Diäten – Dilemma des Jo-Jo-Effektes

Wollen wir ein paar Kilo abnehmen, so ist uns der schnelle Erfolg besonders wichtig. Radikal werden für einige Wochen Kalorien gespart, um anschließend wieder dem gewohnten Essen zu frönen. Doch da macht uns unser biologisches Überlebensprogramm einen kräftigen Strich durch die Rechnung.

Dieses ist nämlich darauf eingestellt, unseren Körper für Hungersnöte zu wappnen. Erhält der Körper weniger Kalorien und Eiweiß, so wird im Stoffwechsel auf "Sparflamme" geschaltet. Der Energieverbrauch wird gedrosselt.

Vom Dilemma des Jo-Jo-Effektes

Ist die Hungerphase vorüber, so setzt der Organismus alles daran, um die Fettdepots wieder zu füllen, damit er gut auf die nächste "Hungersnot" vorbereitet ist. Über viele Jahrtausende hat uns dieser Mechanismus das Überleben gesichert.

In der heutigen Zeit, in der Nahrungsmittel jederzeit und in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen, wird der Mechanismus für viele Menschen zum Dilemma. Die Betroffenen nehmen nach jeder Radikaldiät das abgenommene Gewicht schnell wieder zu und in der Regel noch ein paar Kilogramm mehr. So schaukelt sich das Gewicht von Diät zu Diät nach oben anstatt wie gewünscht nach unten zu gehen.

Diäten als Gesundheitsrisiko

Häufige Gewichtsabnahmen stellen außerdem einen unabhängigen Risikofaktor für die Entstehung von koronaren Herzerkrankungen dar. Dies ist vermutlich auf die verstärkte Einlagerung von Körperfett nach dem Abnehmen und damit verbundene Änderungen des Stoffwechsels zurückzuführen. In einer Untersuchung, an der 25.000 Männer teilnahmen, konnte außerdem festgestellt werden, dass eine wiederholte Gewichtszunahme im Anschluss an eine Diät die Gallensteinbildung fördert.

FdH – der einfache Weg zum Ziel?

Was liegt näher als den Energieüberschuss durch das konsequente Einsparen von Kalorien abzubauen? Die beliebteste Variante der deutschen Bundesbürger ist dafür die FdH-Methode – "Friss die Hälfte". Sie kennzeichnet sich dadurch, dass von der gewohnten Nahrungsmenge nur noch die Hälfte gegessen wird. Der Vorteil ist, man braucht sich in der Nahrungsauswahl nicht umzustellen und im Kühlschrank wimmelt es nicht von Lebensmitteln, die unter normalen Umständen nicht den Weg dorthin gefunden hätten.

Doch genau dort verbirgt sich die Schwachstelle der FdH-Methode. Betrachtet man die Nahrungsauswahl vieler übergewichtiger Menschen, so zeigt sich eine Bevorzugung energiereicher Speisen. Diese sind häufig arm an wichtigen Nährstoffen wie beispielsweise Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

FdH bedeutet dementsprechend nicht nur eine Halbierung der Kalorienzufuhr, sondern auch Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und andere wertvolle Inhaltsstoffe werden reduziert.

FdH führt zwar vorübergehend zu einem gezügelten Essverhalten und in den meisten Fällen auch zu einer Gewichtsreduktion, eine gezielte Ernährungsumstellung erfolgt jedoch nicht. Wird die FdH-Diät nach kurzer Zeit zur Qual, so schleicht sich das alte Ernährungsmuster wieder ein und mit ihm die verlorenen Pfunde.

Gewicht runter = Fett runter?

Bei einer Reduktionsdiät wollen wir am liebsten Fett loswerden. Wie schön wäre es doch, wenn wir gleich in der ersten Woche die ungeliebten Fettröllchen dahinschwinden sehen würden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Wird eine Reduktionsdiät durchgeführt, bleibt dem Organismus nichts anderes übrig als auf seine eigenen Energiereserven zurückzugreifen. Doch nicht die Fettpolster sind zuerst an der Reihe, sondern die schnell verfügbaren Kohlenhydrat- und Eiweißdepots werden zu Beginn mobilisiert.

Sind die Kohlenhydratreserven aufgebraucht, geht es den Fettdepots zuleibe. Gleichzeitig werden aber weiterhin Eiweiße abgebaut. Auch Muskeleiweiß kann dann verloren gehen. Da die Muskelmasse maßgeblich den Grundumsatz des Körpers bestimmt, sinkt der Energiebedarf bei Abbau der Muskulatur. Da der Grundumsatz nach Beendigung der Diät nur sehr langsam wieder ansteigt, trägt dieser Effekt zusätzlich zu dem Jo-Jo-Effekt bei.

Der Körper braucht für eine ausgewogene Energiebilanz weniger Kalorien als er vor der Reduktionsdiät benötigt hat. Der Überschuss wird als Fettpolster angelegt. Diesem Effekt kann nur entgegen gewirkt werden, indem die Gewichtsreduktion durch sportliche Aktivität begleitet und ausreichend Eiweiß zugeführt wird.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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