Gichtfinger: was tun?

Gichtfinger
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Bei der Stoffwechselerkrankung Gicht kommt es durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken zu einer schmerzhaften Gelenkentzündung. Zwar ist die große Zehe am häufigsten betroffen, doch in etwa fünf Prozent der Fälle kommt ein Gichtanfall auch an den Fingergelenken vor. Ein Gichtfinger ist oftmals besonders unangenehm, da die Beweglichkeit der ganzen Hand schmerzhaft eingeschränkt sein kann. Bei uns erfahren Sie, welche Anzeichen auf einen Gichtfinger hinweisen und was Sie gegen Gicht am Finger tun können.

Erhöhte Harnsäure als Ursache

Gicht (Arthritis urica) ist das Symptom einer krankhaft erhöhten Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie). Steigt der Harnsäurespiegel rasch an – etwa nach einem Festessen oder nach übermäßigem Alkoholgenuss – kommt es zur Ausfällung von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit. Folge ist eine plötzlich auftretende Entzündung des betroffenen Gelenks.

Die verbreitete Annahme, man könne durch "Finger knacken" Gicht bekommen, ist also nicht zutreffend. Hier erhalten Sie nähere Informationen über die Ursachen von Gicht.

Gichtfinger als seltene Form von Gicht

In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle tritt ein Gichtanfall an einem Gelenk der unteren Extremität auf – ein Gichtfinger ist also eher eine Seltenheit. Diese Form von Gicht an den Fingern wird auch Chiragra genannt. Am häufigsten ist dabei das Daumengrundgelenk betroffen – seltener kommt es zu Gicht an den Gelenken der anderen Finger.

Warum bei manchen Menschen Gicht am Finger auftritt und bei anderen nicht, ist nicht genau bekannt. Eine mögliche Ursache ist eine Vorschädigung des Fingergelenks (etwa durch eine frühere Verletzung oder bei Arthrose), die dazu führt, dass sich die Harnsäurekristalle bevorzugt an diesem Gelenk ablagern.

Plötzlich auftretende Symptome bei Gichtfinger

Bei einem Gichtfinger treten plötzlich die charakteristischen Anzeichen einer Gelenkentzündung auf: Das Gelenk ist gerötet, überwärmt, geschwollen und schmerzt stark. Meist ist die Beweglichkeit des Fingergelenks aufgrund der Schmerzen und der Schwellungen eingeschränkt.

Der Finger kann zudem sehr berührungsempfindlich sein, sodass selbst eine leichte Berührung wie durch eine Bettdecke unerträglich ist. Meist kommen außerdem Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu. Auch Übelkeit, Herzrasen oder Kopfschmerzen können vorkommen.

Typischerweise treten die Beschwerden unerwartet aus voller Gesundheit heraus auf – oftmals beginnt der Anfall nachts oder frühmorgens. Nach einigen Tagen bis circa zwei Wochen verschwinden die Symptome vollständig und der Finger kann wieder normal bewegt werden. Häufig schält sich in dieser Zeit die Haut über dem betroffenen Gelenk und Juckreiz tritt auf.

Gichtknoten: Symptom bei chronischer Gicht

Wird Gicht nicht konsequent behandelt, kann die Erkrankung chronisch werden. Dann können durch Harnsäureablagerungen sogenannte Gichtknoten (Gichttophi) entstehen. Dabei handelt es sich um kleine, schmerzlose Knoten, die sich in Weichteilen, Knorpelgewebe oder am Knochen bilden.

Außer an den Fingern können die Tophi auch an den Füßen, der Ohrmuschel oder den Ellenbogen auftreten. Zudem können Längsrillen in den Fingernägeln auf eine chronische Gichterkrankung hinweisen.

Gichtknoten am Finger

Bild von Gichtknoten an den Fingern – © Getty Images/BSIP / Kontributor

In seltenen Fällen können sich Gichttophi an den Sehnenscheiden der Hand bilden. Dies kann dann eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung oder sogar ein Karpaltunnelsyndrom zur Folge haben.

