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Lichen ruber (Knötchenflechte) – was ist das?

Lichen ruber (Knötchenflechte) © Shutterstock, Dermatology11

Lichen ruber, auch bekannt als Knötchenflechte, ist eine Hautkrankheit, die auch die Schleimhäute betreffen kann. Typisch für die Erkrankung sind gerötete Papeln auf der Haut, die wie kleine Knötchen aussehen. Welche Formen von Lichen ruber gibt es, wie erkennt man Knötchenflechte und was hilft dagegen? Das und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Lichen ruber (Knötchenflechte)?

Bei der Knötchenflechte – fachsprachlich als Lichen ruber bezeichnet – handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung von Haut und Schleimhaut. Die Krankheit gehört zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen und kann diverse Erscheinungsmuster zeigen. Der Verlauf ist in der Regel chronisch und nicht ansteckend. 

Wie der Name der Hautkrankheit bereits zum Ausdruck bringt, sieht man charakteristische Veränderungen an der Haut mit flachen, meist geröteten Papeln ("Knötchen"), die eine vieleckige Form aufweisen. 

Ursachen: Wie entsteht Knötchenflechte?

Die Ursachen und Entstehung dieser Hautkrankheit sind unklar, eventuell besteht ein Zusammenhang mit einer früheren Infektion mit den Viren Hepatitis B oder C.
Dabei kommt es wie bei jeder Erkrankung zur Ausbildung von Antikörpern gegen die fremden Antigene, also die körperfremden Stoffe. 

Bei einer Autoimmunreaktion liegt eine Fehlinformation in den körpereigenen Abwehrzellen vor und sie bekämpfen Substanzen, die eigentlich zum Körper gehören. In diesem Fall vermutet man eine sogenannte immunologische Kreuzreaktion als Ursache, bei der die fremden Antigene der Hepatitisviren eine ähnliche Struktur haben wie körpereigene Substanzen, weswegen die eigenen Zellen schlussendlich angegriffen werden. Auf diese Weise kommt es mutmaßlich zu der chronischen Entzündung und den typischen Symptomen des Lichen ruber.

Vereinzelt kann es auch infolge einer Impfung gegen Hepatitis B zum Auftreten von Lichen ruber kommen.*

Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Dabei sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen.

Was sind die Symptome von Lichen ruber?

Kennzeichnend für die Knötchenflechte sind die charakteristischen Bläschen an bestimmten Bereichen des Körpers, die auch schmerzhaft sein können. Die Hautkrankheit tritt in Schüben auf und geht vor allem mit starkem Juckreiz einher. 

Häufig von der Knötchenflechte betroffene Stellen sind:

  • Handgelenke an der Beugeseite (sprich: die Innenseite zur Handfläche hin)
  • unterer Rücken
  • Kniekehle
  • Unterschenkel an der Streckseite (also die "Vorderkante" des Schienbeins)
  • Genitalregion
  • Analregion

Wie sieht Knötchenflechte aus?

Die Knötchenflechte zeigt sich vor allem durch flache gerötete Bläschen, die häufig eine vieleckige Form aufweisen. Sie sind scharf begrenzt und können eine Delle in ihrem Zentrum haben. Oftmals sind sie in größeren Gruppen zusammengelagert oder vereinigen sich zu Platten. 

Bei einer Reizung der Bläschen oder nahegelegener Stellen, etwa durch Kratzen, kann sich die Haut entzünden und es kann zur Bildung neuer Knötchen kommen – man bezeichnet diesen Effekt als Köbner-Phänomen.

Sind die Handinnenflächen und Fingernägel mitbeteiligt, haben die Bläschen ein warzenförmiges Aussehen und können zu Wachstumsstörungen des Nagels führen. Die Bläschen können über Monate oder Jahre bestehen bleiben. 

Lichen ruber: Welche Formen gibt es? 

Man unterscheidet verschiedene Arten von Lichen ruber: Die häufigste Ausprägungsart ist der Lichen ruber planus mit den flachen Papeln auf der Haut. Der akute Verlauf zeigt sich durch ein ungeordnetes Verteilungsmuster der Bläschen, die einem Hautausschlag ähneln. Da man einen Hautausschlag fachsprachlich auch als Exanthem bezeichnet, lautet der Name des akuten Verlaufs Lichen ruber exanthemicus. Dieser tritt gehäuft bei Einnahme von Goldsalzen, Antimalariamitteln und Beta-Blockern auf. 

