Lifeline Logo

Schmerzempfindliche Zähne: Ursachen für die plötzlichen Beschwerden

Frau hat schmerzempfindliche Zähne © istockphoto, RyanKing999

Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Plötzlich empfindliche Zähne, ein Zahn schmerzt beim Trinken, Kälteschmerz oder auch Zahnschmerzen beim Verzehr von Süßigkeiten wie Schokolade. Diese Beschwerden können sehr unangenehm sein. Die Ursachen für schmerzempfindliche Zähne, insbesondere wärme- und kälteempfindliche Zähne, Schmerzen beim Zähneputzen sowie Empfindlichkeit bei süßen oder sauren Lebensmitteln können sehr vielfältig sein. Was dahintersteckt und mit welchen Mitteln Sie sich helfen können, erfahren Sie hier.

Ursachen: Woher kommen schmerzempfindliche Zähne?

Schmerzempfindliche Zähne deuten meistens auf eine Krankheit im Mundraum hin, können aber auch Folge einer zahnärztlichen Behandlung sein.

Trifft Letzteres zu, so ist dies am wahrscheinlichsten darauf zurückzuführen, dass bei vielen Zahnbehandlungen standardmäßig ein Teil der intakten Zahnsubstanz abgeschliffen werden muss. In der Folge sind die Zähne schlechter vor äußeren Einflüssen geschützt und reagieren deshalb empfindlicher.

Schmerzempfindliche Zähne nach dem Einsetzen einer Krone

Setzt man in der Zahnerhaltung eine neue Zahnkrone ein, muss der betroffene Zahn zunächst in Form geschliffen werden, bevor die neue Krone aufgesetzt werden kann. Durch das Abschleifen nimmt man dem Zahn seinen natürlichen Schutzwall, sodass dieser, insbesondere nach dem Einsetzen von Kronen im Bereich des Zahnhalses, empfindlicher gegenüber äußerlichen Reizen ist.

Diese Reize können Temperaturen, wie beim Genuss von Kaffee oder Eis, aber auch süße oder saure Nahrung sein. Die Symptome sind ein Ziehen in den Zähnen bis hin zu einem unangenehmen Zahnschmerz und besonderer Empfindlichkeit der Zähne.

Zahnempfindlichkeit nach einer Füllung

Auch bei kleinen Eingriffen, wie zum Beispiel der Behandlung von Karies, muss der Zahn an der kranken Stelle aufgebohrt werden, um die Krankheitserreger (Bakterien) zu entfernen. Der Zahn wurde in einem solchen Fall schon durch den Krankheitsbefall angegriffen und gegebenenfalls geschädigt. Anschließend wird durch das Bohren noch mehr Zahnsubstanz entfernt, um danach eine Füllung einzusetzen. Der natürliche Schutz des Zahns ist also gestört.

Die Folgen sind auch hier spürbar: Keine Füllung ersetzt eine gesunde Zahnsubstanz, sodass es nach dem Setzen einer Füllung zu Symptomen wie temperaturempfindlichen Zähnen oder einer Reaktion auf Süßes kommen kann.

Empfindliche Zähne nach dem Bleachen

Lässt man sich aus ästhetischen Gründen die Zähne bleachen (aufhellen), so betrifft dies meistens die vorderen Zähne (Frontzähne). Das Prinzip des Bleachings ist Folgendes: Man trägt die oberste Schicht Zahnschmelz ab, um die darunter liegende hellere Schicht zum Vorschein zu bringen. Hierfür benutzt der Zahnarzt ein hochkonzentriertes Aufhellungsmittel sowie UV-Licht. Das Aufhellungsmittel greift den Zahnschmelz an und löst ihn geringfügig auf.

Durch Abtragen des Zahnschmelzes und somit den Verlust eines geringen Teils der Schutzschicht des Zahnes, kommt es kurze Zeit nach dem Bleichen häufig zu extrem kälte- oder hitzeempfindlichen Zähnen (zum Beispiel beim Einatmen oder Trinken). Außerdem sind die Zähne auch hier auf Süßes, zum Beispiel Schokolade, oder Saures wie Orangensaft sensibilisiert und reagieren mit Zahnschmerzen. Üblicherweise treten diese Symptome bis zu ungefähr zehn Tagen nach dem Bleachen auf.

Plötzlich empfindliche Zähne durch Krankheitsbefall

Zahnschmerzen und plötzliche kälteempfindliche Zähne können auch krankheitsbedingt auftreten. Mögliche Ursachen sind:

Woher kommen Schmerzen beim Zähneputzen?

Meist ist eine der genannten krankheitsbedingten Ursachen der Grund für Probleme beim Zähneputzen. 

