Was ist Taurin?

Taurin ist nicht nur Bestandteil von Energydrinks, sondern auch des menschlichen Organismus. Dort trägt Taurin unter anderem zur Fettverdauung bei.

Glas mit taurinhaltigem Energydrink © istockphoto, HandmadePictures

Seine Bekanntheit erlangte Taurin als Zusatz in Energydrinks wie Red Bull®: Der Stoff soll die Wirkung des ebenfalls in den Getränken enthaltenen Koffeins verstärken und zu einer besseren Leistungsfähigkeit verhelfen. Taurin kommt aber auch als natürliche Verbindung im Körper vor. Lesen Sie hier, was genau Taurin ist, was es im Körper bewirkt und welche Nebenwirkungen es in Energydrinks haben kann.

Aus was besteht Taurin?

Taurin ist eine Aminosulfonsäure und besteht als ein Abbauprodukt aus den Aminosäuren Methionin und Cystein. Der menschliche Körper stellt Taurin selbst her, sodass der organische Stoff nicht unbedingt über die Nahrung aufgenommen werden muss.

Die Herstellung von Taurin im menschlichen Organismus

Das Wort Taurin stammt zwar vom griechischen Wort Tauros für Stier, doch wird der Stoff keinesfalls aus Stierhoden gewonnen, wie oftmals behauptet wird. Stattdessen wird das in Lebensmitteln enthaltende Taurin künstlich im Labor hergestellt.

Taurin kommt jedoch auch natürlicherweise im menschlichen Organismus vor: Bei erwachsenen Menschen wird der Stoff in der Leber und im Gehirn unter der Beteiligung von Vitamin B6 gebildet. Taurin befindet sich besonders konzentriert in den Muskelzellen, im Gehirn, im Herzen, im Blut und in den Augen.

Täglich bildet der Körper bis zu 125 Milligramm Taurin. Hinzu kommen bis zu 400 Milligramm, die wir über die Nahrung aufnehmen. Ein gesunder Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht hat bis zu 70 Gramm Taurin im Körper. Somit liegt Taurin im menschlichen Organismus mit ungefähr einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht vor.

Taurin in Muttermilch

Da Neugeborene Taurin noch nicht selbst im Körper herstellen können, werden Babys zunächst über die Muttermilch mit der organischen Säure versorgt. Muttermilch enthält pro Liter zwischen 25 und 50 Milligramm Taurin.

Welche Lebensmittel enthalten Taurin?

Taurin kommt natürlicherweise auch in unserer Nahrung vor, und zwar ausschließlich in tierischen Lebensmitteln beziehungsweise in tierischem Eiweiß. Taurinhaltige Nahrungsmittel sind zum Beispiel:

Was bewirkt Taurin?

Taurin übernimmt einige wichtige Funktionen im Körper, wobei noch nicht alle biochemischen Effekte erforscht sind. Zu den nachgewiesenen Wirkungen von Taurin gehört die Bildung von sogenannten Gallensäuren-Konjugationen.

Damit ist Taurin an der Fettverdauung beteiligt: Der Stoff wird an die in der Leber hergestellten Gallensäuren gekoppelt und verbessert so deren Löslichkeit. Die gelösten Gallensäuren gehen im Dünndarm eine Bindung mit Nahrungsfetten ein, sodass diese ins Blut aufgenommen werden können.

Folgende Wirkung hat Taurin im Körper außerdem:

  • Taurin spielt eine Rolle bei der Entwicklung des zentralen Nervensystems sowie bei Signalübertragungen im Gehirn.
  • Taurin leistet einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und Funktionsfähigkeit der Augen – genauer gesagt der Netzhaut (Retina).
  • Auch trägt es zur Herzfunktion bei, da Taurin antiarrhythmisch wirkt. Das bedeutet, Taurin reguliert den Herzschlag und sorgt so für ein regelmäßiges Schlagen des Herzens.
  • Taurin hat darüber hinaus eine antioxidative Wirkung, denn es schützt das Gewebe vor zellschädigenden freien Radikalen.
  • In Tierversuchen konnte außerdem ein entzündungshemmender Effekt von Taurin festgestellt werden.
  • Auch geben Studien1 Hinweise darauf, dass Taurin den Blutzucker- sowie den Cholesterinspiegel senkt. Eindeutig geklärt ist dies jedoch noch nicht.
  • Taurin wirkt im Körper nicht wie oftmals angenommen anregend oder muntermachend. Im Gegenteil: Der Stoff hat in hohen Dosen einen beruhigenden und krampflösenden Effekt.

Folgen eines Taurinmangels

Ein Taurinmangel ist sehr selten, kann jedoch beispielsweise durch eine langjährige vegane Ernährungsweise oder durch eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Cystein, Methionin oder Vitamin B6 entstehen.