Daneben gibt es noch weitere Formen:

  • Bei der Form des Lichen ruber verrucosus zeigen sich vor allem knotige große Papeln an den Unterschenkeln. Diese können unter Umständen auch zu Vernarbungen führen.
  • Der Lichen ruber acuminatus betrifft die behaarte Haut und geht mit mildem Juckreiz und akutem Hautausschlag einher. 
  • Lichen ruber follicularis beschreibt den Befall der Kopfhaut mit vernarbender Tendenz und möglichem Haarausfall.

Befall der Schleimhaut

Sind die Schleimhäute betroffen, spricht man von einem Lichen ruber mucosae. 30 bis 50 Prozent der Patienten mit Knötchenflechte haben einen Befall der Schleimhäute.

Hier sind oftmals sogenannte Wickham-Streifungen zu sehen, diese können auf den Bläschen sein oder auch als einziges Symptom ohne Bläschen auftreten. Auf den Schleimhäuten zeigt sich dann eine weiße streifige Musterung, die bei Berührung nicht abstreifbar ist.

Typische Stellen bei Lichen ruber mucosae sind: 

  • Mund
  • Lippen
  • Zunge
  • Genitalbereich
  • Anus 

Sind ausschließlich die Genital- oder Analregion betroffen, nennt sich das Krankheitsbild Lichen ruber genitalis. Ist nur die Mundschleimhaut befallen, spricht man von einem oralen Lichen planus. Bei dieser Form sollten regelmäßige Kontrollen durch den Arzt erfolgen, da sie sich in eine Krebsvorstufe entwickeln kann. 

Eine ebenfalls die Schleimhäute betreffende Veränderung, die von Lichen ruber abzugrenzen ist, ist die Leukoplakie. Sie entsteht durch chronische Reizung der jeweiligen Stellen, welche zu einer Verhornung und weißer Erscheinung führen. Im Gegensatz zum Lichen ruber jucken sie jedoch nicht und sind schmerzlos. 

Abgrenzung von Lichen ruber – weitere Differentialdiagnosen

Lichen sclerosus et atrophicus – oder auch die Weißfleckenkrankheit – stellt ein eigenes Krankheitsbild dar, das ebenfalls zur Gruppe der chronischen entzündlichen Hautkrankheiten gehört. Die Ursachen sind auch hier nicht bekannt. 

Das Krankheitsbild äußert sich durch erhabene Bläschen, sie haben jedoch einen unregelmäßigen und verhärteten Charakter. Die Hautkrankheit tritt vor allem an der weiblichen Scham, an der Vorhaut des Penis und im Analbereich auf und äußert sich durch Juckreiz, Schmerzen und möglichen Verengungen.

Lichen simplex chronicus beziehungsweise Lichen chronicus vidal, auch bekannt als Neurodermitis circumscripta, ist eine Hauterkrankung mit starkem Juckreiz, die überwiegend Frauen im mittleren Lebensalter betrifft. Hier liegt eine psychische Belastung als Ursache zugrunde. Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu einer chronischen Veränderung der Haut mit Zunahme der Dicke und einer groben Struktur. 

Die Röschenflechte (Pityriasis rosea) ist ein weiteres Krankheitsbild mit akutem Verlauf und einem Hautausschlag, der überwiegend am Körperstamm auftritt. 

Weitere Erkrankungen, die einen ähnlich aussehenden Hautausschlag verursachen können, sind beispielsweise Gürtelrose, Psoriasis (Schuppenflechte) oder Lupus erythematodes. Ein Arzt kann diese Krankheiten aber in der Regel ohne Weiteres von Lichen ruber unterscheiden.

Was kann man gegen Lichen ruber tun?

Die Therapie des Lichen ruber zielt überwiegend auf die Linderung der Symptome ab.  Bei Schleimhautbeteiligung können Mundgele, Haftpasten oder Mundspülungen, die betäubende Wirkstoffe enthalten, helfen, die Schmerzen zu lindern. 

