Lymphsystem: Lymphdrüsen, Lymphe & Co.

Lymphsystem mit Lymphbahnen (Illustration)
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Das Lymphsystem, auch bekannt als lymphatisches System, dient als Transportsystem und ist darüber hinaus ein wichtiger Bestandteil unserer Immunabwehr. Es zieht sich durch den gesamten Körper und besteht unter anderem aus Lymphkapillaren, Lymphgefäßen, Lymphbahnen, Lymphknoten und der Lymphflüssigkeit, die auch als Lymphe bezeichnet wird. Aber auch die Mandeln, die Milz und der Thymus, ein kleines Organ hinter dem Brustbein, werden als sogenannte Lymphorgane dazu gezählt. Wie ist das Lymphgefäßsystem aufgebaut und welche Aufgaben hat es? Welche Erkrankungen können das lymphatische System betreffen und wie lässt sich die Lymphe anregen? Das Lymphsystem einfach erklärt!

Was ist die Lymphe und wie entsteht sie?

Die Lymphe ist eine gelbliche, leicht milchige Flüssigkeit. Wenn das Blut kleinste Blutgefäße passiert, um den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, wird ein Teil des Blutes an der Gefäßwand filtriert, von dem wiederum ein Teil auch im umliegenden Gewebe verbleibt. Diese Filtrationsflüssigkeit bezeichnet man als Lymphe oder Lymphflüssigkeit.

Sie wird von kleinen Lymphgefäßen aufgenommen und über die Lymphbahnen mit Zwischenstopp in den Lymphdrüsen beziehungsweise Lymphknoten abtransportiert, um sie letztendlich im Bereich des Halses wieder dem Blutkreislauf zuzuführen. Da der gesamte Körper mit Kapillaren zur Blutversorgung durchsetzt ist, gibt es also auch überall Lymphgefäße.

Aufbau des Lymphsystems

Das Lymphgefäßsystem ist komplex aufgebaut: Die Lymphgefäße sowie ihre kleinsten Verzweigungen, die Lymphkapillaren, durchziehen wie ein Netz den gesamten Körper. Sie vereinigen sich zu größeren Lymphbahnen, die zu Lymphknoten oder anderen Lymphorganen, wie der Milz, führen.

Die Lymphe der Beine und vom linken Teil des Oberkörpers fließt durch ein größeres Lymphgefäß, den Ductus thoracitus. Dieser vereinigt sich mit der Lymphbahn des linken Armes zu einem Gefäß, sodass die Lymphe der Beine mit der des linken Armes zusammenfließt und schließlich im sogenannten linken Venenwinkel wieder dem venösen Blutsystem zugeführt wird. Die Lymphe des rechten Armes fließt in den rechten Venenwinkel.

Lymphsystem des Körpers (Illustration, Infografik)

Lymphsystem des Körpers – © Getty Images/magicmine

Wo befinden sich Lymphdrüsen im Körper?

Lymphdrüsen befinden sich an Stellen, an denen Lymphbahnen zusammenlaufen und durch das Immunsystem kontrolliert werden. Man kann sie vor allem dann tasten, wenn die Lymphdrüsen geschwollen sind – am häufigsten in der Leiste oder am Hals. Es gibt allerdings auch Lymphknoten in der Achsel, am Bein in der Kniekehle, in der Ellenbeuge, am Kopf, am Gesicht hinter den Ohren und am Fuß, also prinzipiell überall am Körper.

Zusätzlich gibt es noch besondere Lymphorgane, zu denen beispielsweise die Milz gehört. Sie alle haben die Funktion, dem Immunsystem Krankheitserreger zu präsentieren und eine Immunreaktion einzuleiten.

Welche Aufgaben hat das Lymphsystem?

