Hodenschmerzen: Das kann dahinterstecken

Mann mit Hodenschmerzen © derneuemann

Schmerzen im Hoden sind für die meisten Männer sehr beunruhigend. Doch nicht immer ist eine ernsthafte Erkrankung die Ursache, wenn die Hoden schmerzen. Treten die Hodenschmerzen beispielsweise in zeitlichem Zusammenhang mit dem Geschlechtsverkehr auf, ist dies in der Regel kein Grund zur Sorge. Allerdings können sich auch Infektionen wie eine Hodenentzündung oder eine Nebenhodenentzündung durch Schmerzen im Hoden äußern. Deshalb sollten Sie anhaltende Hodenschmerzen immer von einem Arzt abklären lassen.

Hodenkrebs nur sehr selten Ursache

Die Befürchtung, dass Hodenschmerzen ein Symptom von Hodenkrebs sind, ist in aller Regel unbegründet. Denn Hodenkrebs äußert sich typischerweise durch eine schmerzlose, verhärtete Schwellung oder knötchenartige "Knubbel" im Hoden. Schmerzen treten – wenn überhaupt – meist erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium auf.

Da die Heilungschancen bei früh erkanntem Hodenkrebs sehr gut sind, ist es wichtig, dass Sie Ihren Hoden regelmäßig auf Veränderungen abtasten und bei Auffälligkeiten möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Schmerzen und Schwellung bei Hodenentzündung

Einseitige Hodenschmerzen, die mit einer Schwellung und Rötung des Hodens einhergehen, können auf eine Hodenentzündung (Orchitis) hindeuten. Dabei treten die Beschwerden oft nur einseitig auf, seltener sind beide Hoden betroffen. Häufig kommen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit hinzu.

Ursache für eine Hodenentzündung sind meist virale oder bakterielle Erkrankungen, bei denen die Erreger über das Blut oder die Lymphe in den Hoden fortgeleitet werden. Am häufigsten handelt es sich dabei um Mumpsviren, aber auch Windpocken, Pfeiffersches Drüsenfieber und Malaria können eine Hodenentzündung zur Folge haben.

Nebenhodenentzündung nach Harnwegsinfekten

Eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) tritt meist als Folge einer Entzündung der Blase, der Harnröhre oder der Prostata auf. Dabei steigen die Keime über den Samenleiter in den Nebenhoden auf. Dies kann sich zunächst durch Rückenschmerzen im Flankenbereich oder auch Bauchschmerzen äußern. 

Später sind die Symptome ähnlich wie bei einer Hodenentzündung - häufig kommt es auch zu einer kombinierten Entzündung von Hoden und Nebenhoden (Epididymorchitis). 

Hodenentzündung: Schnelle Behandlung wichtig

Wenn Sie bei sich die Symptome einer Hodenentzündung bemerken, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen, denn unbehandelt kann es zu einer Zerstörung des Hodengewebes und dadurch zur Unfruchtbarkeit kommen.

Die Behandlung besteht aus entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten sowie Antibiotika, sofern die Entzündung durch Bakterien verursacht wird. 

Zudem sollten Sie bei einer Hodenentzündung Bettruhe einhalten und den Hoden kühlen und hochlagern. Hierfür gibt es als Hilfe ein sogenanntes Suspensorium – eine Haltevorrichtung für den Hoden.

Ziehen im Hoden bei Leistenbruch

Bei einem Leistenbruch (Leistenhernie) kommt es zu einer Ausstülpung von Darmschlingen durch Schwachstellen in der Bauchwand. Bei bestimmten angeborenen anatomischen Verhältnissen können dabei Darmschlingen durch den Leistenkanal bis in den Hoden vordringen.

Dies kann sich durch ein Ziehen im Hoden und in der Leiste äußern, das vor allem nach Husten, Niesen oder Pressen auftritt. Häufig ist auch eine Beule oder Verdickung in der Leiste oder eine Hodenschwellung tastbar.

Der Arzt kann einen Leistenbruch meist einfach durch eine körperliche Untersuchung feststellen. In aller Regel ist dann eine Operation notwendig, um einer gefährlichen Darmeinklemmung vorzubeugen. 

Hodentorsion bei Kindern und Jugendlichen

Unter einer Hodentorsion versteht man eine Drehung des Hodens um die versorgenden Blutgefäße herum. Ursache ist in der Regel eine angeborene mangelnde Fixierung des Hodens im Hodensack.

Eine Hodentorsion tritt vor allem bei Säuglingen und Jugendlichen auf und äußert sich durch plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im Hoden und in der Leiste. 

Zudem ist der betroffene Hoden meist geschwollen, gerötet und steht höher als auf der Gegenseite. Außerdem können Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden hinzukommen.

Gefahr durch mangelnde Blutversorgung

Eine Hodentorsion ist ein Notfall, denn durch die Verdrehung der Gefäße wird die Blutversorgung des Hodens abgeschnürt. Erstes Anzeichen für eine Mangeldurchblutung ist eine bläuliche Verfärbung des Hodens - der Hoden muss dann schnellstmöglich „zurückgedreht“ werden, da er sonst unter Umständen absterben kann. In der Regel geschieht dies durch eine Operation. 

Wenn Sie bei Ihrem Kind den Verdacht auf eine Hodentorsion haben, sollten Sie also am besten direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen, damit im Ernstfall eine möglichst schnelle Behandlung erfolgen kann.

Meist harmlos: Hodenschmerzen nach Sex

Dass die Hoden nach dem Geschlechtsverkehr vorübergehend überempfindlich und möglicherweise schmerzhaft sind, ist völlig normal. Insbesondere bei ausbleibender Ejakulation oder wenn die Erektion sehr lange aufrechterhalten wurde, können auch brennende oder stechende Hodenschmerzen auftreten. 

Ursache dafür ist das während der Erektion erhöhte Blutvolumen in den männlichen Genitalien, das bei langer Dauer der Erregung zu Krämpfen der Muskulatur in den Samenwegen führen kann.

Diese Beschwerden werden auch als "Kavaliersschmerzen" bezeichnet – angelehnt an die Vorstellung, dass ein Kavalier seinen Höhepunkt so lange herauszögert, bis die Dame sexuell befriedigt ist.

Besserung nach der Ejakulation

"Kavaliersschmerzen" können sehr unangenehm sein, sind aber völlig harmlos. Häufig verschafft eine Ejakulation Erleichterung – in seltenen Fällen können die Schmerzen jedoch auch nach der Ejakulation andauern.

Generell gilt: Wenn Sie dauerhafte Beschwerden beim Sex haben, sollten Sie sich nicht scheuen, sich an einen Arzt zu wenden. Denn auch wenn keine direkte gesundheitliche Gefahr besteht, können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr das Sexualleben stören und dadurch zu Beziehungsproblemen bis hin zu Depressionen führen. 

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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