Alcopops - Achtung hochprozentig!

"Ich trinke heute mal Red Berry. Die rote Farbe passt zu meinen Haaren!" "Nö, ich bleibe bei Tropical Lemon, das schmeckt einfach cool!". Ein harmloses Gespräch vor dem Saftregal? Nein, eine Unterhaltung zwischen Laura und Marie, zwei Teenagern, die sich für den Rosenmontagszug mit Alkohol versorgen. Alcopops oder RTD (Ready to drink) sorgen für Stimmung: Partylaune bei den jugendlichen Konsumenten, Verkaufseuphorie bei den Herstellern und Katerstimmung bei Politik und Verbraucherschutz. Was ist drin? Was ist dran?

In die Kritik geraten

Die so genannten Alcopops sind Mischgetränke aus hochprozentigem Alkohol (z.B. Rum, Wodka, Tequila) und/oder Bier mit Limonaden und Säften. Die trinkfertigen Mischungen kommen überwiegend in handlichen 275-Milliliter-Flaschen in den Handel. Was aussieht und schmeckt wie Limo, enthält etwa 5,5 Volumenprozent Alkohol, pro Fläschchen einen doppelten Schnaps. Seit Gesundheitsexperten die Trendgetränke mit dem vermehrten Alkoholkonsum von Jugendlichen in Verbindung bringen, sind Alcopops in die Kritik geraten.

"Latin spirit", coole Typen, braun gebrannt und sexy - die Werbeclips der Spirituosenindustrie haben die junge Zielgruppe für sich entdeckt ... und treffen ins Schwarze. Werbe-Etats in zweistelliger Millionenhöhe haben den Umsatz im vergangenen Jahr verdreifacht. Eine erfolgreiche Antwort auf den gesunkenen Pro-Kopf-Verbrauch von Hochprozentigem in Deutschland. Um die Jugendlichen zu schützen, diskutieren Verbraucherverbände und Bundesregierung zurzeit über eine Sonderabgabe oder ein Werbeverbot für Alcopops.

Bunt und poppig

Bunt und poppig sehen die Flaschen aus, süß und prickelnd schmeckt der Inhalt. Vermutlich sind die Partydrinks bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt, weil ihnen Bier und Wein oft zu bitter und rein Hochprozentiges zu stark schmecken. In den trendigen Mischgetränken maskieren Süßungsmittel und intensive Aromen den Alkohol. Nach einer wissenschaftlichen Umfrage unter Mädchen und Jungen zwischen 11 und 15 Jahren sind Alcopops das beliebteste alkoholische Getränk nach Bier.

Bereits ein Drittel aller 15-Jährigen Jungen trinkt regelmäßig Alkohol. Dabei zählen zumindest die auf hochprozentigem Alkohol basierenden Mixgetränke zu den Spirituosen und dürfen laut Jugendschutzgesetz nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind Alkohol und seine Folgen (vor allem Verkehrsunfälle und Gewalttaten) europaweit die häufigste Todesursache bei Männern zwischen 15 und 29 Jahren.

Mehr Alkohol als Bier

Ob Einstiegsdroge oder nicht - auch Erwachsene sollten wissen, dass die beliebten Partygetränke mehr Alkohol enthalten als zum Beispiel Bier. Der süße Geschmack verführt dazu, schneller und mehr zu trinken als gewöhnlich. Außerdem lassen Zucker und Kohlensäure den Alkohol besonders leicht ins Blut übergehen. Daher einige Tipps: Zum Durst Löschen eignen sich Wasser und Saftschorlen am besten.

Beratungen des Bundestags über Sondersteuer

Der Bundestag berät derzeit über die geplante Sonderst euer auf Alkopops. Das Gesetz enthält außerdem ein Verbot kleiner - und damit billigerer - Zigarettenpackungen. So sollen junge Menschen besser vor Alkohol und Tabak geschützt werden. Die Sonderabgabe auf Alkopops soll dem Entwurf zufolge 83 Cent pro 275-Milliliter-Flasche branntweinhaltiger Mixgetränke betragen. Zudem soll ein Warnhinweis "Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten" auf der Vorderseite Pflicht werden. Das Gesetz soll möglichst am 1. Juli in Kraft treten. Quelle: aid infodienst

Aktualisiert: 12.03.2014

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