Auch wenn die Lymphe eher zufällig entsteht, ist sie für einen gesunden Körper keinesfalls unwichtig oder ohne Funktion. Das sind die Aufgaben der Lymphe in Kürze:

  • Flüssigkeitstransport
  • Aktivierung des Immunsystems
  • Transport von Nährstoffen

Der Transport von Flüssigkeit durch die Lymphe ist wichtig, damit keine Ödeme (Wassereinlagerungen) entstehen und in den Blutgefäßen genügend Volumen bleibt. Dies ist notwendig, um einen funktionierenden Kreislauf aufrecht zu erhalten. Mit der Flüssigkeit werden unter anderem auch abgestorbene Zellen, Eiweiße und andere überschüssige Produkte abtransportiert.

Das Lymphsystem des Menschen hat die sehr wichtige Aufgabe, Fremdkörper und Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren, die beispielsweise durch kleine Verletzungen in das Gewebe gelangt sind, in die Lymphdrüsen zu transportieren. In den Lymphdrüsen findet nun die Immunantwort statt, um die schädlichen Eindringlinge überall im Körper gezielt bekämpfen zu können. Dies geschieht unter anderem mithilfe der Lymphozyten, einer Art der weißen Blutkörperchen, die unter anderem in den Lymphknoten als Abwehrzellen für die Bekämpfung von Erregern zuständig sind. Der Lymphe wird daher eine zentrale Rolle für ein intaktes Immunsystem zuteil.

Außerdem nimmt die Lymphe wichtige Fette und fettlösliche Nährstoffe wie verschiedene Vitamine aus dem Darm auf und führt sie dem Blutkreislauf zu. Dies geschieht, ohne dass diese zuerst die Leber passieren müssen – wie die restlichen aus der Verdauung aufgenommenen Nahrungsbestandteile. Dadurch gelangen diese Stoffe auf der einen Seite schneller zu ihren Zielen, wo sie beispielsweise für den Aufbau von Zellmembranen für Muskeln und Organe dringend benötigt werden.

Auf der anderen Seite ist dieser Mechanismus ein cleverer Trick des Körpers, Fette aufzunehmen, da diese durch ihre chemischen Eigenschaften (sie mischen sich nicht mit Wasser = Hydrophobie) im vor allem aus Wasser bestehenden (hydrophilen) Blut nur durch Trägerproteine transportiert werden können. Diese mit Nährstoffen angereicherte Lymphe aus dem Magen-Darm-Trankt bezeichnet man auch als Chylus.

Welche Erkrankungen des Lymphsystems gibt es?

Schmerzende Schwellungen des Lymphsystems stellen in der Regel keine Erkrankungen dar, die dem Lymphsystem selbst entspringen. Sie sind im Gegenteil normalerweise durch eine Immunantwort auf andere Krankheiten bedingt und daher nur ein Symptom infektiöser Geschehen. Beispielsweise kommen bei Infektionen der Atemwege häufig geschwollene Lymphknoten am Hals vor, die verschwinden, sobald die Krankheit ausgeheilt ist.

Wenn die Lymphdrüsen schmerzen, kann dies zwar zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen – und häufig liegen auch behandlungsbedürftige Krankheiten zugrunde. Eigentlich handelt es sich aber dabei um ein gutes Zeichen, weil schmerzende, geschwollene Lymphdrüsen eher für eine Infektion sprechen als für gravierende Ursachen wie eine Krebserkrankung. Beim Lymphdrüsenkrebs beziehungsweise bei Lymphomen liegen nämlich normalerweise eher schmerzlose, gummiartige Schwellungen vor. Besonders oft äußern sich diese bei Lymphknoten am Hals.

Erkrankungen des Lymphsystems sind beispielsweise:

  • Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis)
  • Entzündung von Lymphknoten (Lymphadenitis)
  • Lymphdrüsenkrebs oder Lymphome
  • Elefantiasis: Einfach erklärt sind dies Lymphödeme, die sich zu Gewebe umwandeln. Teilweise sind hierbei die Lymphdrüsen verstopft durch eine Wurmart, die in den Tropen vorkommt (Lymphatische Filariose).

