Wechseljahre: Beschwerden und Ursachen

Frau mit Wechseljahres-Beschwerden © istockphoto, Highwaystarz-Photography

In Deutschland sind ungefähr acht Millionen Frauen zwischen 45 und 60 Jahre alt. Sie befinden sich kurz vor, inmitten oder kurz nach den Wechseljahren. Auch wenn die Wechseljahre keine Krankheit sind, haben bis zu 80 Prozent von ihnen klimakterische Beschwerden. Jede Dritte Frau in dieser Altersgruppe leidet so stark, dass sie ohne Behandlung den Alltag nur schlecht bewältigen kann.

Begriffsbestimmungen

Die Wechseljahre, medizinisch auch als Klimakterium bezeichnet, werden in drei Einzelphasen gegliedert, die sich alle auf die Menopause, also den Zeitpunkt der letzten Regelblutung, beziehen.

  • Die Prämenopause ist die Zeit vor der Menopause und betrifft meistens Frauen zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr. Die Ausschüttung des Follikel Stimulierenden Hormons (FSH) steigt leicht an. Die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron nimmt hingegen ab. Dies kann dazu führen, dass sich die Zeiträume zwischen zwei Blutungen verkürzen. Die Periode tritt jedoch noch regelmäßig auf. Da die Östrogenspiegel häufig erhöht sind, können die einzelnen Blutungen intensiver sein und länger andauern.
  • Die "Hochphase" der Wechseljahre ist die Perimenopause. Sie dauert im Durchschnitt sechs bis sieben Jahre. Hier kommt es meist zu deutlichen Unregelmäßigkeiten im Zyklus bis hin zum völligen Ausbleiben der Regelblutung. Die Bildung von Gestagenen lässt schneller nach als die von Östrogenen, so dass das Konzentrationsverhältnis zwischen Progesteron und Östrogenen sehr stark schwankt. Bei den Betroffenen können Hitzewallungen, Herzrasen, Stimmungsschwankungen oder gesteigerte Nervosität auftreten.
  • Die Postmenopause beginnt ein Jahr nach der letzten Periode und dauert so lange, bis der Hormonhaushalt ein neues stabiles Niveau erreicht hat. Die klimakterischen Beschwerden lassen nach. Das Ende der Postmenopause und damit das Ende der Wechseljahre ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt neben den hormonellen Veränderungen vom subjektiven Erleben der Symptome ab.

Im Durchschnitt sind die Frauen bei ihrer letzten Regelblutung 51 Jahre alt. Der genaue Zeitpunkt der Menopause lässt sich erst rückwirkend definieren, wenn ein Jahr lang keine weitere Monatsblutung erfolgt ist. Insgesamt kann der Zeitraum der Wechseljahre etwa zehn bis 15 Jahre andauern.

Durch die deutlich gestiegene Lebenserwartung verbringen Frauen heutzutage häufig mehr als ein Drittel ihres Lebens nach der Menopause. Für sie ist es deshalb entscheidend, wie sie durch die Wechseljahre kommen. Diese Phase bedeutet für viele die Chance, sich zu verändern und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, in dem sie sich wieder als eigenständige Persönlichkeiten und nicht nur als Nestbereiter für die Familie begreifen.

Beschwerden und ihre medizinischen Ursachen

Die Wechseljahre sind ein physiologischer Umstellungsprozess. Die massiven Schwankungen des Östrogenspiegels äußern sich oft als Unregelmäßigkeiten in der Temperaturregulierung und werden in Form von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Rotwerden wahrgenommen.

Daneben können vegetative Veränderungen auftreten, also Veränderungen im Bereich des Nervensystems, welches nicht willentlich gesteuert wird und Lebensfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel reguliert. Progesteron und Östrogene üben einen entgegen gesetzten Einfluss auf das vegetative Nervensystem aus.

Häufigkeit klimakterischer Beschwerden bei Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren Prozent
Nervosität, Reizbarkeit 90%
Müdigkeit, Lethargie, Leistungsabfall 80%
Hitzewallungen, Schweißausbrüche 70%
Depressive Verstimmung, Weinkrämpfe 70%
Kopfschmerzen 70%
Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche 65%
Gewichtszunahme 60%
Schlafstörungen 50%
Gelenk- und Muskelschmerzen 50%
Obstipation 40%
Herzbeschwerden 40%
Libidoverlust (verminderte sexuelle Lust) 30%
Parästhesie (Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl) 25%
Schwindel 20%

Bei vielen Frauen geht das sich stets verändernde Konzentrationsverhältnis der Hormone mit Herzrasen, gesteigerter Nervosität, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen einher. Die echten Östrogenmangel-Symtome treten erst in der Postmenopause auf. Sie betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane, die Hauptzielorgane der Östrogene und können sich als trockene Scheide, Blasenschwäche und veränderte Sexualität zeigen. Wie häufig die unterschiedlichen Wechseljahresbeschwerden auftreten, ist in Tabelle 1 aufgeführt.

Nicht-medizinische Veränderungen im mittleren Lebensalter

Die charakteristischen Wechseljahresbeschwerden sind nicht nur hormonell zu erklären. Zwar spiegeln Stimmungsschwankungen tatsächlich auch die Berg- und Talfahrt der Hormonkonzentrationen wider, doch sind die Ursachen vielfältiger. Individuelle Konstitution, familiäre Situation, aber auch Lebensgeschichte und sozio-ökonomische Faktoren sind mitbestimmend, wie Frauen die klimakterische Übergangsphase individuell erleben und bewältigen.

Zusätzlich zu den körperlichen Veränderungen, die häufig mit einer besonderen seelischen Empfindsamkeit verbunden sind, ist die Phase der Wechseljahre eine Zeit, in der viele Einschnitte in der persönlichen und familiären Umgebung erfolgen. Einige Beispiele hierfür sind:

  • Die Kinder gehen aus dem Haus (Leeres Nest-Syndrom)
  • Eltern werden krank, pflegebedürftig oder sterben
  • Krisen in der Partnerschaft
  • Probleme beim Wiedereinstieg in den Beruf (Veränderung/Weiterentwicklung des Arbeitsplatzes)
  • "Altersbedingte" Schwierigkeiten beim Jobwechsel

Dass sich solche Faktoren auf die psychische Gesundheit auswirken, belegt die Arbeitsunfähigkeitsstatistik: Während bei allen anderen Krankheitsarten die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) rückläufig sind, steigen diese bei Krankheiten, die die Psyche betreffen, an - in 2004 im Vergleich zu 1994 um fast die Hälfte auf 144,7 Prozent. Dabei ist nachgewiesen, dass psychische Erkrankungen bei Frauen (Rang 3 der AU-Tage) häufiger vorkommen als bei Männern (Rang 6).

Aktualisiert: 19.11.2013 – Autor: Care for Women Deutschland GmbH i.G.

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