Diabetes und Herz – Wenn der Stoffwechsel ans Herz geht

Diabetikerin mit Herzproblemen © istockphoto, tharakorn

Mehr als die Hälfte aller Diabetiker stirbt an einem Herzinfarkt: Das allein zeigt schon, wie wichtig eine gute Herzfunktion im Verlauf der Zuckerkrankheit wird. Oft wird eine Herzschädigung aufgrund des Diabetes erst spät erkannt. Umgekehrt kommt es vor, dass eine Diabeteserkrankung erst erkannt wird, weil ein Patient seinen Arzt wegen Herzbeschwerden aufsucht.

Was macht Diabetes im Körper?

Dass Diabetes eine zu hohe Blutzuckerkonzentration bedeutet, weiß fast jeder. Aber was genau passiert im Körper, wenn die Blutzuckerkonzentration dauerhaft zu hoch ist? Der hohe Zuckergehalt schädigt die Blutgefäße und führt dazu, dass das Blut schneller gerinnt: Die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) nimmt zu und die Mechanismen, die kleinste Blutgerinnsel auflösen und die Blutgerinnung hemmen, werden gestört. Man spricht von einer gestörten Fibrinolyse. Außerdem ist das Blut zähflüssiger und klebriger als normalerweise – die Blutviskosität ist erhöht.

Man kann sich gut vorstellen, dass sich dieses dicke, klebrige Blut leicht an kleinen Gefäßen anlagert und sie verstopft (Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall!). Dazu kommt auch, dass sich die Zusammensetzung des Blutes verändert – es werden mehr Fette aus den Körperzellen freigesetzt (Anstieg der Blutfettkonzentration) und die Konzentration der Elektrolyte (Natrium und Kalium) verschiebt sich.

Selbst in den Zellen wirkt sich der zu hohe Zuckergehalt aus: Viele Vorgänge wie die Herstellung von Proteinen, Aktivierung von Immunzellen oder die Ausschüttung von Hormonen werden auf molekularer Ebene gestört. All das macht den Diabetiker zusätzlich anfälliger für Infekte.

Diabetische Makroangiopathie

Diabetes führt zu einer Makroangiopathie, das bedeutet, dass alle großen oder größeren Blutgefäße durch den Zuckergehalt in Mitleidenschaft gezogen werden: Arterienverstopfung und -verschluss sind die Folgen. Bei Diabetikern tritt Arteriosklerose bis zu 10 Jahre früher auf als bei Nichtdiabetikern. Im Bereich des Herzens führen die verstopften Arterien zu Herzschmerzen (Angina pectoris) und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt.

Diabetiker haben eine deutlich schlechtere Prognose bei Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen an den Extremitäten. Das kann man damit erklären, dass der hohe Blutzucker die Reparaturvorgänge des Körpers beeinträchtigt, so dass sich Diabetiker von einem solchen Ereignis deutlich schlechter erholen als Nichtdiabetiker. Oft fehlt bei einem Diabetiker vor einem Infarkt auch eine Warnung in Form von Herzschmerzen oder es tritt ein sogenannter stummer Infarkt auf – ein Infarkt ohne Schmerzen.

Diabetische Neuropathie

Beim Diabetiker ist das Schmerzempfinden eingeschränkt, weil der hohe Blutzuckergehalt neben den Gefäßen auch die Nerven schädigt – die diabetische Neuropathie ist die Folge. Oft treten strumpfförmige Missempfindungen an den Füßen und Beinen auf: Kribbeln, Gefühlsstörungen und ein zunehmendes taubes Gefühl sind die häufigsten Symptome.

Leider werden aber nicht nur die Nerven an den Extremitäten geschädigt, sondern auch die Nervenfasern von Sympathikus und Parasympathikus, die das autonome Nervensystem bilden. Sie beeinflussen am Herzen Herzschlag, Blutdruck und das Blutvolumen, das pro Minute durch das Herz gepumpt wird.

Normalerweise kann sich das Herz so an alle möglichen Situationen anpassen: Wenn wir Sport treiben, schlägt es schneller und es wird mehr Blut durchgepumpt – wenn wir schlafen, sinkt die Herzfrequenz ab. Doch sobald das autonome Nervensystem ausfällt, kann sich das Herz nicht mehr auf die Erfordernisse des Alltags einstellen.

Diabetes führt häufig zur sogenannten autonomen Neuropathie, das heißt, dass das Herz auch in Ruhe relativ schnell schlägt (Ruhetachykardie) und dass sich die Herzfrequenz nicht mehr an die benötigte Beanspruchung anpasst. Auch der Blutdruck, der sich sonst je nach Körperlage ändert, passt sich nicht mehr ans Sitzen, Stehen oder Liegen an (Orthostase).

Aktualisiert: 17.02.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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