Für Karies sind besonders die Backenzähne anfällig, da sie weiter hinten liegen und bei manchen Menschen sehr tiefe Fissuren (Einsenkungen in der Kaufläche) haben. Das macht das sorgfältige Putzen schwieriger und bietet unter Umständen den perfekten Lebensraum für Mikroorganismen wie Bakterien. Ein kälteempfindlicher Backenzahn ist also oft auf Bakterien zurückzuführen, deren saure Stoffwechselprodukte den Zahn angreifen und schädigen.

Wenn das Zahnfleisch oft wehtut und beim Putzen blutet, so kann das einerseits für eine zu harte Zahnbürste oder eine zu grobe Putztechnik sprechen, die zu Verletzungen und zum Zurückgehen des Zahnfleisches führen kann. Andererseits ist dies eventuell bereits ein Zeichen für eine Entzündung. 

Tiefe Zahntaschen und Plaque (Zahnbelag) können zu einer bakteriell bedingten Entzündung führen, welche sich auf Dauer zu einer Parodontitis ausweiten kann. Eine Parodontitis ist die Entzündung des Zahnhalteapparates und kann bei einem schlimmen Verlauf auch zum Zahnverlust führen. Bei Verdacht auf eine Entzündung des Zahnfleischs oder des Zahnhalteapparats ist daher ein Besuch beim Zahnarzt ratsam.

Keinesfalls dürfen beim Schmerzen beim Putzen der Zähne dazu führen, dass die Mundhygiene vernachlässigt wird. Ziehen Sie daher bei schmerzempfindlichen Zähnen stets Ihren Zahnarzt zurate.

Kann Stress auf die Zähne schlagen?

Auch Stress kann ein Auslöser für Zahnschmerzen sein. Menschen neigen dazu, wenn sie angespannt sind, unbewusst auch ihre Kiefermuskulatur anzuspannen. Das Zusammenbeißen und auch das nächtliche Zähneknirschen trägt Zahnsubstanz ab und schädigt die Zähne. Darüber hinaus kann es zu Schmerzen im Kiefergelenk führen. Um dies zu verhindern, wird oft eine Kunststoffschiene zum Schutz der Zähne – eine sogenannte Knirscherschiene – verschrieben.

Stress kann gewissermaßen auch das Immunsystem beeinflussen, so schreitet eine Entzündung oder ein bakterieller Befall bei Stress eventuell schneller fort oder wird sogar durch Stress ausgelöst. So kann zum Beispiel eine Erkältung auch dazu beitragen, Entzündungen oder Bakterien im Mund zu verstärken, da das Immunsystem anderweitig beschäftigt und überlastet ist. 

Darüber hinaus gibt es sogenannte psychosomatische Zahnschmerzen, welche – ähnlich wie stressbedingte Kopfschmerzen – nicht auf eine krankheitsbedingte Ursache zurückzuführen sind. Oft langt schon der Gedanke an einen Zahnarztbesuch aus, damit Zahnschmerzen entstehen.

Schmerzempfindlich Zähne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren

Oft klagen Frauen in der Schwangerschaft neben Rücken- und Gliederschmerzen auch über Zahnschmerzen, insbesondere über sehr empfindliches Zahnfleisch. Der Stress sowie die hormonellen Umstellungen während der Schwangerschaft können das Abwehrsystem negativ beeinflussen, sodass der Körper es schwerer hat, gegen einen bakteriellen Befall oder eine Infektion vorzugehen. Zudem kann auch die erhöhte Blutzirkulation durch den hormonellen und alltäglichen Stress für geschwollenes und empfindliches Zahnfleisch sorgen. Somit sind Frauen in der Zeit der Schwangerschaft oft anfälliger für Infektionen im Mundraum.

Auch in den Wechseljahren unterliegt der weibliche Körper einem hormonellen Umschwung, was sich, wie auch in der Schwangerschaft, auf die Schleimhäute im Mund sowie das Zahnfleisch auswirken kann. Die Folgen sind eine höhere Anfälligkeit für empfindliches geschwollenes Zahnfleisch, Zahnfleischentzündung sowie Parodontitis.

Kann sich Alkoholkonsum auf die Zähne auswirken?

Alkohol greift die Zähne an und verfärbt sie, außerdem unterdrückt er das Immunsystem, sodass sich Krankheitserreger besser ausbreiten können. Das Risiko für die Entstehung von Karies und Parodontitis wird also durch Alkoholkonsum erhöht. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Getränk Alkohol zu sich genommen wird. 

Doch auch die Getränke, die man in Verbindung mit Alkohol zu sich nimmt, können schädlich für die Zähne sein. Oft sind diese sehr zuckerhaltig und fördern somit Bakterien, welche zu Zahnfleischentzündungen oder Karies führen können. Die sauren Stoffwechselprodukte dieser Bakterien sind auch für die Verfärbungen der Zähne verantwortlich.

