrankungen hin.

Folgende Übersicht kann Ihnen helfen, verschiedene Stuhlverfärbungen richtig einzuordnen:

  • tiefbraun/schwarz: Ein sehr dunkler bis schwarzer Stuhl kann auf eine Blutung im Magen oder im Dünndarm hinweisen und wird dann Teerstuhl (Meläna) genannt. Die Farbe kommt dabei durch Abbauprozesse des Blutes bei Kontakt mit Magensäure oder Darmbakterien zustande. Doch auch bestimmte Lebensmittel wie Rote Beete, Spinat, Heidelbeeren und dunkle Schokolade sowie Kohletabletten und Eisenpräparate können eine Schwarzfärbung des Stuhls bewirken.
  • grau/lehmfarben/cremefarben: Ist der Stuhl auffallend hell, kann eine Erkrankung der Gallenwege oder der Leber dahinterstecken. Weitere Warnsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen oder -koliken sowie brauner Urin. In jedem Fall sollte heller Stuhl ärztlich abgeklärt werden.
  • weiß: Das Röntgenkontrastmittel Bariumsulfat ("Bariumbreischluck") wird zur radiologischen Darstellung des Magen-Darm-Traktes verwendet. Es wird unverdaut wieder ausgeschieden und führt dabei zu einer Weißfärbung des Stuhls. 
  • ocker: Ockerfarbener Stuhl kann bei einer abnormen Fettausscheidung (Steatorrhoe) vorkommen. Typischerweise ist dieser sogenannte Fettstuhl voluminös, fettig glänzend und übelriechend. Ursache ist in der Regel eine Störung der Fettverdauung oder der Fettaufnahme im Darm, die bei verschiedenen Erkrankungen des Verdauungssystems und des Stoffwechsels auftreten können. Eine ärztliche Abklärung von Fettstühlen ist daher erforderlich.
  • grün: Grünlicher Stuhl kann bei Verzehr von chlorophyllhaltigen Nahrungsmitteln wie Spinat, Grünkohl oder Salat auftreten. Grüner Durchfall hingegen ist ein Hinweis auf eine Darminfektion.  
  • gelb: Nahrungsmittel wie Karotten, Kürbis oder Eier können den Stuhl gelblich verfärben. In Verbindung mit Durchfall weist eine gelbe Stuhlfarbe jedoch auf eine Darminfektion hin. 
  • rot: Eine gleichmäßig rötliche Färbung des Stuhls kann durch den Verzehr von Roter Bete, Preiselbeeren oder roter Lebensmittelfarbe verursacht werden. Handelt es sich jedoch um beigemischtes Blut, ist ein Arztbesuch unabdingbar.

Wie sollte die Konsistenz von Stuhlgang sein?

Im Normalfall ist Stuhl eine weiche, aber geformte Masse, die leicht auszuscheiden ist.

Abweichungen sind häufig durch Ernährung und Verhalten bedingt: So können eine ballaststoffarme Ernährung, geringe Trinkmengen und Bewegungsmangel harten Stuhl und Verstopfung begünstigen. Verstopfung führt wiederum zu verhärtetem Stuhl, da bei einer längeren Verweilzeit im Dickdarm zunehmend Wasser aus dem Stuhl resorbiert wird.

Bristol-Stuhlformen-Skala: Klassifikation der Stuhlkonsistenz

An der Universität der englischen Stadt Bristol wurde im Jahr 1900 eine Tabelle zur Einordnung von Form und Konsistenz des Stuhls erstellt. Die sogenannte Bristol-Stuhlformen-Skala beinhaltet sieben Stuhltypen:

  • Typ 1: harte Kügelchen, schwer auszuscheiden
  • Typ 2: feste, wurstförmige Klümpchen
  • Typ 3: wurstartig, mit rissiger Oberfläche
  • Typ 4: wurstartig, mit glatter Oberfläche
  • Typ 5: glatte, weiche Klümpchen, leicht auszuscheiden
  • Typ 6: breiig mit weichen Klümpchen
  • Typ 7: dünn, wässrig, ohne feste Bestandteile

Typ 3 und 4 gelten als "Idealstuhl", doch auch Typ 5 kann bei gesunden Menschen vorkommen. Typ 1 und 2 sind häufig mit Verstopfung assoziiert, wohingegen Typ 6 und 7 bei Durchfall auftreten.

