Adnexitis: Eileiter- und Eierstockentzündung

Frau leidet an Adnexitis
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Viele Frauen empfinden eine Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane als äußerst belastend. Zu den Beschwerden gesellen sich oft auch Schamgefühle und die Angst vor Unfruchtbarkeit. Da eine Adnexitis nicht selten einen chronischen Verlauf nimmt, sollte der Besuch beim Frauenarzt auch bei geringen Symptomen nicht aufgeschoben werden.

Was ist eine Adnexitis?

In Eileiter und Eierstock kann es zu entzündlichen Erkrankungen kommen, die fachsprachlich als Salpingitis (Salpinx = griech. für Trompete, an deren Form die Eileiter erinnern) und Oophoritis (Oo = griech. für "Ei") bezeichnet werden. Da bei einer Infektion fast immer beide Strukturen beteiligt sind, sprechen die Frauenärzte in der Regel von einer Adnexitis (Adnex = Anhang), also einer Entzündung der Anhangsgebilde der Gebärmutter.

Besonders im englischsprachigen Raum taucht auch oft der Begriff PID (pelvic inflammatory disease = Entzündungen des kleinen Beckens) auf. Darunter wird neben der Adnexitis auch die Entzündung der Gebärmutter (Endometritis) gefasst. Grund ist, dass die Infektion meist durch aus der Scheide aufsteigende Keime verursacht wird, die auf ihrem Weg dann alle im kleinen Becken gelegenen weiblichen Fortpflanzungsorgane befallen.

Eileiter- und Eierstockentzündung: Wer ist betroffen?

Die Adnexitis betrifft vorwiegend sexuell aktive Frauen von 15–25 Jahren; in dieser Altersgruppe erkranken schätzungsweise 1–2% der Frauen. Besonders betroffen sind Raucherinnen, Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Trägerinnen einer Spirale und Patientinnen, bei denen Scheidenspülungen oder Eingriffe im Bereich des Unterleibs (z.B. Ausschabungen) stattgefunden haben.

Wie entsteht eine Adnexitis?

Ursache ist eine Infektion, fast immer mit Bakterien. Keime können auf drei Wegen in Eileiter und Eierstöcke gelangen: von der Scheide aufsteigend (aszendierend), von Nachbarorganen wie Blinddarm oder Mastdarm "hinab"steigend (deszendierend) oder durch das Blut angeschwemmt (hämatogen):

  • Aszendierende Infektion: Dieser Infektionsweg ist mit Abstand der häufigste. In etwa zwei Drittel der Fälle liegt zunächst eine Infektion im unteren Genitaltrakt mit Chlamydien oder Gonokokken zugrunde. Durch die Entzündung werden die Barrieren z.B. am Muttermund des Gebärmutterhalses durchlässiger und diese und auch andere Keime können leichter eindringen. Sie führen zu einer Entzündung der Gebärmutterhalsschleimhaut (Endozervizitis), wandern dann durch die Gebärmutter und anschließend die Eileiter hoch. Ähnliches gilt für gynäkologische Eingriffe oder nach Geburten – auch dabei können die natürlichen Abwehrmechanismen beeinträchtigt sein und so Keimen der Weg bereitet werden.
  • Deszendierende Infektion: Sind benachbarte Organe entzündet, können sich die Erreger von dort ausbreiten: entweder - wenn z.B. der Blinddarm eng anliegt - durch direkten Kontakt oder über den Lymphstrom. Selten kann dies auch im Rahmen einer Operation (z.B. einer Blinddarmentfernung) passieren.
  • Hämatogene Infektion: Dieser Ausbreitungsweg über das Blut ist vergleichsweise selten. Zugrunde liegt dann in der Regel eine Infektion wie Tuberkulose, Mumps oder Grippe, die zu schweren Allgemeinsymptomen führen kann.

Beschwerden und Komplikationen

Die Palette möglicher Symptome reicht von starken Unterleibsschmerzen mit Fieber bei einer akuten Infektion bis hin zu einem leichten, immer wiederkehrendem Ziehen und Zyklusstörungen bei chronischen Verläufen. Die akute Adnexitis kann eine Blinddarmentzündung imitieren, ausgeschlossen werden muss auch eine Eileiterschwangerschaft. Typische Beschwerden, die aber nicht immer und nicht alle gemeinsam auftreten, sind im Einzelnen:

  • Akute Adnexitis: Am häufigsten sind plötzliche, starke Unterleibsschmerzen und Fieber über 38°C. Der Leib ist oft aufgetrieben und gespannt. Daneben kann es auch zu Scheidenausfluss mit unangenehmen Geruch, Übelkeit, Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang oder bei der Menstruation kommen. Manchmal treten auch Schmerzen beim Wasserlassen auf. Je länger die Infektion dauert, desto kranker fühlen sich die Patientinnen. Die Berührung bzw. Bewegung der Gebärmutter z.B. beim Geschlechtsverkehr oder bei der gynäkologischen Untersuchung schmerzt.
  • Chronische Adnexitis: Heilt die akute Entzündung z.B. wegen erfolgloser Therapie nicht aus oder führt die Ausheilung zu Narbenbildung und Verwachsungen, treten über Monate bis Jahre weiterhin oder immer wieder Beschwerden auf. So klagen Betroffene über Schmerzen im Unterbauch oder Rücken, insbesondere beim Geschlechtsverkehr oder bei der Regelblutung, über Verstopfung oder auch generelle Minderung ihrer Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.

