Aortenaneurysma – Aneurysma der Aorta

Aortenaneurysma – Blut in Aorta
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Bei einem Aortenaneurysma kommt es zu einer sackförmigen Erweiterung der Aorta, also der Hauptschlagader. Ein solches Aneurysma kann an unterschiedlichen Stellen entstehen und in schweren Fällen tödlich verlaufen. Im Folgenden werden unter anderem Ursachen, Einteilung, Symptome und Behandlung thematisiert.

Was ist ein Aortenaneurysma?

Eine Definition für ein Aortenaneurysma kann wie folgt lauten: Ein Aortenaneurysma ist eine Aussackung der Hauptschlagader unterschiedlicher Art und Lokalisation, die platzen und zur tödlichen inneren Blutung führen kann. Ein solches Aneurysma kann im Bereich der Aorta des Bauches (abdominelles Aneurysma oder Bauchaortenaneurysma) oder an der Brustschlagader (thorakales Aortenaneurysma) entstehen.

Aneurysma: Ursachen und Formen

Als Aneurysma werden an bestimmten Stellen auftretende Aussackungen der arteriellen Gefäße bezeichnet. Betreffen Sie die Hauptschlagader, spricht man von einem Aortenaneurysma, doch Aneurysmen können auch an anderer Stelle entstehen, etwa im Kopf (Hirnaneurysma oder zerebrales Aneurysma) oder in der unteren Hohlvene.

Grundsätzlich lassen sich drei unterschiedliche Typen des Aneurysmas voneinander abgrenzen:

  • Aneurysma verum
  • Aneurysma dissecans
  • Aneurysma spurium

Aneurysma verum

Das "wahre" oder "richtige" Aneurysma verum (verum = lateinisch wahr) stellt die häufigste der drei Aneurysmaformen dar. Es zeichnet sich durch eine zunehmende Auswölbung an einer bestimmten Stelle des Gefäßstranges aus und ähnelt damit einer Gummiblase an einem Wasserschlauch. Trotz Aussackung bleibt dabei die Gefäßwand insgesamt intakt.

In den meisten Fällen liegt dem Aneurysma verum eine Gefäßverkalkung der Hauptschlagader zugrunde, die die Gefäßwand schädigt und ihre Auswölbung begünstigt. Erhöhter Blutdruck ist dabei ein wichtiger Risikofaktor sowohl für die Entstehung der Gefäßverkalkung als auch für die zunehmende Ausdehnung des Aneurysmas. Ein einmal entstandenes Aneurysma wird nämlich durch den mit hohem Druck pulsierenden Blutstrom immer weiter aufgetrieben.

In selteneren Fällen kommt auch eine angeborene Schwäche der Gefäßwand oder eine chronische Syphilis- oder Pilzinfektion als Auslöser eines Aneurysma verum in Betracht.

Aneurysma dissecans

Beim Aneurysma dissecans (dissecare = lateinisch einschneiden), welches in ungefähr 25 Prozent der Fälle eines Aortenaneurysmas anzutreffen ist, reißt charakteristischerweise die Gefäßinnenhaut an einer bestimmten Stelle in Längs- oder Querrichtung ein. Das Blut, dass mit hohem Druck in die Hauptschlagader gepresst wird, kann sich im Gefolge in die Gefäßwand vorwühlen und die Hauptschlagader aussacken. Im Gegensatz zum Aneurysma verum überwiegen als Ursache angeborene Defekte der Gefäßwand, denen gegenüber die Aderverkalkung eher in den Hintergrund tritt.

Aneurysma spurium

Das Aneurysma spurium (spurius = lateinisch unecht) nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als es weniger einem Aneurysma als einem kleinen Riss des Gefäßes entspricht, durch das Blut nach außen treten kann. Geronnenes Blut umgibt schließlich den entstandenen Gefäßdefekt wie ein Pfropf und verhindert damit in den meisten Fällen eine weitere Blutung. Das Aneurysma spurium tritt überwiegend als Komplikation nach Operationen oder Punktionen an arteriellen Gefäßen auf.

