Kokosöl und Kokosfett

Kokosfett © monicore

Kokosöl (Kokosnussöl) ist ein besonders hocherhitzbares Pflanzenöl, das aus dem Nährgewebe der Kokosnuss (Kopra) gewonnen wird. Bei Raumtemperatur hat Kokosöl einen festen Aggregatzustand und eine weißliche Farbe – in dieser Form wird es als Kokosfett bezeichnet. Kokosöl wird vor allem in der Küche zum Braten und Backen verwendet, es kommt aber auch in der Kosmetik zum Einsatz. Hier ist Kokosöl vor allem zur Pflege der Haare beliebt.

Kokosöl – gesund oder ungesund?

Da Kokosöl und Kokosfett einen besonders hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren besitzen – dieser liegt bei etwa 90 Prozent – galten sie jahrelang als ungesund. Denn möglicherweise sollen die vielen gesättigten Fettsäuren zu einer Erhöhung des Cholesterinspiegels führen. Heute wird oftmals davon ausgegangen, dass durch qualitativ hochwertiges Kokosöl nur der Gehalt des HDL-Cholesterins steigt – dabei handelt es sich um das "gute" Cholesterin, das uns beispielsweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt.

Aufgrund seiner vermuteten gesundheitsfördernden Eigenschaften wird Kokosöl immer beliebter: Heute werden weltweit etwa acht Prozent des Bedarfs an Pflanzenöl durch Kokosöl abgedeckt. Neben seiner Wirkung auf den Cholesterinspiegel wird Kokosöl auch gerne verwendet weil es gut bekömmlich und leicht verdaulich ist. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Kokosfett – im Gegensatz zu beispielsweise Butter – vor allem mittelkettige Fettsäuren enthält.

Wissenschaftliche Beweise für den gesundheitsfördernden Effekt von Kokosöl beziehungsweise Kokosfett stehen allerdings noch aus. Ob das oftmals als "Superfood" beworbene Fett wirklich so gesund ist, ist daher umstritten.

Öl-Qualität besonders entscheidend

Bei Kokosöl und Kokosfett ist es besonders entscheidend, auf die Qualität des Produktes zu achten, denn viele im Handel erhältliche Kokosfette sind industriell gehärtet. Bei diesem Prozess entstehen aus den natürlichen Fettsäuren Transfettsäuren, die sich schädigend auf die Gesundheit auswirken können.

Zwar haben die Transfettsäuren im Kokosfett die gleiche Zusammensetzung, allerdings eine andere Struktur als die natürlichen Fettsäuren. Denn beim Härten des Kokosfettes geht die Krümmung der natürlichen Fettsäuren verloren und diese liegen somit nach dem Härten nicht mehr in gekrümmter, sondern in gerader Form vor.

Die geraden Transfettsäuren können von unserem Körper allerdings nur schlecht verarbeitet werden. Zudem erhöhen sie im Körper das "schlechte" LDL-Cholesterin und senken gleichzeitig den Spiegel des "guten" HDL-Cholesterins. Dadurch kann das Risiko für einen Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich ansteigen. Ebenso soll durch den Verzehr von Lebensmitteln mit Transfettsäuren das Risiko für Diabetes sowie Übergewicht deutlich vergrößert werden.

Möchte man von den gesundheitsfördernden Wirkungen des Kokosfettes profitieren, sollte man also unbedingt auf ein hochwertiges Öl oder ein ungehärtetes Fett zurückgreifen. Solche Produkte gibt es beispielsweise in Reformhäusern zu kaufen.

Gesundheitsfördernde Wirkung von Kokosöl

Zu den gesättigten Fettsäuren des Kokosöls gehören unter anderem die Laurinsäure, die Palmitinsäure und die Stearinsäure. Daneben sind in Kokosfett noch ungesättigte Ölsäuren sowie geringe Mengen an Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen, Kupfer und Kalium und an Vitamin E enthalten.

Vor allem der Laurinsäure, die in Kokosöl und Kokosfett in besonders großen Mengen vorkommt, werden gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. So soll sie antimikrobiell wirken und somit den Körper im Kampf gegen Bakterien, Hefen, Pilze sowie bestimmte Viren unterstützen. Bei Viren ist der Mechanismus der Laurinsäure besonders effektiv – sie löst einfach die Fettbestandteile der Hülle auf und inaktiviert dadurch den Virus – zumindest in Tier- und Laborversuchen.

Aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung soll Kokosöl auch bei Erkältungen sowie bei Halsschmerzen helfen können. Um die Symptome zu lindern, solle man einfach ein wenige Kokosöl in einen warmen Tee geben.

Cremes, die Kokosöl enthalten, sollen zudem den Wundheilungsprozess fördern und die Haut vor Infektionen schützen. Außerdem wird Kokosöl gerne zum Ölziehen verwendet.