Anzeichen hierfür sind unter anderem Schmerzen in den Fingern oder im Handgelenk sowie ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Aufgrund der meist frühzeitig beginnenden Therapie ist ein chronischer Verlauf der Gicht heutzutage jedoch recht selten.

Diagnostik: Harnsäurewerte nicht immer erhöht

Da ein Gichtfinger eine seltene Form von Gicht ist, liegt die Diagnose nicht immer nahe. Umso wichtiger ist eine zielführende Diagnostik, um andere Ursachen für eine Gelenkentzündung auszuschließen.

Neben dem Beschwerdebild liefern mögliche Auslöser des Anfalls wie eine vorangegangene Infektionskrankheit, Überanstrengung des Gelenks, schweres Essen, Alkoholgenuss oder auch eine Fastenkur erste Hinweise auf die Erkrankung. Eine Blutuntersuchung zeigt in der Regel erhöhte Entzündungswerte, der Harnsäurespiegel kann jedoch im Akutstadium normal sein und sollte daher nach zwei bis vier Wochen erneut kontrolliert werden.

Gelenkpunktion in Ausnahmefällen

In unklaren Fällen können außerdem eine Ultraschalluntersuchung oder ein Röntgenbild des Fingergelenks zur Diagnosestellung beitragen. So wird der Zustand von Sehnen, Knorpeln und Bändern überprüft. Auch Nierensteine oder das Vorliegen eines Harnstaus können im Ultraschall erkannt werden.

Eine Gelenkpunktion am Finger ist aufgrund der geringen Menge an Gelenkflüssigkeit relativ schwierig durchzuführen und kommt daher bei der Diagnostik von Gicht an den Fingern meist nur zum Einsatz, wenn eine bakterielle Gelenkinfektion als Ursache der Entzündung ausgeschlossen werden muss. Die entnommene Gelenkflüssigkeit dient dazu, eventuell vorliegende Harnsäurekristalle in der Probe unter dem Mikroskop nachzuweisen.

Spricht die betroffene Person bei einem akuten Gichtanfall auf Medikamente mit dem Wirkstoff Colchicin an, welches entzündungshemmend wirkt, kann auch dies für eine Gichterkrankung sprechen.

Andere Ursachen einer Entzündung der Fingergelenke

Die Symptome eines Gichtfingers sind nicht immer charakteristisch und können auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Beispielsweise können folgende andere Ursachen für die Beschwerden am Finger verantwortlich sein:

  • Infektion des Gelenks (septische Arthritis)
  • akuter Entzündungsschub bei Gelenkverschleiß (aktivierte Arthrose)
  • Rheuma (rheumatoide Arthritis)
  • reaktive Arthritis (Gelenkentzündung nach einer bakteriellen Infektion – etwa des Magen-Darm-Traktes oder der Atemwege)
  • systemischer Lupus erythematodes
  • Pseudogicht (Ablagerungen von Kalziumkristallen)

Gichtfinger behandeln

Ein akuter Gichtanfall am Finger wird in der Regel zunächst mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen behandelt. Bei Gegenanzeigen gegen diese Wirkstoffe kann der*die Arzt*Ärztin alternativ Kortison oder einen ähnlichen Wirkstoff in Tablettenform verschreiben. Der Wirkstoff Colchicin wird heute nur noch in vergleichsweise geringer Dosierung angewendet, um die sonst teilweise starken Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.

Zusätzlich können bei einem akuten Gichtanfall Medikamente wie nichtsteriodale Antirheumatika (NSAR), Alkaloide oder Biologika eingesetzt werden.

Da Kälte bei Entzündungen lindernd wirkt, können kalte Kompressen sowie eine Kryotherapie sinnvoll zur Behandlung sein. Auch Arzneimittel aus der Homöopathie können ergänzend zu der medikamentösen Behandlung eingesetzt werden.