Aortenaneurysma: Symptome und Anzeichen

Das Aneurysma verum der Aorta findet sich bevorzugt im Bauchbereich und kann dort zumindest bei schlanken Patienten auch als pulsierender großer Knoten zentral unterhalb des Rippenbogens getastet werden. Dieses sogenannte Bauchaortenaneurysma führt vorwiegend zu Symptomen wie Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Blähungen, Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang oder manchmal auch zu vermehrtem Harndrang. Manche Menschen nehmen selbst ein Klopfen oder Pochen im Bauch wahr – allerdings ist eine pochende Bauchschlagader kein eindeutiger Hinweis auf ein solches Aneurysma. Oft verursacht ein Aortenaneurysma auch keinerlei Symptome und wird nur zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung erkannt.

Dagegen stehen beim Aneurysma verum im Brustbereich Rückenschmerzen als Symptom im Vordergrund. Durch Druck des pulsierenden Aortenaneurysmas auf umgebende Strukturen kann es aber auch zu Heiserkeit, Atemnot, Schluckbeschwerden sowie Durchblutungsstörungen der Arme oder des Kopfes kommen.

Ein ähnliches Beschwerdebild kann auch von dem selteneren Aneurysma dissecans ausgehen, welches meistens unmittelbar oberhalb der Aortenklappe beginnt und die gesamte Hauptschlagader bis in den Bauchraum hinein miteinbeziehen kann. Das Aneurysma spurium nimmt selten so große Ausmaße wie die beiden anderen Aneurysmaformen an, kann aber je nach Lokalisation ähnliche Beschwerden produzieren.

Verlauf des Aortenaneurysmas

Das entscheidende Kriterium zur Beurteilung der Gefährlichkeit eines Aneurysma verum ist der Durchmesser der Aussackung. Dieser Wert kann zwischen 3 cm und im Extremfall bis zu 8 oder 9 cm variieren, wobei ab einem kritischen Durchmesser von 5 bis 6 cm das Risiko besteht, dass die Aussackung platzt und eine lebensgefährliche innere Blutung auftritt.

Rein statistisch gesehen platzen zum Beispiel Bauchaortenaneurysmen ab einem Durchmesser von 5 bis 6 cm in bis zu 40 Prozent der Fälle innerhalb von 2 Jahren.

Noch gefährlicher als beim Aneurysma verum stellt sich die Situation beim Aneurysma dissecans dar, beim dem die ohnehin geschwächte und zusätzlich eingerissene Gefäßwand dem Druck des Blutstroms oftmals nicht lange standhalten kann. Wird der erstmalige innere Einriss der Hauptschlagaderwand, der mit stärksten Brust- oder Bauchschmerzen einhergeht überlebt, führt der nochmalige Riss der geschädigten Gefäßwand, diesmal nach außen, oftmals zu einer tödlich verlaufenden inneren Blutung.

Aneurysma der Aorta: Diagnose

Die Diagnose eines Aneurysmas wird entweder durch Ultraschalluntersuchung, Computertomographie oder direkte Gefäßdarstellung mit Röntgenkontrastmittel gestellt. Bei letzterem Verfahren kann der Gefäßbaum mit allen Unregelmäßigkeiten, Engstellen und auch Aussackungen direkt im Röntgenbild sichtbar werden.

Aortenaneurysma: mögliche Komplikationen

Je nach Lokalisation der Aussackung sind folgende unerwünschte Begleiterscheinungen von Aortenaneurysmen bekannt: Komplikationen, die sich durch mechanischen Druck auf umgebende Strukturen erklären lassen, wie Heiserkeit durch Schädigung von Kehlkopfnerven, Schluckbeschwerden und Atemnot. Durch das wachsende Aneurysma kann jedoch auch die Durchblutung anderer Organe oder der Arme und Beine schwer beeinträchtigt werden.

Bilden sich Blutgerinnsel in den aufgetriebenen Aneurysmasäcken, können diese auch Ausgangspunkt von Embolien zum Beispiel ins Gehirn und damit von Schlaganfällen sein. Die schwerwiegendste Komplikation aller Aneurysmaformen ist mit Sicherheit dann gegeben, wenn das Aneurysma platzt. Diese Notfallsituation wird vom Patienten in den wenigsten Fällen überlebt.

