Herzuntersuchung

Herzuntersuchung mit EKG und BLutdruckmessung © istockphoto, Solovyova

Das Herz leistet Schwerstarbeit – ununterbrochen pumpt es das Blut in den Körperkreislauf, fast 300 Liter in der Stunde. Ein Kraftwerk, das anfällig ist für Störungen – Herz- und Gefäßkrankheiten sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Wichtig zur Vorsorge und adäquaten Therapie ist die richtige Diagnostik. Doch welche Herzuntersuchungen gibt es und wie laufen sie ab? Erfahren Sie hier mehr über den Ablauf einer Herzuntersuchung.

Herzuntersuchung: Zu Beginn ein Gespräch

Die Untersuchung des Herzens beginnt nicht mit ausgeklügelten Apparaten, sondern mit einem Gespräch (Anamnese). Experten gehen davon aus, dass ein Großteil aller Verdachtsdiagnosen mit der Sprache und den Händen gestellt werden können. Oft ist die Krankengeschichte des Patienten so typisch, dass mit gezielten Fragen des erfahrenen Arztes bereits die Verdachtsdiagnose gestellt und alternative Diagnosen ausgeschlossen werden können.

Wichtig sind dabei auch Vorerkrankungen, Familienkrankheiten, Medikamente und Risikofaktoren. Hinzu kommen die Befunde, die der Arzt beim Anschauen des Patienten und bei der körperlichen Untersuchung gewinnt.

Spezielle Tests dienen dann häufig dem Verfeinern der Diagnose und dem Aufstellen des Behandlungskonzepts oder zur Behandlungskontrolle. Zum Teil können sie direkt mit therapeutischen Maßnahmen gekoppelt werden. Welche apparativen Untersuchungen eingesetzt werden, hängt von der Verdachtsdiagnose und Fragestellung ab.

Grunddiagnostik zur Untersuchung des Herzens

Die Grunddiagnostik bei Herzuntersuchungen umfasst verschiedene Methoden. Dazu gehören:

  • Inspektion (Sichtuntersuchung) und Palpation (Tastuntersuchung)
  • Blutdruckmessung
  • Perkussion (Abklopfen)
  • Auskultation (Abhören)
  • Untersuchung der Gefäße
  • EKG (Herzstromkurve)
  • Laboruntersuchungen

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Untersuchungsmethoden näher vor.

Inspektion und Palpation bei Herzuntersuchungen

Die körperliche Untersuchung erfolgt meist am sitzenden oder liegenden Patienten bei entkleidetem Oberkörper. Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind zum Beispiel Wassereinlagerung, blaue Lippen und Finger, Veränderungen der Fingernägel, Pulsationen, Gesichtsrötungen oder Hautveränderungen an den Beinen.

Bei der Tastuntersuchung (Palpation) prüft der Arzt Frequenz, Rhythmus und Charakter des Pulses sowie den Herzspitzenstoß am linken Brustkorb. Die Vene im Halsbereich (Jugularvene) gibt wichtige Hinweise auf den Rückstrom des Blutes zum rechten Herzen.

Blutdruckmessung und Perkussion

Auch die Blutdruckmessung ist ein unabdingbares Hilfsmittel. Sie sollte an beiden Armen und mehrmals durchgeführt werden.

Mit dem Abklopfen (Perkussion) des Brustkorbs kann die ungefähre Herzgröße bestimmt werden – allerdings sind die bildgebenden Verfahren dafür besser geeignet.

Auskultation: Abhören mit dem Stethoskop

Ein wichtiger Untersuchungsschritt ist die Auskultation, das Abhören mit dem Stethoskop. Der Geübte kann damit bereits viele Herzveränderungen, insbesondere Herzfehler erkennen. Beurteilt werden:

  • Herzfrequenz: normal, zu schnell, zu langsam?
  • Herzrhythmus: regelmäßig, unregelmäßig, Extraschläge?
  • Herztöne: Hören sich 1. und 2. Herzton normal an oder sind sie verändert? Sind Extratöne vorhanden?
  • Herzgeräusche: Gibt es zusätzlich Geräusche? Wann treten diese auf und wie hören sie sich an?

Für die vier Herzklappen und ihre Veränderungen gibt es verschiedene Areale, an denen sie sich am besten abhören lassen. Deshalb setzt der Arzt sein Stethoskop auf verschiedene Stellen, lässt den Patienten dabei gegebenenfalls verschiedene Positionen einnehmen und bittet ihn, tief ein-, dann auszuatmen oder die Luft anzuhalten.

Untersuchung der Gefäße

Da Herz und Gefäße zusammenhängen, gehören letztere auch zur klinischen Untersuchung. Weil Gefäßveränderungen sich eher an den Beinen als den Armen finden, werden vor allem dort die Hautfarbe (Blässe, Ödeme, Zyanose), Beinumfang, die Haut und sichtbare Gefäße wie Krampfadern beurteilt.

Die Pulse werden an Armen, dem Bauch und Beinen getastet und abgehört. Bei Verengungen sind oft Strömungsgeräusche vorhanden. Besteht der Verdacht auf Erkrankungen der Arterien oder Venen, kann man verschiedene Test anschließen, die sich ohne großen Aufwand und Hilfsmittel durchführen lassen (Gehtest, Lagerungstest).

EKG: Messung des Herzstroms

Das Messen der Herzstromkurve (EKG) in Ruhe gehört zur Grunddiagnostik. Bei Bedarf schließen sich Belastungs-EKG oder Langzeit-EKG an. Mit einer Katheteruntersuchung kann ein EKG direkt aus dem Herzen abgeleitet werden (elektrophysiologische Untersuchung = EPU), was in manchen Fällen bei Herzrhythmusstörungen notwendig ist.

