Nebenwirkungen von Heparin

Erhöhte Blutungsneigung

Heparin ist in der Regel gut verträglich, hat aber genau wie viele andere Wirkstoffe auch Nebenwirkungen. Dabei zeigt niedermolekulares Heparin normalerweise weniger Nebenwirkungen als unfraktioniertes Heparin. Generell ist zu beachten, dass es durch die Verwendung des Wirkstoffes zu einer überhöhten Blutungsneigung kommen kann. Aus diesem Grund muss während der Behandlung darauf geachtet werden, dass die Patienten möglichst keiner Verletzungsgefahr ausgesetzt sind. Gerade Kinder und ältere Personen sollten deswegen nur eingeschränkt mit Heparin behandelt werden.

Eine erhöhte Blutungsneigung ist vor allem zu beobachten, wenn Heparin gespritzt wird. Symptome wie Nasenbluten, Hautblutungen und Schleimhautblutungen treten dann verstärkt auf. Wie stark diese Blutungen auftreten, hängt in erster Linie von der verabreichten Dosis ab.

Doch auch bei einer äußerlichen Anwendung sehr hoher Dosen des Wirkstoffes kann eine erhöhte Blutungsneigung auftreten. Zudem kann es in seltenen Fällen zu allergischen Hautreaktionen kommen. Zusätzlich zu einer Rötung der Haut können die betroffenen Stellen jucken und brennen.

Seltene Nebenwirkungen von Heparin

Wird Heparin per Spritze verabreicht, kann es an der Injektionsstelle ebenfalls zu Rötungen, Verhärtungen sowie kleineren Blutergüssen kommen. Zudem können sich die Blut- und Leberwerte verändern. In seltenen Fällen wurden außerdem Nebenwirkungen wie Nesselsucht, Übelkeit, Atemnot, Haarausfall sowie ein Abfall des Blutdrucks oder der Thrombozytenzahl (heparininduzierte Thrombozytopenie) beobachtet. Nur sehr selten sind bislang Nebenwirkungen wie Blutgefäßverkrampfungen, Osteoporose oder ein allergischer Schock aufgetreten.

Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT)

Bei einer heparininduzierten Thrombozytopenie kommt es durch die Gabe von Heparin zu einem Abfall der Thrombozytenzahl. Generell werden zwei verschiedene HIT-Typen unterschieden:

Heparininduzierte Thrombozytopenie (Typ I): In den ersten Tagen der Behandlung kommt es zu einem leichten Abfall der Thrombozytenzahl, der sich jedoch von selbst wieder zurückbildet. Eine Behandlung ist deswegen in der Regel nicht nötig.

Heparininduzierte Thrombozytopenie (Typ II): Das Auftreten einer heparininduzierten Thrombozytopenie vom Typ II hängt mit der Dauer der Heparin-Gabe zusammen, in den meisten Fällen tritt sie erst ab etwa dem fünften Einnahmetag auf. Durch die Gabe des Wirkstoffes wird eine Antikörperreaktion ausgelöst: Diese sorgt dafür, dass die Blutgerinnung nicht gehemmt, sondern weiter aktiviert wird. Dadurch kann es zu Blutverklumpungen kommen, die im schlimmsten Fall einen Schlaganfall oder eine Lungenembolie auslösen können.

Bei diesem Typ der heparininduzierten Thrombozytopenie kann die Anzahl der Blutplättchen in Extremfällen um bis zu 50 Prozent abnehmen. Besteht der Verdacht, dass eine solche Erkrankung vorliegt, muss die Gabe des Wirkstoffes sofort abgebrochen werden. Um die Grunderkrankung weiterhin behandeln zu können, sollte ein anderer Gerinnungshemmer eingenommen werden.

Niedermolekulares und unfraktioniertes Heparin

Generell wird zwischen niedermolekularem Heparin (NMH) und unfraktioniertem Heparin (UFH) differenziert. Die beiden Substanzen unterscheiden sich bezüglich ihrer Kettenlänge: Heparine mit einer Kettenlänge von 5 bis 17 Monosacchariden werden als niedermolekulares, Heparine mit einer Kettenlänge ab 18 Monosacchariden als unfraktioniertes Heparin bezeichnet.

Unfraktioniertes Heparin entfaltet seine Wirkung im Körper schneller als niedermolekulares Heparin, da es verschiedene Gerinnungsfaktoren inaktiviert. Allerdings müssen bei einer Therapie mit unfraktioniertem Heparin die Gerinnungswerte im Blut regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden.

Die Wirksamkeit der Therapie lässt sich mit Hilfe eines PTT-Tests, mit dem die partielle Thromboplastinzeit gemessen wird, bestimmen. Das Ergebnis gibt an, ob zu viel (erhöhte Blutungsgefahr), zu wenig (erhöhte Thrombosegefahr) oder genau die richtige Dosis des Wirkstoffes verabreicht wird.

Aktualisiert: 02.11.2017 – Autor: Kathrin Mehner

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