Kreislaufprobleme – was steckt hinter kaltem Schweiß, Schwindel & Co.?

Frau hat Kreislaufprobleme
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Die Umgebung scheint sich zu drehen, kalter Schweiß bricht auf der Haut aus und Sternchen tanzen vor den Augen: Kreislaufprobleme sind ein weit verbreitetes Symptom, das oft gemeinsam mit Beschwerden wie Schwindel oder Übelkeit auftritt. Meist werden die Beschwerden durch einen niedrigen Blutdruck (Hypotonie) hervorgerufen. Daneben gibt es aber noch weitere Ursachen, die hinter Problemen mit dem Kreislauf stecken können. Welche sind das und welche Anzeichen treten bei Kreislaufbeschwerden auf?

Was ist eigentlich der Kreislauf?

Mit den Begriffen "Kreislauf" oder "Kreislaufsystem" ist der Blutkreislauf gemeint. Dieser besteht aus dem großen Körperkreislauf und dem kleinen Lungenkreislauf.

Bei dem großen Körperkreislauf wird sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader gepumpt. Über die verschiedenen Arterien gibt das Blut dann Sauerstoff an die Organe ab und nimmt Kohlendioxid auf. Das so entstehende sauerstoffarme Blut fließt schließlich wieder ins Herz, genauer in die rechte Herzkammer.

Von dort wird es in die Lungenarterien gepumpt. Im Rahmen dieses kleinen Lungenkreislaufs wird Kohlendioxid vom Blut an die Lungenbläschen abgegeben. Gleichzeitig nimmt das Blut neuen Sauerstoff auf. Anschließend fließt es zurück in den linken Vorhof des Herzens und dann in die linke Herzkammer, woraufhin der Kreislauf von vorne beginnt.

Der Blutdruck gibt dabei die Kraft an, die das Blut auf die Gefäßwände von Venen und Arterien ausübt. Ohne diesen Druck könnte es nicht durch den Körper fließen.

Mögliche Ursachen von Kreislaufproblemen

Ist der Blutkreislauf gestört, kann es dazu kommen, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies wiederum führt zu gesundheitlichen Problemen.

Kreislaufprobleme werden häufig durch einen zu niedrigen Blutdruck ausgelöst, da dann das sauerstoffreiche Blut schlechter durch den Körper transportiert werden kann. Von einem niedrigen Blutdruck (Hypotonie) spricht man, wenn ein Wert von 100 zu 60 mmHG unterschritten wird.

Kreislaufprobleme können ganz unterschiedliche Ursachen haben, von denen manche situations- und andere krankheitsbedingt sind.

Niedriger Blutdruck als Ursache

Je nachdem ob bekannt ist, welche Ursache hinter dem niedrigen Blutdruck steckt, unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Hypotonie.

Bei einer primären Hypotonie liegen keine krankhaften Auslöser für den niedrigen Blutdruck vor. Besonders häufig leiden junge, schlanke Frauen an einer solchen primären Hypotonie.

Mögliche Auslöser sind unter anderem:

  • starke Schwankungen in der Außentemperatur oder im Luftdruck
  • sehr hohe Außentemperaturen und/oder hohe Luftfeuchtigkeit
  • heiße Vollbäder
  • langes Stehen oder lange Bettlägerigkeit
  • zu geringe Aufnahme von Flüssigkeit
  • schwere Mahlzeiten, die das Verdauungssystem stark beanspruchen
  • Stress oder Panik
  • sportliche Aktivitäten

Bei einer sekundären Hypotonie stecken Erkrankungen hinter dem niedrigen Blutdruck. Infrage kommen in erster Linie Erkrankungen des Herzens, der Gefäße oder des Nervensystems sowie Hormonstörungen. Solche Erkrankungen können dafür sorgen, dass der Rückstrom des Blutes zum Herzen gestört oder die Herzleistung vermindert ist.

Mögliche krankhafte Auslöser von Kreislaufproblemen durch niedrigen Blutdruck sind unter anderem:

  • Infektionskrankheiten
  • Entzündungen im Körper
  • psychische Störungen
  • Störungen des Stoffwechsels und des Elektrolythaushalts (zum Beispiel durch sehr starkes schwitzen, Durchfall oder Erbrechen)
  • Störungen des Blutflusses oder des Blutdrucks (beispielsweise durch Gefäßerkrankungen)
  • Asthma bronchiale
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Diabetes mellitus
  • Blutarmut (beispielsweise ausgelöst durch starke Blutungen währen der Periode)
  • Allergien

Daneben können Kreislaufprobleme aber auch durch starke Unterkühlung, bestimmte Medikamente (wie Diuretika, Antidepressiva oder Betablocker), eine Chemotherapie, Vergiftungen, Alkoholkonsum oder durch Drogenmissbrauch hervorgerufen werden.