Laboruntersuchungen des Herzens

Je nach Fragestellung werden verschiedene Laborwerte im Blut bestimmt, die allerdings meist nur Hinweise auf Ursachen oder Risikofaktoren geben. Wichtig können zum Beispiel Blutbild, Gerinnung, Zucker, Fette, Leber- und Nierenwerte, Mineralstoffe und Schilddrüsenwerte sein. Speziell bei Herzerkrankungen oder Verdacht auf Herzinfarkt werden folgende Laborwerte bestimmt:

  • Laktat-Dehydrogenase (LDH: Infarkt, Herzmuskelentzündung)
  • Kreatinkinase (CK: Herzmuskelschädigung)
  • Troponin ( Herzinfarkt) und
  • Brain Natriuretic Peptide (BNP: Herzmuskelschwäche)

Erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) wird als prognostischer Parameter für das Herzinfarktrisiko diskutiert.

Ultraschalluntersuchungen am Herz

Die Sonographie ist ein wichtiges Verfahren zur Darstellung des Herzens und der Blutgefäße. Vorteil ist zum einen, dass Ultraschall keine Strahlenbelastung verursacht und schmerzfrei ist, zum anderen, dass sich das Herz dabei in voller Aktion beobachten und beurteilen lässt.

Die normalen Ultraschallaufnahmen werden als Echokardiographie oder salopp "Herzecho" bezeichnet. Damit werden die einzelnen Strukturen aus verschiedenen Blickwinkeln von der Brustwand aus angeschaut und die Herzfunktion begutachtet. Man sieht die Kammern, die Herzklappen und die Hauptschlagader (Aorta). Es lassen sich die Herzgröße beurteilen, ob sich der Herzmuskel überall gleich gut zusammenzieht und sich die Herzklappen öffnen und schließen. Auch die ausgeworfene Blutmenge kann man abschätzen und Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel sehen.

Weitere Formen der Sonographie

Mit einer Zusatzeinrichtung lässt sich mittels Doppler- und Duplexsonographie der Blutstrom farbig sichtbar und hörbar machen. Auch unter Belastung, zum Beispiel auf dem Fahrrad oder nach Medikamentengabe können Ultraschallaufnahmen gemacht werden (Stress-Echokardiographie). Diese zeigen eventuell krankhafte Veränderungen auf, die sonst nicht sichtbar sind.

Daneben lässt sich die Ultraschallsonde auch über einen dünnen Schlauch in die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie = TEE) oder über einen kleinen Katheter direkt in Blutgefäße (intravaskulärer Ultraschall = IVUS) einführen. Mit der TEE lasen sich Klappen und Vorhöfe besser darstellen, mit der IVUS Verkalkungen der Gefäßwände beurteilen.

Andere bildgebende Verfahren

Ein Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) erlaubt Aussagen über Herzgröße und Form und zeigt eventuell Verkalkungen. Allerdings ist es recht unspezifisch. Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich das Herz mit sehr genauen Bildern dreidimensional und in voller Funktion darstellen; zusätzliche Informationen über das Herzmuskelgewebe lassen sich nach der Gabe von Kontrastmittel gewinnen. Da das Verfahren sehr teuer ist, wird es derzeit allerdings noch nicht in größerem Umfang eingesetzt.

Die Aussagekraft der Computertomographie (CT) ist auch mit neueren Multischichtverfahren nur begrenzt, da die Herzbewegung Unschärfen verursacht. Zwar lassen sich damit Veränderungen an der Gefäßwand direkt und schon im frühen Stadium sowie der Kalkgehalt der Herzkranzgefäße bestimmen – inwieweit letzterer aber mit dem Herzinfarktrisiko korreliert ("Kalk-Score"), ist noch umstritten.

Koronarangiographie als Herzuntersuchung

Die genauesten Ergebnisse über den Zustand der Herzkranzgefäße liefert die Koronarangiographie, eine Kombination aus Herzkatheter-Untersuchung und Röntgenaufnahme. Sowohl zur genauen Diagnosestellung bei Verdacht auf eine Gefäßkrankheit als auch zur Vorbereitung auf eine Herzoperation wird sie in speziell ausgerüsteten Labors zunehmend durchgeführt.

Gegebenenfalls kann der Eingriff direkt mit einer Ballondilatation des Gefäßes (PTCA) oder der Einlage eines Stützgitters (Stent) gekoppelt werden. Neben Verkalkungen und Engstellen der Herzkranzgefäße lassen sich auch die Herzmuskelfunktion, die Klappen zwischen linken Vorhof und Herzkammer (Mitralklappe) beziehungsweise linker Herzkammer und Aorta (Aortenklappe) sowie die Füllungskapazität der Herzkammern beurteilen und feststellen, ob eine Aussackung (Aneurysma) der Herzwand oder der Schlagader vorliegt.

Nuklearmedizinische Untersuchungen

Mit der Myokardszintigraphie lässt sich die Funktion des Herzmuskels beurteilen – nicht immer ist klar, ob eine Engstelle wirklich zur relevanten Durchblutungsstörung führt. Dazu wird nach einer Belastung eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt und mittels Gamma-Kamera beobachtet, wie diese im Herzmuskel aufgenommen wird – je besser die Durchblutung, desto höher die Anreicherung. Die Strahlendosis entspricht einer konventionellen Röntgenaufnahme, die Aussagekraft ist vergleichbar mit der MRT.

Mit der Radionuklidventrikulographie wird das Schlagen der Herzkammern mit radioaktiven Stoffen direkt sichtbar gemacht.

Aktualisiert: 18.02.2020 - Autor: Dagmar Reiche

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