Elektrische Zigarette: Nur heiße Luft?

Mann raucht E-Zigarette © pixabay, silviarita

Können E-Zigaretten eine Alternative zu herkömmlichen Zigaretten darstellen? Beworben werden die elektrischen Zigaretten als gesünder, als Mittel zur Rauchentwöhnung oder sogar als Nichtraucher-Zigarette. Doch handelt es sich tatsächlich um "gesundes Rauchen"? Wo liegen die Vorteile des "Dampfens" und wo die Risiken der E-Zigarette? Hier erfahren Sie mehr!

Woher kommt die E-Zigarette?

Dass Rauchen ungesund ist, ist mittlerweile ins weltweite Bewusstsein vorgedrungen: Auf Prozesse in den USA, bei denen Raucher die Zigarettenhersteller auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagten, folgten auch in Europa allmählich Gesetze zum Nichtraucherschutz. 

Im Jahr 2004 entdeckten chinesische Firmen eine Idee wieder, die bereits Ende der Achtziger Jahre gescheitert war: Der Tabakkonzern R. J. Reynolds brachte 1989 eine "rauchfreie" Zigarette auf den Markt, die in Wahrheit jedoch nur weniger Rauch produzierte als eine herkömmliche Zigarette. Die Idee floppte auf ganzer Linie.

Deutlich erfolgreicher ist seit einigen Jahren der Vertrieb der elektronischen Zigarette, auch bekannt als E-Zigarette.

Was sind E-Zigaretten?

Die Hersteller der elektrischen Zigarette propagieren den Durchbruch in der Rauchentwöhnung. Der Unterschied zwischen normaler und elektronischer Zigarette ist einfach: Anstatt Tabak und die darin enthaltenen 70 krebserregenden oder gesundheitsschädigenden Inhaltstoffe zu verbrennen, wird Nikotin verdampft. Somit entsteht kein Tabakrauch, vielmehr inhaliert ein E-Zigaretten-Raucher eine Flüssigkeit (Liquid), die neben Nikotin und Wasser auch Glycerin und Propylenglycol sowie künstliche Aromen und zudem häufig Konservierungsmittel enthält.

Das Liquid der elektrischen Zigarette befindet sich in einer auswechselbaren Kapsel und wird durch einen Zerstäuber im Mundstück verteilt. Bei jedem Zug an der elektronischen Zigarette wird ein Heizelement aktiviert, das die Nikotin-Flüssigkeit zum Verdampfen bringt. Um die elektrische Zigarette möglichst echt aussehen zu lassen, leuchtet zusätzlich wie beim richtigen Glimmstängel bei manchen E-Zigaretten ein kleines LED-Lämpchen auf, das der Zigarettenglut nachempfunden ist. Diese rauchfreie Zigarette wird mit einem Akku aufgeladen.

Elektronische Zigarette zur Rauchentwöhnung?

Angeblich ist die elektrische Zigarette das Wundermittel für jeden, der mit dem Rauchen aufhören will. Die Hersteller lassen verlautbaren, dass die Nikotin-Dosis immer weiter reduziert werden kann, sodass bisweilen sogar die Rede von der "Nichtraucher-Zigarette" ist. Einige Vertriebs-Firmen behaupten sogar, dass die elektrische Zigarette von der World Health Organisation (WHO) als Mittel zur Rauchentwöhnung anerkannt sei. Die WHO hingegen dementierte diese Aussage nicht nur, sie verdeutlichte zudem ihren Standpunkt, dass bei Weitem noch nicht ausreichend Studien über die elektrische Zigarette vorliegen.

Experten warnen sogar davor, dass die elektronische Zigarette eher zum Rauchen verleite, als von der Nikotinsucht zu befreien. Gerade Kinder und Jugendliche, aber auch Nichtraucher oder Gelegenheitsraucher würden mit Aromen wie Apfel und Schokolade gelockt – in Wahrheit werde dadurch nur der Einstieg in richtige Zigaretten erleichtert. Dazu gelangt das Nikotin über die elektrische Zigarette fast ebenso schnell ins Gehirn wie bei der herkömmlichen. Damit hat auch die elektronische Zigarette ein hohes Suchtpotenzial.

Ein großangelegter Vergleich von mehr als 800 Studien durch die National Academies of Sciences, Engineering and Medicine fand deutliche Hinweise darauf, dass E-Zigaretten Jugendliche und junge Erwachsene zum Rauchen verleiten können und dass diese dann häufiger auch zu herkömmlichen Zigaretten greifen.

Rauchfreies Rauchen = Gesundes Rauchen?

In Deutschland ist die elektrische Zigarette meist über Online-Shops erhältlich. Die Anbieter erklären häufig, dass die elektronische Zigarette neben Nikotin nur einige harmlose Aromen enthalte.