Ein niedriger Taurinspiegel kann zu Störungen des Immunsystems führen. Zudem ist eine niedrige Taurinkonzentration in den Muskeln typisch für chronisches Nierenversagen. Auch kann ein Mangel an Taurin Entzündungen im Gewebe verursachen.

Taurin als Nahrungsergänzung

Besteht eine medizinische Notwendigkeit, kann Taurin langfristig von außen zugeführt werden.

In Form von Nahrungsergänzungsmitteln wird die Substanz als Kapsel beziehungsweise Tablette oder als Pulver zum Einrühren in Flüssigkeit eingenommen. Taurin ist hierbei als Monosupplement, aber auch in Kombination mit anderen Stoffen in Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich. Nahrungsergänzungsmittel mit Taurin kann man in der Apotheke oder im Internet kaufen. Da das hier verwendete Taurin synthetisch hergestellt wird, ist es vegan.

In der parentalen Ernährung – also der künstlichen Ernährung über Nährstoffinfusionen – ist Taurin ebenfalls häufig enthalten. Besonders Frühgeborenen, deren Leber die Substanz noch nicht eigenständig produzieren kann und bei denen die Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung besteht, wird Taurin in Infusionen zugeführt. Insbesondere steht hier die volle Entwicklung der Augen im Vordergrund, bei der Taurin eine Rolle spielt.

Taurin: Dosierung

Wie viel Taurin am Tag dem Körper über die Nahrung, Nahrungsergänzungsmittel oder Energydrinks maximal zugeführt werden sollte, lässt sich nicht beantworten. Studien zur empfohlenen Tagesdosis stehen noch aus. Schätzungen zufolge konsumiert der Mensch täglich zwischen 40 und 400 Milligramm Taurin.

Die durchschnittliche Dosierung von Taurin in Nahrungsergänzungsmitteln liegt zwischen 500 und 2.000 Milligramm am Tag. Doch auch Dosen von über 3.000 Milligramm scheinen unproblematisch zu sein. Bislang existieren keine bekannten Fälle einer Überdosierung mit Taurin.

Im Hinterkopf zu behalten ist jedoch, dass der Körper Taurin selbst herstellt und wir auch über die Nahrung weiteres Taurin zu uns nehmen, sodass ein gesunder Mensch im Prinzip keine zusätzliche Zufuhr des Stoffes benötigt.

Taurin in Energydrinks

Nahezu allen Energydrinks wird künstlich hergestelltes Taurin beigefügt. Grund ist die angebliche Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Allerdings konnte dieser Effekt nicht eindeutig in Studien2 nachgewiesen werden.

Auch, dass Taurin die Wirkung des in Energydrinks enthaltenen Koffeins verstärkt und somit aufputschend wirkt, konnte nicht bewiesen werden. Lediglich das in den Getränken enthaltende Koffein sowie der Zucker besitzen einen anregenden Effekt. Wie bereits erwähnt, wirken hohe Dosen von Taurin eher beruhigend.

Zudem ist es unklar, welche Effekte Taurin in Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen von Energydrinks wie zum Beispiel Inosit, Guarana und Glucuronolacton hat.

In Tierversuchen beeinflusste Taurin den Insulinspiegel und beschleunigte so den Stoffwechsel. Dies könnte zwar eine mögliche Erklärung für die angeblich verstärkende Wirkung von Taurin in Energydrinks sein. Allerdings konnte diese Vermutung bei Menschen nicht bestätigt werden.

Nach der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeordnung dürfen Energydrinks seit 2013 maximal 4.000 Milligramm Taurin pro Liter enthalten. Eine Dose Red Bull® (250 Milliliter) enthält zum Beispiel 1.000 Milligramm synthetisches Taurin.

Nebenwirkungen von Taurin

Bislang existieren – bei einer Zufuhr über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel –  keine bekannten Nebenwirkungen von Taurin.

Anders sieht es bei Taurin in Energydrinks aus. Grundsätzlich sind die Nebenwirkungen von Taurin in Kombination mit den anderen Inhaltsstoffen dieser Getränke nicht genügend erforscht und es ist unklar, was passiert, wenn man zu viel Taurin in Energydrinks zu sich nimmt. Daher ist der Stoff im Rahmen dieser Verwendung mit einem kritischen Auge zu betrachten.

Besonders die Kombination aus Taurin und Koffein steht unter Verdacht, gesundheitliche Risiken mit sich zu bringen. Hier werden einige Nebenwirkungen vermutet, die jedoch weiterer Forschung bedürfen. Zu diesen möglichen Nebenwirkungen zählen:

Aufgrund der ungewissen Wirkung wurde die bereits erwähnte Höchstmenge von Taurin in Energydrinks festgelegt. Zusätzlich empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Kindern, Schwangeren und Stillenden, keine Energydrinks zu konsumieren.

