Chlorid als Nährstoff und Laborwert

Salz © Getty Images/SarapulSar38

Chlorid gehört zu den wichtigsten Elektrolyten im menschlichen Körper. In Lebensmitteln ist Chlorid vor allem in Verbindung mit Natrium in Form von Speisesalz oder Kochsalz enthalten, dem sogenannten Natriumchlorid. Aus diesem Grund weisen viele verarbeitete Nahrungsmittel einen eher hohen Chloridgehalt auf. Wie wirkt Chlorid im Körper, was ist Chlorid eigentlich und woran erkennt man, ob die Chloridwerte im Blut und Urin zu hoch oder zu niedrig sind?

Was ist Chlorid?

Chlorid ist eine chemische Verbindung des Elements Chlor. Im Körper kommt es als negativ geladenes Ion (Elektrolyt) in sogenannten extrazellulären Flüssigkeiten vor. Das sind Körperflüssigkeiten, die sich außerhalb der Zellen befinden, wie beispielsweise das Blutplasma oder die Lymphflüssigkeit. Chlorid wird größtenteils über die Nahrung in Verbindung mit Natrium aufgenommen. Diese Verbindung ist Natriumchlorid, also Speise- beziehungsweise Kochsalz.

Welche Funktion hat Chlorid im Körper?

Chlorid spielt bei der Regulierung des Wasserhaushalts im Körper eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit anderen Elektrolyten trägt es durch seine negative Ladung zudem zur Entstehung von elektrischer Spannung zwischen Zellinnerem und -äußerem bei. Dadurch können Nerven- und Muskelsignale zwischen den verschiedenen Körperzellen weitergeleitet werden.

Auch für den reibungslosen Ablauf der Verdauung und die Abwehr von Krankheitserregern ist Chlorid wichtig, da es einen Bestandteil des Magensafts bildet. Ausgeschieden wird Chlorid über die Nieren.

Chlorid in Lebensmitteln

Chlorid kommt in Lebensmitteln hauptsächlich in Form von Natriumchlorid vor. Dabei handelt es sich um gewöhnliches Speisesalz. Je mehr Salz in Lebensmitteln enthalten ist, desto höher ist also auch der Chloridgehalt.

Lebensmittel ohne oder mit wenig Chlorid sind also beispielsweise:

  • Gemüse
  • Obst
  • (ungesalzene) Nüsse
  • Frischkäse
  • Emmentaler
  • Naturjoghurt

Einen hohen Chloridgehalt weisen vor allem industriell verarbeitete Lebensmittel auf. Dazu gehören beispielsweise Wurst- und Backwaren oder bestimmte Käsesorten, wie Schafskäse, sowie eingelegtes Gemüse.

Tagesbedarf: Wie viel Chlorid benötigt der Körper?

Wie viel Chlorid man pro Tag aufnehmen sollte, ist nicht genau bekannt. Schätzungsweise sollte jeder erwachsene Mensch ab 25 Jahren täglich circa 2.300 Milligramm, beziehungsweise 2,3 Gramm, Chlorid zu sich nehmen. Auch für schwangere und stillende Frauen gelten diese Richtwerte.

In der Regel ist die Tageszufuhr von Chlorid höher, da in einigen Lebensmitteln relativ viel Salz enthalten ist. Unter normalen Umständen kann der Körper diese zu hohen Werte jedoch durch die Ausscheidung von Chlorid über die Nieren regulieren.

Welche Chloridwerte sind normal?

Chlorid wird im Blut oder im Urin gemessen. In der Regel erfolgt die Messung zur Bestimmung des Säure-Basen-Haushalts im Körper. Die Angabe erfolgt in Millimol pro Liter (mmol/l).

Folgende Blutwerte für Chlorid liegen im Normbereich:

  • Kinder bis einschließlich 12 Jahre: 95 bis 112 mmol/l
  • Jugendliche ab 13 Jahre und Erwachsene: 96 bis 110 mmol/l

Der Normalwert für den 24-Stunden-Sammelurin sollte bei Personen ab 18 Jahren zwischen 100 und 250 mmol/l liegen.