Dass dem nicht so ist, fanden Chemiker der US Food and Drug Administration heraus. Unter den nicht angegebenen Schadstoffen zählte in einem Fall die auch als Frostschutzmittel verwendete Chemikalie Diethylenglycol, die im Gas einer Patrone enthalten war. Zudem wiesen die Wissenschaftler in der Hälfte der untersuchten Produkte krebserregende Nitrosamine, sowie in einem Großteil der Fälle weitere potenziell gesundheitsschädigende Substanzen nach.

Zwar vermuten Experten, dass die elektrische Zigarette in der Tat weniger schädlich ist als die normale, doch gibt es noch nicht viele umfassenden Untersuchungen. Eine britische Studie kommt zu dem Schluss, dass der Langzeitkonsum von E-Zigaretten deutlich weniger schädlich für die Gesundheit ist als der langfristige Konsum von herkömmlichen Zigaretten. Dies bestätigt auch eine Studie von Public Health England, die E-Zigaretten als 95 Prozent weniger schädlich einstuft.

Risiko für Arteriosklerose nicht geringer

Eine Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein konnte zeigen, dass durch die "effektivere" Nikotinzufuhr beim Rauchen von E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten einige von deren Nebenwirkungen sogar noch verstärkt werden. In der Untersuchung stieg bei den Teilnehmern der Studie nach dem Rauchen einer nikotinhaltigen E-Zigarette der systolische Blutdruck für eine Dauer von 45 Minuten an, während dies nach dem Rauchen einer herkömmlichen Zigarette nur für 15 Minuten der Fall war. Auch die Herzfrequenz war nach der nikotinhaltigen E-Zigarette länger erhöht.

Beide Nebenwirkungen gelten als beschleunigende Faktoren für die Entstehung von Arteriosklerose.

Rechtliche Ausnahmen für Elektrische Zigaretten?

Für nikotinhaltige E-Zigaretten gelten seit dem 20. Mai 2016 in Deutschland die Regelungen des Tabakerzeugnisgesetzes. Sie unterliegen jedoch nicht dem staatlichen Bundesnichtraucherschutzgesetz. Die Ausgestaltung des Nichtraucherschutzgesetzes ist Sache der Länder. Daher gelten in manchen Bundesländern für E-Zigaretten die gleichen Verbote wie für normale Zigaretten, während es in anderen Bundesländern weniger Einschränkungen gibt.

Grundsätzlich gilt für Liquids eine maximale Dosis von 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter Liquid. Ein Liquid darf nur noch maximal 10 Milliliter enthalten. Auch Nachfüllbehältnisse dürfen maximal 10 Milliliter fassen. Zusatzstoffe wie Koffein oder Vitamine, die einen gesundheitlichen Nutzen suggerieren, sind nicht erlaubt.

Da der Tabak nicht verbrannt, sondern verdampft wird, fällt keine Tabaksteuer an (was die elektrische Zigarette in der Tat günstiger macht).

Gemäß Jugendschutzgesetz ist die Abgabe von E-Zigaretten an Jugendliche unter 18 Jahren allerdings verboten.

In der Realität scheiden sich die Geister: Während etwa manche Fluggesellschaften auf ihren Flügen selbst die elektrische Zigarette anbieten, wird das "rauchfreie Rauchen" von anderen Airlines strikt untersagt. Ähnlich ungeklärt ist die Frage, ob die elektrische Zigarette ein Arzneimittel zur Rauchentwöhnung ist.

Elektrische Zigarette: Nebenwirkungen

Neben den nicht eindeutig bekannten Substanzen, die durch die elektrische Zigarette in den Körper gelangen und von diesem möglicherweise wieder abgegeben werden, klagen E-Dampfer zudem ab und an über Kopfschmerzen oder Schwindel. Gerade der Neueinstieg fällt vielen Rauchern in Bezug auf die Dosierung nicht leicht. Zwar bemühen sich einige chinesische Hersteller allmählich um klinische Studien zur E-Zigarette; vor allem bezüglich der Langzeitwirkung lassen sich jedoch noch keine Aussagen treffen.

In Deutschland wird die elektrische Zigarette nach wie vor bewusst nicht als Mittel zur Rauchentwöhnung beworben. Zwar sind Besitz und Gebrauch in Europa weitgehend erlaubt, doch haben Länder wie Österreich, die Schweiz, Finnland oder die Türkei Handel und Vermittlung verboten oder im Rahmen von Arzneimittelverordnungen nur den Apotheken erlaubt. Ob die Bundesregierung eine klare Stellung zur elektrischen Zigarette beziehen wird, bleibt abzuwarten.

Aktualisiert: 29.11.2018 – Autor: Daniela Heinisch; überarbeitet: Silke Hamann, Nadja Weber

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