Gefährlicher Mix: Taurin, Koffein und Alkohol

Mitunter beliebt sind auch Mischungen von Energydrinks mit Wodka oder anderem Alkohol. Dieser Mix birgt jedoch wahrscheinlich erhebliche gesundheitliche Risiken.

Denn die Kombination aus Koffein, Alkohol und Taurin könnte über die bereits genannten Nebenwirkungen hinaus auch schwerwiegendere Risiken wie Nierenversagen und Herzstillstand bergen.3 Auch hierzu steht entsprechende Forschung noch aus.

Taurin für bessere Leistungen im Sport?

Manche Bodybuilder nehmen Taurin als Nahrungsergänzungsmittel zu sich, da der Stoff angeblich den Muskelaufbau unterstützen soll. Bislang gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege für eine fördernde Wirkung auf sportliche Leistungen. Obwohl Taurin in Tierversuchen4 den Muskelaufbau steigern konnte, ließ sich dies bei Menschen5 nicht bestätigen.

Auch das Trinken von Energydrinks in Verbindung mit Sport ist umstritten. Während einige Studien einen unterstützenden Effekt auf die sportliche Leistung beschreiben, können andere Studien dies nicht bestätigen und warnen vor den Drinks. Denn Energydrinks entziehen dem Körper Flüssigkeit und können ihn daher besonders bei körperlicher Belastung dehydrieren.

Wie gefährlich ist Taurin also?

Taurin als organische Säure im Körper und in Lebensmitteln ist nicht schädlich. Im Gegenteil – der Körper braucht es sogar, weshalb er es auch selbst produziert.

Bei einer übermäßigen Taurinaufnahme durch zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel wird das überschüssige Taurin über die Nieren ausgeschieden. Aus diesem Grund sollten Menschen mit Nierenproblemen auf eine zusätzliche Zufuhr von Taurin verzichten beziehungsweise Rücksprache mit ihrem Arzt halten.  

Akute Gefahr besteht lediglich bei einem extremen Konsum von Energydrinks, vor allem (aber nicht nur) in Kombination mit Alkohol. Trinkt man zu viel davon, ist dies unter anderem höchstwahrscheinlich schädlich für das Herz.

Besonders bei Energyshots ist die Gefahr der Überdosierung groß, da man hier eine hohe Dosis Taurin und Koffein in einer geringen Menge an Flüssigkeit konsumiert.

Taurin als Medikament?

Möglicherweise kann Taurin in der Zukunft als Medikament bei verschiedenen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Die entsprechende Forschung steht zwar noch an ihrem Anfang, jedoch wird vermutet, dass Taurin einen positiven Effekt auf bestimmte Augenerkrankungen6, Herzrhythmusprobleme, Bluthochdruck7 und Herzinsuffizienz haben könnte.

Darüber hinaus wirkt Taurin antioxidativ und beruhigend. Daher könnte die Substanz auch bei Krankheiten mit oxidativem Stress wie bei Diabetes oder Arteriosklerose verwendet werden.

Geschichte: Woher kommt Taurin?

Taurin wurde erstmals 1827 von den Chemikern Leopold Gmelin und Friedrich Tiedemann entdeckt. Während sie Verdauungsvorgänge bei Rindern untersuchten, gelang es ihnen, einen Stoff aus der Gallenblase eines Ochsen zu extrahieren. Dementsprechend nannten die Wissenschaftler die Substanz Taurin – nach dem griechischen Wort Tauros für Stier.

Quellen

  1. Abebe, W. & Mozaffari, M. S. (2011): Role of taurine in the vasculature: An overview of experimental and human studies.

  2. Gwacham, N. & Wagne, D. R. (2012): Acute Effects of a Caffeine-Taurine Energy Drink on Repeated Sprint Performance of American College Football Players.

  3. Goldfarb, M. et al. (2014): Review of Published Cases of Adverse Cardiovascular Events After Ingestion of Energy Drinks.

  4. Goodman, C.A. et al. (2009): Taurine supplementation increases skeletal muscle force production and protects muscle function during and after high-frequency in vitro stimulation.

  5. Galloway, S.D. et al. (2008): Seven days of oral taurine supplementation does not increase muscle taurine content or alter substrate metabolism during prolonged exercise in humans.

  6. Froger, N. et al. (2012): Taurine provides neuroprotection against retinal ganglion cell degeneration.

  7. Chen, W. et al. (2016): The beneficial effects of taurine in preventing metabolic syndrome.

Aktualisiert: 24.07.2018 – Autor: Nadja Weber

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