Ernährung bei Morbus Crohn

Gesunde Ernährung bei Morbus Crohn © rawpixel

Über 400.000 Menschen leiden in Deutschland an den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Bei diesen Krankheitsbildern greift das Immunsystem den eigenen Verdauungstrakt an und sorgt so für Entzündungen in Magen und Darm. Sowohl Morbus Crohn als auch Colitis ulcerosa verlaufen schubweise und sind bislang nicht heilbar.

Ernährung bei CED in zentraler Rolle

Neben den krankheitsbedingten Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall haben viele Patienten auch mit Mangelernährung und Untergewicht zu kämpfen. Dies resultiert zum einen aus einer allgemeinen Appetitlosigkeit, die zu den Symptomen der Krankheit zählt, zum anderen fürchten sich viele Patienten auch vor Unverträglichkeiten und ernähren sich relativ einseitig, um Durchfall und Erbrechen zu vermeiden.

Eine ausgewogene, bedachte Ernährung ist jedoch gerade bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen enorm wichtig.

CED: Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Wer an einer CED leidet, sollte in puncto Ernährung folgende Tipps beachten:

  1. Generell sollten Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen darauf achten, langsam und bewusst zu essen und jeden Bissen lange zu kauen. Auf diese Weise wird dem Darm die Arbeit erleichtert.
  2. Viele kleine Mahlzeiten sind besser als wenige große, die den Verdauungstrakt überfordern können.
  3. Außerdem sollte das Essen weder sehr heiß noch eiskalt auf den Tisch kommen, denn dies kann den Darm reizen und zu Durchfall führen. Ebenso verhält es sich mit sehr scharfen, stark gewürzten Speisen.
  4. Eine ruhige, freundliche Atmosphäre sorgt meist auch für ein magenfreundliches, langsames Essverhalten. An einem Arbeitstag empfiehlt es sich also für CED-Patienten, lieber mit einem netten Kollegen in ein gemütliches Restaurant zu gehen, als schnell in die Kantine oder an den Stehimbiss zu hetzen.

Wenngleich sich die Krankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sehr ähnlich sind, haben sie dennoch ein paar Unterscheidungsmerkmale. Dies spiegelt sich auch in den Ernährungsempfehlungen für die jeweiligen Krankheitsbilder wider.

Ernährung bei Morbus Crohn: Akuter Schub

Bei Morbus Crohn geht ein Schub meist mit drei bis sechs Wochen andauerndem Durchfall ohne Blut und starken Schmerzen im rechten Unterleib einher. Durch den Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit und Nährstoffe, die ihm daher unbedingt verstärkt zugeführt werden müssen. Auch wenn es verlockend erscheint, das Essen und Trinken auf ein Minimum zu reduzieren, um den unangenehmen Durchfall zu vermeiden, ist dies der falsche Weg.

Vielmehr sollten die Patienten gerade bei einem Schub mehr Flüssigkeit als üblich zuführen, damit der Körper nicht austrocknet. Dazu eignet sich Wasser ohne Kohlensäure oder Kräutertee. Weniger empfehlenswert sind Fruchtsäfte, Kaffee und schwarzer Tee.

Um den Körper mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen und gleichzeitig den Verdauungstrakt nicht zu überfordern, sollten in der akuten Phase nur leicht verdauliche Lebensmittel gegessen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • püriertes Obst
  • gekochtes oder gedünstetes Gemüse
  • Kartoffeln
  • Sojaprodukte

Milchprodukte, Süßigkeiten, Hefeteiggebäck, Softdrinks und Alkohol sollten Sie hingegen von der Speisekarte streichen.

Ernährung bei Morbus Crohn: Schwerer, akuter Schub

Bei schweren Schüben kann es helfen, die Ernährung ausschließlich auf Suppen und Breie zu reduzieren. Im Extremfall ist auch Astronautennahrung oder künstliche Ernährung über eine Sonde oder Infusion denkbar, um den überforderten Magen-Darm-Trakt zu entlasten.

Ernährung bei Morbus Crohn: Remissionsphase

In den Phasen zwischen den Krankheitsschüben sollten Morbus-Crohn-Patienten darauf achten, die Nährstoff- und Flüssigkeitsverluste, die sie durch den andauernden Durchfall in den akuten Phasen erlitten haben, wieder auszugleichen. Hierzu sind in erster Linie ballaststoffreiche Lebensmittel geeignet. Dazu gehören beispielsweise:

  • fein gemahlenes Vollkorn
  • gedünstetes oder püriertes Obst und Gemüse (zum Beispiel Bananen)
  • Reis
  • Hafer
  • Kartoffeln

Weniger gut verträglich sind Weizen, Milch, Mais und Hefe. 

Überprüfung auf Laktose- und Fruktoseintoleranz empfehlenswert

Viele Menschen, die an Morbus Crohn erkrankt sind, leiden gleichzeitig auch an einer Laktoseintoleranz oder Fruktoseintoleranz. Eine ärztliche Untersuchung auf mögliche Intoleranzen ist daher empfehlenswert, um die betreffenden Lebensmittel künftig zu vermeiden und den ohnehin strapazierten Verdauungstrakt zu entlasten.

Verträglichkeit von Lebensmitteln kann variieren

Oft ist die Art der Zubereitung entscheidend für die Verträglichkeit eines Lebensmittels. Hier finden Sie einige Tipps, worauf Sie achten sollten:

  • Generell sollte Gemüse möglichst gegart oder gedünstet, Obst geschält und püriert werden, da diese Lebensmittel roh schwer verdaulich sind und abführend wirken können.
  • Bei Milchprodukten sind Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Buttermilch besser verträglich als Käse, Sahne oder süße Fruchtjoghurts.
  • Eier können helfen, eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß sicherzustellen. Weichgekochte Eier sind dabei besser verträglich als hartgekochte.
  • Bei Fleisch und Wurst sind magere Produkte in der Regel besser verträglich als fettes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch.

Wie gut bestimmte Lebensmittel vertragen werden, kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Daher wird Menschen mit Morbus Crohn empfohlen, ein Ernährungstagebuch zu führen und darin zu notieren, welche Nahrungsmittel Beschwerden verursacht haben und welche nicht, um so langfristig einen individuellen Ernährungsplan erstellen zu können.

Aktualisiert: 20.11.2018 – Autor: Kristina Klement

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