Behandlung eines Aortenaneurysmas

Beim Aortenaneurysma stehen folgende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Medikamententherapie des Bluthochdrucks
  • Offene Operation
  • Einsetzen einer Gefäßprothese von der Leiste aus (endovaskuläre Operation)

Medikamentöse Therapie des Aortenaneurysmas

Gelingt es, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Übergewicht durch Medikamente oder andere Maßnahmen unter Kontrolle zu bringen, kann das Aortenaneurysma zwar nicht geheilt, aber der Verlauf der Erkrankung in den meisten Fällen günstig beeinflusst werden.

Die Behandlung zielt hierbei vor allem darauf ab, die kritische Vergrößerung des Aneurysmas auf über 5 bis 6 cm Durchmesser zu verhindern und damit die Wahrscheinlichkeit zu vermindern, dass das Aneurysma platzt.

Offene Operation des Aortenaneurysmas

Zur Behandlung des Aortenaneurysmas stehen zwei operative Verfahren zur Auswahl. Bei der sogenannten offenen Gefäßoperation wird die Bauchaorta freigelegt und der Teil mit dem Aortenaneurysma durch eine Gefäßprothese – bestehend aus einem Kunststoffrohr – ersetzt. Diese Operation ist für den Patienten zwar sehr belastend, doch bietet sie eine sichere Heilbarkeit, sodass weitere Kontrollen nicht nötig sind.

Da eine notfallmäßige Operation beim geplatzten Aortenaneurysma in den wenigsten Fällen erfolgreich ist, kommt dem behandelnden Arzt nach Diagnose eines Aortenaneurysmas vorwiegend die Aufgabe zu, durch regelmäßige Verlaufsuntersuchungen die Entwicklung des Aneurysmas zu kontrollieren und den richtigen Zeitpunkt für die Operation festzulegen.

Gegeneinander abgewogen werden muss im Einzelfall das Risiko der Operation selbst – vor allem bei älteren Patienten mit zusätzlichen Herz- oder Lungenerkrankungen – sowie das Risiko, nicht zu operieren und damit ein mögliches Platzen des Aortenaneurysmas in Kauf zu nehmen.

Endovaskuläre Operation des Aortenaneurysmas

Eine alternative Methode der Behandlung, die ohne Öffnung der Bauchdecke auskommt und damit eine weitaus geringere Belastung für den Patienten darstellt, hat sich im Laufe der letzten Jahre etabliert.

Über die Leistenschlagader wird dabei am wachen Patienten eine Gefäßprothese (Stent-Prothese) in das Gefäßsystem eingebracht und damit der Bereich des Aneurysmas von innen ausgekleidet und stabilisiert.

Ein Nachteil dieser Behandlungsform ist jedoch die Notwendigkeit einer lebenslangen regelmäßigen Kontrolle. Zudem können mehrere Folgeeingriffe nötig sein, da die Stents nicht unbegrenzt haltbar sind und mit der Zeit undichte Stellen aufweisen können.

Nicht jeder Patient und nicht jedes Aneurysma kommt für dieses Verfahren in Betracht. Bei Patienten, die wegen ihres Alters oder anderer Erkrankungen nicht operiert werden können, ist das Einsetzen der Gefäßprothese jedoch oft die einzig vorhandene Behandlungsmöglichkeit.

Vorbeugende Maßnahmen gegen ein Aortenaneurysma

Zur Vorbeugung von Aortenaneurysmen sind im wesentlichen alle Maßnahmen geeignet, durch die Gefäßerkrankungen verhindert oder zumindest in ihrem Verlauf günstig beeinflusst werden können. Hierzu zählen Gewichtsregulierung bei Übergewicht, Rauchstopp, wirkungsvolle Behandlung von Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit, Diätmaßnahmen bei Fettstoffwechselstörung oder Gicht, Abbau psychischer Stressfaktoren sowie regelmäßiges körperliches Training.

Genetische Faktoren als Ursache der Aortenaneurysmen können heute leider weder durch ärztliche Behandlungsmaßnahmen noch durch persönliche Verhaltensregeln beeinflusst werden.

Seit Januar 2018 haben gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahre einen Anspruch auf eine einmalige Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Aneurysmen der Bauchaorta. Denn diese Gruppe weist ein besonders hohes Risiko für Aortenaneurysmen auf. Bei der Untersuchung führt der Arzt einen Ultraschall des Bauches durch, wodurch er die Dicke der Bauchaorta vermessen und so eine mögliche Veränderung der Hauptschlagader feststellen kann.

Aktualisiert: 11.10.2017

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