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Blasenentzündung beim Mann erkennen & behandeln

Mann mit Blasenentzündung auf Toilette © istockphoto, Goodboy Picture Company

Auch wenn Frauen von Blasenentzündungen deutlich häufiger betroffen sind als Männer, kann eine Entzündung der Harnblase (Urozystitis oder Zystitis) auch Männern Probleme bereiten. Dabei ist eine Blasenentzündung bei Männern oft sogar schwerwiegender als bei Frauen, da die Prostata mitbetroffen sein kann. Umso wichtiger ist es, die Symptome der Blasenentzündung beim Mann zu kennen, um diese rechtzeitig und richtig behandeln zu können. Hier lesen Sie alles Wissenswerte zur Zystitis bei Männern.

Was ist eine Blasenentzündung?

Die Blasenentzündung gehört zu den Harnwegsinfektionen (HWI). Darunter versteht man eine – in der Regel bakterielle – Infektion des Harntraktes. Der Harntrakt reicht von der Niere über die Harnleiter (oberer Harntrakt) bis zur Harnblase und der Harnröhre (unterer Harntrakt).

Eine Blasenentzündung betrifft dabei nur die Harnblase und wird in der Regel durch Bakterien der Darmflora, die über die Harnröhre (Urethra) aufsteigen, verursacht. Neben der Harnblase können auch die Harnröhre selbst (Urethritis oder Harnröhrenentzündung) oder die Nieren (Pyelonephritis oder Nierenbeckenentzündung) von einer Entzündung betroffen sein.

Welche Arten von Harnwegsinfektionen gibt es?

Es werden drei Formen von Harnwegsinfektionen, genauer gesagt von Blasenentzündungen, unterschieden:

  • Unkomplizierte Blasenentzündung: Hierbei handelt es sich definitionsgemäß um eine Entzündung der Harnblase, ohne dass funktionelle oder anatomische Besonderheiten vorliegen. Das heißt: Die Nieren und Harnwege müssen in ihrer Funktion und Form völlig normal sein. Außerdem dürfen keine Nierenfunktionsstörungen oder andere Begleiterkrankungen vorliegen, die eine Harnwegsinfektion begünstigen könnten.
  • Komplizierte Blasenentzündung: Alle Harnwegsinfektionen, die die Voraussetzungen einer unkomplizierten Harnwegsinfektion nicht erfüllen, gelten als kompliziert. Bei einer komplizierten Blasenentzündung liegen also sozusagen körperliche Begleitumstände vor.
  • Wiederkehrende (rezidivierende) Blasenentzündung: Von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen spricht man, wenn zwei oder mehr Infektionen pro Halbjahr oder drei oder mehr Infektionen pro Jahr vorliegen.

Die Blasenentzündung beim Mann – ein Sonderfall

Die Blasenentzündung des Mannes nimmt bei der Einordnung in diese Kategorien eine Sonderstellung ein. So wird jede Blasenentzündung bei einem Mann – auch wenn er vollkommen gesund ist – als kompliziert gewertet.

Dies hat zwei Gründe. Zum einen sind Männer aufgrund ihrer langen Harnröhre eher seltener von Harnwegsentzündungen betroffen – bei Frauen ist die Harnröhre nur wenige Zentimeter lang, sodass Erreger leichter bis in die Harnblase aufsteigen können. Daher sollte bei Männern immer abgeklärt werden, ob Fehlbildungen oder Erkrankungen vorliegen, welche die Blasenentzündung begünstigt haben könnten. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Prostata von der Entzündung mitbetroffen ist.

Ursachen: Wie bekommt ein Mann eine Blasenentzündung?

Am häufigsten sind Bakterien des Darms für Harnblaseninfektionen verantwortlich. Die Bakterien steigen durch die Harnröhre auf und können dann in der Harnblase zu Infektionen führen. 

Meist sind die verantwortlichen Bakterien Escherichia coli (E. coli), Proteus mirabilis, Klebsiellen oder Enterokokken. Sie kommen teilweise auch bei gesunden Menschen im Darm vor, können aber, wenn sie in den Harntrakt verschleppt werden, Harnblasenentzündungen verursachen. Die Erreger unterscheiden sich bei Mann und Frau nicht.

