Was bedeutet Schlafkrankheit?

Jeden von uns hat das schon mal ereilt: bleierne Müdigkeit und ein extremes Schlafbedürfnis. Besonders in den tristen Wintermonaten ist das Verlangen, manchmal morgens einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und Körper und Geist Ruhe zu gönnen, groß. "Ich hab' die Schlafkrankheit" oder "Ich bin todmüde" sind Sätze, die zu unserem alltäglichen Sprachgebrauch gehören, und über die wir meist gar nicht weiter nachdenken. Dabei gibt es sie wirklich, die Schlafkrankheit. Mit einem Burn-out Syndrom, sprich einer völligen seelischen und körperlichen Erschöpfung, hat sie jedoch nichts zu tun.

Der Stich der Tsetsefliege

Die "echte" Schlafkrankheit kann, wenn sie unbehandelt bleibt, tatsächlich zum Tode führen. In unseren Breiten ist sie glücklicherweise nicht vertreten. Sie tritt ausschließlich im tropischen Afrika auf - im Extremfall mit epidemieartigen Ausmaßen. Übertragen wird diese Infektionskrankheit durch die blutsaugende Tsetsefliege, die sich bevorzugt in fluss- und wasserreichen Gebieten aufhält. Ihr Stich ist nicht nur schmerzhaft, sondern öffnet den sogenannten Trypanosomen - das sind einzellige Parasiten - den Weg in den Blutkreislauf des Menschen. Es gibt zwei Erregerformen: die ostafrikanische "Trypanosoma brucei gambiense" und die westafrikanische "Trypanosoma brucei rhodesiense". Hauptsächlich unterscheiden sie sich in der Dauer des Krankheitsverlaufs, und dadurch, dass die westafrikanische Form auch Tiere (z.B. Rinder und Antilopen) befällt. Drei Stadien sind typisch: zuerst kommt es zu einer Entzündung der Einstichstelle ("Trypanosomenschanker"), danach treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- Gliederschmerzen und Lymphknotenschwellungen auf. Schließlich breiten sich die Trypanosomen im zentralen Nervensystem aus und verursachen Schlafstörungen, Krampfanfälle und andere neurologische Störungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schlägt Alarm: Sie schätzt die Zahl der mit dem Erreger infizierten Menschen in Zentralafrika auf 300.000 bis 500.000. Wer in diese Gebiete reist, sollte auf jeden Fall einen guten Insektenschutz und ein Moskitonetz mit im Gepäck haben. Hilfreiche Informationen zu Reisen in fremde Länder gibt auch der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes. Die betroffenen Länder planen, die Tsetse-Fliege mit manipulierten Männchen auszurotten, da die Erkrankungsfälle in den letzten Jahren massiv zugenommen haben.

Aktualisiert: 20.04.2012

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