Parodontitis: Früherkennung durch Parodontalen Screening Index (PSI)

Frau zur Parodontitis-Früherkennung beim Zahnarzt © istockphoto, D_Djordje

Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Über 80 Prozent der Bevölkerung leiden nach Ergebnissen der Dritten Deutschen Mundgesundheitsstudie an einer Gingivitis. Jeder dritte Erwachsene zeigt Zeichen einer mittelschweren, jeder siebte sogar die einer schweren Parodontitis. Doch diese dramatische Situation muss nicht sein, denn dem Zahnarzt stehen heute modernste Diagnose- und Therapiemethoden zur Verfügung. Bei einer frühzeitigen Diagnose und einer frühen Therapie können Gingivitis und Parodontitis erfolgreich behandelt werden. Allerdings blieben durch unzureichende Diagnostik viele Parodontalerkrankungen in ihrer Frühphase immer noch unerkannt. Bei regelmäßiger Kontrolle durch den Zahnarzt kann dieser bei Bedarf frühzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen wie z. B. einen Schnelltest zur Kontrolle der Zahnfleischtaschen. Der Test funktioniert ohne Aufwand und ist völlig schmerzfrei. Mit Hilfe einer sogenannten Schnelltest-Sonde ("Screening") werden die Zahnfleischtaschen durchmessen. Hierbei kommt es auf jeden Millimeter an.

Parodontaler Screening Index

Ein Parodontaler Screening Index (PSI) ist ein kostengünstiges, relativ rasch durchzuführendes Verfahren zur Früherkennung von Parodontitiden und kommt ohne großen apparativen Aufwand aus. Die Untersuchung wird mit einer speziellen Parodontalsonde (WHO-Sonde) durchgeführt, mit der auf einfache Art und Weise die Blutungsneigung der Gingiva und Rauigkeiten der subgingivalen Zahnoberflächen festgestellt sowie die Tiefe von Zahnfleischtaschen gemessen werden können.

Der Zahnarzt kontrolliert mit der Sonde die Tiefe der so genannten Zahnfleischtaschen. Das sind die nicht sichtbaren Räume zwischen dem Zahnfleisch und den Zähnen. "Zwar wirkt Darstellungen des Einsatzes der Sonden auf den ersten Blick etwas unangenehm, aber der Test ist selbst bei einer Entzündung schmerzarm", kommentiert proDente-Experte Dr. Dietmar Oesterreich die Untersuchung. Gleichzeitig werden vorhandene Blutungen registriert und das Vorhandensein von Zahnstein sowie überhängende Füllungen und Kronen vom Zahnmediziner beurteilt. Ebenso werden vorhandene Lockerungen, freiliegende Zahnhälse und Wurzelzwischenräume erfasst.

Untersuchung und Behandlung

Zur Untersuchung wird das Gebiss in Sextanten aufgeteilt, in denen die Befunde erhoben und fünf unterschiedlichen Codes zugeordnet werden. Ergebnis dieser Untersuchung ist die genaue Einstufung der Zahngesundheit des Patienten. Mit Hilfe eines Index werden fünf Schweregrade (von 0-4) unterschieden. Für jeden Bereich wird jeweils nur der höchste Wert notiert, erläuterte Wolfgang Bengel das Verfahren. Bei Code 0 sind Gingiva und Parodont gesund. Die Codes 1 und 2 deuten auf eine Gingivitis hin, Code 3 und 4 auf eine mittelschwere bzw. schwere Form der Parodontitis.

Aufgrund der Ergebnisse wird der Zahnarzt gegebenenfalls eine weitergehende, umfassende parodontale Untersuchung durchführen und entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten.

Schweregrad Behandlungsmaßnahmen
Grad 0 Zahnfleisch und Parodont sind gesund, es ist keine weitere Therapie nötig.
Grad I Das Zahnfleisch ist entzündet. Es sollte eine gründliche Zahnreinigung erfolgen. Zudem sollte der Patient genau über die häusliche Zahnpflege informiert werden.
Grad II Das Zahnfleisch ist entzündet und es gibt Zahnstein oder überhängende Füllungen und Kronen. Nach professioneller Zahnreinigung und Information über bessere Mundhygiene werden Füllungen und Kronen nachgearbeitet oder erneuert.
Grad III Es liegt eine leichte Parodontitis vor. Zudem können auch die oben genannten Befunde vorhanden sein. Neben den unter I und II genannten Behandlungsmaßnahmen sollte eine systematische Parodontitistherapie durchgeführt werden.
Grad IV Es liegt eine schwere Parodontitis vor. Zudem können auch die oben genannten Befunde vorhanden sein. Neben den unter I und II aufgeführten Maßnahmen sollte eine systematische Parodontitistherapie u. U. mit weiteren chirurgischen Maßnahmen dringend durchgeführt werden.

Auch Gene tragen Verantwortung

In einigen Familien tritt die Parodontitis gehäuft auf. Wer nun sogleich an auftretende Infektionen bei Menschen denkt, die in engem Kontakt zueinander stehen, liegt nicht immer richtig. Auch in Bezug auf Menschen, die sehr großen Wert auf ihre Mundhygiene legen und dennoch an Parodontitis erkrankten, tappte die Forschung lange Zeit im Dunkeln. Zwar fördert mangelnde Mundhygiene die Entstehung von Paradontitis, doch ist diese nicht ausschließlich dadurch zu begründen.

Stark erhöhtes Risiko für ein Drittel der Bevölkerung

Mittlerweile weiß die Wissenschaft mehr Antworten auf diese Fragen: So sind bestimmte Patienten genetisch mit einem höheren Risiko behaftet, an Parodontitis zu erkranken. Mittlerweile gibt es einen einfachen neuen Test, der Klarheit über ein mögliches Risiko für Paradontitis bringen kann. Dazu wird einfach mit einem Wattestäbchen über die Mundschleimhaut gestrichen, das Ergebnis wird in einem Labor ausgewertet.

Wird eine erhöhte Produktion von Interleukin-1 nachgewiesen, besteht eine größere Entzündungsneigung. Schließlich droht an der betreffenden Stelle Knochenabbau. Es gilt in jedem Fall, dass mit regelmäßiger prophylaktischer Betreuung auch hier eine entsprechende Verbesserung der Situation möglich ist. Ein sehr hoher Risikofaktor – das Rauchen – sollte von den betreffenden Personen unbedingt vermieden werden.

Aktualisiert: 29.04.2019 – Autor: Quellen: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP), proDente

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?