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Arterielle Verschlusskrankheit – wenn die Arterien verstopfen

Frau mit arterieller Verschlusskrankheit beim Arzt © istockphoto, AlexRaths

Die bösen Folgen der Arteriosklerose an Herz und Hirn kennt jeder: Herzinfarkt und Schlaganfall sind lebensbedrohliche, häufige Krankheiten, vor denen sich jeder Mensch im fortgeschrittenen Alter fürchtet. Doch die Arterienverkalkung führt auch an Bauch- und Beinarterien zu schwerwiegenden Erkrankungen. Dann spricht man von einer arteriellen Verschlusskrankheit (AVK) oder – korrekterweise in Zusammenhang mit den Extremitäten – von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Was ist eine Arteriosklerose?

Arteriosklerose ist eine über Jahre oder Jahrzehnte ablaufende Verhärtung und Verengung der Arterien, das heißt der Blutgefäße, die das Blut vom Herzen wegtransportieren. Die Verengung der Arterien führt zu einem verminderten Blutfluss und einem geringerem Sauerstoffangebot in den Organen und Körperteilen.

Leider weiß man heute immer noch nicht genau, warum sich eine Arteriosklerose entwickelt, aber es gibt gewisse Risikofaktoren, die schneller zu einer Arteriosklerose führen.

Wie entsteht eine Arteriosklerose?

Eine Arteriosklerose entsteht nicht über Nacht, sondern schleichend und unerkannt. Bevor erste Beschwerden auftreten, können 20 bis 40 Jahre vergehen – sie sind dann jedoch bereits schwerwiegender Natur. Die verstopften Blutgefäße führen dazu, dass das betroffene Organ unter Belastung schlecht mit Sauerstoff versorgt wird – Schmerzen sind die Folge. Am Herz nennt man diese Symptomatik Angina pectoris, im Magen-Darm-Trakt treten nach einer Mahlzeit starke Bauchschmerzen auf, die sogenannte Angina abdominalis.

Im Extremfall kommt es zu einem Arterienverschluss und damit zu einem Herzinfarkt, Darminfarkt oder Schlaganfall. Denn die durch die Arteriosklerose verursachte arterielle Verschlusskrankheit betrifft nicht nur Herz und Hirn, sondern alle Arterien des Körpers und besonders häufig die Arterien, die unterhalb des Zwerchfells liegen: die Bauch-, Becken- und Beinarterien.

Wie häufig ist eine arterielle Verschlusskrankheit?

In Deutschland sind circa 4,5 Millionen Menschen von einer AVK betroffen. Inzwischen leidet jeder Zehnte zwischen 55 und 65 an einer arteriellen Verschlusskrankheit, nach dem 65. Lebensjahr ist sogar jeder Fünfte betroffen.

Ungefähr 80.000 Menschen sind wegen einer AVK ständig in ärztlicher Behandlung und bei ca. 35.000 Menschen jährlich muss eine Amputation durchgeführt werden, weil das nicht mehr durchblutete Gewebe sonst zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung führen würde.

Wie äußert sich eine AVK?

Eine AVK verursacht erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome. Mediziner teilen die AVK in vier Stadien ein:

  • Im ersten Stadium kann man zwar mit bildgebenden Verfahren eine Verengung der Arterien nachweisen – der Patient merkt aber noch nichts davon, weil die Durchblutung selbst unter Belastung der betroffenen Arterien, zum Beispiel beim längeren Gehen, noch ausreicht.
  • Im zweiten Stadium kommt es bei längerer Belastung zu Schmerzen, die den Betroffenen im Fall verengter Beinarterien dazu zwingen, stehen zu bleiben. Dieses Stadium wird auch Schaufenster-Krankheit (Claudicatio intermittens) genannt. Spätestens jetzt sollten Sie aktiv werden, um ein Fortschreiten der AVK aufzuhalten.
  • Im dritten Stadium treten die Schmerzen auch in Ruhe auf, und zwar häufig nachts, wenn die Beine hochgelegt werden und die Schwerkraft den Blutfluss in den Arterien nicht unterstützen kann.
  • Im vierten Stadium ist die Durchblutung so vermindert, dass das betroffene Gewebe abstirbt. Davon sind meist die am weitesten entfernt gelegenen Körperpartien, also die Zehen, betroffen.

Dass die Durchblutungsstörungen nicht nur die Muskeln, sondern alle Körpergewebe im betroffenen Gebiet betrifft, sieht man zum Beispiel auch an den Veränderungen der Haut wie Heilungsstörungen und eine Abnahme der Behaarung. 

Verengung der Arterien im Magen-Darm-Trakt

Eine massive Verengung der Arterien im Magen-Darm-Trakt dagegen kann der Körper lange ausgleichen, denn zwischen den einzelnen Arterien bestehen glücklicherweise Verbindungen, sodass bei starker Verengung einer Arterie das Blut noch über andere zum für Sauerstoffmangel empfindlichen Darm gelangen kann. Doch die Folgen eines massiven Sauerstoffmangels können lebensbedrohlich sein.

Da nach dem Essen die Durchblutung des Darms wegen der Aufnahme der Nahrungsbestandteile besonders gefordert ist, kommt es bei einer Angina abdominalis zu schmerzhaften Koliken, wenn der Darm diese Aufgabe nicht wahrnehmen kann. Lebensgefährlich wird es für den Betroffenen, wenn eine verengte Baucharterie komplett verstopft, die anderen Arterien den Sauerstofftransport nicht übernehmen können und der Darm abstirbt.

Er muss schnellstmöglich entfernt werden, da das abgestorbene Gewebe sonst eine den gesamten Bauchraum betreffende gefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) verursacht. Die nötige große Bauchoperation ist dann eine Notoperation und birgt für den Betroffenen ein hohes Risiko.

Aktualisiert: 07.06.2018 – Autor: Nathalie Blanck

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