Hirnblutungen: Ursachen, Diagnostik, Verlauf

Frau mit Hirnblutungen im Krankenhaus © istockphoto, shironosov

Laut Definition sind unter einer Hirnblutung Einblutungen in das Gehirn selbst oder seine Hüllstrukturen zu verstehen, die zu erhöhtem Hirndruck und neurologischen Ausfällen mit oftmals tödlichem Ausgang führen können. Erfahren Sie hier mehr über die Ursachen einer Hirnblutung sowie typische Symptome und gängige Behandlungsmöglichkeiten.

Hirnblutung: Geplatztes Gefäß im Hirn

Das Gehirn als zentrale Nerveninstanz aller Funktionen und Vorgänge im Organismus weist eine sehr verletzliche, gallertartige Konsistenz auf. Die umgebenden Hüllstrukturen, die weiche und die harte Hirnhaut sowie der knöcherne Schädel, üben eine wichtige Schutzfunktion aus.

Dennoch besteht – wie bei allen Organen, die von Blutgefäßen durchströmt sind – auch im Gehirn das Risiko einer Einblutung, wenn ein Blutgefäß platzt. Häufig ist dafür ein Bluthochdruck (Hypertonie) verantwortlich, oft in Kombination mit einer Arterienverkalkung. Dadurch büßen die Gefäßwände mit der Zeit an Elastizität ein, sodass die Blutgefäße bei plötzlichen Blutdruckspitzen reißen und eine Hirnblutung verursachen können.

Ursachen einer Hirnblutung

An erster Stelle der Ursachenstatistik bei Hirnblutungen stehen Unfälle, gefolgt von Blutungen aus Gefäßmissbildungen und schließlich Gefäßzerreißungen bei Arterienverkalkung, oft als Folge eines jahrelang bestehenden Bluthochdrucks.

Eine weitere Ursache für Hirnblutungen können Veränderungen der Blutgefäße aufgrund von gut- oder bösartigen Tumoren oder Hirnmetastasen sein. Auch krankhafte Erweiterungen (Aneurysmen) an den Blutgefäßen oder eine Störung der Blutgerinnung können eine Hirnblutung herbeiführen.

Weitere mögliche Ursachen einer Hirnblutung können sein:

  • Infektionen
  • Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn
  • Thrombosen der Hirnvenen
  • ein erhöhter Blutfluss im Gehirn (beispielsweise nach einer Herzoperation, bei Migräneattacken oder nach körperlicher Anstrengung)
  • äußere Gewalteinwirkung wie Unfälle
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch

Zu den Risikofaktoren einer Hirnblutung zählt zum Beispiel das Rauchen. So besteht bei Rauchern ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für eine Hirnblutung. Doch auch Übergewicht und ein erhöhter Cholesterinspiegel stellen Risikofaktoren dar.

Arterielle und venöse Blutungen

Im menschlichen Blutkreislauf erfolgt die Blutzufuhr zu den Organen über die Arterien, der Blutabfluss über Venen. An welcher Stelle ein Blutgefäß platzt, ist entscheidend für die Folgen:

  • Blutungen aus dem arteriellen Hochdrucksystem führen in den meisten Fällen innerhalb kurzer Zeit zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust.
  • Blutungen aus dem venösen System hingegen sind, wie die Erfahrung bei den meisten oberflächlichen Hautverletzungen lehrt, in der Regel eher harmloser Natur.

Durch die speziellen anatomischen Voraussetzungen des Gehirns – die Einbettung in ein starres knöchernes Gebilde – liegen bei Hirnblutungen besondere Ausgangsbedingungen vor.

Da sich der knöcherne Schädel nicht ausdehnen kann, führt eine Einblutung innerhalb des Schädels unweigerlich zur Drucksteigerung und damit zur Substanzschädigung des sensiblen Nervengewebes. Übersteigt die Blutung dabei ein bestimmtes Ausmaß, muss mit primär noch reversiblen, nach Überschreiten eines kritischen Zeitlimits auch irreversiblen Schädigungen der Gehirnsubstanz mit entsprechenden neurologischen Ausfällen gerechnet werden.

Arten von Hirnblutungen

Je nach zugrundeliegender Ursache weisen die Hirnblutungen ganz typische Lokalisationen auf:

  • Epidurale Hämatome stellen Einblutungen zwischen knöchernem Schädel und harter Hirnhaut dar. Oft treten sie infolge eines Schädel-Hirn-Traumas auf, zum Beispiel nach Unfällen oder Gewalteinwirkung.
  • Dagegen sind subdurale Hämatome eine Etage tiefer, zwischen den harten Hirnhäuten lokalisiert. Akute Subduralblutungen haben meist ähnliche Ursachen wie Epiduralblutungen. Chronische Subduralhämatome können auch durch Medikamente zur Blutgerinnung ausgelöst werden.
  • Noch näher an der Hirnsubstanz befinden sich die Subarachnoidalblutungen. Sie sind meist durch Verletzungen oder ein geplatztes Aneurysma bedingt.
  • Intrazerebrale Hämatome schließlich entsprechen Einblutungen im Inneren des Gehirns selbst. Sie treten meist plötzlich und unabhängig von traumatischen Umstände wie einem Unfall auf.

Symptome einer Hirnblutung

Je nach Art der Hirnblutung unterscheiden sich auch die Symptome – für einen Laien ist eine Hirnblutung daher nicht leicht zu erkennen. Eine akute Hirnblutung aufgrund eines intrazerebralen Hämatoms kann beispielsweise vom Beschwerdebild her einem Schlaganfall gleichen und mit plötzlich einsetzenden neurologischen Ausfällen und einseitigen Lähmungen einhergehen.