Eine Operation ist hingegen nur bei einem chronischen Gichtfinger und lediglich in Ausnahmefällen in Erwägung zu ziehen.

Hausmittel bei Gichtfinger

Bei akuten Beschwerden können auch ein paar Hausmittel und Tipps dabei helfen, die Beschwerden bei Gicht in den Fingern zu lindern.

  • Schonen Sie die betroffenen Finger und lagern Sie die Hand leicht erhöht.
  • Kühlen Sie die Finger mit einem in ein Küchentuch gewickelten Kühlpack oder einem Umschlag mit gekühltem Quark.
  • Trinken Sie täglich mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit, um Harnsäure so aus dem Körper zu spülen. Am besten eignen sich dabei purinarme Getränke wie Wasser oder Tee.

Dauertherapie: Harnsäurespiegel senken

Nach dem ersten akuten Gichtanfall ist in der Regel eine Therapie mit einem Medikament notwendig, das die Harnsäure senkt, um ein Fortschreiten der Gicht zu verhindern. In den meisten Fällen wird hierbei der Wirkstoff Allopurinol eingesetzt. Er gehört zur Gruppe der Urikostatika und hemmt die Bildung von Harnsäure im Körper.

Alternativ können sogenannte Urikosurika wie Probencid angewendet werden. Sie wirken über eine Steigerung der Harnsäureausscheidung über die Niere. Diese Medikamente sind jedoch keine Heilmittel gegen Gicht – eine Umstellung der Ernährung ist daher unumgänglich, um das erneute Auftreten eines Gichtfingers zu vermeiden.

Meist gute Prognose

Wird Gicht rechtzeitig diagnostiziert, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Durch eine frühzeitige Behandlung können dauerhafte Schäden an den Fingergelenken und Knochen sowie ein chronischer Verlauf meist verhindert werden.

Sollten sich bereits Gichttophi gebildet haben, lösen sich diese oftmals unter medikamentöser Therapie wieder auf. Eine Operation bei einem chronischen Gichtfinger ist nur in Ausnahmefällen notwendig – etwa wenn es durch die Tophi zu einem Karpaltunnelsyndrom oder zu einer Sehnenruptur kommt.

Gichtfinger vorbeugen

Zur Vorbeugung von Gichtanfällen können Sie durch Veränderung Ihres Lebensstils und Ihrer Ernährung einiges tun – dies gilt auch, wenn bei Ihnen lediglich erhöhte Harnsäurewerte festgestellt wurden, ohne dass es bisher zu einem Gichtanfall kam:

  • purinarme Ernährung: Da Harnsäure beim Abbau von Purinen entsteht, sollten Sie darauf achten, möglichst wenige purinreiche Lebensmittel zu essen – hier finden Sie mehr zum Thema Ernährung bei Gicht.
  • Alkoholkonsum reduzieren: Alkohol hemmt die Harnsäureausscheidung und kann so einen Gichtanfall auslösen. Bier (auch alkoholfreies Bier) enthält zudem Purine und sollte daher nach Möglichkeit vermieden werden.
  • ausreichend trinken: Um die Harnsäureausscheidung über die Niere zu unterstützen, sollten Sie pro Tag mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit trinken.
  • Fasten vermeiden: Bei längeren Hungerphasen fällt vermehrt Harnsäure an. Sie sollten daher auf Fastenkuren und Crash-Diäten verzichten.
  • Normalgewicht anstreben: Übergewicht begünstigt eine Erhöhung des Harnsäurespiegels und ist daher ein Risikofaktor für Gicht. Achten Sie jedoch darauf, Ihr Gewicht nur langsam zu reduzieren, um einen Harnsäureanstieg zu vermeiden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
M10.-

Aktualisiert: 17.03.2022
Autor*in: Dr. med. Jana Wittkowski, Ärztin

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