Seife oder Desinfektionsmittel: Was hilft besser gegen das Coronavirus?

Desinfektionsmittel für Hände © istockphoto, FatCamera

Das neuartige Coronavirus mit dem Namen SARS-CoV-2 erfordert zuverlässige Hygienemaßnahmen, um eine schnelle Ausbreitung der Viruserkrankung COVID-19 zu verhindern. Doch womit lässt sich das Virus besser bekämpfen: mit Desinfektionsmittel oder tatsächlich mit dem einfachen Hausmittel Seife? Und wie kann man Desinfektionsmittel selbst herstellen? Das erfahren Sie hier.

Was ist SARS-CoV-2 für ein Virus?

Das SARS-CoV-2 ist ein behülltes Virus aus der Familie der Coronaviren, zu denen auch beispielsweise das SARS-Virus zählt, welches 2003 zu einer Pandemie geführt hat. Auch das aktuelle SARS-CoV-2-Virus, das erstmals im Dezember 2019 in China beschrieben wurde, hat eine Pandemie ausgelöst. Das bedeutet, dass sich die Viruserkrankung länderübergreifend auf die Welt ausgebreitet hat.

Bei einer Infektion führt es zu der Viruserkrankung COVID-19, welche sich unter anderem durch Fieber und trockenen Husten äußern kann. Im Verlauf kann es zu einer Lungenentzündung mit schwerer Atemnot kommen. Die wichtigste Maßnahme gegen die Erkrankung ist es, sich vor einer Ansteckung mit dem Erreger zu schützen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die richtige Handhygiene.

Wie wirkt Seife?

Die reinigende Wirkung von Seifenlaugen lässt sich durch ihren Aufbau erklären. Seife besteht aus vielen kleinen Teilchen (sogenannten Molekülen). Jedes Teilchen besitzt jeweils ein wasserliebendes (hydrophiles) und ein wasserabweisendes (hydrophobes) Ende. Der wasserliebende Teil ist gleichzeitig fettabweisend und der wasserabweisende Teil ist gleichzeitig fettliebend. Das heißt, jeweils eine Seite des Teilchens verbindet sich gut mit Fett, die andere mit Wasser.

Wenn Seife mit fettigem Schmutz in Berührung kommt, dann verbindet sich der fettliebende Anteil mit dem Fett. Wenn die Hände nach dem Einseifen mit Wasser abgewaschen werden, drehen sich die Teilchen der Seife so, dass der fettliebende Anteil zum Fett beziehungsweise Schmutz hinzeigt und der wasserliebende Teil davon weg, also in Richtung des Wassers.

Die wasserliebenden Enden gruppieren sich dadurch kreisförmig um die wasserabweisenden (also fettliebenden) Anteile herum und schließend diese gewissermaßen ein. Dadurch entsteht eine Art Kugel aus Seifenteilchen, in deren Mitte sich der Schmutz befindet. Diese Kugel wird auch als "Mizelle" bezeichnet.

Schematische Darstellung der Funktion von Seife und Bildung einer Mizelle (Infografik)

Wie Seife gegen Viren wirkt – © istockphoto, BJarts

Die wasserabweisenden Anteile in der Mitte transportieren so den fettigen Schmutz fort. Der restliche Schmutz, der nicht fettlöslich ist, wird ebenfalls durch das Wasser weggewaschen.

Wie wirkt Seife auf das Coronavirus?

Das Coronavirus ist von außen nach innen betrachtet aus Fetten, Eiweißen und Erbinformation aufgebaut. Die ganz außen befindliche Fetthülle schützt das Virus und bietet die ideale Angriffsfläche für Seife, die das Virus an sich bindet und abtransportiert.

Wenn die Hände also gründlich und regelmäßig gewaschen werden, lässt sich das Virus durch einfaches Abwaschen von den Händen entfernen. Dabei ist keine Spezialseife erforderlich, sondern es genügt handelsübliche Seife – egal ob man Flüssigseife oder ein Stück Seife verwendet. Da sich auf einem Seifenstück jedoch Keime ablagern können, wird in der Regel die Verwendung von Flüssigseife empfohlen.

Wann sollte man sich die Hände waschen?