Komplikationen im Akutstadium sind ein Übergreifen der Entzündung auf Nachbarorgane wie Blinddarm und Bauchfell, was zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann (akutes Abdomen). Gefürchtet und häufig ist die Gefahr, dass die Eileiter verkleben. Damit ist das Risiko für Bauchhöhlenschwangerschaften und für eine Unfruchtbarkeit (Sterilität) stark erhöht: Nach der ersten Adnexitis beträgt die Sterilitätsrate bereits 12%, jede weitere verdoppelt diese! Das bedeutet, dass nach vier Eierstockentzündungen die Wahrscheinlichkeit, auf normalem Weg schwanger zu werden, nahe Null liegt.

Adnexitis: Wie wird die Diagnose gestellt?

Zunächst wird der Arzt Fragen zu Beschwerden und durchgemachten Erkrankungen stellen. Wichtig sind auch die Rauch- und Sexualgewohnheiten. Bei der frauenärztlichen Untersuchung mit dem Scheidenspiegel werden Abstriche für die mikroskopische Untersuchung und zum Anzüchten der Keime in einer Kultur entnommen. Bei der Tastuntersuchung lassen sich Gebärmutter und Eileiter oft als geschwollen tasten und sind druckschmerzhaft. Darüber hinaus wird Blut auf Entzündungszeichen untersucht; eine Ultraschalluntersuchung dient zum Ausschluss anderer Erkrankungen und dem Nachweis von Komplikationen wie einem Abszess. Besteht Verdacht auf eine Bauchhöhlenschwangerschaft, wird ein Schwangerschaftstest gemacht. Kann keine eindeutige Ursache für die Beschwerden festgestellt werden, wird evtl. eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt.

Welche Therapie gibt es?

Meist ist eine Krankenhausaufnahme erforderlich, in jedem Fall strikte Bettruhe. Im Mittelpunkt steht die Gabe eines Antibiotikums, dass gleichzeitig gegen eine ganze Reihe von Keimen wirkt und in vielen Fällen zunächst als Infusion verabreicht wird. Daneben kommen Schmerzmittel zum Einsatz, die auch entzündungshemmend wirken. Mit einem Handtuch umwickelte Eisbeutel auf dem Unterbauch lindern ebenfalls die Schmerzen und die Entzündung. Wichtig ist, viel zu trinken und Blase und Darm regelmäßig zu entleeren. Auf Geschlechtsverkehr sollten in der ersten Zeit verzichtet werden, der Partner muss ggf. mitbehandelt werden. Rauchen ist tabu.

Ist die akute Entzündung abgeklungen (was sich durch Blutuntersuchungen überprüfen lässt), kann sich eine Wärmetherapie mit warmen Sitzbädern, feuchtwarmen Wickeln und Kurzwellenbehandlung anschließen, die die Durchblutung verbessert und so die Heilung begünstigt. Betroffene sollten sich regelmäßig bei ihrem Arzt zur Nachsorge vorstellen. Bei chronischen Verläufen werden Anwendungen wie Moorbäder und Fangopackungen (am besten im Rahmen eines Kuraufenthaltes) empfohlen – die Therapie gestaltet sich allerdings oftmals schwierig und langwierig. Treten Komplikationen wie Eiteransammlungen oder ein Darmverschluss auf, muss evtl. punktiert oder offen operiert werden. Auch bei chronischen Verläufen, die keiner sonstigen Therapie zugänglich sind, kann eine Operation angezeigt sein, bei der z.B. Eileiter, Eierstöcke und/oder Gebärmutter entfernt werden.

Wie lässt sich einer Adnexitis vorbeugen?

Mit Abstand häufigste Ursache von Scheidenentzündung und Adnexitis sind Keime, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Deshalb ist der Gebrauch von Kondomen empfehlenswert, insbesondere bei häufig wechselnden Sexualpartnern. Auch alles, was einer Scheidenentzündung vorbeugt, ist sinnvoll - konsequente, aber nicht übertriebene Sexualhygiene. Wichtig ist, das Scheidenmilieu im Gleichgewicht zu halten (und z.B. auf übertriebenen Einsatz von Seife oder Intimsprays zu verzichten); neben gesunder Ernährung, viel Bewegung an frischer Luft und der Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Freizeit ist auch der Verzicht auf Nikotin sinnvoll. Sinnvoll ist auch - speziell bei nasskaltem Wetter -, Füße und Unterleib warm zu halten und feuchte Kleidung sofort zu wechseln.

Aktualisiert: 28.07.2015
Autor*in: Dagmar Reiche

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