Eichenprozessionsspinner – wie gefährlich ist die Raupe wirklich?

Eichenprozessionsspinner-Raupen auf einem Baum
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Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, der große Bekanntheit erlangte, weil er für Menschen gefährlich werden kann. Denn die Raupen des unscheinbaren Falters können von leichten Rötungen der Haut und Ausschlag bis zum allergischen Schock viele Symptome auslösen – und das nur durch Berührung ihrer feinen Haare. Wie man sie erkennt, wie gefährlich das Tier wirklich werden kann und was im Ernstfall zu tun ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Eichenprozessionsspinner?

Eichenprozessionsspinner sind Nachtfalter, also eine Unterart der Schmetterlinge. Die ausgewachsenen Falter fliegen zwischen Juli und September und kommen in ganz Deutschland vor. Ihr Nachwuchs, um den es in diesem Artikel besonders gehen wird, schlüpft jede Saison zwischen Anfang April und Anfang Mai aus seinen Eiern und durchläuft anschließend verschiedene Entwicklungsstadien.

Zwischen Mai und Juni bilden die Raupen Brennhaare aus, die verschiedene gesundheitsgefährdende Wirkungen auf den Menschen haben können. Jede einzelne Raupe trägt dabei etwa 700.000 Haare am Körper.

Neben dem Eichenprozessionsspinner treten in Europa auch der Pinienprozessionsspinner und der Kiefernprozessionsspinner auf – beide Arten kommen in Deutschland jedoch nicht vor.

Wie erkennt man Eichenprozessionsspinner?

Eichenprozessionsspinner sind unauffällige grau-braune Nachtfalter und haben eine Flügelspannweite von bis zu drei Zentimetern.

Die bereits erwähnten Raupen des Falters sind an einer dunklen Rückenlinie sowie rotbraunen Warzen zu erkennen. Sehr markant sind außerdem die langen, weißen Brennhaare, die bei Menschen, die damit in Berührung kommen, für gesundheitliche Probleme verantwortlich sein können.

Eichenprozessionsspinner: Nest und Nahaufnahme der Raupe

Eichenprozessionsspinner: Bilder von Nest und Raupe – © iStock.com/marnag, iStock.com/Andreas_Zerndl

Die Nester des Eichenprozessionsspinners befinden sind vor allem in Eichen. Sie zeichnen sich durch dichte weiße Gespinste aus und können unterschiedliche geformt sein, etwa beutelartig oder deckenartig. Auch in ihrer Größe sind sie variabel und können von münzgroßen bis hin zu metergroßen Bauten variieren. Die markanten Nester sind nach kurzer Zeit nicht mehr gut zu erkennen, beherbergen jedoch immer noch die gesundheitsschädlichen weißen Haare.

Wie schaden Eichenprozessionsspinner dem Menschen?

Die bereits erwähnten Brennhaare der Larven brechen sehr leicht ab und können durch Luftströmungen über weite Strecken hinweg fortgetragen werden.

Anschließend bleiben sie beispielsweise an Bäumen haften oder liegen auf den Boden und gelangen so in Berührung mit dem Menschen. Das passiert entweder dadurch, dass ein Mensch eine Stelle direkt berührt, auf der sich die feinen Haare befinden, oder indem die Haare an der Kleidung des Menschen haften bleiben und so in Kontakt mit der Haut des Menschen kommen.

Die Symptome treten also nicht etwa durch Stiche, sondern durch den einfachen Kontakt mit den Haaren des Nachtfalters auf. Auslöser ist dabei das in den Brennhaaren enthaltene Gift Thaumetopoein.

Gesundheitsprobleme verursachen die Brennhaare der Raupen dadurch, dass sie problemlos in die Augen, die oberen Hautschichten und über Mund und Nase in die oberen Atemwege eindringen können. Äußern kann sich das Eindringen der Brennhaare durch verschiedene Symptome.

Wie lange sind die Haare von Eichenprozessionsspinnern gefährlich?

