Androloge – Auch Männer brauchen einen Arzt

Mann beim Andrologen © istockphoto, monkeybusinessimages

Zwischen Männern und Frauen gibt es zahlreiche genetische und hormonelle Unterschiede. Kein Wunder also, dass Männer auch andere Krankheiten bekommen als Frauen. Doch während eine Frau sich mit typisch weiblichen Beschwerden an einen Frauenarzt oder Gynäkologen wenden kann, fragen sich viele Männer, wo man einen entsprechenden Männerarzt findet. Der Fachausdruck für den "Arzt für den Mann" lautet Androloge.

Androloge oder Urologe: Was ist der Unterschied?

Der Bereich der Urologie beschäft sich mit einem recht weit gefassten Feld. Urologen sind Experten für die harnbildenden und den harnableitenden Organe, also die Harnblase, den Harnleiter, die Harnröhre oder die Nieren. Grundsätzlich sind Urologen dabei nicht rein auf Männer spezialisiert und können auch von Frauen aufgesucht werden.

Auch die männlichen Geschlechtsorgane, also beispielsweise die Hoden, die Samenleiter, der Penis oder die Prostata, fallen in den Bereich der Urologie. Da das Feld der Urologie jedoch recht umfassend ist, gibt es verschiedene Spezialisierungen, etwa die onkologische Urologie, deren Fokus auf Krebserkrankungen wie dem Prostatakrebs liegt.

Eine andere Spezialisierung ist die Andrologie, die vor allem auf den Bereich der männlichen Geschlechtsorgane und Störungen der Fortpflanzung bei Männern spezialisiert ist. 

Aber ein Androloge muss nicht zwangsläufig auch ein Urologe sein. Um die Bezeichnung Androloge führen zu dürfen, ist eine 18-monatige Zusatzausbildung zusätzlich zum Facharzt für Urologie, Dermatologie (Hautarzt) oder Innere Medizin (Endokrinologie) durch qualifizierte Ausbildung und abschließendes Examen erforderlich.

Andrologie (Männerheilkunde)

Der Androloge wird zunehmen nicht nur für Männer, sondern auch für Paare ein wichtiger Partner bei Fragen der Familienplanung. Ob unerfüllter Kinderwunsch, Hormon- und Erektionsstörungen oder Störungen in der Entwicklung während der Pubertät – der Männerarzt, der Androloge, hat sich in den letzten Jahren als wichtiger Ansprechpartner für männliche Patienten etabliert.

Gynäkologen und Andrologen arbeiten zusammen

Die Fachrichtung der Frauenärzte (Gynäkologen) ist schon seit Jahrzehnten anerkannt. Andrologen sind wichtige Partner der Gynäkologen, zum Beispiel wenn Paare Probleme haben, Kinder zu zeugen – oder auch bei Verhütungsfragen. Vielen ungewollt kinderlosen Paaren kann unter Umständen geholfen werden, denn neben der künstlichen Befruchtung und Aufbereitung der Spermien besteht die Möglichkeit einer Behandlung der schweren männlichen Zeugungsstörung durch die assistierte Befruchtung mithilfe einer speziellen Spermieninjektionstechnik (ICSI).

Operative Verfahren der Spermiengewinnung und mikrochirurgische Behandlungstechniken sind heutzutage weit fortentwickelt. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer müssen Andrologen heute Teil des reproduktionsmedizinischen Teams sein.

Aktualisiert: 24.01.2020 - Autor: Sigrid Born; überarbeitet: Silke Hamann

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