Wie man ein Geschwür richtig behandelt

Schmerzhafter Ulkus © istockphoto, CentralITAlliance

Mehr als ein Drittel der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulkuskrankheiten) bildet sich spontan zurück. Die Heilungsprozesse werden anscheinend durch eine Änderung der psychisch-veget ativen Konstellation des Patienten gefördert. Für diese Annahme sprechen auch wissenschaftliche Studien, nach denen fast die Hälfte der Patienten durch Plazebos (Scheinmedikamente ohne Wirkstoffe) geheilt werden. Die Wirksamkeit von säurebindenden Medikamenten (Antazida) übersteigt die "Erfolgsquote" von Plazebos kaum. Folglich werden unkomplizierte Ulzera ambulant behandelt. Eine Bettruhe ist nicht erforderlich.

Primäres Ziel der Behandlung eines Geschwürs

Ziele der Therapie der Ulkuskrankheit sind rasche Schmerzbefreiung, Ulkusheilung und Rezidivprophylaxe. Im Langzeitverlauf ist die Ulkuskrankheit jedoch durch immer wieder auftretende Ulkuskrankheiten gekennzeichnet. Bis zu 80 Prozent der Patienten erleiden innerhalb eines Jahres ein Rezidivulkus, wenn zur Heilung des vorangegangenen Geschwürs lediglich säuresekretionshemmende Pharmaka eingesetzt wurden. Die Ursache hierfür ist, dass durch Säureblocker die der Ulkuskrankheit zugrundeliegende Infektion mit Helicobacter pylori nicht saniert wird.

Wird ohne vorherige Sanierung der Infektion eine Vorbeugung durch jahrelange Dauertherapie mit Säureblockern durchgeführt, kann sich die Magenentzündung sogar verschlimmern. Deshalb ist das A und O jeder Behandlung die Abtötung der Helicobacter pylori-Bakterien. Diese Therapie hat eine spezielle Bezeichnung erhalten: Eradikationsbehandlung.

Helicobacter-pylori-Eradikation

Sowohl bei dem erstmaligen Auftreten eines Ulkus, als auch bei Rezidivgeschwüren ist die Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion als primäre Therapiemaßnahme notwendig. Hierdurch wird nicht nur das aktuelle Geschwür geheilt, sondern auch eine effektive Prophylaxe betrieben.

Die konventionelle Behandlung ausschließlich mit Säuresekretionshemmern heilt das aktuelle Geschwür langsamer als die Kombination mit einer Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion und bietet keinen Schutz vor dem Rezidivulkus, das in Magen- und Zwölffingerdarm innerhalb eines Jahres nach Therapieende zu 60 bis 80 Prozent zu erwarten ist.

Zur Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion wird heute die Kombination eines Protonenpumpenhemmers zur Reduktion der Magensäureproduktion mit zwei Antibiotika empfohlen. Als Antibiotikum werden Clarithromycin und entweder Metronidazol oder Amoxicillin eingesetzt. Hiermit kann in 85 bis 100 Prozent der Fälle eine erfolgreiche Sanierung der Infektion erzielt werden.

Wann ist eine Behandlung erfolgreich?

Eine erfolgreiche Behandlung eines Magengeschwürs ist nur dann möglich, wenn der Patient die Eradikationsbehandlung konsequent einhält. Die Therapie sollte immer mit allen drei Medikamenten gleichzeitig begonnen werden. Nach sieben Tagen ist die Behandlung beendet. Normalerweise wird die Heilung von Duodenal- beziehungsweise Magengeschwüren innerhalb von vier beziehungsweise acht Wochen erreicht. Acht Wochen nach Beginn der Eradikationstherapie wird eine erneute Spiegelung des Magen-Darm-Traktes durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt sind 85 bis 90 Prozent der Magengeschwüre vollständig geheilt.

Aus der Ulkusnarbe werden Biopsien entnommen, um eneut die Gutartigkeit des Geschwürs zu bestätigen, da auch bösartige Geschwüre unter säurehemmender Therapie nach endoskopischen Kriterien eine Heilung vortäuschen können. Gleichzeitig werden aus unterschiedlichen Magenschleimhautregionen Gewebeproben zum Nachweis von Helicobacter pylori entnommen. Ist bei der Kontrollgastroskopie acht Wochen nach Beginn der Sanierung der Helicobacter-pylori-Infektion ein Magengeschwür noch nicht vollständig abgeheilt, werden Gewebeproben aus dem Rand des Geschwürs und vom Boden entnommen, um Bösartigkeit auszuschließen.

War die Eradikationstherapie erfolgreich und liegt keine Bösartigkeit vor, wird vier Wochen lang weiter mit einem Protonenpumpenhemmer therapiert. Anschließend erfolgt eine erneute Magen-Darm-Spiegelung. Ist die Infektion nach einem Eradikationsversuch nicht saniert wird ein erneuter Versuch mit den drei Medikamenten unternommen. Vier bis sechs Wochen nach Beendigung dieser zweiten Therapie wird der Erfolg erneut überprüft.

Erfreulich ist, dass eine erneute Infektion mit Helicobacter pylori bei unter einem Prozent liegt. Die Sanierung der Infektion ist also dauerhaft. Fehlende Therapietreue während der Helicobacter pylori-Eradikation kann den Verlauf der Erkrankung verschlimmern und die Entstehung von schweren Blutungen begünstigen.