Die Raupenhaare können für die Dauer von Jahren in Sträuchern verbleiben und dem Menschen dadurch schaden. Besonders akut ist die Gefahr jedoch zu der Zeit, in der die Raupen die Brennhaare ausbilden, zwischen Mai und Juni. Zudem können sich zwischen Juli und September die Brennhaare aus den leeren Nestern verbreiten und so weiterhin zu Gesundheitsschäden führen. Aber auch aus alten Nestern können die Haare über das ganze Jahr hinweg Probleme verursachen.

Wann die von den Eichenprozessionsspinnern ausgehende Gefahr vorbei ist, ist demnach schwer zu beantworten, da selbst die Haare von toten Raupen noch Symptome bei dem Menschen auslösen können.

Welche Symptome treten auf?

Die Haare der Raupen können bei Menschen unterschiedliche Beschwerden auslösen, welche die Haut, die Atemwege, die Augen oder andere Bereiche des Körpers betreffen können. im Folgenden stellen wir Ihnen die möglichen Symptome vor.

1. Symptome der Haut durch direkten Kontakt mit den Haaren

Auf der der Haut kann es nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner zu folgenden Anzeichen kommen:

  • Hautausschläge (Raupendermatitis) in Form von insektenstichähnlichen Hautrötungen und leichten Schwellungen (roten Pusteln)
  • Juckreiz und Brennen der betroffenen Stelle
  • Pickel
  • Quaddeln, also juckende angeschwollene Stellen, möglicherweise am ganzen Körper: Besonders betroffen sind dünne Hautpartien, wie beispielsweise am Hals, im Gesicht oder an der Innenseite des Ellenbogens

2. Symptome der Atemwege durch das Einatmen der Haare

Zu den Symptomen der Atemwege gehören:

  • Reizungen am Mund und in der Nase
  • Halsschmerzen
  • schmerzhafter Husten
  • schleimiger Auswurf
  • Asthmaanfälle (bei Menschen, die dazu neigen)

3. Symptome durch das Eindringen der Brennhaare in die Augen

Folgende Beschwerden können im Bereich der Augen auftreten:

  • Bindehautentzündung mit Schmerzen und Juckreiz
  • Rötung der Augen
  • In seltenen Fällen so tiefes Eindringen, dass die Haare mithilfe einer Operation entfernt werden müssen

4. Weitere Symptome

Darüber hinaus kann es noch zu weiteren Symptomen kommen:

Wie lange dauert es, bis der Hautausschlag weg ist?

Innerhalb von acht Stunden nach dem Kontakt mit den Raupenhaaren treten die oben genannten Hautreizungen auf. Bis der Hautausschlag, der auch als Raupendermatitis bezeichnet wird, verschwunden ist, kann es bis zu zwei Wochen dauern.

Auch die anderen Symptome können unbehandelt mehrere Tage bis hin zu mehreren Wochen anhalten.

Kann man allergisch auf die Haare der Raupen reagieren?

Der typische Hautausschlag, der beim Kontakt mit den Haaren der Raupe entsteht, wird von vielen Menschen für eine allergische Reaktion gehalten, ist jedoch eine normale Reaktion auf das Gift. Tatsächlich treten jedoch bei wenigen Menschen beim zweiten Kontakt mit den Haaren der Raupen zusätzlich allergische Reaktionen auf. Beim ersten Kontakt ist das nicht möglich, da das Immunsystem des Körpers zunächst mit dem in den Brennhaaren enthaltenen Gift Thaumetopoein in Kontakt gekommen sein muss, bevor es auf dieses beim nächsten Kontakt mit einer Allergie reagieren kann.

Die allergische Reaktion tritt dabei schnell auf, nämlich innerhalb von einer halben Stunde nach dem Kontakt. Äußern kann sie sich ebenfalls durch Hautrötungen, Quaddeln sowie Juckreiz und Schmerzen der betroffenen Hautstelle. Zudem können heuschnupfenartige Symptome auftreten, die sich durch starkes Niesen und Juckreiz sowie Brennen und Tränen der Augen äußern können. Auch allgemeine Beschwerden, wie die oben genannten, können im Rahmen der allergischen Reaktion auftreten.

