Blaue Flecken ohne Grund: Was steckt dahinter?

Frau hat blauen Fleck auf dem Arm
© iStock.com/lzf

Blaue Flecken entstehen häufig nach einem stumpfen Aufprall, etwa durch einen Stoß, einen Schlag oder einen Sturz. In der Folge bilden sich blaue bis lila Flecken, die auch mit Schmerzen oder Schwellungen verbunden sein können. Was aber, wenn sich plötzlich blaue Flecken ohne Grund bilden? Wer auf einmal einen blauen Fleck am Arm, an der Hand oder am Bein bemerkt und sich nicht an einen Grund erinnern kann, vermutet oft eine Erkrankung als Ursache. Tatsächlich können blaue Flecken, die ohne Grund entstehen, Hinweis auf eine Krankheit sein. Auch eine Corona-Infektion kann möglicherweise dahinterstecken. Wir stellen mögliche Ursachen für blaue Flecken vor.

Blaue Flecken ohne Grund – häufige Ursachen

Wird ein Blutgefäß in der Nähe der Hautoberfläche verletzt und es tritt Blut ins umliegende Gewebe aus, bildet sich ein blauer Fleck oder Bluterguss, medizinisch als Hämatom bezeichnet. In den meisten Fällen entstehen blaue Flecken durch äußere Einwirkungen auf den Körper, also beispielsweise durch einen Sturz oder Schlag beim Sport oder indem man sich im Alltag an einem Gegenstand stößt. Auch nach einer Impfung, Blutabnahme oder Operation bilden sich oft blaue Flecken, weil dabei kleine Blutgefäße in der Haut verletzt wurden.

Manchmal stößt man sich im Alltag, ohne es bewusst wahrzunehmen – gerade bei Stress kann dies durch den erhöhten Adrenalinausstoß der Fall sein. Oder man erinnert sich später einfach nicht mehr daran, sich gestoßen zu haben, und bemerkt hinterher einen blauen Fleck, dessen Ursache man nicht kennt.

Ein blauer Fleck ohne Grund ist daher nicht gleich Anlass zur Sorge. Gerade am Bein, am Arm oder an der Hand sind blaue Flecken häufig nur Folge unbemerkten Anstoßens.

Plötzlich blaue Flecken – weitere mögliche Gründe

Neben einem unbemerkten Anstoßen kommen auch andere Ursachen für plötzlich entstehende blaue Flecken infrage:

  • Medikamente: Blutverdünnende Medikamente wie Acetylsalicylsäure oder Heparin können das Risiko für blaue Flecken erhöhen. Denn die Gerinnungshemmer schwächen die Blutgerinnung und der Körper braucht länger, um Wunden zu verschließen und Blutungen zu stoppen. Blutungen, auch in Form eines blauen Flecks, sind daher bekannte Nebenwirkung von Gerinnungshemmern. Auch Cortison und einige Antibiotika können dazu führen, dass man ständig blaue Flecken hat.
  • Alter: Mit dem Alter werden die Wände der Blutgefäße und die Haut dünner. Das führt dazu, dass Gefäße im Alter schneller reißen können, gleichzeitig büßt die Haut bei Senior*innen zunehmend ihre Schutzfunktion ein. Deshalb bekommen ältere Menschen oft schneller blaue Flecken als jüngere. Auch Kinder haben oft blaue Flecken, bei ihnen entstehen diese aber meist durch Toben oder Hinfallen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin K kann sich unter anderem durch verstärkte Blutungen nach Verletzungen äußern, aber auch dadurch, dass man schnell blaue Flecken, Nasenbluten oder Zahnfleischbluten bekommt. Auch Vitamin C ist wichtig für die Gefäße und das Bindegewebe und sollte dem Körper deshalb ausreichend zugeführt werden.
  • Hämophilie: Menschen mit Hämophilie A (Bluterkrankheit) entwickeln leicht großflächige blaue Flecken, da durch die Erbkrankheit die Blutgerinnung gestört ist.
  • Leukämie: Auch bei einer Leukämie kann es zu Hautveränderungen und einer Blutungsneigung in Verbindung mit vermehrten blauen Flecken kommen. Oft zeigen sich dann aber auch weitere Symptome, wie Abgeschlagenheit, Blässe oder Atemnot.
  • Myelodysplastisches Syndrom (MDS): Dies ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen die Blutbildung beeinträchtigt ist, unter anderem die der Blutblättchen. Daher kann es leichter zu blauen Flecken kommen.
  • Erkrankungen der Schilddrüse: Bei verschiedenen Erkrankungen der Schilddrüse, insbesondere bei einer Schilddrüsenunterfunktion, kann eine Neigung zu blauen Flecken feststellbar sein.