Auch in Bezug auf diese Aspekte gelten die gesundheitlichen Effekte von Kokosöl jedoch nicht als erwiesen.

Positiver Effekt bei Alzheimer

Ob Kokosöl einen positiven Effekt bei Alzheimer-Erkrankungen hat, ist bislang noch umstritten. Befürworter führen den Fall eines Amerikaners an, dessen Alzheimer-Erkrankung durch die tägliche Einnahme von Kokosöl zwar nicht geheilt wurde, sich angeblich aber deutlich verbesserte. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Kokosöl bei einer Alzheimer-Erkrankung fehlen bislang allerdings noch.

Angeblich soll die positive Wirkung des Kokosöls auf die vielen mittelkettigen Fettsäuren, die in dem Öl enthalten sind, zurückzuführen sein. Sie werden in der Leber zu Ketonen umgewandelt und anschließend über den Blutkreislauf ins Gehirn transportiert. Dort können sie als alternative Energiequelle zu Glukose verwendet werden. Da bei Alzheimer bestimmte Bereiche des Gehirns nicht mehr in der Lage sind, Glukose aufzunehmen, soll durch die Ketone die Energieversorgung des Gehirns verbessert werden.

Kokosfett zum Abnehmen?

Übrigens sind es genau diese mittelkettigen Fettsäuren (MCTs), aufgrund derer Kokosöl mitunter auch als Mittel zum Abnehmen gilt. Denn die bei der Verstoffwechselung dieser MCTs gebildeten Ketonkörper signalisieren ein Gefühl von Sättigung.

Langanhaltende Abnehmeffekte von Kokosöl ließen sich in Studien allerdings nicht bestätigen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Kokosöl nur zu etwa 14 Prozent aus solchen mittelkettigen Fettsäuren besteht und deshalb in seiner Wirkung auf das Sättigungsgefühl nicht mit reinen MCT-Fetten vergleichbar ist.

Wie wird Kokosöl gewonnen?

Für die Gewinnung des Kokosöls muss zunächst das Fruchtfleisch der Kokosnuss – die sogenannte Kopra – zerkleinert und getrocknet werden. Durch das Trocknen sinkt der Wassergehalt der Kokosnuss auf rund fünf Prozent, während der Fettgehalt auf 60 bis 70 Prozent ansteigt. Nach dem Trocknen wird das Fruchtfleisch ausgepresst und somit das Fett gewonnen.

Verwendung von Kokosöl und Kokosfett

Da Kokosöl viele gesättigte Fettsäuren besitzt, ist es hoch erhitzbar und somit zum Kochen, Backen und Braten geeignet – idealerweise sollte man es aber nur bei niedrigen Temperaturen erhitzen.

Zu Kaufen ist Kokosfett meist in Form eines festen Blockes, denn Kokosfett hat bei Raumtemperatur einen festen Aggregatzustand. Bei 22 bis 25 Grad beginnt das Fett jedoch zu schmelzen und verwandelt sich in Öl.

Beim Schmelzen kann Kokosfett extrem viel Schmelzwäre aufnehmen und sorgt dadurch für einen kühlenden Effekt. Diese Wirkung des Kokosfettes macht sich die Süßwarenindustrie beispielsweise bei der Herstellung von Eiskonfekt zunutze. Neben Eiskonfekt wird Kokosöl auch für die Herstellung von weiteren Süßigkeiten wie Eis und Waffelfüllungen verwendet. Ebenso spielt es eine zentrale Rolle bei der Margarineproduktion sowie als Zutat von Fertiggerichten.

Kokosöl: Gut für Haut und Haare

Neben der Küche kommt Kokosöl auch in der Kosmetik zum Einsatz und wird dort unter anderem in Haarshampoos, Sonnenschutzcreme, Massageöl sowie verschiedenen Cremes und Seifen verwendet. Kokosöl hat einen kühlenden Effekt und wirkt feuchtigkeitsspendend, allerdings dringt das Öl kaum in die Haut ein.

Kokosöl soll sich besonders auf die Haare positiv auswirken, da es trockene und strapazierte Haare mit Feuchtigkeit versorgt. Einfach ein wenig Kokosöl ins feuchte Haar einmassieren und mindestens eine Stunde lang einwirken lassen. Alternativ kann das Öl aber auch über Nacht einwirken. Nach dem Einwirken das Kokosöl gründlich auswaschen.

Aufgrund seiner feuchtigkeitsspendenden Wirkung wird Kokosöl nicht nur für die Haar-, sondern auch in der Hautpflege eingesetzt – vor allem zur Pflege von trockener Haut. Außerdem soll ein Tropfen des Öles, der abends unterhalb der Augen einmassiert wird, am nächsten Morgen Augenringe verhindern. Aber Vorsicht: Wie andere Öle auch kann Kokosfett ebenso zu Mitessern führen.

Aktualisiert: 16.04.2019 – Autor: Kathrin Mehner; überarbeitet: Silke Hamann

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