Orthostatische Hypotonie

Bei der orthostatischen Hypotonie – auch als orthostatische Dysregulation oder positionsabhängiger niedriger Blutdruck bezeichnet – kann es beim schnellen Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen zu Kreislaufproblemen kommen, wenn das Blut beim Aufstehen in die Beine absinkt und von dort in den restlichen Körper umverteilt werden muss. Denn hierbei sind die Anpassungsfähigkeit des Blutdrucks an die aufrechte Körperposition und die damit notwendige plötzliche Umverteilung des Blutes von den Beinen in den restlichen Körper gestört.

Eine Ursache der Beschwerden ist eine Störung der Venenklappen in den Beinen, die beim gesunden Menschen den Rückfluss des Blutes zum Herzen unterstützen. Auch Herzerkrankungen, neurologische Erkrankungen – wie Polyneuropathie oder Parkinson – oder Hormonstörungen können eine orthostatische Hypotonie auslösen.

Meist steckt aber keine krankhafte Ursache hinter den positionsabhängigen Kreislaufproblemen. Schwindel, Sehstörungen oder Schwächegefühl legen sich dann innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten nach dem Aufstehen wieder. Besonders häufig sind ältere Menschen von orthostatischer Hypertonie betroffen.

Kreislaufprobleme bei Hitze und Luftdruckveränderungen

Ob Wärme, Kälte, Sonne oder Regen: Unser Körper passt sich stets an aktuelle Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks an. So verengen sich die Adern bei Kälte und erweitern sich bei Hitze. In der Folge steigt oder sinkt der Blutdruck. Veränderungen im Luftdruck stehen zudem im Verdacht, Rezeptoren an den Blutgefäßen zu stimulieren. Bei Wetterfühligkeit können größere Umschwünge deshalb zu Kreislaufproblemen führen. Es kann zu Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen kommen. Besonders betroffen sind meist Personen, die ohnehin an einem niedrigen Blutdruck leiden.

Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft

Häufig von Kreislaufproblemen betroffen sind auch schwangere Frauen. In der Schwangerschaft werden die Beschwerden durch die Veränderungen, denen das Herz-Kreislauf-System während der neun Monate unterliegt, hervorgerufen. So steigt beispielsweise die Herzfrequenz an und die Blutgefäße erweitern sich, was wiederum einen niedrigeren Blutdruck zur Folge haben kann.

Kreislaufprobleme als Symptom eines niedrigen Blutdrucks

Ein niedriger Blutdruck kann entweder akut auftreten oder chronisch sein.

Eine akute Hypotonie wird durch einen plötzlichen, starken Blutdruckabfall ausgelöst. Typische Symptome für eine akute Hypotonie sind:

  • plötzliche Schweißausbrüche und niedrige Körpertemperatur (kalter Schweiß)
  • Schwindelgefühl
  • Sehstörungen ("schwarz vor Augen")
  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • Rauschen in den Ohren
  • Zittern

Chronische Hypotonie löst in vielen Fällen überhaupt keine Beschwerden aus. Symptome, die mit einem chronisch niedrigen Blutdruck einhergehen können, sind:

  • Antriebslosigkeit
  • schnelle Ermüdbarkeit
  • Appetitlosigkeit
  • gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Störungen der Konzentration
  • Kopfschmerzen
  • kalte Füße und Hände

Im Extremfall kann es durch einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks auch zu einer Ohnmacht (Synkope) kommen. Man spricht dann auch von einem Kreislaufkollaps.

Kommt es zeitgleich zu den Kreislaufproblemen zu Kribbeln in den Armen und Beinen, können die Symptome durch Durchblutungsstörungen oder muskuläre Verspannungen im Nacken verursacht werden. Gleichzeitig mit Schwindel auftretende Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen können aber auch ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Hier sollte man im Zweifelsfall den Notruf verständigen.

Bei Kreislaufproblemen, die mit Hitzewallungen einhergehen, sind vermutlich hormonelle Umstellungen der Auslöser (beispielsweise in den Wechseljahren).

Bei häufigen Kreislaufproblemen zum Arzt

Gelegentliche Probleme mit dem Kreislauf, die durch einen niedrigen Blutdruck verursacht werden, sind in der Regel harmlos. Wenn es jedoch häufiger zu Kreislaufbeschwerden kommt oder diese besonders heftig ausfallen, sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat suchen – unter Umständen steckt eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinter den Beschwerden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
I99

Aktualisiert: 10.11.2022
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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