Ist der Stuhl stiftförmig oder bandnudelartig geformt, kann dies auf Verengungen im Darm hinweisen. Mögliche Ursachen können Verwachsungen, Darmpolypen und in seltenen Fällen Darmkrebs sein. Daher sollten Sie bei dünn geformtem Stuhl baldmöglich einen Arzt aufsuchen.

Blut im Stuhl? Unbedingt zum Arzt!

Blut im Stuhl ist ein Alarmzeichen und sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Zwar ist die Ursache in vielen Fällen harmlos, jedoch können auch ernsthafte Erkrankungen hinter blutigem Stuhl stecken. Zu den möglichen Ursachen für Blut im Stuhl zählen unter anderem:

  • Analfissur: Bei Einrissen am After, die beispielsweise bei chronischer Verstopfung auftreten können, findet sich meist hellrotes Blutes am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl aufgelagert. Typisch sind Schmerzen und Brennen beim Stuhlgang.
  • Hämorrhoiden: Wenn der Stuhlgang brennt und der After nach dem Stuhlgang juckt, kann dies auf ein Hämorrhoidalleiden hinweisen. Vergrößerte Hämorrhoiden äußern sich zudem häufig durch hellrote Blutungen beim Stuhlgang. Schmerzen sind hingegen eher untypisch.
  • Darminfektion: Verschiedene Durchfallerreger wie Salmonellen, Shigellen, Campylobacter jejuni, Amöben oder EHEC können zu blutigen Durchfällen führen. 
  • Darmentzündung: Bei einer Entzündung im Darm wie bei Colitis ulcerosa kann Blut im Stuhl oder blutiger Durchfall auftreten.
  • Divertikel: Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikel) sind an sich harmlos, können sich aber entzünden oder bluten und so zu Blut im Stuhl führen. 
  • Tumore im Darm: Gutartige (Polypen) oder bösartige (Darmkrebs) Wucherungen im Darm oder am After können blutigen Stuhl verursachen.

Was tun bei Stuhlveränderungen?

Wenn Ihnen Veränderungen beim Stuhlgang auffallen, sollten Sie zunächst überlegen, ob dies auf die Ernährung zurückzuführen sein könnte. Ungewohnte Nahrungsmittel und ein anderer Tagesrhythmus – etwa im Urlaub – können Aussehen, Geruch, Konsistenz und Frequenz des Stuhlgangs verändern.

Anhaltende, ernährungsunabhängige Veränderungen sowie plötzliche Stuhlinkontinenz sind hingegen ein Grund für einen Arztbesuch.

Nach einer eingehenden Befragung und körperlichen Untersuchung wird der Arzt in der Regel eine Tastuntersuchung des Mastdarms vornehmen. Eine Blutuntersuchung und eine Stuhlprobe können Hinweise auf eine Entzündung, Infektion oder Blutung liefern.

Anschließend wird der Arzt entscheiden, ob eine Darmspiegelung zur weiteren Abklärung erforderlich ist.

Stuhlgang beim neugeborenen Kind

Der erste Stuhl beim Baby wird Kindspech (Mekonium) genannt und ist typischerweise grün bis grau. Normalerweise erfolgt der erste Stuhlgang nach der Geburt innerhalb der ersten 48 Stunden.

Meist bildet das Baby ab dem zweiten bis vierten Lebenstag bereits Nahrungsstuhl – vermischt mit Mekonium wird er Übergangsstuhl genannt. Der darauffolgende reine Muttermilchstuhl ist in der Regel gelb bis orange und hat eine cremige Konsistenz.

Aktualisiert: 14.03.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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