Was ist Kretinismus?

Wen wir heute 'Idiot' schimpfen, der wurde in früheren Zeiten oft als 'Kretin' (leitet sich vom französischen 'crétin' ab) bezeichnet. Menschen, die an Kretinismus litten, fielen bei besonders schweren Ausprägungen durch Zwergwuchs, einer deformierten Nase, dicken Zunge und teilweise auch durch ausgeprägten Schwachsinn auf.

Kretinismus erkennen

Kretinismus ist laut Definition eine Entwicklungsstörung, die durch einen Mangel an Schilddrüsenhormonen auftritt. Kretinismus ist heutzutage dank medizinischer Erfolge und Behandlung in den Industrieländern ausgerottet. Hormonspiegel-Untersuchungen beim Neugeborenen gehören in Deutschland zum alltäglichen Klinikalltag. Wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, muss sofort therapiert werden, damit es nicht zu irreversiblen Schäden des Gehirns kommt.

Dieser sogenannte endemische Kretinismus, der durch einen Jodmangel der Schwangeren entstehen kann, wird bereits im Mutterleib ausgelöst. Regelmäßige und rechtzeitige Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform verhindern das Krankheitsbild und ermöglichen eine ganz normale Entwicklung des Kindes.

Kropf und Kretinismus in Jodmangelgebieten

Der Zusammenhang von Kropf, Kretinismus und Ernährung ist besonders häufig in Jodmangelgebieten, z.B. in Süddeutschland, festgestellt worden. Noch im 19. Jahrhundert war die Ausprägung dieser Krankheit auch bei Bewohnern Schweizer hochalpiner Landstriche auffällig. Es heißt, das dort 90 Prozent der Bevölkerung an Kropf und bis zu 2 Prozent an Kretinismus litten.

Diese Häufung fand sogar in der Malerei als sogenannter 'Alpenkretin' ihren Niederschlag. Pioniercharakter in der Bekämpfung hatte die ab Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz verordnete Maßnahme, jodiertes Kochsalz zu verwenden. Ein Vorgehen, das bis heute in der Praxis der gesunden Speisenzubereitung weltweites Echo gefunden hat.

Aktualisiert: 17.11.2015

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