Sehr selten kann es auch zu schwerwiegenden Verläufen kommen, die zu Herzrhythmusstörungen oder dem klassischen allergischen Schock führen können. Bei diesem kann es neben flächigen Hautrötungen zu einem massiven Blutdruckabfall des Betroffenen kommen. Atemnot, Schwindel und Schwäche sowie ein beschleunigter Herzschlag sind die Folge.

Kann man durch Eichenprozessionsspinner sterben?

Ein allergischer Schock, wie die Raupenhaare ihn auslösen können, kann potenziell zum Tod führen. Wenn die oben genannten Symptome, also ein flächiger Hautausschlag mit Quaddeln und Juckreiz in Kombination mit Atemnot und Schwindel, auftreten, sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden.

Was tun nach Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern?

Wenn man die Haare der Raupe auf seiner Kleidung sichtet oder in Kontakt mit ihnen oder einem Nest der Eichenprozessionsspinner gekommen ist, empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  1. Getragene Kleidung und Schuhe wechseln. Achten Sie darauf, die getragene Kleidung möglichst draußen und nicht im Wohnbereich auszuziehen.
  2. Kleidung bei 60 °C waschen.
  3. Den Körper inklusive der Haare mit Seife waschen. Vermeiden Sie dabei, dass das Duschwasser in die Augen läuft.
  4. Nicht kratzen, das könnte die Haare in tiefere Hautschichten eindringen lassen.
  5. Wenn die Augen mitbetroffen sind, sollten Sie diese mit Wasser ausspülen.
  6. Nicht mit den Fingern in den Augen reiben.

Was hilft gegen den Ausschlag durch Eichenprozessionsspinner?

Wenn sich bereits Rötungen auf der Haut zeigen, dann empfiehlt es sich, kühlende Kompressen auf die betroffenen Stellen zu legen. Dieses Hausmittel kann den Juckreiz und die möglicherweise auftretenden Schwellungen reduzieren.

Außerdem kann die Behandlung mit kortisonhaltigen Cremes oder Salben helfen, die Beschwerden auf der Haut zu lindern. Solche Cremes, die beispielsweise Hydrocortison enthalten, erhält man rezeptfrei in der Apotheke.

Wenn der Juckreiz sehr stark ist, dann empfiehlt sich die Einnahme von Mitteln, die gegen Allergien helfen, sogenannte Antihistaminika, wie Cetirizin. Auch dieses ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Für die Beschwerden der Atemwege empfehlen sich Atemsprays, die auch bei Asthma Anwendung finden.

Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?

Ein Besuch bei dem*der Hausarzt*Hausärztin empfiehlt sich dann, wenn die Symptome, wie beispielsweise der Juckreiz, stark beeinträchtigen oder auch dann, wenn Betroffene unter Atembeschwerden oder starken Schwellungen leiden. Bei einfachen Rötungen und kleinen Ausschlägen der Haut kann zunächst versucht werden, diese mit den oben genannten Mitteln selbst zu behandeln.

Was tun gegen Eichenprozessionsspinner?

Da von den Faltern eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, werden sie in einigen Gebieten mithilfe von Absaugern und insektenabtötenden Mitteln bekämpft.

Um die Bekämpfung überhaupt erst zu ermöglichen, ist es wichtig, die Sichtung von den gefährlichen Raupen des Falters an ein zuständiges Amt zu melden. Dafür kommen vor allem das Rathaus, das Ordnungsamt, das Gesundheitsamt oder das Grünflächenamt in Betracht.

Eine Meldepflicht hierfür besteht nicht, allerdings kann die Behörde dadurch einem massiven Befall mit Eichenprozessionsspinnern entgegenwirken und andere Bewohner des Ortes vor den Raupen warnen. Die betroffenen Gebiete können so von Anwohnern vermieden werden. Besonders dringend sollte die Sichtung gemeldet werden, wenn die Raupen an öffentlichen Orten, wie beispielsweise auf Spielplätzen oder in Parkanlagen, vorgefunden wurden. Keinesfalls sollten Sie versuchen, ein Nest mit den Raupen der Eichenprozessionsspinner selbst zu entfernen – überlassen Sie die Bekämpfung unbedingt Fachleuten.

Aktualisiert: 19.07.2021 - Autor: Silvana Schönit, Studentin der Humanmedizin

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