Das Robert-Koch-Institut (RKI), eine Einrichtung, die sich vor allem mit Infektionskrankheiten befasst, empfiehlt das Händewaschen in verschiedenen Situationen:

  • vor dem Essen
  • nach dem Benutzen der Toilette
  • vor und nach der Speisezubereitung
  • nach dem Naseputzen oder Niesen in die Hände
  • nach dem Husten in die Hände
  • generell dann, wenn die Hände sichtbar schmutzig sind

Darüber hinaus gibt es aktuell zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus noch weitere Situationen, in denen es ratsam sein kann, sich die Hände zu waschen. Dies gilt etwa, wenn man möglicherweise kontaminierte Oberflächen wie beispielsweise Türklinken, Einkaufswagen, Geländer oder Geld angefasst hat sowie vor und nach der Pflege von kranken Menschen.

Wie wirkt Desinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel beinhalten hochprozentigen Alkohol und wirken damit mikrobizid. Das heißt, sie töten Mikroorganismen, wie Bakterien, Pilze oder Viren ab.

Von Desinfektion spricht man, wenn sich bei der Anwendung in einem Testverfahren die Keimzahl um einen Faktor von mindestens 100.000 verringert hat. Das bedeutet, dass beispielsweise bei einer ursprünglichen Keimzahl von 1.000.000 nach der Desinfektion maximal 10 Keime überlebt haben dürfen.

Auch hier basiert die Wirkung auf Mechanismen aus dem Fachbereich der Chemie. Um die Keime abzutöten, kann das Desinfektionsmittel die Zellwände des Mikroorganismus zerstören, in das Zellinnere eindringen und seine tödliche Wirkung erzielen.

Welches Desinfektionsmittel bei Coronavirus?

Desinfektionsmittel töten zwar Krankheitserreger, nicht alle wirken jedoch gegen Viren. Beim Einsatz eines Desinfektionsmittels gegen das Coronavirus sollte deshalb darauf geachtet werden, dass es dem Wirkungsbereich "begrenzt viruzid" entspricht. Viruzid bedeutet, dass ein Mittel dazu in der Lage ist, Viren abzutöten.

Die begrenzt viruziden Desinfektionsmittel sind wirksam gegen behüllte Viren wie das Coronavirus. Auch Desinfektionsmittel, die in ihrer Beschreibung als "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid" ausgezeichnet werden, können benutzt werden. Ihre viruzide Wirkung erzielen Desinfektionsmittel dabei beispielsweise durch Alkohole oder quartäre Ammoniumverbindungen.

Was hilft besser gegen das Coronavirus?

Vergleicht man den Nutzen von Desinfektionsmitteln mit dem Händewaschen im alltäglichen Gebrauch, sprechen einige Gründe für das Händewaschen mit Seife:

  • Das Händewaschen hat den Vorteil, dass es das Virus effektiv von den Händen entfernt und dabei weniger schädlich für den Anwender ist. Desinfektionsmittel dagegen werden aus vergleichsweise aggressiven Chemikalien hergestellt, welche die Haut und auch die Atemwege reizen können.
  • Sowohl das Händewaschen als auch das Benutzen von Desinfektionsmitteln trocknen die Hände aus, das Desinfektionsmittel reizt die Haut jedoch deutlich stärker. Die Gefahr beim häufigen Händedesinfizieren ist, dass die Haut spröde und rissig wird und damit anfälliger für Krankheitserreger, wie Viren, Bakterien und Pilze, als die gesunde Haut. Deswegen sollte beim Händewaschen und vor allem auch bei der Händedesinfektion nicht nur auf die gründliche Reinigung, sondern auch auf das regelmäßige Eincremen der Haut mit Pflegelotionen geachtet werden.
  • Ein weiterer Vorteil des Händewaschens ist, dass das fließende Wasser auch den groben Schmutz auf der Hand wegspült, in dem sich Viren oder andere Krankheitserreger befinden können.
  • Außerdem wird davon ausgegangen, dass Desinfektionsmittel das Auftreten von resistenten Keimen fördern können.
  • Ein weiterer Nachteil von Desinfektionsmitteln ist, dass sie häufiger zu allergischen Reaktionen und Entzündungen der Haut führen.