Typische Anzeichen einer Hirnblutung sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • allgemeines Unwohlbefinden und Schwäche
  • Krampfanfälle
  • (oftmals halbseitige) Lähmungen und Taubheitsgefühle
  • Sprach-, Bewegungs- und Empfindungsstörungen
  • Sehstörungen
  • Störungen des Bewusstseins
  • Bewusstlosigkeit

Häufig erscheinen starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen als unmittelbare Reaktion auf die Einblutung, während das Einsetzen weiterer neurologischer Ausfallssymptome erst nach einer relativ beschwerdearmen Latenzzeit von Minuten oder gar Stunden stattfindet.

Hirnblutung: Eine schnelle Diagnose ist wichtig

Eine schnelle Diagnose sowie eine unmittelbare Behandlung sind bei einer Hirnblutung enorm wichtig, da sonst Folgeschäden entstehen können oder sogar Lebensgefahr droht.

Da Hirnblutungen äußerlich nicht sichtbar sind, können sie zunächst ausschließlich anhand der Symptome diagnostiziert werden. Zunächst werden die Bewusstseinslage und die Funktion der Nerven des Patienten untersucht. Auch die zeitliche Entwicklung sowie Begleitumstände der Beschwerden sind von großer Bedeutung für die Diagnose und die anschließende Behandlung.

Zusätzlich kommen bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), mitunter auch Röntgen zum Einsatz. Die Erstversorgung greift in der Regel auf ein CT zurück, da diese ein schnelleres Ergebnis liefert als ein MRT. Ist der Patient stabil, sind MRT-Untersuchungen die erste Wahl. Denn im Gegensatz zum CT kann ein MRT auch ältere Blutungen, Aneurysmen oder andere Fehlbildungen der Gefäße abbilden.

Beide Verfahren geben Auskunft über Lage und Größe der Hirnblutung. Zudem können durch die bildgebenden Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt eventuelle Größenveränderungen sichtbar gemacht werden. Außerdem ermöglichen es beide Verfahren, eine Gehirnblutung von einem Hirngerinnsel (Hirnvenenthrombose) zu unterscheiden, welches ähnliche Symptome auslöst.

Verlauf und Folgen einer Hirnblutung

Der Verlauf einer Hirnblutung ist extrem vom Einzelfall abhängig. Faktoren, die den Krankheitsverlauf des Patienten maßgeblich bestimmen, sind insbesondere:

  • das Alter
  • der allgemeine Gesundheitszustand wie zum Beispiel bestehende Grunderkrankungen
  • die Lage, Größe und Art der Hirnblutung

Ausgedehnte Hirnblutungen führen häufig zum Tod. Bei der großen Mehrzahl der überlebenden Patienten sind dauerhafte Folgeschänden zu beobachten.

Mögliche Folgeschäden einer Hirnblutung sind neurologische Ausfälle wie beispielsweise Lähmungen, Sprach- oder Bewegungsstörungen. Auch geistige Behinderungen sind möglich.

Zudem kann es als Komplikation infolge der Einblutung ins Gehirn zu einem Schlaganfall kommen. Bei etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle ist eine Hirnblutung der Auslöser. Auch können Betroffene infolge einer Hirnblutung ins Koma fallen.

Behandlung einer Hirnblutung

Hirnblutungen sind in jeder Form medizinisch Notfälle und bedürfen daher einer sofortigen Behandlung. Je länger das Einleiten der Erstversorgung dauert, desto mehr steigt das Risiko eines tödlichen Verlaufs. Daher sollte auch bei Verdacht auf eine Hirnblutung umgehend der Notarzt gerufen werden.

In der Akutbehandlung wird zunächst versucht, den Patienten zu stabilisieren. Erhöht sich wegen der Blutung im Gehirn der Schädeldruck, muss operiert werden. Der Chirurg öffnet einen Teil des Schädelknochens, um die Blutung im Kopf zu stillen und den Bluterguss zu entfernen. Für eine präzise Operationsplanung dient ein CT. In äußerst dringenden Notfällen muss der Schädel jedoch auf Verdacht aufgestemmt werden. Selbst bei raschem chirurgischem Eingreifen besteht jedoch das Risiko eines tödlichen Ausgangs oder bleibender neurologischer Schädigungen.

Patienten, die eine Hirnblutung überlebt haben, benötigen in der Langzeitbehandlung eine langwierige Rehabilitationsbehandlung. Hier wird versucht, neurologische und körperliche Funktionsstörungen zu beheben. Je nach Stärke der Hirnblutung kann es mehrere Jahre dauern, bis der Patient wieder eigenständig seinen Alltag meistern kann. In vielen Fällen bleiben jedoch irreversible Restsymptome wie Probleme mit der Feinmotorik, Konzentrationsstörungen, Wesensveränderungen oder Kopfschmerzen zurück.

Ging die Hirnblutung auf einen erhöhten Blutdruck zurück, kann der behandelnde Arzt blutdrucksenkende Medikamente verordnen, um weitere Blutungen im Kopf zu verhindern.

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vermeidung traumatisch bedingter Hirnblutungen sei auf allseits bekannte Maßnahmen zur Unfallverhütung verwiesen (beispielsweise das Tragen eines Fahrradhelms beim Radfahren).

Um das Risiko bluthochdruckbedingter intrazerebraler Hämatome zu verringern, ist eine konsequente medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks erforderlich. Auch sollten alle anderen Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes, hohes Cholesterin und Übergewicht unter Kontrolle gebracht werden.

Weiterhin ist es empfehlenswert, nicht zu rauchen, wenig Alkohol zu trinken, sich täglich zu bewegen und auf eine gesunde Ernährung zu achten. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Vorbeugung einer Hirnblutung bei, sondern dienen auch einer allgemein gesunden Lebensweise.

Aktualisiert: 23.10.2018 – Autor: Überarbeitet: Nadja Weber

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