Chloridmangel: Symptome und Ursachen

Sind die Chloridwerte im Blut zu niedrig, spricht man von einer Hypochlorämie. Diese entsteht, wenn ein genereller Elektrolytverlust im Körper stattfindet, also beispielsweise, wenn vermehrt Elektrolyte über den Magensaft, den Stuhl, den Urin oder die Niere abgegeben werden.
Mögliche Ursachen für zu niedrige Chloridwerte sind:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Gutartige Geschwulste im Dickdarm (Kolonadenom)
  • Funktionsstörungen der Niere
  • Schwartz-Bartter-Syndrom
  • Einnahme von Diuretika (entwässernde Medikamente)

Liegt nur ein leichter Chloridmangel vor, treten in der Regel keine Symptome auf. Bei stark erniedrigten Werten kann es zu Übelkeit und Erschöpfung kommen. Zudem kann ein Mangel an Chlorid zu einer Erhöhung des pH-Wertes des Blutes führen. Liegt der Wert über 7,45, spricht man von einer metabolischen Alkalose. Diese kann Herzrhythmusstörungen und eine neuromuskuläre Hyperaktivität – also eine übermäßige Aktivität der Muskeln und Nerven – auslösen, welche sich beispielsweise in Muskelschmerzen, Funktions- oder Empfindungsstörungen zeigt.

Die Therapie eines starken Chloridmangels erfolgt über die intravenöse Gabe von Elektrolytlösungen. Bei leicht erniedrigten Werten genügt häufig schon die Aufnahme von salzhaltigen Lebensmitteln. Zudem sollte die zugrunde liegende Ursache ärztlich geklärt und behandelt werden.

Überdosierung – zu viel Chlorid im Blut

Wird im Blut zu viel Chlorid nachgewiesen, nennt man dies Hyperchlorämie. Eine Hyperchlorämie kann durch Störungen des Säure-Basen-Haushalts entstehen. Dabei kann es zu einer Übersäuerung des Blutes (Azidose) kommen. Um diese Übersäuerung auszugleichen, wird die Ausscheidung von Chlorid durch die Nieren vermindert, was wiederum erhöhte Chloridwerte zur Folge hat.

Häufig hängt der gestörte Säure-Basen-Haushalt mit einem Verlust an Bicarbonat zusammen, das an der Aufrechterhaltung des pH-Werts im Körper beteiligt ist. Auch dann versucht der Körper mit der verminderten Ausscheidung von Chlorid, die niedrigen Bicarbonat-Werte auszugleichen.
Folgende Ursachen können einen Überschuss an Chlorid begünstigen:

  • Erkrankungen der Nieren
  • Durchfall (mit Bicarbonatverlust)
  • Renal-tubuläre Azidose (Störung der Säureausscheidung über die Nieren)
  • Infusionen mit Natriumchlorid
  • Einnahme von Carboanhydrasehemmern (Medikamente zur Behandlung des grünen Stars oder bei Epilepsie)

Zudem kann ein zu hoher Chloridwert durch eine diabetische Ketoazidose bedingt sein. Dabei handelt es sich um eine Komplikation beim Diabetes mellitus, die sofort intensivmedizinisch behandelt werden sollte. Typische Symptome der diabetischen Ketoazidose sind unter anderem vertiefte Atmung (Kussmaul-Atmung), Magenschmerzen, Benommenheit oder Acetongeruch in der Atemluft.

Da der Chloridwert eng mit dem Natriumwert verknüpft ist und über dasselbe System reguliert wird, können veränderte Chloridwerte auch mit veränderten Natriumwerten einhergehen oder durch diese bedingt sein.

Bei erhöhten Chloridwerten sollten die Ursachen ärztlich geklärt und der Überschuss dementsprechend therapiert werden. Häufig empfiehlt sich zudem, bei der Ernährung auf Produkte mit hohem Salzgehalt zu verzichten.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E87.8, E87.3

Aktualisiert: 29.07.2021 - Autor: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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