Was ist Hospitalismus?

Der Schlüssel zur Bedeutung liegt schon im Wort: Unter Hospitalismus versteht man seelische, geistige und körperliche Schäden, die durch längere Krankenhaus- oder Heimaufenthalte (häufig schon nach 3 Monaten) entstehen. Hauptsächlich sind Babys und Kinder in den ersten Lebensjahren, meist ohne Eltern und Bezugspersonen, davon betroffen. Durch das Fehlen jeglicher emotionaler Beziehungen erleiden sie gravierende und nur schwer aufholbare Entwicklungsstörungen. Dazu gehören beispielsweise Bewegungsunruhe (Schaukeln mit dem Kopf oder Körper), Ausdrucksverminderung von Gestik und Mimik, Verlangsamung der körperlichen und geistigen Entwicklung, Depressionen sowie ein allgemein schlechter Gesundheitszustand.

Nestwärme vonnöten

 Der Wiener Psychoanalytiker René A. Spitz (1887-1974) beobachtete in den 60er Jahren u.a. in Waisenhäusern und Säuglingsstationen von Frauengefängnissen die Wichtigkeit der mütterlichen Zuwendung und sprach in diesem Zusammenhang von einer "Gefühlsmangelkrankheit". Durch unsere verbesserten Lebensumstände und nicht zuletzt die Untersuchungen der modernen Psychoanalyse gehört das Krankheitsbild des Hospitalismus heute nahezu der Vergangenheit an. Was bleibt, ist die überaus wichtige Erkenntnis einer liebevollen und verantwortungsbewussten Erziehung von Säuglingen und Kindern.

Aktualisiert: 11.04.2012

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?