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Nebenschilddrüsen – Überfunktion

Eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen führt zu Störungen im Kalziumhaushalt. Weil Kalzium an vielen Abläufen im Organismus beteiligt ist, zum Beispiel der Erregung von Muskel- und Nervenzellen, am Aufbau unserer Knochen und Zähne, an der Blutgerinnung oder der Zellteilung, ruft ein Defekt der Epithelkörperchen viele Symptome hervor.

Nebenschilddrüsenüberfunktion – Hyperparathyreoidismus

Beim primären oder autonomen Hyperparathyreoidismus (pHPT) ist am häufigsten eine gutartige Zellwucherung des Drüsengewebes (ein Adenom) für die Überfunktion verantwortlich. Der Tumor produziert ebenfalls Parathormon, dadurch entsteht ein stark erhöhter Hormonspiegel. Meist (bei 75 Prozent der Betroffenen) ist nur ein Epithelkörperchen vergrößert, gelegentlich sind es zwei oder mehr. Bösartige Tumoren der Nebenschilddrüsen sind sehr selten.

Folgen

Durch den erhöhten PTH-Spiegel steigt der Kalziumgehalt im Blut (Hyperkalzämie). Meist merken die Betroffenen anfangs nichts davon (= asymptomatischer Hyperparathyreoidismus); später treten zahlreiche Symptome auf. Am schlimmsten sind die Nieren betroffen: Es entstehen Nierenkoliken mit starken Schmerzen, Nierensteine und Kalkablagerungen, außerdem funktionieren die Nieren viel schlechter. Sie scheiden übermäßig Harn aus – man hat viel mehr Durst.

Im Spätstadium trifft es auch die Knochen. Die Knochenmasse nimmt ab (Osteoporose) und rheumaartige Schmerzen in Knochen und Gelenken sind möglich. Daneben kommen psychische Veränderungen (zum Beispiel Depressionen), Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung), Gewichtsabnahme sowie Herzrhythmusstörungen vor. Häufig sind auch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre.

Primärer Hyperparathyreoidismus tritt daneben bei der sehr seltenen Erbkrankheit MEN-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie) auf. Bei dieser Erkrankung weisen auch andere endokrine Drüsen wie die Hypophyse oder die Inselzellen des Pankreas eine Überfunktion auf.

Behandlung

Am wichtigsten ist die operative Entfernung des Adenoms. Sind mehrere Epithelkörperchen vergrößert, werden alle bis auf einen Rest von circa 100 Miligramm entfernt. Medikamente bringen den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt wieder ins Gleichgewicht. Um den Abbau der Knochen einzuschränken, werden zusätzlich Kalzitonin, Bisphosphonat sowie Glukokortikoide verabreicht. Die allgemeinen Folgen der Hyperkalziämie bilden sich dann meist im Lauf einiger Monate wieder zurück. Die Knochenschäden brauchen allerdings länger, bis zu zwei Jahre, manche bleiben sogar dauerhaft bestehen.

Der primäre Hyperparathyreoidismus ist übrigens nach Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Schilddrüsenstörungen die dritthäufigste endokrine Erkrankung. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer, der Altersgipfel liegt zwischen 40 und 60 Jahren.

Sekundärer regulativer Hyperparathyreoidismus

Der sekundäre oder regulative Hyperparathyreoidismus (sHPT) entsteht durch permanenten Kalziummangel im Blut, auf den die Nebenschilddrüsen durch gesteigerte PTH-Produktion reagieren. Grund kann ein chronisches Nierenversagen sein, bei dem der Phosphatspiegel im Blut steigt, während der Kalziumgehalt sinkt. Dieser renale sekundäre Hyperparathyreoidismus tritt zum Beispiel bei Patienten mit Nierenerkrankungen auf, bei denen die Dialyse (Blutwäsche) nicht richtig funktioniert.

Beim intestinalen sekundären Hyperparathyreoidismus gelingt es unserem Körper nicht, aus der Nahrung genug Kalzium aufzunehmen. Ursachen sind Erkrankungen des Verdauungsapparates wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Cholestase, Zöliakie oder Morbus Whipple, die zu einer Hypokalziämie führen.

Folgen

Bei renalem sekundären Hyperparathyreoidismus treten hauptsächlich Beschwerden des Bewegungsapparates auf, also Knochen- und Gelenkschmerzen, es kommt häufig zu Knochenbrüchen. Bei beiden Formen betreffen weitere Symptome je nach Grunderkrankung meistens den Verdauungstrakt, zum Beispiel Durchfall, blutiger Stuhl und Gewichtsabnahme. Außerdem ist eine Erweichung (Osteomalazie) und Abnahme (Osteopenie) der Knochensubstanz möglich.

Behandlung

Neben der Behandlung der Grundkrankheit werden beim sekundären Hyperparathyreoidismus ebenfalls die vergrößerten Epithelkörperchen entfernt. Der Chirurg lässt entweder eine halbe Nebenschilddrüse übrig oder verpflanzt bei einer Autotransplantation etwa 20 je ein Kubikmillimeter große Stückchen des Gewebes in den Unterarm, wo diese die Aufgabe der Nebenschilddrüsen übernehmen.

Aktualisiert: 07.08.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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