Darüber hinaus kann eine Zystitis in seltenen Fällen auch durch Viren, Parasiten oder Pilze ausgelöst werden. Theoretisch kann zwar eine Ansteckung mit den Erregern erfolgen, die eine Blasenentzündung auslösen können. Im eigentlichen Sinne ist eine Blasenentzündung jedoch nicht ansteckend.

Risikofaktoren für eine Blasenentzündung beim Mann

Die Risikofaktoren für einen Harnwegsinfekt sind vor allem Geschlechtsverkehr, anatomische Veränderungen im Harntrakt, Blasenkatheter und Vorerkrankungen wie etwa Diabetes

  • Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr kann es zu einer Ansteckung mit verschiedenen Bakterien, Pilzen und Viren kommen. Einige von diesen Krankheitserregern können über die Harnröhre aufsteigen und Blasenentzündungen auslösen.
  • Anatomische Veränderungen, wie zum Beispiel eine Verengung der Harnröhre, können dazu führen, dass der Urin schlechter abfließen kann. Urin, der zu lange in der Harnblase verbleibt, ist ein guter Nährboden für Bakterien, die sich so vermehren und eine Blasenentzündung auslösen können.
  • Auch Fremdkörper in der Harnröhre oder Harnblase, zum Beispiel Blasenkatheter, begünstigen eine Harnblasenentzündung, da sich an der Kunststoffoberfläche Bakterien festsetzen können.
  • Außerdem können systemische Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes mellitus, zur Entstehung einer Harnblasenentzündung beitragen. Ist der Blutzuckerwert zu hoch, wird Zucker über den Urin ausgeschieden. In diesem "süßen" Urin können sich Bakterien sehr gut vermehren.

Die Unterkühlung des Harntrakts ist nur selten an einer Infektion schuld. Allerdings kann Kälte das Aufsteigen von Bakterien durch die Harnröhre begünstigen. 

Symptome einer Blasenentzündung beim Mann

Dysurie, Algurie, Strangurie, Pollakisurie und Hämaturie: Diese Fremdwörter bezeichnen die typischen Symptome einer Zystitis, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, wobei diese Anzeichen nicht unbedingt auftreten müssen. 

  • Dysurie beschreibt erschwertes Wasserlassen. Zum Beispiel startet das Wasserlassen nicht wie gewohnt oder der Strahl ist abgeschwächt oder unterbrochen.
  • Als Algurie werden Schmerzen beim Wasserlassen bezeichnet. Schmerzen oder ein Brennen beim Wasserlassen sind ganz typische Symptome für eine Harnblasenentzündung. 
  • Strangurie beschreibt das Gefühl ständigen, schmerzhaften Harndrangs, ohne Wasser lassen zu können. 
  • In eine ähnliche Richtung geht das Symptom der Pollakisurie. Hierbei müssen die Betroffenen sehr häufig zur Toilette, können aber immer nur sehr kleine Mengen Wasser lassen. Dieser sehr häufige Harndrang ist ebenfalls charakteristisch für die Entzündung der Harnblase.
  • Bei Entzündungen der Harnblase kann es außerdem zur Ausscheidung von Blut mit dem Urin kommen, was als Hämaturie bezeichnet wird. 

Bei dem Blut im Urin handelt es sich genauer gesagt um eine Ausscheidung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Normalerweise dürfen im Urin nicht mehr als fünf Erythrozyten pro Mikroliter enthalten sein. Ist dies der Fall, spricht man von einer Mikrohämaturie. Mikro deswegen, weil man das Blut im Urin nicht sieht, sondern nur im Labor nachweisen kann. Es kommt zu keiner Rotfärbung des Urins. Eine Blutausscheidung mit Rotfärbung würde man als Makrohämaturie bezeichnen, diese ist jedoch für die Blasenentzündung nicht typisch.

Auftreten können darüber hinaus sogenannte suprapubische Schmerzen, also Schmerzen über dem Schambereich, die insbesondere auch durch Druck ausgelöst werden können. Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und Unwohlsein treten eher selten auf. In der Regel beschränken sich die Symptome auf den Harntrakt.

Wann ist bei einer Blasenentzündung ein Arztbesuch notwendig?