Dauerhafter Alkoholkonsum über längere Zeit ist aus verschiedensten Gründen sehr ungesund für den Körper. Auch die Zähne können auf Dauer Schaden nehmen, denn der Magen reagiert auf zu viel Alkohol oft mit einer Magensäureüberproduktion. Ein Symptom dessen ist zum Beispiel Sodbrennen, das "saure Aufstoßen". Gelangt Magensäure in den Mundbereich, greift sie die Zähne und das Zahnfleisch an und führt zu Entzündungen, Karies sowie ebenfalls zu Verfärbungen der Zähne.

Alkohol wirkt außerdem gefäßerweiternd und kann den Zahnnerv reizen. Zudem fördert dauerhafter Alkoholkonsum nächtliches Knirschen.

Wie kann man Problemen mit dem Zahnfleisch vorbeugen und was hilft?

Eine gute Mundhygiene ist essenziell, um schmerzempfindlichen Zähnen vorzubeugen. Das bedeutet: 

  • regelmäßiges und richtiges Zähneputzen
  • das Verwenden von schonenden Zahnbürsten (eventuell mit weichen Borsten)
  • die Verwendung von Zahnseide, um auch Essensreste und Plaque in den Zahnzwischenräumen zu entfernen
  • das Nutzen von Mundspülung

Eine Mundspülung wirkt desinfizierend und erfrischend. Diese kann und sollte man mindestens nach jedem Zähneputzen oder öfter verwenden. Darüber hinaus helfen Mundspülungen auch gegen unangenehmen Mundgeruch.

Will man sich keine Mundspülung kaufen, dann ist auch das Spülen mit Kamillentee als Hausmittel eine gute Alternative. Dieser wirkt antientzündlich und fördert zudem die Durchblutung des Zahnfleisches.

Bei Zahnfleischbluten, Rötung und Schwellung ist es auf jeden Fall ratsam, den Zahnarzt aufzusuchen, um einem schlimmeren Verlauf vorzubeugen. Er kann auch Salben empfehlen, welche man in jeder Apotheke bekommt, und kann bei Bedarf auch Medikamente verschreiben.

Wie kann man Karies vorbeugen?

Die wichtigsten Maßnahmen, um die Zähne vor Karies zu schützen, sind regelmäßiges, richtiges Putzen sowie darauf zu achten, Nahrungsreste auf und zwischen den Zähnen nach Mahlzeiten gut zu entfernen. Oft sind tiefe Fissuren in den Backenzähnen der perfekte Ort für Bakterien, da es häufig nicht möglich ist, hier ausreichend zu putzen.

Eine zahnärztliche Behandlung im Sinne einer Versiegelung kann in solchen Fällen schon sehr viel helfen. Dabei werden die tiefen Fissuren meistens mit etwas Kunststoff aufgefüllt. Die Einsenkungen sind dann nicht mehr so tief, sodass das Putzen leichter fällt und Bakterien sich nicht mehr gut einnisten können.

Was tun gegen schmerzempfindliche Zähne?

Ein gutes Mittel gegen kälteempfindliche Zähne ist fluoridhaltige Zahncreme, welche den natürlichen Schutz des Zahns wieder regeneriert. Das stärkt den Zahn und kann eine Schmerzempfindlichkeit lindern. Ein solches Produkt ist zum Beispiel Elmex Gelee®, welches oft auch bei der professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt Verwendung findet. Auch viele andere Hersteller bieten fluoridhaltige Zahnpasta an, welche den Zahnschmelz stärkt.

Von Whitening Zahncremes, die die Zähne heller machen sollen, wird von Experten abgeraten, da sie die Zahnoberfläche eher angreifen als stärken.

Ein sehr effektives Mittel ist auch die Behandlung mit Zahnlack. Dieser wird vom Zahnarzt vor allem auf die empfindlichen Zahnhälse aufgebracht und verschließt die offenen Zahnhalskanäle, welche für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Außerdem enthält der Lack Fluorid und kann deshalb sogar den Zahn stärken und die Regeneration fördern.

Bei akuten Schmerzbeschwerden kann man auf außerdem auf Magnesium zurückgreifen.

Homöopathie bei schmerzempfindlichen Zähnen

Auch natürlich vorkommende Stoffe sollen Schmerzempfindlichkeit lindern können, wie zum Beispiel Hypericum. Dieses Mittel beruht auf der Wirkung von Johanniskraut und soll gegen dauerhaft empfindliche Zähne und Schmerzen helfen.

Treten empfindliche Zähne ab und zu in Intervallen auf, kann auch Aconitum angewandt werden. Aconitum basiert auf dem blauen Eisenhut und soll neben der Wirkung gegen Angst auch schmerzlindernd wirken.

Beide Stoffe gibt es in Form von Globuli oder als Tabletten. Sie können unterstützend bei Entzündungen im Mund, wie Zahnfleischentzündung oder Parodontitis, aber auch bei schmerzempfindlichen Zähnen eingenommen werden.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 15.11.2019 – Autor: Tilman Kries

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?