Durch die effektive und weniger schädliche Wirkung ist das Händewaschen für den alltäglichen Gebrauch sinnvoller. In Situationen, in denen eine Reinigung der Hände notwendig ist, sich aber keine Möglichkeit zum Händewaschen bietet, kann auf Desinfektionsmittel zurückgegriffen werden.

Gerade in Anbetracht der aktuellen Knappheit von Desinfektionsmitteln sollten diese aber den Krankenhäusern und den Menschen, die sie beispielsweise zur Wundversorgung brauchen, vorbehalten bleiben.

Wie wäscht man seine Hände richtig?

Händewaschen bietet also einige Vorteile. Sowie auch die Desinfektion nützt es jedoch nur dann wirklich, wenn es richtig durchgeführt wird. Die folgenden sechs Tipps sollen dabei helfen:

  1. Gründliches Händewaschen dauert mindestens 20, besser sogar 30 Sekunden. Als Hilfsmittel wird dabei empfohlen, zwei Mal das Lied "Happy Birthday" zu singen.
  2. Keine Stelle vergessen: Auch die Fingerzwischenräume, Fingerspitzen, der Daumen und die Fingernägel sollten eingeseift werden.
  3. Nach dem Einseifen gründlich unter fließendem Wasser abspülen.
  4. Der Wasserhahn auf öffentlichen Toiletten sollte mit dem Ellenbogen oder einem Einwegtuch benutzt werden. Das gleiche gilt für Türklinken.
  5. Gesunde sollten nicht das gleiche Handtuch zum Abtrocknen nutzen wie Erkrankte. Einmalpapiertücher werden empfohlen.
  6. Regelmäßiger Gebrauch von Pflegelotionen schützt die Haut der Hände vor dem Austrocknen.

Wie kann man Desinfektionsmittel selbst herstellen?

Derzeit sind die Desinfektionsmittel in Deutschland und anderen Ländern vielerorts ausverkauft. Gibt es die Mittel nicht mehr zu kaufen, kann man sie auch selbst herstellen. Hierfür hat die Weltgesundheitsorganisation WHO ein Rezept veröffentlicht.

Benötigt werden:

  • 830 Milliliter Ethanol (96 Prozent) oder alternativ 750 Milliliter Isopropylalkohol (99,8 Prozent)/li>
  • 45 Milliliter Wasserstoffperoxid (3 Prozent)
  • 15 Milliliter Glycerin (98 Prozent)
  • 110 ml abgekochtes Wasser oder destilliertes Wasser
  • Messbecher
  • Eine leere 1 Liter-Flasche

Die Zutaten sollten vorsichtig in die leere Flasche gegossen und geschüttelt werden, dann ergeben sie einen Liter Desinfektionsmittel. Erhältlich sind sie in der Apotheke, im Handel oder im Internet.

Das Wasserstoffperoxid ist nicht zwingend zur Herstellung notwendig, dient aber dem Abtöten von Sporen, also der Dauerform von Bakterien. Damit das Desinfektionsmittel wirken kann, muss die fertige Mischung jedoch 72 Stunden verschlossen in dem Gefäß stehenbleiben.

Desinfektionsmittel nur im Notfall selbst mischen

Wichtig zu beachten ist, dass das Rezept ein Notfallrezept ist. Das bedeutet, dass es nur dann zum Einsatz kommen sollte, wenn kein Desinfektionsmittel mehr verfügbar ist. Zwar enthält es Glycerin, um ein Austrocknen der Haut zu verhindern, es trocknet diese aber trotzdem erheblich stärker aus als gekaufte Mittel, weswegen das selbstgemischte Desinfektionsmittel nur in Ausnahmesituationen genutzt werden sollte.

Vor dem eigenen Anmischen von Desinfektionsmitteln wird auch deshalb gewarnt, weil es sich bei den Zutaten um feuergefährliche Chemikalien handelt, die nach Möglichkeit nicht in die Hände von Laien gehören. Daher empfehlen Experten, im Alltag auf das gründliche Händewaschen mit Seife zurückzugreifen.

Aktualisiert: 16.07.2020 - Autor: Silvana Schönit

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