Behandlung von Schilddrüsen-Erkrankungen

Schilddrüse einer Frau © lum3n.com

Je nach der vorliegenden Erkrankung der Schilddrüse erfordert die Behandlung die Einnahme von Medikamenten, eine Operation oder eine Radiojodbehandlung. Diese Behandlungsformen können teilweise allein oder auch in Kombination angewendet werden. Es gibt zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten keine sicher wirksamen Alternativen in der Homöopathie oder Pflanzenheilkunde.

Jodid-Tabletten

Das Spurenelement Jod ist eine lebensnotwendige Substanz, auf die die Schilddrüse unbedingt angewiesen ist. Da Jod jedoch in der Nahrung nur in geringen Mengen vorkommt, werden bei Jodmangel und jodmangelbedingten Schilddrüsenkrankheiten Jodid-Tabletten sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung eingenommen. Die Einnahme von Jodid-Tabletten ist unbedenklich und verursacht in der Regel keine Nebenwirkungen. Jodid-Tabletten sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Schilddrüsenhormon-Tabletten

Wenn die Schilddrüse jodmangel- oder krankheitsbedingt nicht genug eigenes Schilddrüsenhormon herstellen kann, gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Bei der Schilddrüsen-Unterfunktion wird daher durch Tabletten das körpereigene Hormon Thyroxin ersetzt (Substitutionstherapie). Das in den Tabletten enthaltene Hormon entspricht dem körpereigenen Schilddrüsenhormon. Die Stoffwechsellage normalisiert sich dadurch wieder.

Bei der Behandlung mit Schilddrüsenhormon kommt es darauf an, dass der Arzt die richtige Dosis für jeden einzelnen Patienten findet, diese auch auf lange Sicht regelmäßig kontrolliert und der Patient die Tabletten zuverlässig einnimmt. Bis auf wenige Ausnahmen muss die Einnahme lebenslang ohne Unterbrechung erfolgen, was bei richtiger Anwendung mit keinen Nebenwirkungen verbunden ist.

Schilddrüsenblocker (Thyreostatika)

Bei der Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, so dass sie mit Medikamenten "gebremst" werden muss. Schilddrüsenblocker umfassen eine Gruppe von Medikamenten, die die Bildung der Schilddrüsenhormone verlangsamen oder ganz blockieren. Dadurch normalisieren sich die Hormonkonzentration im Blut und damit auch die Symptome der Überfunktion. In aller Regel dauert diese Stoffwechselregulierung einige Wochen.

Bei der Basedowschen Krankheit erfolgt die Einnahme dieser Medikamente über ein bis zwei Jahre. Dann wird durch einen so genannten Auslassversuch festgestellt, ob in der Zwischenzeit eine Spontanheilung eingetreten ist. Es kann jedoch auch sein, dass das unkontrolliert Hormon bildende Schilddrüsengewebe letztlich entfernt werden muss, z.B. bei heißen Knoten. Hier dienen Schilddrüsenblocker zur vorübergehenden Behandlung und Vorbereitung einer Operation oder Radiojodbehandlung.

Wichtig zu wissen: Viele Menschen essen während der Überfunktion sehr viel mehr, ohne an Gewicht zuzunehmen, da der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Nach erfolgreicher Behandlung z.B. mit Thyreostatika läuft der Stoffwechsel jedoch wieder normal. Wenn dann die größeren Essensmengen aus Gewohnheit beibehalten werden, ist eine Gewichtszunahme vorprogrammiert.

Radiojodbehandlung

Mit der Radiojodbehandlung wird Schilddrüsengewebe in seiner Funktion eingeschränkt oder im Volumen reduziert. Dies kann nötig sein, weil die Schilddrüsenzellen zu aktiv sind oder vom körpereigenen Immunsystem angegriffen werden wie beispielsweise bei einem Kropf, heißen Knoten oder der Basedowschen Krankheit.

Radiojod ist eine besondere Form des Jods, die vom Körper genauso aufgenommen wird wie das natürlich vorkommende Jod und sich insbesondere in überaktiven Schilddrüsenzellen anreichert. Beim Zerfall sendet es anders als das natürliche Jod radioaktive Strahlung aus, mit der das umliegende Gewebe zerstört werden kann. Aufgrund der geringen Strahlenreichweite von etwa zwei Millimetern bleibt diese Wirkung auf die Schilddrüsenzellen beschränkt. Dennoch darf die Behandlung mit Radiojod aus Sicherheitsgründen bei Schwangeren und Stillenden nicht durchgeführt werden.

Die Radiojodbehandlung erfolgt in Deutschland während eines meist drei bis fünftägigen Aufenthaltes in speziellen nuklearmedizinischen Abteilungen größerer Kliniken. Meist erhält der Patient das Radiojod in Form einer Kapsel am Tag der Aufnahme. Es ist weder zu schmecken noch zu fühlen. Gelegentlich kann ein Anschwellen der kranken Schilddrüse auftreten. Häufig ist nach der Radiojodbehandlung die Gabe von Schilddrüsenhormon-Tabletten notwendig. Damit wird ein erneutes Schilddrüsenwachstum verhindert oder die behandlungsbedingt eingeschränkte Funktion der Schilddrüse ersetzt.

Operation

Ist zum Beispiel aufgrund eines Kropfes oder einer Überfunktion eine Operation erforderlich, entfernt der Chirurg bei gutartigem Gewebe in der Regel die krankhaft veränderten Schilddrüsenanteile bis auf beiderseits kleine Restlappen. Unter bestimmten Bedingungen werden nur einzelne, isolierte Knoten aus der Schilddrüse herausoperiert. Das Ziel ist eine Restschilddrüse ohne Knoten. Es kann aber auch nötig sein, die gesamte Schilddrüse zu entfernen, wie z.B. bei Schilddrüsenkrebs.

Aufgrund ihrer Häufigkeit gehören Schilddrüsenoperationen heute - ähnlich wie Blinddarmoperationen - zu den Standardeingriffen. Wie bei allen Operationen können danach Schmerzen oder leichte Beschwerden im Bereich der frischen Narbe auftreten, die jedoch meist schnell nachlassen.

In sehr seltenen Fällen können die Stimmbandnerven, die sehr nah an der Schilddrüse vorbeiführen, beeinträchtigt werden. Auch hierbei kann es sich um eine vorübergehende Funktionsstörung handeln, die sich wieder zurückbildet.Schließlich können die Nebenschilddrüsen beeinträchtigt oder gar entfernt werden. Dann ist der Calciumstoffwechsel gestört und muss medikamentös behandelt werden.

Die Operation hinterlässt eine kleine Narbe im unteren Halsbereich, die meist erst bei genauem Hinsehen zu erkennen ist. Nach der Operation ist je nach verbliebenem Schilddrüsengewebe fast immer eine weiterführende Behandlung mit Jodid- und/oder Schilddrüsenhormon-Tabletten notwendig. Die medikamentöse Einstellung erfolgt, um ein neuerliches Wachstum der Rest-Schilddrüse und eine Minderversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormon zu vermeiden.

Aktualisiert: 31.08.2016 - Autor: Forum Schilddrüse e.V.

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