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn bei Ihnen häufiger blaue Flecken ohne erkennbaren Grund auftreten, damit eine ernsthafte Erkrankung als Ursache ausgeschlossen werden kann.

Blaue Flecken und Hautveränderungen durch Corona

In seltenen Fällen können blaue Flecken auch als Symptom einer Corona-Infektion auftreten. Als erstes berichtete ein Arzt aus Italien über einen 13-jährigen Jungen, der an COVID-19 erkrankt war und blaue Flecken an den Füßen aufwies. Basierend auf diesem Fallbericht meldeten sich weitere Ärzt*innen, die bei jungen Infizierten ähnliche Beobachtungen gemacht hatten. Durch Corona bedingte blaue Flecken, oft Frostbeulen-ähnliche Läsionen, und andere Hautveränderungen an den Zehen erhielten den Namen COVID-Zeh.

Aus Italien wurde berichtet, dass bei 18 von 88 Menschen mit COVID-19 Hautveränderungen sichtbar waren. Bei einem Teil der Betroffenen zeigten sich Hautausschläge (erythematöser Ausschlag) am Rumpf während der Erkrankung, bei anderen erst im späteren Verlauf nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Mittlerweile werden neben blauen Flecken auch juckende Bläschen, Nesselsucht oder Rötungen mit Corona in Verbindung gebracht. Auch an der Zunge wurden Veränderungen, wie Punkte oder Entzündungen, festgestellt. Man bezeichnet dies als COVID-Zunge.

Inzwischen können solche Hautveränderungen auf eine Reaktion des Immunsystems zurückgeführt werden: Antikörper greifen versehentlich die eigenen Hautzellen an. Durch die Zerstörung von kleinen Blutgefäße bilden sich blaue Flecken, meist an den Zehen oder Fingern.

Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Erkennen der Symptome einer Coronavirus-Infektion.

Corona: Blaue Flecken sind noch kein gesichertes Symptom

Die Ergebnisse der Fallberichte erregten viel Aufsehen, sie müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden und lassen keine generellen Rückschlüsse zu. Dafür sind die Fallzahlen zu gering. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Zusammenhängen und der Häufigkeit von blauen Flecken als Corona-Symptom stehen derzeit noch aus. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es sich hierbei um ein recht seltenes Symptom handelt.

Außerdem treten Hautveränderungen bei vielen viralen Infektionen auf und müssen deshalb nicht unbedingt auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten. Auch von anderen Viruserkrankungen ist bekannt, dass Infektionen auf der Haut sichtbar werden können.

Petechien: kleine blaue Flecken

Petechien sind punktförmige Hauteinblutungen, die als eine Ansammlung zahlreicher stecknadelkopfgroßer roter oder blauer Punkte auf der Haut erscheinen. Dahinter steckt meist eine Blutgerinnungsstörung.

Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung wurden Petechien als Warnzeichen von Thrombosen beobachtet, die in seltenen Fällen nach einer Impfung mit Vaxzevria®, dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca, auftraten. Auch sie können zudem Symptom ernsthafter Erkrankungen sein. Meist sind Petechien jedoch harmlos und entstehen – ähnlich wie blaue Flecken – durch mechanische Einwirkung auf die Haut, etwa durch Druck oder Reibung, oder als Nebenwirkung von Medikamenten.

Blaue Flecken selbst behandeln: Was hilft?

Einen kleineren und harmlosen blauen Fleck können Sie gut selbst behandeln. Am besten lagern Sie die betroffene Hautstelle sofort hoch und kühlen sie mit einem Eispack, das Sie zuvor in ein Küchentuch gewickelt haben, um kältebedingten Hautverletzungen vorzubeugen. Durch sofortiges Kühlen können Sie häufig verhindern, dass der blaue Fleck sich ausbreitet, da sich die Blutgefäße aufgrund der Kälte zusammenziehen und weniger Blut ins Gewebe gelangt. Auch Kompressionen mit einer elastischen Binde können helfen.

Bei bereits entstandenen blauen Flecken kann eine Salbe mit dem Wirkstoff Heparin die Blutgerinnung fördern und die Heilung beschleunigen. Arnikasalben können abschwellend und schmerzlindernd wirken.

Sehr große blaue Flecke oder solche, die sich schnell ausbreiten, bedürfen einer schnellen ärztlichen Behandlung. Es besteht das Risiko eines zu großen Blutverlustes, einer Infektion oder der Schädigung von umliegendem Gewebe, auf welches die Blutansammlung Druck ausübt.

Aktualisiert: 04.11.2021 - Autoren: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?