Treten die oben genannten Symptome auf, besteht der dringende Verdacht auf eine Harnwegsinfektion. Männer sollten mit diesen Symptomen immer zu einem Arzt gehen, da eine Harnwegsinfektion beim Mann immer als komplizierte Harnwegsinfektion gilt, die behandelt werden muss.

Besteht Unsicherheit, welcher Arzt der richtige ist, können sich Männer zunächst an ihren Hausarzt wenden. Bei Bedarf kann dieser sie an einen Urologen oder Andrologen überweisen.

Frauen können bei erstmaligem Auftreten von leichten bis mittelschweren Symptomen auf einen unmittelbaren Arztbesuch verzichten. Halten die Beschwerden länger an oder treten wiederholt auf, sollten auch Frauen einen Arzt aufsuchen.

Eine Blasenentzündung beim Mann erkennen

Die Diagnose einer Zystitis wird durch den Arzt mithilfe einer körperlichen Untersuchung und von Urinuntersuchungen gestellt. Bei der körperlichen Untersuchung testet er vor allem die Druckschmerzhaftigkeit über dem Schambereich.

Außerdem führt der Arzt in der Regel eine Ultraschalluntersuchung der Blase, der Nieren und der Prostata durch. So kann ein Urinstau, der im schlimmsten Fall die Nieren schädigen kann, oder eine Prostataentzündung ausgeschlossen werden.

Zudem wird er gegebenenfalls weitere Untersuchungen durchführen, um festzustellen, ob beispielsweise körperliche Veränderungen wie eine Harnröhrenverengung oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus die Zystitis verursacht haben. Insbesondere bei einer immer wiederkehrenden, also chronischen, Blasenentzündung, sollte eine gründliche Suche nach den Ursachen erfolgen.

Urintests zur Diagnose einer Zystitis

Für die Urinuntersuchungen stehen sogenannte Urin-Stix zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Teststreifen, die kurz in eine Urinprobe getaucht werden. Nach wenigen Sekunden kann das Ergebnis abgelesen werden. Dabei wird auf weiße Blutkörperchen, rote Blutkörperchen und Nitrit getestet: 

  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) zeigen eine Entzündung an.
  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) lassen sich bei einer Hämaturie nachweisen.
  • Nitrit ist eine chemische Verbindung, die von einigen Bakterien aus Nitrat produziert wird. Wird Nitrit nachgewiesen, spricht man von einem Nitrit-positiven Harnwegsinfekt. Dieser Nachweis ist allerdings nicht besonders aussagekräftig, da auch Bakterien eine Blasenentzündung verursachen können, die kein Nitrit produzieren können.

Der Nachweis mittels Urin-Stix ist außerdem "qualitativ". Das heißt, die genaue Menge der enthaltenen Leukozyten, Erythrozyten und Nitrit kann nicht festgestellt werden, sondern nur, ob diese Stoffe überhaupt im Urin vorhanden sind. Vorteil dieser Methode ist jedoch, dass die Untersuchung schnell, günstig und überall durchzuführen ist.

Genaueren Aufschluss kann die Urinanalyse im Labor geben. Diese dauert jedoch länger und ist nicht immer notwendig. Darüber hinaus kann eine sogenannte Urinkultur angelegt werden. Dies dient zur Charakterisierung und dem mengenmäßigen Nachweis des Erregers, der die Harnblasentzündung verursacht. Hierbei wird ab einer Bakterienanzahl von 105 KBE (Kolonien-bildende Einheiten) pro Milliliter Urin von einer signifikanten Bakterienausscheidung gesprochen. Eine eventuell notwendige Antibiotikatherapie kann dann an den Erreger angepasst werden.

Was tun bei Blasenentzündung?

Wichtig ist, zwischen einer tatsächlichen Blasenentzündung mit Symptomen und einer Bakterienausscheidung ohne Schmerzen oder andere Symptome, einer sogenannten asymptomatischen Bakteriurie, zu unterscheiden. Eine solche Bakterienausscheidung ohne entsprechende Symptome sollte nicht antibiotisch behandelt werden.