Gestörtes Lymphsystem: mögliche Symptome

Wie bereits erwähnt sind geschwollene oder schmerzhafte Lymphknoten nicht unbedingt Symptom einer Erkrankung des lymphatischen Systems. Das eindrücklichste Symptom eines gestörten Lymphsystems sind Ödeme. Dabei werden jedoch nicht alle Ödeme durch das Lymphsystem verursacht. Gerade neu aufgetretene, knöchel-betonte Ödeme sollten ärztlich abgeklärt werden, da hier auch eine Herzschwäche zugrunde liegen kann. Auch eine Nierenkrankheit kann Ödeme verursachen.

Untersuchung des Lymphsystems

Wichtige diagnostische Verfahren zur Untersuchung des Lymphsystems sind unter anderem die Lymphographie und die Lymphszintigraphie:

  • Bei der Lymphographie wird ein Farbstoff oder ein öliges Kontrastmittel injiziert, das beim Röntgen die Lymphgefäße und Lymphknoten sichtbar macht. So lassen sich beispielsweise Lymphabflussstörungen erkennen.
  • Einem ähnlichen Zweck dient die Lymphszintigraphie. Hierbei wird ein schwach radioaktives Kontrastmittel verwendet, um beispielsweise die Geschwindigkeit des Lymphabflusses zu überprüfen oder im Fall einer Tumorerkrankung den sogenannten Wächterlymphknoten zu ermitteln.

Die Lymphe anregen – so bringt man den Lymphfluss in Schwung!

Immer wieder hört man davon, dass Menschen ihr Lymphsystem anregen, beziehungsweise ihren Lymphfluss aktivieren wollen. Natürlicherweise muss man das Lymphsystem und die Lymphe nicht reinigen, da das der Körper von selbst tut.

Allerdings kann unter anderem bei Hormonschwankungen, beispielsweise im Rahmen des Zyklus der Frau, besonders viel Flüssigkeit aus den Kapillaren austreten, sodass die Lymphe mit dem Abtransport nicht mehr hinterherkommt. Es entstehen Ödeme, die sich beispielsweise als schwere Beine äußern können.

Die Lymphbahnen kann man dann beispielsweise durch eine Massage in ihrer Funktion unterstützen. Dabei streicht man in Richtung Körperstamm, um die Flüssigkeit in diese Richtung zu bewegen. Eine professionell durchgeführte Behandlung des Lymphstaus bezeichnet man auch als Lymphdrainage.

Als Faustregel kann man sagen, dass Ödeme bei gesundem Herzen und gesunden Nieren eher weniger entstehen, je mehr Flüssigkeit man aufnimmt. Als Hausmittel kann man daher beispielsweise das Trinken von Tee empfehlen, um die Lymphe anzuregen. Eine entwässernde Wirkung sollen beispielsweise Löwenzahn- und Brennnesseltee haben.

Außerdem können folgende Tipps eine entstauende Wirkung haben und den Lymphfluss anregen:

  1. sanfte Bewegung wie Treppensteigen, Radfahren, Schwimmen oder Wassergymnastik
  2. nicht zu heiße Vollbäder, Wechselduschen, Wassertreten und Kneipp'sche Güsse
  3. langes Stehen und Sitzen meiden, möglichst die Arme und Beine in Ruhephasen hochlagern
  4. eine salzarme und ausgewogene Ernährung
  5. Bein- und Fußgymnastik oder andere Übungen für die betroffenen Körperbereiche

Alkohol und Nikotin sollte man hingegen meiden, ebenfalls starke Hitze oder Sonneneinstrahlung. Darüber hinaus kommen zur Behandlung eines Lymphödems nach ärztlicher Rücksprache unter anderem Kompressionsstrümpfe sowie entwässernde Medikamente zum Einsatz.

Aktualisiert: 08.04.2022
Autor*in: Miriam Kunz, Studentin der Humanmedizin

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