Man sollte darauf achten, Reizungen durch scharfes oder saures Essen, Alkohol und Nikotin möglichst zu vermeiden. Außerdem spielt eine gute Mund- und Zahnhygiene eine wichtige Rolle – zu intensive Zahnpflege kann jedoch das Krankheitsbild verschlechtern. Eine Reizung der Haut durch Kratzen, heißes Wasser beim Duschen oder Ähnliches sollte in jedem Fall vermieden werden. 

Eine weitere Möglichkeit ist die PUVA-Bade- und Creme-Therapie: Es handelt sich dabei um eine lokale Photochemotherapie, also eine Lichttherapie, bei der mit UV A-Bestrahlung und Photosensibilisatoren gearbeitet wird. Photosensibilisatoren – wie beispielsweise Methoxsalen – sind Substanzen, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden und durch Licht aktivierbar sind. Dadurch wird der gewünschte Bereich zugängig für die Lichtwellen des UV A. Dieses Therapieverfahren ist eine gängige Methode bei chronischen Hauterkrankungen. 

Ergänzend zur Lichttherapie, die mehrmals wöchentlich durchgeführt werden kann, können rückfettende Cremes aufgetragen werden, die bestenfalls den quälenden Juckreiz zusätzlich lindern. Hierbei sollte man sich an den Rat des Arztes halten. 

Hausmittel gegen Lichen ruber?

Eine Behandlung mit Hausmitteln wie Leinöl wird derzeit nicht empfohlen, da eine Entzündungsreaktion eventuell gesteigert werden kann. Für Zinksalbe gibt es keinen therapeutischen Nachweis, möglicherweise kann sie beim Auftragen auf stark entzündete Bereiche den Zustand eher verschlechtern.

Was für Medikamente gibt es zur Behandlung von Knötchenflechte?

Lichen ruber lässt sich sowohl lokal (etwa mit den genannten Mundcremes oder äußerlich mit Salben) als auch systemisch (also beispielsweise mit Tabletten) behandeln – dies gilt für die Therapie der Haut und Schleimhaut. 

Lokale (also örtlich angewandte) Salben zur Behandlung der Haut enthalten in der Regel entzündungshemmende Stoffe wie Glucocorticoide. Zur Behandlung des Juckreizes helfen Antihistaminika, ergänzend können auch Arzneimittel aus der Homöopathie hinzugezogen werden. 

Bei schweren Verläufen oder Beteiligung von Haaren und Nägeln sollte eine systemische Therapie erfolgen. Hier gibt es die Möglichkeit, die sogenannten Retinoide, bei denen es sich um Vitamin A Präparate handelt, einzusetzen. Wie bei der lokalen Therapie können Glucocorticoide auch in Tablettenform zum Einsatz kommen, diese dienen der Entzündungshemmung und können zudem den lästigen Juckreiz vermindern. Die lokale Anwendung kann mit sogenannten Okklusivverbänden erfolgen, dabei werden die Wundflächen mit Kunststofffolie dicht abgedeckt.

Schlagen die bisher beschriebenen Therapiemöglichkeiten nicht an, kommt alternativ ein immunsuppressiver (also das Immunsystem unterdrückender) Therapieansatz mit Ciclosporin infrage. Dieses Arzneimittel greift in die Produktion von Abwehrzellen ein und hemmt die Entstehung von Entzündungsstoffen im Körper. 

Ist Lichen ruber heilbar?

Bei einem Großteil der Fälle verläuft der Lichen ruber harmlos und heilt innerhalb von acht bis zwölf Monaten ab (teils sogar ohne Behandlung). Der ausgeprägte Juckreiz kann Betroffene jedoch massiv einschränken und belasten, sodass eine Therapie in jedem Fall erfolgen sollte.

Nach dem Abheilen des Lichen ruber können an den betroffenen Stellen braune Hautveränderungen zurückbleiben oder die Haut zeigt sich ausgedünnt. Rezidive – also ein erneutes Auftreten der Knötchenflechte – sind nicht auszuschließen. 

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 29.11.2019 – Autor: Caroline Stuhlert

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