Erektionsstörungen bei Diabetes

Diabetes ist eine Volkskrankheit, derzeit gibt es etwa 7 Millionen Diabetiker in Deutschland. Zu den zahlreichen Folgeerkrankungen, die durch eine schlechte Stoffwechseleinstellung mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten entstehen, gehören sexuelle Funktionsstörungen. Man geht davon aus, dass sich bei 50 bis 70 Prozent der Männer mit Diabetes eine Erektionsstörung entwickelt. Die Zuckerkrankheit gilt neben Gefäßerkrankungen als häufigste Ursache für Potenzstörungen überhaupt.

Diabetes beeinflusst das Sexualverhalten

Die Folgeerkrankungen, von denen schlecht eingestellte Diabetiker betroffen sind, werden vor allem durch Schäden an den kleinen und großen Blutgefäßen (Mikro- und Makroangiopathie) verursacht. Diese können die Blutversorgung des Penis, bei Frauen der Schamlippen und der Scheide beeinträchtigen. Nervenschädigungen (Neuropathien) führen zu Störungen der nervalen Steuerung der sexuellen Reaktion. Die Sexualität wird schwierig, schmerzhaft oder gar unmöglich.

Bei Patienten mit Altersdiabetes kann darüber hinaus der Hormonhaushalt beeinträchtigt sein und ein Mangel an Testosteron auftreten. Das Geschlechtshormon wird für das sexuelle Verlangen, die Fruchtbarkeit und die Erektionsfähigkeit benötigt. Als weiterer Risikofaktor kommt hinzu, dass viele Medikamente die von Diabetikern eingenommen werden, sich ebenfalls auf die sexuelle Funktionsfähigkeit auswirken. Das sind vor allem blutdrucksenkende Medikamente wie Beta-Blocker, orale Antidiabetika wie Glibenclamid, aber auch Psychopharmaka, wassertreibende Medikamente und Cholesterinsenker.

Teufelskreis für Diabetiker

Natürlich gehen die Belastungen, die eine chronische Krankheit mit sich bringt, nicht spurlos an den Betroffenen vorbei. Im Gegenteil, sie können eine befriedigende Sexualität zusätzlich erschweren. Leben nach der Uhr, Verzicht auf verschiedenste Genüsse und körperliche Einschränkungen können das Selbstbild beeinträchtigen und zu einer Abnahme der Selbstsicherheit führen – was sich wiederum auf die Sexualität auswirken kann. Nicht selten leiden Diabetiker unter Depressionen. Hinzu kommt: Ist es erst einmal zu einem Versagen gekommen, entsteht häufig ein Teufelskreis aus Selbstzweifeln, Versagensangst, Vermeidung und Partnerschaftskonflikten.

Behandlung der Erektionsstörungen

Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind gut. Diabetiker sollten deshalb nicht stumm vor sich hin leiden, sondern sich vertrauensvoll an einen guten Arzt wenden – und das möglichst früh. Denn je eher eine Störung behandelt wird, um so größer sind die Behandlungschancen. An erster Stelle stehen – und hier sind vor allem die Betroffenen selbst gefragt – eine gute Einstellung des Diabetes, die konsequente Einhaltung der Diätvorschriften, das Anstreben des Normalgewichtes, sportliche Aktivität und die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente.

Die Medizin hat bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion große Fortschritte gemacht, sodass heute praktisch allen Betroffenen geholfen werden kann. Zur Verfügung stehen neben Psychotherapien die medikamentöse Therapie mit Tabletten (Wirkstoffe: Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil), die Spritzentherapie, Vakuumpumpen, transurethrale Therapie, Hormonbehandlungen, Penisprothesen und andere chirurgische Verfahren. Die Erfolgsrate bei Männern mit Diabetes liegt bei 60 bis 70 Prozent.

Beratung zu sexuellen Funktionsstörungen

Außerdem gibt es auch gute Beratungsstellen, zum Beispiel das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG). Es wurde auf Initiative von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich mit sexuellen Funktionsstörungen und Erektionsproblemen beschäftigen, gegründet und möchte Ansprechpartner für Betroffene und deren Partner sein. Hauptanliegen ist es, das Thema "sexuelle Funktionsstörungen" aktiv aus der gesellschaftlichen Tabuzone zu befreien und Betroffene aufzuklären. Außerdem fördert es Forschung, Praxis und Lehre zu diesen Themen und unterstützt Selbsthilfegruppen.

Aktualisiert: 20.07.2017 – Autor: gesundheit.de

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