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Androloge – Was macht der Androloge?

Androloge: Arzt für Männer © istockphoto, wrangel

Der Androloge ist der Facharzt für den Mann. Doch was macht ein Androloge tatsächlich und wie sieht eine andrologische Untersuchung aus? Was der Männerarzt bei der Untersuchung macht und wie er bei Problemen wie Testosteronmangel oder erektiler Dysfunktion helfen kann, lesen Sie hier.

Schwerpunkte eines Andrologen: Facharzt für Männer

Die Männerheilkunde hat sich erst in der jüngeren Vergangenheit als eigenständiges Aufgabengebiet entwickelt. Androloginnen und Andrologen arbeiten in verschiedenen medizinischen Gebieten, etwa in der Urologie (als Spezialisten für die männlichen Geschlechtsorgane), der Endokrinologie (als Spezialisten für Hormone und hormonelle Störungen) und der Dermatologie (als Hautärzte).

In das Spezialgebiet eines Andrologen fallen Themen wie:

  • Unfruchtbarkeit (Infertilität)
  • Störungen der Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion)
  • vorzeitiger Samenerguss
  • gegebenenfalls chirurgische Eingriffe im Genitalbereich
  • Störungen der Hormonbildung im Hoden (Hypogonadismus), etwa Testosteronmangel
  • die männliche Verhütung (Kontrazeption)
  • der Alterungsprozessen des Mannes (Seneszenz)

Was leistet der Androloge?

Bei vorliegenden Problemen, etwa einer erektilen Dysfunktion, untersucht der Androloge den Hormonstatus des Mannes. Testosteronmangel führt zu schweren Störungen im Bereich der Blutbildung, des Knochenstoffwechsels, der Stimmung, der Libido und der Erektionsfähigkeit. Liegt ein Testosteronmangel vor, bekommt der Patient eine Ersatztherapie, entweder mit Gel, Pflaster oder Spritzen.

Nach Informationen der DGA sind alleine in Deutschland vier bis sechs Millionen Männer im Alter zwischen 30 bis 70 Jahren von einer Erektionsstörung betroffen. Je früher das Problem angepackt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Die Therapiemöglichkeiten umfassen Psychotherapie, Medikamente oder operative Verfahren.

Auch die Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs kann durch den Andrologen durchgeführt werden.

Viele Männer gehen erst spät zum Spezialisten

Leider vermeiden viele Männer bei Erektionsstörungen aus Scham über den Verlust ihrer Männlichkeit oder aus Angst vor der Untersuchung den Gang zum Spezialisten. Rund anderthalb Jahre warten Betroffene im Schnitt, bevor sie sich ärztliche Hilfe suchen.

Zahlreiche Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Krebserkrankungen führen zu Schädigungen der Erektionsfähigkeit und damit zur Impotenz. Diese erektile Dysfunktion kann auch ein erster Hinweis auf andere Störungen sein (zum Beispiel koronare Herzkrankheit).

Andrologische Untersuchung: Was macht der Männerarzt?

Erster Schritt der andrologischen Untersuchung ist immer die Anamnese, also das persönliche Gespräch, in dem der Androloge verschiedene Informationen zu den Beschwerden und der medizinischen Vorgeschichte abfragt.

Zur medizinischen Untersuchung können dann abhängig von den Beschwerden folgende Maßnahmen gehören:

  • Abtasten des Hodensacks auf Knoten, die einen Hinweis auf Hodenkrebs darstellen können.
  • Tastuntersuchung der Prostata: Dabei wird die Druck- und Schmerzempfindlichkeit der Prostata festgestellt.
  • Daneben können bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung helfen, die Geschlechtsorgane zu untersuchen.
  • Mitunter kann auch ein Bluttest sowie eine Urinuntersuchung oder eine Spermaprobe erforderlich sein.

Androloge: Arzt für den Mann

Ein zunehmend wichtiges Arbeitsgebiet für Andrologen ist die Behandlung des alternden Mannes. Die Besonderheit des Alterns ist auf Seiten der Frau mit Eintritt der Wechseljahre (Menopause) sehr viel besser erforscht und klinisch behandelt – "…hier besteht auf Seiten des alternden Mannes ein erhebliches Wissensdefizit. Der alternde Mann hat besondere andrologische Erkrankungen und ein besonderes Risikoprofil, das bei der Durchführung von Therapien unbedingt beachtet werden muss", schreibt dazu die DGA.

Erst nach sorgfältigen Untersuchungen, eventuell einer DNA-Analyse der Erbanlagen, kann eine umfassende Therapie bestimmt und begonnen werden. Mit den aus der Werbung bekannten Wunderpillen gegen das Altern, gegen Übergewicht oder gegen Potenzstörungen hat das wenig zu tun.

Männer gehen anders mit ihrer Gesundheit um

In ihren letzten zehn Lebensjahren sind Männer häufig krank. Jeder zweite Mann stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Männer haben ein höheres Risiko, an Krebs oder an Leberzirrhose zu sterben. Etwa 40 Prozent der Männer über 30 haben Potenzprobleme.

Noch nicht einmal 20 Prozent der Männer nehmen die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung beim Urologen in Anspruch. Ein hoher Preis, den die Männer für ihre hohen Ansprüche an sich selber bezahlen, denn Gesundheit bedeutet für Männer in erster Linie Leistungsfähigkeit.

Martin Neumann von der Techniker Krankenkasse (TK) Sachsen schreibt: "Es erscheint geradezu paradox, dass Männer oft nicht gerade zimperlich mit ihrem Körper umgehen: Sie trinken mehr Alkohol, rauchen mehr und ernähren sich ungesünder als Frauen. Und wenn es doch mal irgendwo zwickt, dann spricht Mann ungern darüber, denn ein Indianer kennt keinen Schmerz und hat vor allem keine Zeit dafür." Auch in diesen allgemeinen Gesundheitsfragen berät der Androloge.

Androloge berät auch in Fragen zur Ernährung

Eine solche medizinische Beratung bezieht unter anderem Fragen der Ernährung ein, denn Männer und Frauen unterscheiden sich schon im frühen Lebensalter in ihren Essgewohnheiten. Jungen bevorzugen Salz, Fett und Zucker in ihrer Ernährung, Mädchen nehmen häufiger Obst und Gemüse zu sich. Männer in Industriegesellschaften wie den USA, die zwischen 30 und 50 Jahren alt sind, ernähren sich eher von Fleisch, Brot und Alkohol, wohingegen Frauen dort Obst, Joghurt und Kaffee bevorzugen, wie die Zeitschrift Epidemiology (3, 1992, 194) berichtete.

"Das Lebensalter ist nicht angeboren, sondern in Grenzen selbst bestimmbar", schreibt Prof. Dr. Rolf-Dieter Hesch, Endokrinologe und Pionier des Männerarztes in Deutschland, in seinem Buch "Absolut Mann" (Midena-Verlag, München). "Wer steinalt werden möchte, sollte aber auch eine positive Einstellung zum Leben haben und sich nach Möglichkeit dauerhaft binden – denn optimistische Menschen in einer stabilen Partnerschaft leben länger."

Aktualisiert: 24.01.2020 – Autor: Sigrid Born; überarbeitet: Silke Hamann

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