Amitriptylin: unangenehme Nebenwirkungen

Frau verspürt Nebenwirkungen von Amitriptylin © istockphoto, YakobchukOlena

Der Wirkstoff Amitriptylin wird in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Daneben ist er aber auch zur Therapie von chronischen Schmerzen geeignet. Wie viele andere Antidepressiva hat auch Amitriptylin Nebenwirkungen. Zu diesen zählen unter anderem Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme oder eine Gewichtszunahme. Informieren Sie sich hier umfassend über Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen von Amitriptylin.

So wirkt Amitriptylin

Amitriptylin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. In Arzneimitteln liegt er üblicherweise in Salzform als Amitriptylinhydrochlorid vor. Neben Amitriptylin zählen unter anderem noch die Wirkstoffe Doxepin und Trimipramin zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Amitriptylin wird aufgrund seiner beruhigenden und stimmungsaufhellenden Wirkung vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, die mit Angst und Unruhegefühlen einhergehen.

Neben Depressionen wird Amitriptylin auch zur langfristigen Behandlung von chronischen Schmerzen verwendet. So ist der Wirkstoff beispielsweise zur Vorbeugung von Migräneattacken und Spannungskopfschmerzen geeignet. Aufgrund seiner beruhigenden Wirkung wird Amitriptylin teilweise auch zur Behandlung von krankheitsbedingten Schlafstörungen verschrieben.

Die beruhigende Wirkung von Amitriptylin setzt meist bereits kurze Zeit nach der Einnahme ein. Bis das Antidepressivum auch stimmungsaufhellend wirkt, können jedoch einige Tage bis hin zu wenigen Wochen vergehen. Durch die Einnahme des Wirkstoffes kann es passieren, dass beim Patienten mögliche Selbstmordgedanken insbesondere zu Beginn der Behandlung verstärkt werden. Gefährdete Patienten sollten deswegen eng überwacht werden.

Einnahme und Dosierung

Amitriptylin kann entweder oral in Form von Tabletten oder Tropfen eingenommen oder als Injektionslösung gespritzt werden. Wie der Wirkstoff dosiert werden muss, ist individuell verschieden und wird jeweils durch den behandelnden Arzt festgelegt. Verstehen Sie daher bitte die folgenden Dosierungsangaben lediglich als allgemeine Richtlinien.

Zu Beginn der Behandlung wird die Amitriptylin-Dosis langsam gesteigert, bis die kleinste wirksame Dosis ermittelt wurde. Bei Depressionen werden zu Beginn häufig zwischen 50 und 75 Milligramm verteilt auf zwei oder drei Dosen verabreicht. Die maximale Dosis liegt ambulant bei 150 Milligramm. Bei älteren Patienten genügt oft schon eine deutlich geringere Dosis, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Generell sollten ältere Patienten den Wirkstoff jedoch nur nach einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Abwägung einnehmen.

Wird Amitriptylin zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt, wird in der Regel mit einer Dosis von 25 Milligramm begonnen. Schrittweise kann die Dosis auf bis zu 100 Milligramm angehoben werden. Das Mittel sollte möglichst abends vor dem Einschlafen eingenommen werden. Dies gilt auch, wenn Amitriptylin zur Behandlung von Schlafstörungen angewendet wird.

Nebenwirkungen von Amitriptylin

Bei der Einnahme von Amitriptylin kann es vor allem zu Beginn der Behandlung zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen. Mit der Zeit lassen diese jedoch oft nach. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Amitriptylin zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Zittern, niedriger Blutdruck und Kreislaufstörungen. Ebenfalls häufig sind Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Verstopfungen, Gewichtszunahme und Mundtrockenheit.

Oft treten durch die Einnahme von Amitriptylin außerdem Hautausschläge, Bewegungs- und Geschmacksstörungen, Blasenentleerungsstörungen, Störungen der sexuellen Erregbarkeit, Durstgefühl, innere Unruhe, Verwirrtheit und Konzentrationsstörungen auf. Gelegentlich kann es zu Ohrensausen, Durchfall, Bluthochdruck, Verfolgungswahn und Angst kommen. Vereinzelt können sich Nebenwirkungen wie eine Darmlähmung oder ein Darmverschluss sowie eine Leberfunktionsstörung bemerkbar machen.

In seltenen Fällen können durch die Einnahme von Amitriptylin schließlich Nebenwirkungen wie Herzmuskelschäden, Wahnvorstellungen, Gehirnkrämpfe, Nervenschäden, Bewegungsstörungen im Gesicht sowie eine Erhöhungen des Augeninnendrucks auftreten. Ebenso ist eine Zerstörung der weißen Blutkörperchen – eine sogenannte Agranulozytose – möglich.

Überdosierung von Amitriptylin

Wenn Sie die Einnahme von Amitriptylin vergessen haben, ist der Zeitpunkt entscheidend dafür, ob Sie die Einnahme nachholen sollten oder nicht. Liegt dieser bereits relativ nah an der nächsten Einnahme, sollten Sie die Einnahme nicht nachholen. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an den behandelnden Arzt.

Wenn Sie eine zu hohe Dosis des Wirkstoffes zu sich genommen haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Denn bei einer Überdosierung kann der Wirkstoff gefährliche Nebenwirkungen haben. Symptome, die auf eine Überdosierung hindeuten können, sind Mundtrockenheit, ein erhöhter Puls sowie Probleme beim Wasserlassen.

Zudem können bei einer Überdosis Störungen des Zentralnervensystems sowie des Herz-Kreislauf-Systems auftreten. Diese können sich in Symptomen wie Verwirrung, Bewusstseinstrübung, Herz-Rhythmus-Störungen und Krampfanfälle äußern. Außerdem kann es zu Sehstörungen, Störungen der Harnausscheidung und Verstopfungen kommen.

Amitriptylin absetzen

Amitriptylin sollte nie einfach so abgesetzt werden – ansonsten können Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Angstgefühle, Unruhe sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten. Stattdessen sollte die Dosis des Medikamentes über einen längeren Zeitraum langsam verringert werden. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wie Sie die Behandlung mit Amitriptylin am besten beenden können.

Wenn Sie das Medikament nicht gut vertragen, sollten Sie ebenfalls mit Ihrem Arzt Rücksprache halten und Amitriptylin nicht leichtfertig selbstständig absetzen. Auch wenn während der Einnahme manische Phasen auftreten, ist es ratsam, den behandelnden Arzt zu kontaktieren. In der Regel wird dieser den Wirkstoff dann direkt absetzen. Gleiches gilt, wenn sich während der Behandlung zusätzlich neue depressive Symptome zeigen.

Aktualisiert: 06.06.2013 – Autor: Kathrin Mehner

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