Bei einer unkomplizierten Zystitis kann auf eine antibiotische Behandlung verzichtet werden. Eine ausreichende Trinkmenge (empfohlen werden mindestens drei Liter am Tag) kann ausreichen, um die Entzündung wieder los zu werden. Da Blasenentzündungen beim Mann per Definition als komplizierte Blasenentzündungen gewertet werden, ist immer eine antibiotische Therapie durch einen Arzt notwendig.

Wurde die Blasenentzündung durch anatomische Veränderungen der Harnwege verursacht, wird der Arzt neben der Behandlung der akuten Beschwerden eine entsprechende Therapie einleiten, um die zugrundeliegenden Ursachen zu beheben.

Zystitis behandeln: Antibiotika und Dauer

Der Arzt entscheidet, welches Antibiotikum zur Behandlung der Blasenentzündung verwendet wird. In Frage kommen insbesondere Antibiotika aus der Gruppe der Cephalosporine der dritten Generation, wie beispielsweise Cefotaxim oder Ceftriaxon. Außerdem zum Einsatz kommen können die Fluorchinolone wie Ciprofloxacin, allerdings sollte diese Wirkstoffgruppe aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur in zweiter Linie zum Einsatz kommen. Der Vorteil dieser Antibiotika ist, dass sie auch gegen eine eventuelle Prostatabeteiligung helfen. 

Konnte eine Prostatabeteiligung ausgeschlossen werden, können auch die Antibiotika Pivmecillinam und Nitrofurantoin angewendet werden.

Die Dauer der Behandlung unterscheidet sich je nach Schwere der Infektion. Handelt es sich um eine Blasenentzündung ohne Prostatabeteiligung, dauert die Antiobiotikatherapie etwa drei Tage. Liegt eine Beteiligung der Prostata vor oder kann nicht ausgeschlossen werden, liegt die Therapiedauer zwischen sieben und 14 Tagen.

Was hilft noch bei Blasenentzündung?

Diverse Hausmittel können vor allem bei einer leichten Blasenentzündung zum Einsatz kommen. Bei Männern empfiehlt es sich aber, in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser und Tee) zu achten und sich körperlich zu schonen.

Auch Homöopathie kann zur unterstützenden Behandlung eingesetzt werden. Einigen homöopathischen Mitteln wie Apis, Nux vomica, Dulcamara und Cantharis wird eine Wirksamkeit bei Harnwegsinfektionen nachgesagt. Bei einer schweren Blasenentzündung können sie die Therapie mit Antibiotika jedoch nicht ersetzen.

Komplikationen einer Harnwegsentzündung beim Mann

Bei Männern liegt die Prostata in unmittelbarer Nähe zu den Harnwegen. Sie kann bei einer Entzündung der Harnwege mitbetroffen sein. Außerdem kann die Entzündung auch auf die Nebenhoden übergehen und eine Epididiymitis (Nebenhodenentzündung) auslösen.

Die größte Gefahr ist, dass es zu einem weiteren Aufsteigen der Entzündung bis zu den Nieren kommt. Folge ist eine Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung). Hierbei handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung, die meist auch mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und Schüttelfrost einhergeht. Hier ist eine schnelle und gezielte antibiotische Therapie notwendig.

Darüber hinaus kann eine Blasenentzündung in seltenen Fällen auch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Urosepsis) verursachen. Um solchen Komplikationen vorzubeugen, sollten Männer bei einer Blasenentzündung immer einen Arzt aufsuchen.

Wie können Männer einer Blasenentzündung vorbeugen?

Spezielle Maßnahmen zum Vorbeugen von Blaseninfektionen sind nicht unbedingt notwendig, da Männer generell weniger von Harnwegsinfektionen betroffen sind. Zu empfehlen ist eine gute Intimhygiene und ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Außerdem kann die Verwendung von Kondomen beide Seiten vor der sexuellen Übertragung zahlreicher Bakterien und Geschlechtskrankheiten schützen. Darüber hinaus sollte nach dem Geschlechtsverkehr von beiden Geschlechtern die Toilette zum Wasserlassen aufgesucht werden. Dies schützt den Harntrakt vor aufsteigenden Infektionen und somit vor der Entstehung einer Blasenentzündung.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 06.02.2020 – Autor: Constantin Weichert

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