Antazida

Anatazida neutralisieren die bereits gebildete Magensäure. Sie enthalten meist Aluminium- oder Magnesiumhydroxid oder Karbonatverbindungen. Sie sind als Gel, Suspension oder Tabletten in großer Anzahl auf dem Markt. Aluminiumhaltige Präparate wirke eher verstopfend, magnesiumhaltige abführend. Die Präparate sind ein bis zwei Stunden nach der Mahlzeit und gegebenenfalls noch einmal nach drei Stunden einzunehmen. Andere Medikamente sollten mit einem Sicherheitsabstand von einer Stunde genommen werden, da ansonsten deren Aufnahme im Magen beeinträchtigt werden kann.

Histamin-H2-Antagonisten

Histamin-H2-Antagonisten nehmen sowohl in der akuten Ulkustherapie als auch in der Rezidivprophylaxe eine Vorrangstellung ein. Im Gegensatz zu Antazida vermindern sie die Magensäurenproduktion, indem sie die Histamin-H2-Rezeptoren der Belegzelle blockieren. Die wichtigsten Substanzen sind Ranitidin, Famotidin, Nizatidin, Roxatidin und Cimetidin. Vorteilhaft ist, dass meist eine Tageseinzeldosis am Abend ausreicht. Die Hauptnebenwirkungen der H2-Blocker sind allergische Reaktionen, gastrointestinale Symptome wie zum Beispiel Durchfall, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Seltener sind ein Anstieg des Serumkreatinins oder der Leberwerte sowie bei längerer Anwendung bei Männern eine Vergrößerung der männlichen Brust und Libidostörungen.

Protonenpumpenhemmer

Der Wirkstoff Omeprazol ist zum Beispiel ein Protonenpumpenhemmer. Sie vermindern die Säuresekretion durch Hemmung eines Schlüssel-Enzyms, das für den Protonentransport der Belegzelle des Magens verantwortlich ist. Sie sind besonders bei Helicobacter pylori-Besiedlung des Magens und des Dünndarms, Ulkus-Rezidiven oder einem Zoller-Ellison-Syndrom angezeigt. Wichtigste Nebenwirk ungen sind gastrointestinale Symptome wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen sowie Blutbildveränderungen. Bei hochdosierter Gabe als Spritze wurden Sehstörungen bis hin zur Erblindung durch Schädigung des Sehnerven beschrieben.

Schutzfilmbildner

Schutzfilmbildner wie zum Beispiel Sucralfat überziehen die Magenschleimhaut mit einem dünnen Film, der vor der aggressiven Magensäure schützt und etwas sechs Stunden auf dem Ulkusgrund haftet. Die Hauptnebenwirkung besteht in einer gelegentlichen Verstopfung. Schutzfilmbildner werden möglichst auf leeren Magen eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen. Wasser kann nachgetrunken werden. Antazida und H2-Antagonisten sollten nicht zeitgleich zu den Schutzfilmbildnern, sondern wegen möglicher Wirkungsbeeinträchtigung um zirka eine Stunde versetzt genommen werden.

Anticholinergika

Anticholinergika, aber vor allem Pirenzepin, hemmen die Magensäuresekretion, indem es die Rezeptoren besetzen, die der Überträgerstoff des Nervus vagus benötigt, um die Belegzellen der Magenschleimhaut zu stimulieren. Anticholinergika werden in erster Linie in Kombination mit anderen Ulkustherapeutika eingesetzt. Da sie nicht nur den Hauptnerv des Parasympathikus, sondern auch die anderen Nerven hemmen, entstehen für die Betroffenen bei höherer Dosierung unangenehme Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Blasenentleerungsstörungen, Akkomodationsstörungen oder schneller Herzschlag. Bei Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) oder Prostatavergrößerung dürfen sie nicht gegeben werden.

Wismutpräparate

Als Ulkustherapeutika gelten auch Wismutpräparate, die heute meist in Kombination mit Antibiotika zur Bekämpfung der Helicobacter pylori-Infektion gegeben werden. Sie werden eine halbe bis zu einer Stunde vor den Mahlzeiten genommen. Der Betroffene muss wissen, dass sich der Stuhlgang schwarz verfärbt und sich (je nach Präparat unterschiedlich) auch Zunge, Zahnfleisch und Zahnprothesen verübergehend verfärben kann.

Antibiotika

Penicillinabkömmmlinge wie Amoxicillin, aber auch Substanzen wie Metronidazol haben eine größere Bedeutung bei der Bekämpfung der Helicobacter pylori-Infektion im Rahmen der Ulkustherapie erlangt.

Einem Geschwür vorbeugen

Die Beachtung der Therapievorschriften und der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Koffein fördern den Heilungsprozess. Eine leicht verdauliche Kost in mehreren kleinen Mahlzeiten (zirka 5 mal pro Tag) überfordert den Magen nicht übermäßig, und der Magen kann sich in kleineren Abständen entleeren. Auf diese Weise wird verhindert, dass übermäßig hohe Mengen an Salzsäure über einen längeren Zeitraum im Magen verbleiben. Grundsätzlich kann allen Ulkus-Patienten eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen werden.

Aktualisiert: 05.03.2015

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