Impotenz, Erektionsstörungen oder Sterilität: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Mann leidet an Erektionsstörungen © iStock.com/monkeybusinessimages (Symbolfoto)

Rund 20 Prozent aller deutschen Männer zwischen 30 und 80 Jahren leiden an Potenzstörungen. Doch die Dunkelziffer ist vermutlich wesentlich höher: Weil der Begriff "Impotenz" ausgesprochen negativ besetzt ist, scheuen sich viele Männer, das Problem in ihrer Partnerschaft oder gar beim Arzt anzusprechen.

Was ist Impotenz?

Zunächst einmal muss dieser häufig unterschiedlich verwendete Begriff genauer erklärt werden. Unter Impotenz versteht man im medizinischen Sinne die Zeugungsunfähigkeit von Mann oder Frau. Sie wird auch als Impotentia generandi bezeichnet. Daneben existiert aber auch eine weniger eng gefasste Definition, nach der Impotenz generell die mangelnde Fähigkeit beinhaltet, einen befriedigenden Beischlaf auszuüben.

Formen der Impotenz

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist es häufig schwierig, einen Unterschied zwischen Erektionsstörungen, Impotenz oder Unfruchtbarkeit zu treffen. Betrachtet man Impotenz unter der weiter gefassten Definition, lassen sich drei häufige Formen darunter zusammenführen:

Sterilität/Impotentia generandi

Ist ein Mann steril, ist er zeugungsunfähig. Das heißt, der Geschlechtsverkehr kann durchaus vollzogen werden, es findet aber dadurch keine Fortpflanzung statt. Ausgelöst werden kann eine Unfruchtbarkeit beim Mann durch Erkrankungen der Hoden oder der Samenleiter, eine Funktionsstörung der Spermien oder als Folge unterschiedlicher Erkrankungen, wie dem Prader-Willi-Syndrom oder einem Infarkt.

Anejakulation

Die Anejakulation bezeichnet das Ausbleiben des Samenergusses beim Sex. Es kann aber dennoch zum Orgasmus kommen. Ursächlich für eine Anejakulation ist eine Schädigung der Nerven, die die Ejakulation auslösen. Dies geschieht beispielsweise durch Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus, als Folge von Operationen oder aufgrund von Verletzungen des Rückenmarks.

Erektile Dysfunktion

Eine erektile Dysfunktion bedeutet, dass der Mann nicht in der Lage ist, befriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen – sei es, weil überhaupt keine Erektion entsteht oder weil diese nicht lange genug aufrechterhalten werden kann. Das heißt, die Größenzunahme des Penis bis zur kompletten Steifigkeit ("Rigidität") ist gestört. Eine erektile Dysfunktion kann sowohl chronisch sein als auch spontan auftreten und ist unabhängig von der sexuellen Erregung, die der Mann empfindet.

Ursachen für Erektionsstörungen

Damit eine Erektion zustande kommen kann, muss ein komplexes Regelwerk aus Nerven, Blutgefäße, Hormone und Psyche zusammenarbeiten. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, wenn es zu Potenzstörungen kommt. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sind es organische Ursachen, die vor allem bei Männern über 50 Jahren eine erektile Dysfunktion auslösen. Dazu gehören in erster Linie:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • erhöhte Cholesterin-Werte
  • Diabetes
  • Nierenschäden
  • Operationen an der Prostata oder Verletzungen
  • Wirbelsäulenschäden, die auf Abnutzungserscheinungen basieren
  • Hormonelle Störungen
  • Erkrankungen des Nervensystems, wie zum Beispiel Multiple Sklerose
  • Medikamenten-, Alkoholmissbrauch, Rauchen
  • Stress
  • Depressionen
  • Persönlichkeitskonflikte

Damit sind Potenzstörungen häufig Warnzeichen einer möglicherweise schwereren Erkrankung, die auf jeden Fall behandelt werden muss. Deshalb sollten Erektionsstörungen immer ernst genommen und von einen Arzt, in der Regel einem Urologen, untersucht werden.

Untersuchungen und Diagnose

Um den Ursachen der verschiedenen Formen von Impotenz auf die Spur zu kommen, sind umfangreiche Untersuchungen notwendig. Dazu muss der Betroffene nicht nur die Scheu vor dem ersten Arztbesuch überwinden, sondern sich darauf einstellen, dass der Arzt eine Reihe sehr persönlicher Fragen stellen wird, die sich auf Sexualleben, Partnerschaft, den beruflichen Alltag und den Freizeitbereich beziehen. Ein erfahrener Arzt wird darüber hinaus den jeweiligen Lebenspartner in die Beratung und Behandlung mit einbeziehen.

Steht fest, welche Form der Impotenz vorliegt, müssen neben psychischen auch körperliche Ursachen ergründet werden. Wird weiter nach organischen Ursachen gesucht, dann können Ultraschall-Untersuchungen der Blutgefäße des Penis in Ruhe und nach Injektion eines erektionsfördernden Medikaments (Schwellkörperinjektionstest SKIT) durchgeführt werden. Allerdings kann dieser Test durch Nikotingenuss oder Stress bei Untersuchung auch falsch negativ ausfallen. Bei Diabetikern werden elektrische Reize eingesetzt, um festzustellen, ob Nervenschädigungen die Ursache der Störung sind.

Liegt eine Sterilität vor, wird häufig das Sperma mikroskopisch untersucht (Spermiogramm). Dabei werden Beweglichkeit, Aussehen und Volumen des Samens überprüft. Zudem wird der Betroffene auf weitergehende körperliche Ursachen, wie eine Schädigung der Samenleiter, untersucht.

Therapie der Impotenz

Angepasst an die genaue Diagnose findet dann eine Therapie der Impotenz mit Medikamenten oder mechanischen Hilfsmitteln statt. Auch eine Operation ist je nach Ursache möglich. Weitere Informationen zu Diagnose und Therapie einer erektilen Dysfunktion erhalten Sie in diesem Artikel.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
F52.-, N48.-

Aktualisiert: 03.09.2020 - Autor: Susanne Köhler, überarbeitet: Jasmin Rauch

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